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Red Light News
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Heisse Luft

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Beitrag von Red Light News »

Welt 14.04.2014
Lebt Drach im Luxus mit den Reemtsma-Millionen?

Der Entführer Thomas Drach ist nach seiner Haftentlassung abgetaucht. Er soll von dem Lösegeld ein Luxus-Leben führen – dank bester Rocker-Kontakte. Doch jetzt hat Reemtsma Privatdetektive engagiert.

Eigentlich müsste Reemtsma-Entführer Thomas Drach eine Fußfessel tragen nach seiner Entlassung. Zumindest wurde es so vom Hamburger Landgericht angeordnet, als der 53-Jährige im Oktober 2013 nach 15 Jahren hinter Gittern aus Fuhlsbüttel freikam. Nun sind deutsche Gerichte aber nur fürs Inland zuständig, und Drach wurde das Reisen innerhalb der EU nicht verboten. Prompt setzte er sich sogleich nach der Entlassung hinters Steuer eines schwarzen Seat Ibiza, den er zuvor sorgfältig auf Peilsender beäugt hatte, und brauste los Richtung Holland. Seither ward der Entführer hierzulande nicht mehr gesehen. Angeblich lebt er auf Ibiza in einer Villa samt großem Swimmingpool. Verprasst er nun die verschwundenen Millionen, die er von dem Sohn der Hamburger Tabakdynastie erpresst hatte?

Der Antwort auf diese Frage kommen die Ermittler, die immer noch nach dem Geld suchen, nun vielleicht einen winzigen Schritt näher. In einem teuren Apartment in Palma de Mallorca nahmen Bundeskriminalamt (BKA) und die spanische Guardia Civil in einer gemeinsamen Aktion den 62-Jährigen Horst R. fest, in Aachen zeitgleich seine 59-Jährige Schwester. Die beiden sollen mit einiger Chuzpe die Rockergruppe „Hells Angels“ in Frankfurt erpresst haben. Denn angeblich hat der hessische Ableger „Westend“ der Höllenengel, der mittlerweile verboten ist, einst Reemtsma-Geld gewaschen. Und weil das Geschwisterpaar das wusste, setzte es die Rocker erfolgreich unter Druck.

Auch wenn der Plan überaus wagemutig klingt, ausgerechnet Rocker zu erpressen, die als wenig zimperlich im Umgang mit ihren Feinden gelten: Tatsächlich sollen mehrere zehntausend Euro geflossen sein. Horst R., ein angeblich breitschultriger Mann mit dickem Bauch, war in der Polizei-Aktion „Big Man“ festgesetzt worden und sieht nun einer Anklage wegen gewerbsmäßiger Erpressung entgegen. Er soll selbst kein Rocker sein, aber der Szene nahe stehen.

Seine Schwester hat laut Staatsanwaltschaft „partizipiert“. Die beiden könnten über den Bruder des Entführers, Lutz Drach, an die sensiblen Informationen geraten sein. Angeblich sind beide mit dem Mann, der einst bei der Entführung mitgewirkt, heute aber mit seinem Bruder spinnefeind ist, befreundet. Lutz sitzt wegen Kokain-Schmuggels noch eine jahrelange Strafe ab. Thomas wirft ihm vor, ihn um große Summen des Lösegeldes gebracht zu haben.

Die Geldwäsche fand lange vor der Euro-Umstellung statt

Fraglich erscheint derzeit allerdings, dass sich der Soziologe und Kunstliebhaber Jan Philipp Reemtsma wieder Hoffnung darauf machen darf, seine Millionen wiederzusehen. Denn noch ist unklar, ob es diese Verbindung zur Reemtsma-Beute tatsächlich gibt, und wenn ja, ob sich noch Spuren zu dem Geld finden ließen. Die Wasch-Aktion muss auf jeden Fall lange zurückliegen, denn nach der Euro-Einführung hätten sich größere Summen kaum mehr unbemerkt umtauschen lassen.

Reemtsma war 1996 entführt und nach fast fünf Wochen für 15 Millionen D-Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken freigelassen worden. Bis heute sind umgerechnet acht Millionen Euro verschwunden. Doch die große Menge Bargeld, die bei Horst R. gefunden wurde, stammte nicht aus dem Lösegeld-Topf, zumindest nicht direkt. Und die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt laut Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu auch nicht wegen Geldwäsche gegen das Frankfurter „Charter Westend”.

Wenn es dort etwas zu entdecken gäbe, hätte das den Frankfurter eigentlich längst aufgefallen sein müssen. Denn der damalige Innenminister und heutige Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) hatte das Hells-Angels-Chapter im Herbst 2011 mit einer recht spektakulären Aktion verbieten lassen. Den Rockern, die im Rotlichtmilieu des Frankfurter Bahnhofsviertel eine große Nummer waren, wurden die Konten eingefroren, die Hausschilder abmontiert und die Kutten abgenommen. Kurz darauf luden die Ermittler dann auch noch drei Lastwagen mit Möbeln, Computern, Kameras und Unterlagen voll, außerdem stellten die Polizisten die Mitgliederverzeichnisse aller Charter sicher.

Doch etwas wirklich Belastendes konnte die Staatsanwaltschaft offenbar in Zusammenhang mit Reemtsma nicht entdecken. Unter anderem wurde das Darmstädter Großbordell „FKK Saunaclub Shark“ genau ins Visier genommen. Der Vorwurf: Zwei Millionen Euro aus dem Lösegeld sollen dort über Umwege durch die Schweiz und Liechtenstein nach Darmstadt gelangt und in „Europas größten Saunaclub“ investiert worden sein. Doch die Frankfurter Staatsanwaltschaft stellte schließlich die Ermittlungen ein. „Das war heiße Luft statt einer heißen Spur“, so Möller-Scheu.

Drach glaubt, er habe sich das Geld „verdient“

Nicht nur das BKA fahndet nach dem Geld. Jan Philipp Reemtsma hat auch Privatdetektive angeheuert, um die Spur seines Geldes zu finden. Angeblich wurde eine Wiesbadener Sicherheitsfirma beauftragt. Würde es gefunden, würde er es spenden, heißt es. Es gehe ihm nicht um die Millionen, sondern darum, dass nicht Kriminelle dank jener für ihn so traumatischen Tat in Saus und Braus leben könnten.

„Es ist ein störender Gedanke, dass er möglicherweise von dem Geld, was er auf die Seite gebracht hatte, sich ein gutes Leben machen kann”, sagte Reemtsma kurz vor Drachs Freilassung. „Solche Verbrechen sollten keine Erfolge sein.” Dass sein Mandant weiter Anspruch auf das Geld hat, steht für Reemtsmas Anwalt Johann Schwenn außer Frage. „Der Anspruch steht ihm zu, den muss er nicht erheben.”

Vom Staat hat Reemtsma dabei allerdings nur bedingt Hilfe zu erwarten. Weil das Urteil rechtskräftig wurde, betrachtete die Staatsanwaltschaft ihre Sache als erledigt. Geschädigte müssen zivilrechtlich vorgehen, um etwa mit Pfändungsbeschlüssen ihr Eigentum zurückzubekommen. Die staatlichen Fahnder könnten erst wieder aktiv werden, wenn sich der dringende Verdacht einer neuen Straftat ergebe. Das könnte jetzt aber der Fall sein. Reemtsma darf also wieder auf Genugtuung hoffen, zumindest ein klein wenig.

Thomas Drach lebt derweil offenbar nicht schlecht. Die Villa hinter Olivenbäumen gehöre einem befreundeten Ehepaar, berichtete „Bild“, die den Entführer auf den Balearen aufspürte.

Aber von irgendetwas muss der jahrelang Inhaftierte schließlich auch jeden Tag seine Brötchen bezahlen. Ermittler hatten schon länger gemutmaßt, dass das Geld noch vor der Euro-Einführung gewaschen wurde und womöglich irgendwo in Spanien liegt. Nach dem Verbot der Frankfurter Charter sollen sich auch einige Hells-Angels-Größen im warmen Süden aufhalten.

Auch ein Zellengenosse von Drach soll auf „Malle“ sein – jemand mit sehr guten Kontakten zu den Rockern. Wie hatte ein Ermittler schon vor Drachs Freilassung gesagt? Der Entführer betrachte das Lösegeld als „sein“ Geld, sagte Dieter Langendörfer, der einst beim Entführungsfall ermittelt hatte. „Da er dafür jetzt über 15 Jahre gesessen hat, sieht er es auch so, dass er das Geld verdient hat.“
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