Merkur 09.10.2016
Über diese Traueranzeige spricht die halbe Stadt
Zwei Jahre lang plante Wilhelm T. seine Beerdigung: Seit er in Erwägung zog, dass der Krebs ihn besiegen könnte.
Zwei Jahre lang plante Wilhelm T. seine Beerdigung: Seit er in Erwägung zog, dass der Krebs ihn besiegen könnte. „Dr. Zoze“, wie der Geschäftsführer des FKK-Saunaclubs Hawaii in Ingolstadt von den Freunden und Angehörigen genannt wurde, starb am Mittwoch im Alter von 62 Jahren. Die Trauer um den vierfachen Familienvater ist groß. Aber die Traueranzeige, die er selbst gestaltete und die von einem Beerdigungsinstitut in der tz und im Münchner Merkur veröffentlicht wurde, will keine Tränen zulassen.
Über diese Anzeige redet die halbe Stadt. Dr. Zoze zeigt sich in der Annonce so, wie er es mochte und wie er lebte: offen, lachend nach vorne blickend vor dem Hintergrund eines Himmels in Pink. Ein wunderschöner Sonnenuntergang am Palmenstrand.
Wilhelm Tsiotsios kam in München zur Welt, mit Fleiß arbeitete er sich nach oben. Den stylischen Saunaclub Hawaii eröffnete er vor neun Jahren an der Autobahnausfahrt Süd in Ingolstadt. Das Konzept ging auf, Dr. Zozes Club wurde sehr beliebt.
Er plante gerne voraus – „deswegen kümmerte er sich seit zwei Jahren auch um seine Beerdigung“, erinnert sich seine Ehefrau Diana, mit der der Verstorbene 20 Jahre zusammen war, davon zuletzt zwölf Jahre als Ehepaar. Sie erzählt auch davon, dass es am Donnerstag am Münchner Ostfriedhof eine Feier werden soll, bei der sich die Gäste mit positiven Gefühlen von dem Verstorbenen verabschieden sollen. „Er wollte keine Trauer.“
Die Musik steht ebenfalls, „er liebte ja jede Richtung“. Doch es soll eine Überraschung bleiben, was gespielt wird. Der Dresscode steht dagegen – nicht Schwarz, sondern in Rot-Weiß (was übrigens nichts mit dem FC Bayern zu tun hat) sollen die Gäste kommen. „Das“, so heißt es in der Traueranzeige, „war sein letzter Wunsch.“
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Merkur 11.10.2016
Wegen seines Tods bleibt der FKK-Club am Donnerstag zu
Sein Tod und die passende Traueranzeige sind Gesprächsthema in Ingolstadt. Wegen des Tods von "Dr. Zoze" bleibt nun sein FKK-Club an einem Tag geschlossen.
Sie nannten ihn nur "Dr. Zoze": Wilhelm T. war in der Szene in Ingolstadt bekannt. Und viele fühlten mit ihm. Der Mann mit den auffälligen Tattoos litt jahrelang unter Krebs. Am Ende plante er zwei Jahre lang seine Beerdigung - und bereitete auch seine eigene Traueranzeige vor, die von einem Beerdigungsinstitut in der tz und im Münchner Merkur veröffentlicht wurde.
Sein Tod im Alter von 62 Jahren und die Traueranzeige mit pinkem Himmel und Palmen sind bei vielen Ingolstädtern Gesprächsthema. Zudem wurde unser vorheriger Artikel bei Facebook viele Dutzend Mal geteilt. Denn der Verstorbene hatte keineswegs einen normalen Job: Er betrieb den FKK-Club Hawaii direkt an einer Autobahnausfahrt in Ingolstadt.
Dieser bleibt am kommenden Donnerstag geschlossen, wie es auf der Facebook-Seite heißt. "Am Freitag, den 14.10. gelten wieder unsere normalen Öffnungszeiten. Wir bitten um Verständnis." Grund ist vermutlich die Beerdigung. Diese findet laut Traueranzeige am Donnerstag in München statt. Die Trauergäste dort sollen auch seinem Wunsch entsprechen: Sie sollen rot-weiße Kleidung tragen und von grüner und schwarzer absehen.
Bei den Usern von tz.de fallen die Reaktionen auf die ungewöhnliche Anzeige gemischt aus. "Als gesellschaftliches Vorbild taugte er daher vermutlich nicht", schreibt User "Giesing".
Nutzer "Imagestyle" hingegen findet die Inszenierung gut: "Den eigenen Abgang, nebst Beerdigung zu inszenieren ist allemal besser, als es dann den 'trauernden' Angehörigen oder Erben zu überlassen, welche eventuell mit eigenen Worten eine andere Sichtweise einnehmen würden. 'In Liebe und tiefer Trauer' selbst geschrieben, erübrigt sodann auch die wahren Tränen, die vielleicht niemals geflossen wären."
Nutzer Moosacher81 hingegen hält sich knapp und schreibt - unklar, ob er ihn kannte oder nicht - einen Kommentar, der dem Verstorbenen gefallen hätte: "Zoze R.I.P".
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