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Berlin (Charlottenburg)
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Vorwort

#2

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BZ 17.08.2005
All inclusive - nur Sex kostet extra

Viel Verkehr war hier schon immer - im wahrsten Sinne des Wortes. Ab Mitte September kommt wohl noch etwas mehr dazu: Im Industriegebiet an der Halenseestraße 32, in unmittelbarer Nähe von ICC, Messegelände und Autobahndreieck Funkturm, eröffnet ein Bordell der besonderen Art - ein viergeschossiger "FKK-Wellness-Club mit Bordellmöglichkeit", so heißt das Ganze offiziell. Die Betreiber-Gesellschaft nennt sich "Artemis" nach der griechischen Göttin der Jagd. Wer den Fünf-Millionen-Euro-Bau bezahlt, bleibt jedoch geheim. Mit der Öffentlichkeitsarbeit wurde der Anwalt Norman Jacob betraut, dieser sagt: "Es ist ein Kaufmann, der Geld investieren will. Mit Rotlicht hat der nichts zu tun."Platz für 600 BesucherWeil der Begriff "FKK-Wellness-Club mit Bordellmöglichkeit" viel Raum für Spekulationen lässt, setzt Norman Jacob auf Transparenz und lädt Interessierte gern zur Besichtigung des Etablissements ein. Bereitwillig führt er die einzelnen Bereiche vor - Duschen, Sauna, Pool, Kino und separate Zimmer. Er verweist auf den gehobenen Anspruch: Die technischen Anlagen seien nach neuestem Standard gebaut und die bunten Wände von Malern per Hand verziert worden.Was sich später hinter der hellen Fassade der umgebauten Lagerhalle abspielen wird, erklärt Jacob so: Gegen einen nicht gerade geringen Preis ("aber deutlich unter 100 Euro") könnten Männer das Haus betreten und alle Angebote gratis nutzen - Hamam, Sauna, Pool, Massagen oder Solarium. Auch Essen und Trinken sind gratis. Eintritt müssten auch die Prostituierten zahlen (die nicht im Artemis beschäftigt werden) - dafür aber können sie dann selbst Geld verdienen. Wie viel - das sei Verhandlungssache, so Jacob. "Und was sie tun, ist ihnen überlassen." Insgesamt bietet das Artemis Platz für 600 Männer und bis zu 100 Frauen. Ganz wichtig: Alkohol ist im Artemis tabu. "Der macht Männer aggressiv und Frauen hysterisch", sagt der Anwalt.Norman Jacob ist sicher, dass dieses Novum auf dem Berliner Markt gut ankommt. "Unsere Zielgruppe sind Männer, die zu einer Prostituierten gehen wollen, aber nicht gern ins Bordell wollen. Und die Wert auf Sauberkeit legen und auf Alkohol verzichten können." Möglicherweise würde auch eine neue Zielgruppe erschlossen - Männer, die sich bislang nicht in herkömmliche Bordelle trauten.Beim Bundesverband für Sexuelle Dienstleistungen (BSD), den Prostituierte und Inhaber bordellartiger Betriebe vor drei Jahren in Berlin gegründet haben, steht man Artemis mit gemischten Gefühlen gegenüber. "Natürlich entsprechen solche Großeinrichtungen dem Zeitgeist", sagt Stephanie Klee vom Verband. "Es gibt große Hotels, warum also nicht auch große Bordelle?" Und ganz sicher würden viele Männer solche Rund-um-Angebote schätzen. Klee befürchtet allerdings, dass kleinere Bordelle auf Dauer durch solche Großeinrichtungen verdrängt werden.Keine Bedenken hat indes Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD). "Warum auch? Wenn die Aussagen stimmen und täglich fünf Millionen Männer in solche Einrichtungen gehen, besteht ja offenbar Bedarf dafür - sonst würde der unbekannte Investor ja nicht so viel Geld investieren." Im Übrigen sei Prostitution ja nicht mehr sittenwidrig - und ein solcher Bau im Industriegebiet durchaus zulässig.
Kunst am Bau: Zehn Maler sind derzeit dabei, an den Wänden von Fluren und Zimmern des "Artemis" für passend lustvolle Motive zu sorgen.
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Der Maler

#3

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BZB 26.09.2005
Ich male die Mädchen vom Sex-Sterne-Hotel

Erotik-Künstler Lutz Brandt schwingt den Pinsel im neuen Luxus-Bordell , Ich male die Mädchen vom Sex-Sterne-Hotel.

Er streift ihre Hüfte, geht schwungvoll über den Bauchnabel und vorsichtig an den Brüsten entlang. Mit seinem Pinsel. Der Berliner Lutz Brandt (56) ist der Maler, der die erotischen Frauen-Bilder für das Großbordell Artemis schuf.

„Die Arbeit im Artemis war Neuland“, sagt der Künstler, dessen Werke halb Berlin zieren. „Erotische Bilder habe ich bisher nie gemalt.“ Statt dessen hat Brandt unter anderem 1992 den deutschen Pavillon für die Weltausstellung in Sevilla mitgestaltet, Plakate für Dussmann und die Wall AG gezeichnet, das Vorhangbild für das Chamäleon-Varieté entworfen, die Bilder im Bahnhof Wittenbergplatz gemalt.

„Das Artemis ist ja kein Jugendclub“

Berührungsängste mit dem Freudenhaus gab es deshalb nicht. „Es war ein ganz normaler Auftrag, den ich ohne zu zögern angenommen habe. Es hat richtig Spaß gemacht, den Liebestempel zu gestalten.“ Dabei hat Brandt darauf geachtet, daß die Farben eine intime Stimmung erzeugen und die Reize der gemalten Frauen zur Geltung kommen. Sein Sex-Sterne-Fazit: „Das Artemis ist ja kein Jugendclub.“
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Eröffnung

#4

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BZ 28.09.2005
Ein neuer Puff mit Pool

Bislang haben die Mitarbeiter des Reifendienstes Pneuhage an der Halenseestraße in Wilmersdorf einen verhältnismäßig ruhigen Arbeitsplatz. Doch das dürfte sich ändern: In einer umgebauten Lagerhalle gleich hinter dem Reifendienst öffnet morgen das Artemis - ein "FKK-Wellness-Klub mit Bordellmöglichkeit", wie es offiziell heißt. Mit dem Namen ist eigentlich schon alles gesagt: Die männlichen Gäste des behindertengerecht ausgestatteten Hauses können hier saunieren, schwimmen, sich massieren lassen, das Solarium besuchen - und in einem der 60 extra dafür bereitgestellten Zimmer Sex mit Prostituierten haben.Das Artemis ist zurzeit das am meisten beachtete Bordell in Berlin. Erstens, weil die Betreiber möglichst viel Transparenz an den Tag legen; zweitens, weil es einen solchen Club bislang nicht gab in Berlin. Und weil Publicity ja nie schaden kann, laden die Betreiber bereitwillig zur Vorbesichtigung, zeigen die kunstvoll verzierten Zimmer, den Swimmingpool, die Saunen, lassen Stoffe befühlen und loben die hochwertige Ausstattung des Hauses. Und sie erklären freizügig, wie das Artemis funktioniert: Für 70 Euro Eintritt können die Herren wenige Schritte hinter dem Eingang ihre Garderobe gegen einen Bademantel tauschen und von da an alle Angebote des Hauses nutzen, Essen und Trinken inklusive. Das Gleiche gilt für die Huren - mit einem Unterschied. "Wir lassen uns von ihnen eine Steuernummer zeigen und - falls nötig - eine Arbeitserlaubnis", sagt Rechtsanwalt Jan Paulsen, der den Investor vertritt, einen deutschen Kaufmann türkischer Herkunft.Wie Männer und Frauen dann Kontakt aufnehmen und was genau sie tun, ist ihre Sache - und eine Frage der Verhandlung und des Preises. Eines allerdings ist wichtig: "Drogen sind im Haus verboten", sagt Paulsen. Wer erwischt wird, werde angezeigt und bekomme Hausverbot. Auch auf den Ausschank von Alkohol werde verzichtet. Einzige Ausnahme: Auf die Zimmer kann schon mal eine Flasche Champagner mitgenommen werden. Der solle allerdings so teuer sein, dass sich, so hoffe er, der Verzehr in Grenzen hält.Fünf Millionen Euro hat der Investor in das Artemis gesteckt - und alle Beteiligten sind sicher, dass sich das rentiert. Anfangs werden etwa 200 bis 300 Männer pro Tag erwartet, sagt Personalmanagerin Rosi Schneider, die sich um "die Mädchen kümmern" wird, wie sie sie nennt. "Die ersten waren auch schon da und haben sich alles angeschaut. Es hat ihnen sehr gefallen." Offenbar ein fachkundiges Urteil.
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Vorstellung GL

#5

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BZB 02.10.2005
Warum eröffnet ein treuer Familienvater ein Bordell in Berlin?

Zum ersten Mal spricht der geheimnisvolle Chef des neueröffneten Lust-Tempels , Warum eröffnet ein treuer Familienvater (3 Kinder) ein Bordell in Berlin?

Der Chef des neuen Sex-Sterne-Hotels „Artemis“ im feinen Grunewald. Wer ist dieser Mann, der sich bislang geheimnisvoll im Hintergrund hält? Die B.Z. am Sonntag lüftet das Geheimnis. Der Chef des Bordells ist der türkische Geschäftsmann Kenan Simsek (41). Eigentlich ein treuer Familienmensch: „Ich bin verheiratet und habe drei Kinder, die noch zur Schule gehen. Das ist auch der Grund dafür, daß ich mich lieber aus der Öffentlichkeit zurückhalte.“

Bisher hatte Simsek, der aus Würzburg kommt, nichts mit dem Sex-Geschäft zu tun. Statt dessen betrieb er in Bayern mehrere Spielcasinos. „Als die Prostitution legalisiert wurde, habe ich den Entschluß gefaßt, auch in dieser Branche Fuß zu fassen.

Konkurrenz droht mit Ärger

Die Berliner Rotlicht- Konkurrenz ist sauer über das „Saubermann-Image“ von Kenan Simsek, der sich in der Szene nicht vorgestellt haben soll. Es ist auch die Rede davon, daß die Artemis-Leute versucht haben sollen, Prostituierte aus anderen Bordellen abzuwerben.

Schon vor drei Jahren hat Simsek die Pläne zum „Artemis“ entworfen. Doch die Berliner Behördenmühle brauchte lange. „Uns wurde hier nichts geschenkt. Wenn andere eine Auflage erfüllen mußten, dann mußten wir zwei erfüllen. Rund 1,5 Jahren haben wir gebraucht, bis alle Genehmigungen erteilt waren“, so Simsek. Sowohl dem Finanzamt als auch dem Landeskriminalamt mußte er alle Papiere offenlegen. Jeder Investor wurde benannt. „Wir haben in das Haus rund fünf Millionen Euro investiert. Die Summe habe ich natürlich nicht allen aufgebracht.“ Letztendlich erteilte der Baustadtrat von Charlottenburg/Wilmersdorf, Klaus Dieter Gröhler (eher bekannt als Bordell-Gegner) die Baugenehmigung.

Und wie läuft der Laden seit der Eröffnung? Simsek: „Vier Tage hat das Artemis jetzt geöffnet und der Besucheransturm ist riesig.“ Und unter den Gästen waren bestimmt nicht nur treue Familienväter…
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Einblicke

#6

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BZ 10.11.2005
Der Klub Artemis, das größte Bordell Berlins

So richtig zufrieden kann Haki Simsek mit seinem Geschäft nicht sein. Er sagt es deutlich, "Berlin ist zwanzig Jahre zurück." Er spricht von Marktanalysen, Potenzial und Bilanzen und wenn man ihn so reden hört, muss man ihm glauben, dass er den Verkauf von Sex für ein ganz normales Geschäft hält.

Haki Simsek betreibt das größte Bordell von Berlin, "so etwas finden sie in ganz Europa nicht". Der Klub Artemis, der seit einem Monat im Stadtteil Charlottenburg auf Kunden wartet, würde auf vier Etagen siebzig Frauen und hunderten Besuchern am Tag Platz bieten, aber noch ist die Nachfrage gering. Simsek sagt, "das kommt noch", sein Haus sei ja nun nicht nur das größte, sondern auch das modernste Bordell der Stadt.

Nur, was ist modern in einem Geschäft, dessen Grundlage sich seit tausenden von Jahren nicht verändert hat? Womöglich liegt ein Schlüssel dazu in der Formulierung.Es macht einen Unterschied, ob man sagt, Männer bezahlen Frauen für Sex - oder, Frauen lassen Männer für Sex bezahlen. Subjekt oder Objekt, die Grenzen in diesem Geschäft sind stets neu zu definieren.Was Simsek "Wellness-Bordell" nennt, ist eine Kombination aus Spaßbad, Fitnesscenter, Sanatorium, Nachtbar und Puff. Alkohol gibt es bei ihm nicht, "weil Alkohol Männer aggressiv macht und Frauen hysterisch".

Das Haus ist behindertengerecht gestaltet, sagt Simsek. Vom Empfang, an dem eine Hostess in schwarzem Rock und weißer Bluse die Schlüssel verteilt, führt ein Fahrstuhl in die Umkleideräume. Drinnen trägt man Bademantel, oder nichts. Im Souterrain gibt es noch ein kleines Pornokino mit anliegenden Kojen. An alles ist gedacht. Simsek sagt, "einige unserer Kunden haben Potenzprobleme".Der Chef, um die Vierzig, kräftig gebaut und gern im gedeckten Anzug, ist aus Würzburg nach Berlin gekommen. Sein Vermögen hat er mit Spielcasinos gemacht. "Mein halbes Leben bin ich auf der Straße", sagt er. "Wissen Sie, Geld ist etwas dreckiges." Er habe sich entschlossen, sauber zu bleiben.

"Ich habe Konzessionen für alles mögliche, ich zahle Steuern."

Fünf Millionen Euro hat der türkische Geschäftsmann ausgegeben, um eine frühere Lagerhalle an der Stadtautobahn zu diesem Dienstleistungsbetrieb umzubauen. "Ich habe vierzig Stellen geschaffen, ich habe Konzessionen für alles mögliche, ich zahle Steuern. Ich werde beweisen, dass man so einen Laden ohne Zuhälter führen kann." Im Artemis zahlen die Prostituierten Eintritt, siebzig Euro, genau wie die Männer. Dafür können sie in den Zimmern, die Haki Simsek einrichten ließ, ihrer Arbeit nachgehen.Die Spätschicht kommt um zwei Uhr nachmittags zum Frühstück.

Die Frauen nennen sie sich Valentina, Kati, Janine, Anka. Alle sind blond, Kati hat grüne Augen und ein rundes Mädchengesicht. Sie sitzt allein, hält die Schultern gerade und schneidet ein Brötchen auf. Sie bewegt sich, als trüge sie ein Business-Kostüm, dabei hat sie nichts an. Ihr Arbeitskleid ist die nackte Haut."Kann mir jemand sagen, wo ich einen Optiker finde", fragt Kati, "ich muss in die Stadt, Kontaktlinsen besorgen."

Die Frauen sind auch nicht von hier. Ein Gast am Nebentisch kann helfen. Er kommt aus Köln, ist aber öfter in Berlin. Der Mann, Ende Dreißig, hält Referate in Volkswirtschaftslehre. Vor seinem nächsten Termin habe er sich ein paar Stunden freischlagen können, wie er sagt. Erst war er schwimmen, danach hatte er Geschlechtsverkehr und nun sitzt er in einem gelben Bademantel und mit blauen Gummilatschen in der Kantine und gönnt sich eine Zwischenmahlzeit. Spiegeleier und Speck. Verpflegung ist im Eintrittspreis inbegriffen, der "entgeltliche Geschlechtsverkehr", wie es korrekt heißt, kostet extra und ist direkt an die Prostituierten zu entrichten. Sie arbeiten auf eigene Rechnung. Anders als in der Branche üblich, wo die Hälfte jedes Lohnes an den Bordellbesitzer geht.Ein zentraler Bordellbetrieb wie das Artemis hat in Berlin keine Tradition.

In der Stadt ohne Sperrbezirk gibt es in jedem Viertel einen Puff, insgesamt vielleicht siebenhundert. Der Berliner bleibt in seinem Kiez. Dennoch sieht der Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen, eine Interessenvertretung der Bordellbetriebe, Veränderungen heraufziehen. "Es wird eine Entwicklung wie bei den Tante-Emma-Läden geben", sagt Karolina Leppert, die in Berlin ein Domina-Studio betreibt, "die Kleinen müssen sehen, wo sie ihre Nische finden."

Seit vor drei Jahren mit der Verabschiedung des Prostitutionsgesetzes das Geschäft mit dem Sex als gesellschaftliche Realität anerkannt wurde, sei ein neuer Typ von Bordellbetreibern zu bemerken, sagt Katharina Cetin von Hydra, der Beratungsstelle für Prostituierte. "Das sind der Bauingenieur oder die Lehrerin, die nun in diesem Geschäft Geld verdienen wollen." Die hygienischen Verhältnisse im Artemis nennt sie außergewöhnlich. Ob das Haus für die Frauen tatsächlich Vorteile bringt, werde die Praxis zeigen.Bei den vielen Frauen, die in dem Klub arbeiten, herrsche untereinander ein hoher Konkurrenzdruck.

"Die Stadt ist arm, hier gibt es keine Puffkultur wie in Frankfurt"

Was den Erfolg so eines Großbordells in Berlin betrifft, ist Frau Cetin eher skeptisch. "Die Stadt ist arm, hier gibt es keine Puffkultur wie in Frankfurt, wo Geschäftsabschlüsse auch mal im Bordell gefeiert werden."Jede der Frauen im Artemis hat ihren Grund dort zu sein. Valentina aus Vilnius, gelernte Köchin, möchte in Deutschland Geld verdienen. Anka aus Polen, Schneiderin, ist alleinerziehende Mutter, ohne Unterstützung. Janine aus Berlin, ohne Berufsabschluss, arbeitete auf einem Pferdehof in Norddeutschland. Sie wollte zurück nach Berlin und hat nur einen Teilzeitjob gefunden. "Ich weiß, wie es ist, wenn man arm ist", sagt sie, "meine Mutter kriegt Hartz IV."

Janine prostituiert sich, um ihre Rechnungen bezahlen zu können. Ihr Freund ist dagegen. Seit sie Sex verkauft, hat sie selbst kaum noch Sex. "Aber ich mache das jetzt weiter, solange ich ordentlich davon leben kann."Tina ist vor zwei Tagen aus Köln hier angekommen. In der vierten Etage des Artemis können Frauen, die nicht in Berlin leben, auch wohnen. Viele Prostituierte sind ständig unterwegs in Deutschland. Angebote finden sie in der Zeitschrift "Heim & Welt", der Kontaktbörse für reisende Prostituierte.

Eigentlich stammt Tina, einunddreißig und gelernte Bürokauffrau, aus Prag. In ihrem jetzigen Job arbeitet sie seit zwei Jahren. Tina macht bei Birgit an der Sportbar Pause. Birgit ist fünfundvierzig und hat in der DDR Facharbeiterin für Lagerwirtschaft und Umschlagprozesse gelernt. Bis zur Wende war sie im Betonwerk, dann arbeitete sie bei einer Hausverwaltung und später im Kaufhof. Ab Oktober wäre sie arbeitslos gewesen. Sie hat sich auf eine Annonce beworben und nun ist sie im Artemis. Sie schenkt hier nur die Getränke aus und ist von ihrem Arbeitsplatz angetan "Das Flair, das Nette, es ist ganz reizend."Und Tina? "Wer Geld verdienen will, verdient Geld", sagt sie. Eine halbe Stunde kostet sechzig Euro. Tina ist von der Frühschicht geblieben, sie hat noch ein paar Stunden rangehängt. Die Frauen müssen Geduld haben. Tina sagt, die Männer in Berlin sind zu schüchtern." Andere wiederum sagen, sie seien verklemmt - oder schlecht gelaunt.

Etwa tausend Euro im Monat gibt er in solchen Klubs aus

An der Bar lehnt ein Mann - "schreiben Sie ein Herr aus dem Ruhrgebiet" - der nicht verklemmt ist. Er geht seit zehn Jahren in Saunaclubs. "Nicht nur wegen Sex, ich suche die Kommunikation." Es seien Freundschaften entstanden, die auch draußen gehalten haben." Freundschaften mit anderen Besuchern. Der Mann sagt, er sei Junggeselle, "sonst wäre ich nicht hier." Etwa tausend Euro im Monat gibt er in solchen Klubs aus. "Wenn Sie bedenken, was mich eine Frau mit zwei Blagen kosten würde..." Der Herr aus dem Ruhrgebiet - "schreiben Sie an die vierzig" - kommt manchmal nur zum Gucken. "Es muss nicht sein, dass ich ein Zimmer mache." Gestern allerdings hat er zwei Zimmer gemacht, "es war top".

Für einen Puffgänger wie ihn sei es schwer, eine Partnerbeziehung aufzubauen. "Man gibt sich nicht mehr soviel Mühe."Die Arbeitszimmer liegen in der dritten Etage, jedes ist anders eingerichtet. Es gibt das griechische Zimmer, das spanische, das römische und so weiter. Es gibt dutzende Zimmer, doch die meisten sind leer.Polizeioberrat Reppmann vom Abschnitt 25, in dem das Artemis liegt, war alles andere als begeistert, dass in seinem Verantwortungsbereich das größte Bordell Berlins entsteht. Er ist im Bauamt Charlottenburg dagegen Sturm gelaufen, allerdings erfolglos. Stadtrat Klaus Dieter Gröhler, der als Bordell-Gegner bekannt ist, sagt, "baurechtlich ist Herr Simsek auf der sicheren Seite". Gegen ein Bordell im Gewerbegebiet sei juristisch nichts einzuwenden. Und nun, da es existiert, kann auch die Polizei damit leben. "Es ist erstaunlich ruhig", sagt Wolfgang Reppmann, "wir hatten noch nicht einen Funkwageneinsatz.

"Wenn in den Büros Feierabend ist, wird es im Artemis etwas voller. Die meisten Gäste sind grauhaarig. Angelika sagt, "ich bin nicht mehr in dem Alter, wo ich rot werde, wenn ich einen nackten Mann in der Dusche sehe." Sie ist noch in der Probezeit. Angelika aus Bernau arbeitet als Reinigungskraft im Artemis. Vorher war sie Putzfrau in der Sparkasse, dort verlor sie ihren Job, als sie eine Schmerztherapie begann. Eine Zeit lang war sie berufsunfähig, jetzt muss es wieder gehen. Wenn man fünfzig ist, bleibt nicht viel. Sie bekommt Stundenlohn, an den Tarif angepasst, Schicht- und Feiertagszuschläge werden auch gezahlt. Alle halbe Stunde macht sie ihre Runde durchs Haus, sie sammelt nasse Handtücher und Bademäntel ein, leert die Papierkörbe und sorgt dafür, dass überall genug Küchenrollen bereit liegen. Die Küchenrolle ist das wichtigste Utensil im Bordell. Hunderte Meter Wischpapier werden am Tag verbraucht.Im Erdgeschoss laufen drei industrielle Waschmaschinen und zwei Trockner ununterbrochen. Bei sechzig Grad löst sich jeder Rückstand an Körperflüssigkeiten auf.

Über die Arbeit wird nicht gern geredet

Mit den Männern hat Angelika ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. "Einige von denen entschuldigen sich fast, dass sie hier sind. Neulich hatten wir einen, dessen Frau an Krebs gestorben war, ach Gott, der tat mir Leid." Dann gebe es aber auch jene, die aus der Kabine ihre Frau anriefen, um ihnen mitzuteilen, dass es später werde. "Schatzi, du brauchst nicht zu warten, so diese Tour." Wie alle Reinigungskräfte trägt Angelika weiße Baumwollkleidung und erinnert so an eine Rettungssanitäterin. Man nennt sie die Weißen Engel. Gegen acht treffen sich die Frauen der Spätschicht zum Abendessen. Es gibt Kalbsbraten mit Kartoffeln und Broccoli.

Über die Arbeit wird nicht gern geredet. Kati sagt, "mein Höchstes hier waren mal neun Gäste, meine Freundin hatte einundzwanzig, aber in zwei Schichten. Die lässt sich komplett operieren, für 15 000 Euro in der Türkei. Das würde ich nie machen." Kati erzählt, dass sie von Beruf Notarfachangestellte ist. In einem Klub in Süddeutschland hat sie begonnen, sich etwas dazuzuverdienen. "Ich wollte das einen Monat machen", sagt sie. Bald ein Jahr ist das nun her. Kati ist dreiundzwanzig. "Fünf Jahre noch", sagt sie, "und dann habe ich meinen eigenen Kosmetiksalon." Auch diese Illusion ist tausend Jahre alt.Eines haben Haki Simsek und die Frauen im Artemis gemeinsam - was sie wirklich in diesem Geschäft verdienen, bleibt ihr Geheimnis.
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Charlie Hebdo

#7

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BZ 23.05.2006
Charlie Hebdo

Der gigantische Wellness-Puff "Artemis", der im Herbst 2005 in einer Lagerhalle nahe dem Berliner ICC eröffnet wurde, sorgt in Frankreich für Schlagzeilen. Das Magazin Nouvel Observateur widmete ihm ein sogar ganzes Dossier, "Artemis" wurde Sinnbild für Prostitution und Frauenhandel während der WM. Das Pariser Satireblatt Charlie Hebdo bringt in der jüngsten Ausgabe eine "Reportage aus dem Mega-Bordell" - in Comicform gebracht von der Zeichnerin Catherine. Es ist ein ebenso lustiger wie ernüchternder Bericht. Der Korrespondent streift sich Bademantel und Schließfacharmband über, betritt den Barbereich im Erdgeschoss (Bild 1) und dort eine der Video- Ecken (2). Ein Film mit einer einzigen, quälend langen Kameraeinstellung. Er endet mit der Nahaufnahme einer Brustwarze - "Buñuel hätte es nicht besser gekonnt" (3). "Die wenigen Zuschauer sind ruhig; plötzlich ein Orgasmus-Schrei hinter mir!" (4) "Daneben. Ein Kunde stemmt Hanteln im Kraftraum" (5). Im Schwimmbad- und Sauna-Bereich weiß eine französische Hure, dass "Le Monde einen großen Artikel brachte - "bist Du auch Journalist?" Wie es weitergeht, ist nachzulesen in Nr. 725 von Charlie Hebdo.
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Übersetzter Artikel 🇩🇪 CH 10.05.2006
Weltmeisterschaft 2006: Das Recht auf Huren

Charlie fragte sich, was an Artemis so außergewöhnlich war, dass es einen solchen Hype auslöste. Letztendlich ist dieses Mega-Bordell, das als WM-Bordell bezeichnet wird, nur ein weiteres legales Lagerhaus in Deutschland, das den Rohstoff für die Sexindustrie lagert.

Sie sind der hundertzehnte Journalist, der Artemis besucht. Es ist fantastisch: Arbeiter und Kunden aus aller Welt kommen zu uns, ohne dass wir Werbung machen müssen!, freut sich Egbert Krumeich. Der Betreiber des berühmten Bordells, das das tradierte Privileg des dominanten, heterosexuellen, sexistischen Mannes pflegt: Frauen, zumindest diejenigen, die sich dort nicht verkaufen, haben von 11 bis 5 Uhr morgens Hausverbot.

Ein gelungener Medien-Stunt dieses seit September 2005 in Charlottenburg eröffneten Pantheons der Fälschungen, das nicht erst mit der Fußball-Weltmeisterschaft sein Messegeschäft ankurbelte. Das nahegelegene Messezentrum sichert ihm eine vielfältige Kundschaft, und es plant bereits, in den Großstädten des Landes Nachahmer zu finden. In weniger als sieben Monaten und bei 200 bis 250 Kunden pro Tag haben sich die 6,4 Millionen Euro, die die deutsche Investmentgesellschaft Artemis GmbH investiert hat, amortisiert.

Wie in den Niederlanden hat die Legalisierung der Prostitution auch in Deutschland Zuhälter zu angesehenen und extrem wohlhabenden Geschäftsleuten gemacht. Sie hat zudem ein von der Weltwirtschaft unterstütztes Geschäft institutionalisiert. UN, IWF und Weltbank bestätigen, dass in Zeiten des Freihandels und der Versöhnung mit libertärem und freizeitlichem Konsum nichts vielversprechender ist als die Sexindustrie, um Beschäftigung, BIP und Wachstum eines Landes anzukurbeln. Eine Industrie, die von der Prostitution des Körpers angetrieben wird – gleichzeitig Rohstoff, Arbeit, Endprodukt und Währung. Wiederverwendbar, formbar, wegwerfbar.

Ich bringe ihnen bei, sich zu verkaufen“, sagt mein Freund Krumeich, „es ist ein Job wie jeder andere, der viel besser bezahlt wird als jeder andere.“ Aber mit seinen Kindern redet er lieber nicht darüber. Wir kennen das: ein ganz normaler Job. Außer meiner Mutter, meiner Tochter und meiner Schwester. Ich rekrutiere Mädchen aller Art: jung, alt, dick, dünn, aller Nationalitäten. Gutes, etikettiertes, vielfältiges Fleisch, Tag und Nacht für hungrige Fleischesser verfügbar. Völlig legal.

Man muss verstehen, dass wir in Deutschland nicht mehr über die gewählte Prostitution diskutieren, betont Ulrike Helwerth vom Frauenrat, sondern über die Zwangsprostitution. Viel Erfolg! Frauen für nur vier Wochen zu schmuggeln, sei für Menschenhändler absolut unrentabel, erklärt die Präsidentin des Vereins Ban Ying, der Opfern von Menschenhandel hilft. Das bedeutet, dass der Prostituiertenstaubsauger bei der WM wahllos sowohl gewählte als auch gezwungene Frauen treffen wird.

Nichtselektive Sortierung

Zumal die deutschen Behörden mitunter merkwürdige Ideen zur Bekämpfung der illegalen Prostitution haben. Der im März 2005 vom Kooperationsminister veröffentlichte, in russischer Sprache verfasste und für ukrainische Frauen, die sich in Deutschland prostituieren möchten, gedachte Frauenreiseführer war gelinde gesagt zweideutig: Um den Aufwand der grünen Grenze zu vermeiden, empfahl er Gebiete ohne Grenzposten.

Im Kölner Pascha, Europas größtem Bordell, wurden im April 2005 23 afrikanische Frauen festgenommen, darunter vier illegal eingereiste Minderjährige. Ein Jahr zuvor waren dort bereits zwei 14-jährige Mädchen angetroffen worden. Der Besitzer zeigte sich nie besorgt. Und der Ton seiner Ausschreibung zur Anwerbung der 250 Mädchen, die er für die WM braucht, lässt einige Schnitzer vermuten: Bei uns gibt es sofort Geld zu verdienen, einen Arbeitsvertrag und eine Lohnsteuerkarte. Um in Deutschland arbeiten zu können, ist eine Adresse erforderlich. Bordelle dienen daher als Aufenthaltsform und ermöglichen die Erlangung einer Arbeitserlaubnis.

Studien zu den Auswirkungen der Legalisierung auf das Prostitutionssystem in Australien, den Niederlanden und Deutschland kommen zu den gleichen Ergebnissen: Die Legalisierung führt zu einem Ausbau der Sexindustrie und einem Anstieg der Prostitution, und die Freizügigkeit schafft ein attraktives Umfeld für Menschenhändler. Selbst unter Interessierten hat die Legalisierung in Deutschland gemischte Ergebnisse erzielt; nur wenige Prostituierte haben sich als solche registriert. Sie ziehen es vor, unabhängig zu bleiben oder sich als Tänzerinnen zu bezeichnen, erklärt Katarina Leppert, Königin sadomasochistischer Zeremonien und Präsidentin der Gewerkschaft der Sexdienstleister; sie gelten weiterhin als Kriminelle.

Bei allem Respekt für diejenigen, die sexuelle Befreiung und die freie Verfügung über den eigenen Körper mit Prostitution und der Organisation der Körperbeschaffung verwechseln, konnten weder die französische Prohibition noch die deutsche Legalisierung dem Menschenhandel ein Ende setzen, der ihre jeweiligen Märkte antreibt. Denn wie auf jedem Markt ist nicht das Angebot das Problem, sondern die Nachfrage. Also der Kunde.

Agathe Andre
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Original Artikel 🇫🇷 CH 10.05.2006
Mondial 2006: droit aux putes

Charlie s'est demande ce qu'Artemis avait de si exceptionel pour donner lieu a un tel foin publicitaire. Finalement, ce mega-lupanar designe comme le bordel de la coupe du monde de foot n'est qu'un entrepot legal de plus, dans une Allemagne qui stocke la matiere premiere de l'industrie du sexe

vous etes le cent dixieme journaliste a visiter artemis c'est formidable: les travailleuses et les clients du monde entier viennent a nous sans que nous ayons besoin de faire de la pub! se rejouit egbert krumeich. le gerant de la fameuse maison close qui cultive le privilege ancestral du male dominant, hetero et sexiste: les femmes, en tout cas celles qui ne s`y vendent pas, y sont bannies de 11 heures a 5 heures du matin.

joli coup mediatique orchestre par ce pantheon du toc ouvert depuis septembre 2005 a charlottenburg, qui n'a pas attendu la coupe du monde pour faire fructifier son business au gre des Salons, le Palais des congres a proximite lui assure une clientele variee et qui prevoit deja de semer des clones dans les grandes villes du pays. En moins de sept mois, et a raison de 200 a 250 clients par jour les 6,4 millions d'euros investis par la sciete d'investitisseurs allemande Artemis Gmbh sont amortis.

Comme aux Pays-Bas, la legalisation de la prostitution en Allemagne a erige les proxenetes en hommes d'affaires respectables et richisimes. Et instituionnalise un business adoube par l'ecoonomie mondieale. Pour booster l'emploi, le PIB et la croissance d'un Etat I'ONU, le FMI et la Banque mondiale confirment, rien n'est plus porteur, en ces temps de libreechange et de reconciliation avec la consommation libertaire et recreative, que l'industrie du sexe. Une industrie tractee par la prostitution du corps, a la fois matiere premiere, main-d oeuvre, produit fini et monnaie d'echange. Reutilisable, malleable, jetable.

je leur apprends a se vendre, ractone i'ami Krumeich, c'est un metier comme un autre qui raporte beaucoup plus qu'un autre. Mais il prefere ne pas parler de son job a ses gosses. On connait la chanson: un metier tout ce qu'il y a de normal. sauf pour ma mere, ma fille et ma soeur Je recrute tous types de filles: des jeunes, des moins jeunes, des grosses, des maigres, de toutes nationalites. De la bonne bidoche labelisee, diversifee, mise a disposition nuit et jour des viandards affames. En toute legalite.

Vous devez comprendre qu'en Allemagne on ne debat plus sur la prostitution choisie, insiste Ulrike Helwerth, du Conseil des femmes, nous nous focalisons sur la prostitution forcee. Bon courage. Faire passer des femmes pour quatre semaines seulment n'est absolument pas rentable pour les trafiquants, explique la presidente de l'association Ban Ying, qui vient en aide aux victimes de la traite. Ce qui signifie que l'asprateur a prostituees de la Coupe du monde de foot agira indifferemment, sur les choisies comme sur les forcees.

Tri non selectif

D'autant que les autorites allemandes ont parfois de droles d'idees pour lutter contre la prstitution clandestine. Le Guide de voyage pour femme, edite en mars 2005 par le ministre de la Cooperation, redige en russe et destine aux Ukrainiennes desireuses de tapiner en Allemagne, etait pour le moins ambigu: on y conseillait, pour eviter les tracas d'emprunter la frontiere verte, des zones sans postes-frontiere

A Cologne, au Pascha, le plus grand bordell d'Europe, vingt-trois Africaines, dont quatre mineurs entrees illegalment, entaient interpellees en avril 2005. Un an plus tot, on y avait deja trouve deux gamines de quatorze ans. Sans que le tenancier soit jamais inquiete. Et le ton de son appel d'offres pour recruter les deux cent cinquante filles dont il a besoin pour le Mondial laisse presager quelques boulettes: Chez nous, gagnez immediatement de l'argent, un contrat de travail et une carte d'impot. Pour travailler en Allemagne, uzne adresse est obligatoire. Les lupanars servent donc de dominiciliation et degotent les permis de travail.

Les enquetes traitant des effets de la legalisation sur le systeme prostitutionnel en Australie, aux Pays-Bas et en Allemagne aboutissent aux memes conclusions: la legalisation developpe l'industrie du sexe et augmente la prostitution, et la permissivite procure un cadre attractif pour les trafiquants de femmes. Meme du cote des interesees, la legalisation a des resultats mitiges en Allemagne, tres peu de prostitutees se sont enregistrees comme telles. Elles preferent rester indenpendantes ou se declarer danseuse, explique Katarina Leppert, reine des ceremonies sadomasochistes et presidente du syndicat des prestataires de services sexuels, on les considere toujours comme des criminelles.

N'en deplaise a ceux qui confondent liberation sexuelle et libre disposition de son corps. avec prostitution et organisation de la mise a disposition des corps ni la prohibition a la francaise, ni la legalisation a I'allemande ne mettent fin a la traite qui alimente leurs marches respectifs. Car, comme dans tout marche. le probleme n'est pas I'offre, mais la demande. C'est-a-dire le client.

Agathe Andre
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Übersetzter Artikel 🇩🇪 CH 10.05.2006
Der Deutsche und die Hure

Das im Januar 2002 unter der Regierung Schröder verabschiedete Gesetz zur Legalisierung der Prostitution erkennt sie als Sexberuf an.

Zwischen 18 und 25 % der Deutschen hatten schon einmal eine Beziehung mit einer Prostituierten.

Zwischen 6.000 und 8.000 Frauen gehen in den 700 registrierten Berliner Lokalen der Prostitution nach.

Schätzungen zufolge sind in Deutschland mehr als 400.000 Frauen mehr oder weniger regelmäßig in der Prostitution tätig, die Hälfte davon aus Osteuropa.

Die Sexindustrie in Deutschland erwirtschaftet einen Umsatz von 6 Milliarden Euro.

4 Millionen Frauen und Kinder sind Opfer von weltweitem Menschenhandel, 90 % davon zum Zweck der Prostitution.

Quellen: ILO, UN, Berliner Kriminalpolizei.
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Original Artikel 🇫🇷 CH 10.05.2006
L'Allemand et la putain

La loi de legalisation de la prostitution promulguee en janvier 2002 sous le gouvernement Schröder la reconnait comme un metier du sexe.

De 18 a 25% des Allemands ont eu des relations avec une prostitutee.

Entre 6000 et 8000 femmes se livrent a la prostitution dans les 700 lieux recenses de Berlin.

Plus de 400.000 femmes se prostitueraient plus ou moins regulierement en Allemagne, la moitie venant de l'Europe de l'Est.

6 milliards d'euros de chiffre d'affaires degages par l'industrie du sexe en Allemagne.

4 millions de femmes et d'enfants sont victimes de la traite mondiale, dont 90% aux fins de prostitution

Sources: OIT, ONU, police criminelle de Berlin.
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#8

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BK 25.09.2006
BVG macht Puff-Werbung

Immer mehr wilde Sex-Gedanken im Straßenverkehr. Ist das eigentlich erlaubt?

Zahllose Busfahrgäste und Passanten werden derzeit von sündigsten Gedanken gepackt. Besonders schlimm ist es beim 147er nahe Haltestelle "U Französische Straße"...Dort dürften seit neuestem sogar ganz unbeteiligte Passanten und Autofahrer ausführlich über Oralsex gegrübelt haben. Dabei ist ihnen oft gar nicht bewusst, warum ihnen diese Gedanken plötzlich ins Hirn gefallen sind. Wie unheimlich ...Der Grund dürfte die neue Werbebeschriftung dreier Busse sein, die für die BVG durch Berlin fahren. Da wirbt jetzt Deutschlands angeblich größtes Bordell "Artemis" in großen rosafarbenen Lettern um Kunden.Ein listiger Psycho-Trick? Die Werbung verzichtet auf eindeutige Sex-Bilder. Nur das im Stil einer Leuchtwerbung gezeichnete Profil eines Frauengesichts ist zu da erkennen. Die Sex-Botschaft zielt also ins Unbewusste der Verkehrsteilnehmer.Durch den Verzicht auf nackte Haut mag auch die BVG nichts Anstößiges an der Werbung erkennen. "Niemand wird in seiner sittlichen Haltung verletzt", sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Zudem sei das Artemis ein genehmigter Betrieb. "Die Verkehrsbetriebe sind nicht die Sittenwächterin", sagt sie.Andere leicht Sex-verdächtige Ziele ("Krumme Lanke", "Betriebsbahnhof Rummelsburg") werden von den Artemis-Bussen vorerst nicht angefahren. Der "Saunaclub" nahe des ICC hat die Werbung zunächst für ein Jahr gebucht.
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BZB 19.08.2013
BVG: Schluss mit der Bordell-Werbung

Und auch andere Erotik-Werbungen in der Stadt sollen nach dem Willen der SPD verschwinden.

Seit 2006 gehören Sie zum Stadtbild: Busse und Straßenbahnen, auf denen mit großer violetter Schrift das Bordell Artemis angepriesen wird. Vielen Berlinern waren die intimen Anzeigen ein Dorn im Auge. Die BVG hat reagiert, mit der umstrittenen Werbung ist nun endgültig Schluss.

„Es gab Beschwerden von einigen Fahrgästen, die nicht wollten, dass Kinder und Jugendliche die Werbung sehen können“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz zur B.Z.. „Also haben wir in Abstimmung mit Wall entschieden, die Werbeverträge mit dem Artemis auslaufen zu lassen.“ Das Unternehmen vermarktet für die BVG die Werbeflächen. Laut Verkehrsvertrag dürfen bis zu 25 Prozent der Busfensterbereiche zugeklebt werden.

Verbot soll geprüft werden

Und während die Anzeigen von Bussen und Trams verschwinden, gibt es immer mehr Erotik-Werbungen an U-Bahn- oder Uhrensäulen in Berlin. Sehr leicht bekleidete Damen sind darauf zu sehen mit oft sehr eindeutigen Texten. Angepriesen werden zumeist erotische Massagesalons. Dem will die SPD jetzt einen Riegel vorschieben.

„Es müssen Möglichkeiten geprüft werden, in wie weit wir solche Werbungen eindämmen können“, sagt Björn Eggert, jugendpolitischer Sprecher der Sozialdemokraten. „Gerade vor Einkaufszentren wie dem Alexa sehen viele Familien diese sehr eindeutigen Anzeigetafeln. Das darf nicht zur Normalität werden.“

Eggerts Appell an die Berliner: „Wenn Sie Werbungen sehen, die Ihrer Meinung nach Grenzen überschreiten, dann informieren sie die Senatsverwaltung für Jugend oder die für Jugendschutz zuständigen Behörden.“
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#9

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BK 16.12.2006
Ein Jahr nach Eröffnung spendet das Artemis 20 000 Euro für Sozialprojekte

Die Stammgäste lieben die luxuriöse Atmosphäre. Betritt man Berlins größtes Bordell, schweben einem rote Samtvorhänge entgegen. Man weiß sofort: Das ist kein Schmuddel-Puff.Vor gut einem Jahr eröffnete Investor Hakki Simsek sein Edel-Bordell "Artemis". Schlecht läuft das Geschäft nicht: Jetzt, kurz vor Weihnachten, spendete er insgesamt 20 000 Euro an vier soziale Einrichtungen aus Berlin. Auch an die "Arche". Aber die lehnte ab: Kinder und Pornografie passen nicht zusammen.Keine schmierigen Hinterzimmer, keine zwielichtigen Männer, die mit Zahnstochern zwischen den Zähnen in dunklen Ecken stehen. Klar, Sex für Geld bleibt auch hier, was es ist. Aber immerhin läuft alles nach geltenden Gesetzen ab und werden Steuern abgeführt.Das Artemis: Alle streifen im weißen Bademantel durch die drei Stockwerke, die 30 bis 60 Frauen sind nackt (nur Mittwoch ist Dessous-Tag). Man(n) kann sich im Wellness-Bereich entspannen oder in der Bar-Lounge den Tänzerinnen zusehen. Wenn man sich bei einem Drink auf mehr verständigt, verzieht man sich einfach in eines der 30 Zimmer im ersten Stock. Die 60 Euro für eine halbe Stunde Sex bezahlt man in Badelatschen an der Rezeption.
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BZ 16.12.2006
"Das ist kein schlechtes Geld"

Dass die "Arche" Geld gebrauchen kann, versteht sich von selbst. Wer dies nicht verstanden haben sollte, dem erklärt es die Internetseite des christlichen Kinder- und Jugendwerks noch einmal ganz ausdrücklich: "Wir holen die Kinder von der Straße", lautet der erste Satz, den es dort zu lesen gibt. Und der zweite: "Helfen Sie uns zu helfen!"Die Arche in der Tangermünder Straße in Hellersdorf, tief im areligiös geprägten Osten der Hauptstadt, ist eine berlinweit be- und anerkannte Einrichtung. Pfarrer Bernd Siggelkow leitet sie, täglich kommen bis zu 400 Kinder aus der Umgegend, sie erhalten eine warme Mahlzeit, können spielen, reden, Hausaufgaben machen. Die Arche ist auch gelegentlich kritisiert worden, weil sie - so haben sich mal SPD und Linkspartei beschwert - in ihrer Selbstdarstellung von einem Armutsimage des Plattenbaus profitiere, das nicht mehr der Wirklichkeit entspreche. Außerdem gibt es regelmäßig Aufregung, weil der Arche seit Jahren die Zuschüsse des Bezirks gekürzt werden, zuletzt von 36 000 Euro auf die Hälfte für das kommende Jahr. Insgesamt hat die Hellersdorfer Arche ein Jahresbudget von 700 000 Euro, ein wichtiger Teil davon sind Spenden.Diese Bedürftigkeit war auch Herrn Egbert Krumeich von der Firma Artemis GmbH bekannt. Da sein Unternehmen in Berlin im vergangenen Jahr einen ansehnlichen Gewinn erwirtschaftete, wollte er gern Berliner Institutionen an den Früchten des Erfolgs teilhaben lassen: der Obdachlosen-Zeitung Straßenfeger, dem Lebensmittelverteiler Berliner Tafel, dem Wassersportverein SG Handicap und eben der Arche bot er je eine 5 000-Euro-Spende. Er habe sofort an die Arche gedacht, sagt Krumeich, "das war so naheliegend". Denn: "Es gibt doch nichts Schöneres als lachende Kinderaugen."Allerdings wollte die Arche sein Geld nicht. Denn Krumeich ist Chef, so heißt es in der Eigenwerbung, des "schönsten und größten Bordellbetriebs in Deutschland", dem so genannten FKK-Saunaclub Artemis in der Halenseestraße in Grunewald.Pfarrer Siggelkow erklärt freimütig, warum er die Spende aus dem Edelpuff ablehnt: "Kinder und Pornografie passen einfach nicht zusammen." Dies würden die Eltern der Arche-Kinder nicht verstehen. Siggelkow sagt aber auch: "Wir hätten das Geld schon genommen, aber der Spender wollte die Presse dabei haben." Das jedoch wäre problematisch: "Wenn morgen in der Zeitung steht, dass wir von einem Bordell Geld nehmen, dann verlieren wir andere Spender", sagt der Pfarrer und stellt noch einmal fest: "Ohne Presse wäre es ok."Dies nun hat Herrn Krumeich von der Firma Artemis "sehr enttäuscht", wie er sagt. Nicht zeitgemäß sei eine solche Einstellung. Erstens sei Prostitution legalisiert, zweitens komme die Spende ausschließlich aus den Eintrittsgeldern für sein Haus, 70 Euro pro Gast - und nicht etwa aus den speziellen Dienstleistungen der dort tätigen Damen, die extra zu vergüten sind.Diese Differenzierung hat nun einen anderen überzeugt: Den Verein "Kindervereinigung", der in Berlin unter anderem eine Krippe, eine Kita und eine Mädchengruppe betreut. "Erst haben wir gestutzt", sagt Vereinschef Norbert Unger. Aber dann sei man sich einig gewesen: "Das ist kein schlechtes Geld."
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BZB 10.09.2014
Saunaclub sponsort Wasserball-Legenden

Spandaus Ex-Stars nehmen ab heute an der Oldie-WM in Split teil. Das Artemis, Berlins größter Saunaclub, stellt die Bademäntel.

Sie haben die Erfahrung von fast 2000 Länderspielen, aber keine warmen Sachen…

Spandaus Ex-Wasserball-Stars nehmen ab heute an der Oldie-WM in Split teil, spielen gegen Ungarn, USA, Spanien, Kroatien. Dirk Theismann, Andreas Ehrl, Dirk Klingenberg, Piotr Bukowski, Lasse Noerbaek, Luis Rodriguez – Spandaus Legenden sind fit wie nie, es fehlte nur die passende Kleidung.

Das Artemis, Berlins frivoler und größter Saunaclub, half aus. Aber nicht mit kurvigen Mädels, sondern mit flauschigen Bademänteln. Damit die Stars von früher nicht frieren, wenn sie auf Torejagd gehen. Ex-Kapitän Dirk Klingenberg: „Erst gewinnen wir den Oldie-Titel, danach feiern wir unseren Sieg im Artemis-Pool.“ Dann brauchen sie wohl keine Bademantel mehr…
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BZB 07.04.2024
Bordell spendet 350.000 Euro für kranke Kinder in der Charité

Das übereifrige und per Gerichtsurteil bestätigte unverhältnismäßige Vorgehen der Berliner Staatsanwaltschaft hat nun doch ein Gutes: Die beiden Betreiber des Bordells „Artemis“ spenden ihre Entschädigung in Höhe von 200.000 Euro für Kinder in der Charité.

Und sie legen aus eigener Tasche noch einmal 150.000 Euro obendrauf. Das erfuhr die B.Z. aus Mediziner-Kreisen.

Hintergrund: 800 Polizisten und Ermittler mussten im Sommer 2016 eine Großrazzia in dem Bordell durchführen. Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra hatte anschließend in einer Pressekonferenz von Frauen gesprochen, die wie Sklaven auf Baumwollfeldern gehalten worden wären. Es ging um angebliche Steuerhinterziehung und nicht geleistete Sozialabgaben.

Sogar SEK und GSG9 kamen zum Einsatz. Doch nichts von den Vorwürfen war gerichtsverwertbar, das Kammergericht Berlin entschied 2023, dass den Brüdern Entschädigung und Schadenersatz in Höhe von insgesamt 250.000 Euro für die unrechtmäßige Untersuchungshaft, die Anklage und für verunglimpfende Äußerungen der Staatsanwaltschaft Berlin zustehen. Zugleich wurde das Land Berlin verpflichtet, sich zu entschuldigen.

50.000 Euro gaben die Brüder Hakki und Kenan Simsek für Mitarbeiterinnen aus, die in der U-Haft saßen. Den Rest – 200.000 Euro – spenden sie nun der Charité.

Denn der Anmeldebereich im Foyer der Kinderklinik wird täglich von bis zu 250 Kindern und deren Eltern aufgesucht, ist stark ausgelastet. Zudem: keine Barrierefreiheit, keine kindergerechte Einrichtung.

„Wir freuen uns sehr über diese Unterstützung, da wir nun endlich den Aufnahmebereich in unserer Kinderklinik kindgerecht gestalten können, sagt ein Charité-Sprecher zur B.Z. „Damit schaffen wir einen Mehrwert für unsere kleinen Patientinnen und Patienten.“

Hakki Simsek auf Anfrage zur B.Z.: „Wir wollten die 200.000 Euro ohnehin spenden, schließlich sind wir selbst Väter. Als wir hörten, dass der Umbau bereits geplant ist, aber 350.000 Euro nötig sind, haben wir den Rest privat finanziert.“

Die Arbeiten sollen bald beginnen und im Herbst abgeschlossen sein.
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#10

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BZB 16.02.2007
Das berühmte Artemis

Die große B.Z.-Serie von Thomas Brussig über Berlins Nachtleben. In Teil 5 besucht er das berühmte "Artemis"

Wie sauber kann Prostitution sein?

Nein, ich war nicht überrascht. Zu viel Gutes hatte ich über das „Artemis“ gehört. Nachdem ich selbst im Artemis war, zögere ich nicht, es in alle Welt hinaus zu tröten: Ich habe die Zukunft der Prostitution gesehen.

Die Zukunft der Prostitution war mal eine Lagerhalle; von außen sieht das „Artemis“ so sachlich und sauber aus wie das Bundesvermessungsamt. Nur die Lichterkette über dem Eingang weist auf den Spaßcharakter des dreistöckigen weißen Kastens hin.

Sachlich und sauber wie das Bundesvermessungsamt

Als ich an einem Mittwoch gegen 21 Uhr komme, ist der Parkplatz bereits voll, auch mit SUVs und anderen großen Schlitten. Ob die Wagen den Männern oder den Frauen gehören, ist ihnen nicht anzusehen.

Es gibt einen Empfang, der an den Wellness-Bereich großer Hotels erinnert. Ich bekomme eine Einweisung, einen Bademantel und einen Schlüssel für Garderobe und Wertfach. Der Eintritt kostet siebzig Euro, und wenn ich mit Karte zahle, steht auf dem Kontoauszug nichts Verräterisches. Im Eintritt ist Sattessen am Buffet inklusive, wie auch alle Getränke (Alkohol ist allerdings tabu), die Benutzung von drei verschiedenen Saunen, zwei Pornokinos oder des großen Fitnessraums mit allerlei Geräten. Und tatsächlich habe ich dort jemanden Klimmzüge machen sehen.

Es ist, als wären für diese Party Einladungen verschickt worden. Die Frauen (die übrigens Eintritt zahlen wie die Männer) lächeln, zwinkern, werfen Luftküsse. Während die Männer in ihren Einheitsbademänteln wie asexuelle Frottee-Wichtel wirken und in Badelatschen herumschlurfen, sind die Frauen auf hohen Hacken unterwegs und konkurrieren um das schärfste Outfit: Superknappe Bikinis, wenn’s sein muss in knalligen Farben, Dessous, durchsichtige Stoffe, Schnürkorsette oder gleich oben ohne. Eine jede von ihnen arbeitet auf eigene Rechnung, und trotzdem gelten im „Artemis“ Einheitspreise: Die halbe Stunde Sex kostet 60 Euro, und beim Oralverkehr wird sogar aufs Kondom verzichtet.

Die Männer sehen aus wie asexuelle Frottee-Wichtel

Es gibt kein Gefeilsche um überteuerte Piccolos, kein Nachkobern, keine seltsamen Überraschungen. Es ist haargenau so, wie es im Gästebuch auf der Homepage von einem „Artemis“-Besucher beschrieben wurde: „Mein Berlinbesuch-Erlebnis mal in Zahlen: fünfeinhalb Stunden Wellness, 2 ordentliche Nummern, Abendessen, Drinks für Summa summarum 175 Euro (55 Euro Eintritt*, 60 Euro je S Stunden-Nummer). Alles in allem ein rentierlich gelungener Abend.“ Man muss sich das Treiben im „Artemis“ wie eine große Sexparty mit Wellness-Elementen vorstellen. Im Souterrain sind der Sauna- und Wellness-Bereich, der Fitnessraum, eine Bar und ein Pornokino, sowie diverse Separées, aus denen manchmal Gelächter oder Gestöhn dringt. In der mittleren Etage ist das Herzstück des „Artemis“, eine große schummerige Bar, mit Tischchen, Polsterlandschaften, Spielwiesen und weiteren Separées. Desweiteren findet sich im ersten Geschoss ein zweites Pornokino und eine Art Kantine, wo auch das Buffet aufgebaut ist.

Die offene, helle Wendeltreppe ist das Scharnier aller Bewegung innerhalb des „Artemis“. Die Frauen sind gern auf der Treppe; auf den steinernen Stufen bringen die klackenden Absätze zusätzliche Aufmerksamkeit.

Jenseits der offenen Wendeltreppe liegen die Umkleidekabinen (Männer und Frauen getrennt) und die Wertfächer. Das ist der Ort der Bezahlung und Verabschiedung. (Tusch: Im „Artemis“ wird hinterher bezahlt!) Ein Geldautomat steht bereit, den Klammen aus der Verlegenheit zu helfen. Das Eigentliche findet vornehmlich im oberen Stockwerk statt. Dort sind diverse Zimmer und Zimmerchen. Nicht jedem bieten die reichlichen Separées genug Privatsphäre.

Jeder kann sich mit jeder paaren, und jede kann an jedem verdienen. Auf dieser Grundlage ist gegenseitige Kontaktfreude schon mal gewährleistet. Ich blieb viereinhalb Stunden. Aus der Umkleide unter die Dusche, dann rein in den Bademantel. Bin dann wie ein kranker Kurgast durch die Räume gestreift. In der Sauna treffe ich einen Mann, der mit dem Seufzer aufbricht, er wisse nicht, wie er seiner Frau das späte Nachhausekommen erklären solle.

Pornofilme mit Handlung! Da freut sich der Drehbuchautor

Weil ich es umso weniger glaubte, je länger ich es erlebte, habe ich wie ein Pedant Buch geführt: Alles in allem habe ich an diesem Abend mit neun Frauen geflirtet, ohne ihr Bemühen zu erwidern, worauf keine von ihnen schnippisch, beleidigt, ausfällig oder sonst wie blöd reagierte. Waren ja außer mir noch genug andere Männer da. Ich war in der Sauna und im Kino, wo Pornofilme liefen, in denen die Sexszenen durch eine gewisse Handlung verbunden waren; als Drehbuchautor will ich so was einfach haben.

Auf dem übernächsten Sofa, genauer: davor kniete eine Frau und machte das, was gerade auf der Leinwand zu sehen war – mit dem Unterschied, dass der Mann auf einem Handtuch saß.

Ja, die Hygiene. Um sie zu beschreiben, reicht ein Wort: sensationell. Das „Artemis“ ist sauber wie ein IBIS-Hotel. Verantwortlich dafür ist fest angestelltes Personal, das gekleidet ist wie Mitarbeiter einer großen Fitness-Kette und auch so tut. (Wie sollten sie auch sonst tun.)

Die Berliner sind im „Artemis“ in der Minderheit. Özlan wohnt „Richtung Köln“, die Spanierin Joelle studiert Sprachen in Madrid und kam für eine Woche ins „Artemis“, Maja ist aus Warschau, Coco aus dem Libanon, Cora aus der Toskana; ich sprach mit einer Russin, einer Armenierin, einer Inderin… Und wenn sie mich umgarnten, einwickelten, umschmeichelten, becircten und was nicht noch – mir wurde ganz anders.

Es ist so simpel, einen Mann in Versuchung zu führen. Es ist schummrig, sie zeigt Haut, sieht ihm in die Augen, berührt und drängt sich heftig atmend an ihn – und die Versuchung, in die er gerät, ist keine, die mit Naschen zu tun hat; sie ist tausendmal mächtiger. Wie kann es mir auch egal sein, wenn ich plötzlich einfach so kriegen kann, was ich immer haben wollte?

Mir kommt das „Artemis“ vor, als sei es errichtet worden, um all meine Skepsis und Vorbehalte gegen Prostitution zu entkräften. Das „Artemis“ ist ein Freigehege der Lüste. Ein Freudenhaus, das dieser Bezeichnung würdig ist.
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