WP 07.05.2025
Razzia am Bordell Parkschloss Bredelar: Waffenhändler im Visier
Mit Sonden und Tauchern durchkämmt das LKA das Aral am Parkschloss. Hintergrund ist ein bundesweiter Schlag gegen Drogen- und Waffenhändler.
Das Bordell Parkschloss in Marsberg-Bredelar war am Mittwoch (7. Mai) Ziel einer Razzia unter Federführung des Landeskriminalamts (LKA) Hessen. Dutzende Beamte waren vor Ort und durchkämmten das großflächige Gelände. Es waren auch Taucher im Einsatz, die in den Teichen, die sich auf dem Gelände des Erotikclubs befinden, ins Wasser stiegen. Auch Spezialkräfte mit Sonden waren vor Ort. Beamte gruben mit Schaufeln in der Erde. Die Durchsuchungsaktion in und an dem Erotiketablissement war Teil eines bundesweiten koordinierten Schlags gegen Drogen- und Waffenhändler, teilte das LKA am Mittwochnachmittag mit. Mehrere Mitglieder zweier deutschlandweit agierender Tätergruppierungen aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität wurden festgenommen. In Bredelar stellten die Beamten Speichermedien sicher, die jetzt ausgewertet werden, hieß es auf Nachfrage.
Der Polizeieinsatz im Saunaclub Parkschloss in Bredelar startete gegen 6 Uhr morgens und dauerte bis zum Mittag an. Auch Polizeibeamte aus dem HSK mit Ortskenntnis im Parkschloss waren nach Informationen der Westfalenpost vor Ort. Laut Feuerwehr ging im Parkschloss Bredelar ungefähr zeitgleich mit dem Start der Razzia eine Brandmeldeanlage im Gebäude los. Ob ein Zusammenhang mit der Durchsuchungsaktion besteht ist unklar.
Die Bilanz der bundesweiten Razzia ist beachtlich: Neben diversen Datenträgern, darunter über 50 Mobiltelefone, und Dokumenten wurden mehr als 60 Schusswaffen und tausende Schuss Munition sowie diverse wesentliche Waffenteile aufgefunden und beschlagnahmt. Darunter befand sich auch ein zur Schusswaffe umgebauter Kugelschreiber. Weiterhin konnten verschiedene Betäubungsmittelutensilien sowie ein halbes Kilo Betäubungsmittel, darunter Kokain und Cannabis, beschlagnahmt werden. Darüber hinaus wurden knapp 10.000 Euro Bargeld, vier Goldbarren im Wert von ca. 40.000 Euro sowie sechs hochwertige Uhren sichergestellt. Die Auswertung und Bewertung der Beweismittel dauern noch an, so das LKA.
In zwei Ermittlungskomplexen, die im Auftrag der Staatsanwaltschaften Marburg und Kassel geführt werden, sei es dem Hessischen Landeskriminalamt gemeinsam mit dem Zollfahndungsamt Frankfurt am Main (ZFA) am frühen Mittwochmorgen, gelungen, mehrere Mitglieder zweier deutschlandweit agierender Tätergruppierungen festzunehmen, heißt es in der Mitteilung weiter. Ihnen wird die gewerbs- und bandenmäßig organisierte illegale Einfuhr und der Handel von Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen sowie der Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen.
In dem durch die Staatsanwaltschaft Kassel geführtem Ermittlungsverfahren wird denBeschuldigten zur Last gelegt, Schusswaffen und Munition im Ausland gekauft zu haben, um diese anschließend in Deutschland weiter zu veräußern. Bei dem durch die Staatsanwaltschaft Marburg geführten Ermittlungsverfahren wird den Beschuldigten vorgeworfen, gemeinschaftlich Cannabisprodukte und Kokain im vermutlich zwei- bis dreistelligen Kilobereich nach Deutschland eingeführt und dort verkauft zu haben. Welche Rolle das Parkschloss in diesem Zusammenhang spielte, blieb am Mittwoch unklar.
16 Festnahmen: Fünf Männer vor dem Haftrichter
Bei den Beschuldigten handelt es sich um zwei Frauen und 16 Männer im Alter von 22 bis 62 Jahren. 16 Personen wurden vorläufig festgenommen. Fünf Männer sollen anschließend dem Haftrichter vorgeführt werden.
Die Einsatzmaßnahmen unter der Federführung der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift des LKA Hessen und des ZFA fanden in mehreren Bundesländern statt. Auch im benachbarten Landkreis Waldeck-Frankenberg schlugen die Ermittler zu. Weitere Einsatzorte befanden sich laut Mitteilung im Landkreis Marburg-Biedenkopf, in Marburg und in Hanau). Auch in Thüringen (Wartburgkreis), in Niedersachsen (Holzminden) und Nordrhein-Westfalen (Hagen, Hochsauerlandkreis, Duisburg) fanden Polizeiemaßnahmen statt.
Zeitgleich wurden 34 Wohn- und Geschäftsräume durchsucht. Neben Ermittlerinnen und Ermittlern des LKA Hessen, des ZFA, des Zollkriminalamts, des Hauptzollamts Gießen, der Polizeipräsidien Nordhessen und Mittelhessen sowie des Hessischen Polizeipräsidiums Einsatz (HPE), waren auch mehrere Spezialeinheiten an den Maßnahmen beteiligt. Der Einsatz wurde zudem durch Beamte der Landespolizeien Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Thüringen unterstützt.
Spanische Stiftung klagte bereits gegen Bordell in Bredelar
Der Saunaclub aus Bredelar hatte sich jahrelang „Parkschloss Dali“ genannt und durch diese Namensgebung den Ärger einer spanische Stiftung auf sich gezogen, die vom spanischen Staat mit der Verwaltung des künstlerischen Nachlasses von Salvador Dali beauftragt sein soll. Die Stiftung hatte im Sommer 2019 Klage gegen das Bordell eingereicht und verlangt, dass es sich umbenennt. Der Name „Parkschloss Dali“ verstoße gegen das „postmortale Persönlichkeitsrecht“ des Künstlers.
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