NRK 08.09.2012
Großrazzia in Amüsierbetrieb
Polizei geht mit Sondereinsatzkommando und 150 Polizeikräften in das Lokal – Gäste und Beschäftigte werden stundenlang kontrolliert - 38 Frauen dort - Polizei: Zweifelsfrei Prostitutionsstätte
Dierdorf. Der offiziell als FKK- und Saunaklub angemeldete Amüsierbetrieb „Finca Erotica“ ist am Samstagabend (8.9.) Ziel einer großen Razzia der Polizei. 150 Einsatzkräfte von Polizei, Bereitschaftspolizei und Landeskriminalamt haben das Lokal gegen 22 Uhr umstellt und unterziehen alle darin anwesenden Personen einer Identitätsüberprüfung.
Etwa 30 bis 40 Gäste sollen sich zu der Zeit in den Räumen der Finca aufgehalten haben, berichten Besucher. Die Polizei gibt später die Zahl 35 kontrollierte Männer und 38 Frauen an. Entgegen der Gewerbegenehmigung handele es sich bei der "Finca Erotica" nicht um einen FKK-Saunaclub, sondern in erster Linie um einen Prostitutionsbetrieb.
Die Straße vor der „Finca Erotica“ ist gesperrt. Polizeiwagen stehen quer auf der Straße. Vermummte und mit Sicherheitswesten bekleidete, bewaffnete Polizisten stehen vor dem Lokal, auf der Straße und an Autos in den Seitenstraßen. Vor dem als Bordell bekannten Anwesen stehen Gruppen von Männern. Einzeln werden die Besucher von der Polizei kontrolliert und befragt. Anschließend stehen sie vor der Absperrzone und warten, wieder in das Lokal oder zu ihren Autos gehen zu dürfen.
Einsatzleiterin ist Kriminaloberrätin Süßenbach. Mit ähnlichen Aktionen hat sie Erfahrung. Für die „Finca“ ist es die erste Großrazzia dieser Dimension. Der Anlass: Der Betrieb ist als FKK-Saunaclub angemeldet, der Polizei liegen aber Informationen vor, dass hier ein Bordellbetrieb im Gange ist. Weil die Polizei bei einigen der Security-Beschäftigten der „Finca Erotica“ Gewaltbereitschaft vermutet, ist bei der Razzia eine SEK-Truppe dabei, die für gefährliche Sondereinsätze extra trainiert wurde.
Die im Lokal angetroffenen Personen wurden nach Geschlechtern in eine Männer- und eine Frauengruppe geteilt. Zuerst werden die Männer kontrolliert, dann die Frauen. Grundsätzlich, sagt die Einsatzleiterin Süßenbach, ist Prostitution nicht verboten. Allerdings sei schon ersichtlich, dass die Finca dieses Gewerbe nicht angemeldet habe. Deshalb sei jetzt die Ordnungsbehörde der Stadt am Zug. Denkbar wäre, dass dem Lokal die bisherige Lizenz entzogen wird oder dass die Betreiber eine Genehmigung für den Betrieb eines Bordells beantragen müssen.
Die in der Nacht vom Polizeipräsidium Koblenz herausgegebene Pressemitteilung hat folgenden Wortlaut:
Razzia im Rotlichtmilieu
„In den Abendstunden des gestrigen Samstag, 08.09.2012, haben Beamte des Polizeipräsidiums Koblenz mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei und des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz in der FKK Finca Erotica in Dierdorf (Landkreis Neuwied) eine Razzia durchgeführt.
Die „AG Menschenhandel“ des Polizeipräsidiums Koblenz konnte im Rahmen ihrer Zuständigkeit zweifelsfrei feststellen, dass der Geschäftsbetrieb der Finca Erotica entgegen der Gewerbeanmeldung und der öffentlichen Werbung kein Saunaclub, sondern in erster Linie eine Prostitutionsstätte ist.
Obwohl es sich bei der Prostitutionsausübung grundsätzlich um eine legale Dienstleistung handelt, werden als Begleiterscheinungen immer wieder Gewalt- und Ausbeutungsdelikte, wie beispielsweise Zuhälterei und Menschenhandel festgestellt.
Zwischen 22.00 Uhr und 00.45 Uhr fanden auf Grundlage des Polizei- und Ordnungsbehördengesetztes (POG) umfangreiche polizeiliche Maßnahmen zur Identitätsfeststellung aller im Objekt Finca Erotica angetroffenen Personen statt.
Es wurden 73 Personen kontrolliert, davon 35 Männer und 38 Frauen.
Da die Identität einer Frau nicht eindeutig feststand, musste diese erkennungsdienstlich behandelt werden.
Bei drei anwesenden Personen wurden geringe Mengen Betäubungsmittel sichergestellt.
Insgesamt waren rund 150 Polizeibeamtinnen und –beamte im Einsatz.“
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RZ 09.09.2012
Großrazzia der Polizei in Dierdorfer "Finca Erotica"
Es war Samstag gegen 22 Uhr, als Polizeibeamte an der Poststraße in Dierdorf zur Tat schritten. Das Ziel der Großrazzia: das Etablissement FKK Finca Erotica. Mehr als 150 Beamte des Polizeipräsidiums Koblenz und Spezialeinsatzkräfte der Bereitschaftspolizei des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz ermittelten vor Ort.
Anlass des Einsatzes: Der Betrieb soll entgegen der Gewerbeanmeldung und der öffentlichen Werbung nicht nur als Saunaklub, sondern auch als Bordell genutzt werden. Der anfängliche Verdacht der Beamten wurde im Laufe des Abends zur Gewissheit: Wie das Polizeipräsidium Koblenz in seiner Pressemeldung schreibt, handelt sich es sich bei der Prostitutionsausübung grundsätzlich um eine legale Dienstleistung. Allerdings werden als Begleiterscheinungen immer wieder Gewalt- und Ausbeutungsdelikte wie Zuhälterei und Menschenhandel festgestellt.
Deshalb kontrollierten die Beamten dort bis kurz vor 1 Uhr die Räume und nahmen die Personalien der anwesenden Besucher auf. 73 von ihnen hielten sich zum Zeitpunkt der Razzia in der Finca Erotica auf – davon 35 Männer und 38 Frauen. Laut Pressemeldung der Polizei konnte die Identität bei einer der Frauen zunächst nicht festgestellt werden. „Um sie kenntlich zu machen, wurden unter anderem Fingerabdrücke genommen oder Fotografien angefertigt“, so ein Sprecher des Präsidiums. Zudem wurden bei drei anwesenden Personen geringe Mengen an Betäubungsmitteln festgestellt.
Bürgermeister Horst Rasbach (SPD) erfuhr von dem Vorfall am Sonntag nur durch Hörensagen. „Ich war den ganzen Tag unterwegs und habe von Einzelheiten der Razzia nichts mitbekommen.“ Auch Stadtbürgermeister Thomas Vis (CDU) wirkte überrascht, als ihn die RZ auf dem Handy erreicht. „Ich habe erst heute Morgen von der Razzia erfahren.“ Über einen möglichen Gewerbeverstoß könne er keine Angaben machen. Die Zuständigkeit hierfür liege bei der VG.
„Zu der erteilten Gewerbegenehmigung kann ich zurzeit keine Aussage machen“, sagte auch Rasbach. Heute wollen sich beide über den Fall „umfassend informieren“.
Dass die Finca Erotica einschlägig und über Dierdorfs Grenzen hinaus als Etablissement bekannt ist, dürfte fraglos sein. „Auf dem Parkplatz standen oft Autos mit Kennzeichen aus dem Umkreis“, berichtet auch Verbandsbürgermeister Horst Rasbach, dessen Verwaltung nur wenige Meter vom Bordell entfernt steht.
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RZ 10.09.2012
Was kam ans Licht bei Razzia in Dierdorfer Finca Erotica? Polizei schweigt
Dierdorf – Was nicht nur rund um Dierdorf für reichlich Gesprächsstoff sorgt, ist in den Augen der Polizei nur eine „ganz normale Razzia im Rotlichtmilieu“ gewesen. Mit Informationen über das, was beim Großeinsatz in der Dierdorfer „Finca Erotica“ ans Licht gekommen ist, hält sich die Polizei aber noch zurück.
Dierdorf – Was nicht nur rund um Dierdorf für reichlich Gesprächsstoff sorgt, ist in den Augen der Polizei nur eine „ganz normale Razzia im Rotlichtmilieu“ gewesen.
Wie berichtet, haben am Samstagabend 150 Beamte, darunter Spezialeinsatzkräfte der Bereitschaftspolizei des Landeskriminalamtes in der Dierdorfer „Finca Erotica“ mehrere Stunden ermittelt. Mit Informationen über das, was beim Großeinsatz ans Licht gekommen ist, hält sich die Polizei aber noch zurück.
Sprecher Helmut Zirfas sagte auf RZ-Anfrage: „Die Überprüfung läuft noch. Zunächst ist unter anderem zu klären, woher die Frauen kommen, die sich im Etablissement aufgehalten haben.“ Was die Ermittlungen im Einzelnen ergeben, bleibe abzuwarten.
Den Verdacht, dass im landesweit medial beworbenen Lokal Damen „anschaffen“, fanden die Beamten während der Razzia bestätigt. Die Frage, ob der FKK-Saunaklub möglicherweise illegal auch als Bordell betrieben wird, ist laut Polizeisprecher von der zuständigen Ordnungsbehörde zu klären. Das trifft auch denkbare Sanktionen wie etwa die Schließung der „Finca Erotica“ zu.
Konzesion für Gaststättenbetrieb und Saunaklub mit FKK besteht
Horst Rasbach, Bürgermeister und damit Chef der Dierdorfer Verbandsgemeindeverwaltung, hat sich umgehend schlau gemacht. Demnach verfügen die Finca-Betreiber über eine Konzession für einen Gaststättenbetrieb. Zudem hatten sie – wie vorgeschrieben – der Kommune den gewerblichen Betrieb als Saunaklub mit FKK angezeigt. Eine Baugenehmigung für den Umbau der ehemaligen Lagerhalle liegt ebenfalls vor. Vor sechs, sieben Jahren war sogar der Bauausschuss der Stadt Dierdorf vor Ort, um einen Blick in den Rohbau zu werfen, erinnert sich Rasbach.
Etwas verzwickter ist die Lage im Hinblick auf Prostitution im Etablissement. Wie die Polizei betonte, ist die Dienstleistung im horizontalen Gewerbe grundsätzlich als legal anzusehen. Allerdings legen die Kommunen die Spielregeln fest.
Weil es laut Rasbach bei der Prostitution in Dierdorf und Umgebung eine „Grauzone“ gibt, sieht er Klärungsbedarf. Dazu beleuchtet er die Hintergründe: Vor Jahren hat die Verbandsgemeinde Puderbach sich zur Sperrzone für Prostitution erklärt. Ein Raubacher klagte gegen diese Rechtsverordnung, bekam Recht, und das Oberverwaltungsgericht kassierte diese Verordnung wieder ein. Demnach gelte seit etwa sechs Jahren wieder die alte Rechtslage. „Die Verordnung sollte eigentlich schon längst geändert worden sein, warum das bis heute nicht geschehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis“, erklärt der Bürgermeister.
Rasbach: Jeder wusste, was in der Finca passiert – “die Polizei auch"
Die Mitarbeiter des Dierdorfer Ordnungsamtes sind jetzt also gefordert. Sie müssen die Rechtslage abklopfen und ihren Chef beraten. Rasbach selbst will zunächst den Prüfbericht der Polizei abwarten, bis im Rathaus eine Entscheidung fällt. Er sagt: „Sollte es einen illegalen Betrieb geben, müssten wir das wohl untersagen.“ Und sollte die kommunale Behörde gegen die Finca-Betreiber Sanktionen verhängen müssen, geht der Bürgermeister bereits heute davon aus, dass es zu einem Rechtsstreit kommt. Fest steht für ihn auch: Darüber, was in der Finca Erotica passiert, war im Grunde jeder informiert. Rasbach: „Die Polizei natürlich auch.“
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RZ 10.09.2012
Razzia: Dierdorfs Bürgermeister sieht beim Thema Prostitution in der Finca Erotica eine "Grauzone"
Was nicht nur rund um Dierdorf für reichlich Gesprächsstoff sorgt, ist in den Augen der Polizei nur eine „ganz normale Razzia im Rotlichtmilieu“ gewesen. Wie berichtet, haben am Samstagabend 150 Beamte, darunter Spezialeinsatzkräfte der Bereitschaftspolizei des Landeskriminalamtes in der Dierdorfer „Finca Erotica“ mehrere Stunden ermittelt. Mit Informationen über das, was beim Großeinsatz ans Licht gekommen ist, hält sich die Polizei aber noch zurück.
Dierdorf – Was nicht nur rund um Dierdorf für reichlich Gesprächsstoff sorgt, ist in den Augen der Polizei nur eine „ganz normale Razzia im Rotlichtmilieu“ gewesen. Wie berichtet, haben am Samstagabend 150 Beamte, darunter Spezialeinsatzkräfte der Bereitschaftspolizei des Landeskriminalamtes in der Dierdorfer „Finca Erotica“ mehrere Stunden ermittelt. Mit Informationen über das, was beim Großeinsatz ans Licht gekommen ist, hält sich die Polizei aber noch zurück.
Sprecher Helmut Zirfas sagte auf RZ-Anfrage: „Die Überprüfung läuft noch. Zunächst ist unter anderem zu klären, woher die Frauen kommen, die sich im Etablissement aufgehalten haben.“ Was die Ermittlungen im Einzelnen ergeben, bleibe abzuwarten.
Den Verdacht, dass im landesweit medial beworbenen Lokal Damen „anschaffen“, fanden die Beamten während der Razzia bestätigt. Die Frage, ob der FKK-Saunaklub möglicherweise illegal auch als Bordell betrieben wird, ist laut Polizeisprecher von der zuständigen Ordnungsbehörde zu klären. Das trifft auch denkbare Sanktionen wie etwa die Schließung der „Finca Erotica“ zu.
Horst Rasbach, Bürgermeister und damit Chef der Dierdorfer Verbandsgemeindeverwaltung, hat sich umgehend schlau gemacht. Demnach verfügen die Finca-Betreiber über eine Konzession für einen Gaststättenbetrieb. Zudem hatten sie – wie vorgeschrieben – der Kommune den gewerblichen Betrieb als Saunaklub mit FKK angezeigt. Eine Baugenehmigung für den Umbau der ehemaligen Lagerhalle liegt ebenfalls vor. Vor sechs, sieben Jahren war sogar der Bauausschuss der Stadt Dierdorf vor Ort, um einen Blick in den Rohbau zu werfen, erinnert sich Rasbach.
Etwas verzwickter ist die Lage im Hinblick auf Prostitution im Etablissement. Wie die Polizei betonte, ist die Dienstleistung im horizontalen Gewerbe grundsätzlich als legal anzusehen. Allerdings legen die Kommunen die Spielregeln fest. Weil es laut Rasbach bei der Prostitution in Dierdorf und Umgebung eine „Grauzone“ gibt, sieht er Klärungsbedarf. Dazu beleuchtet er die Hintergründe: Vor Jahren hat die Verbandsgemeinde Puderbach sich zur Sperrzone für Prostitution erklärt. Ein Raubacher klagte gegen diese Rechtsverordnung geklagt, bekam Recht, und das Oberverwaltungsgericht kassierte diese Verordnung wieder ein. Demnach gelte seit etwa sechs Jahren wieder die alte Rechtslage. „Die Verordnung sollte eigentlich schon längst geändert worden sein, warum das bis heute nicht geschehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis“, erklärt der Bürgermeister.
Die Mitarbeiter des Dierdorfer Ordnungsamtes sind jetzt also gefordert. Sie müssen die Rechtslage abklopfen und ihren Chef beraten. Rasbach selbst will zunächst den Prüfbericht der Polizei abwarten, bis im Rathaus eine Entscheidung fällt. Er sagt: „Sollte es einen illegalen Betrieb geben, müssten wir das wohl untersagen.“ Und sollte die kommunale Behörde gegen die Finca-Betreiber Sanktionen verhängen müssen, geht der Bürgermeister bereits heute davon aus, dass es zu einem Rechtsstreit kommt. Fest steht für ihn auch: Darüber, was in der Finca Erotica passiert, war im Grunde jeder informiert. Rasbach: „Die Polizei natürlich auch.“
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NRK 13.09.2012
Nach der Razzia in der „Finca Erotica“: Krisengipfel von Polizei und Verwaltung in Dierdorf
Am Donnerstag trafen sich Kripo, Kreisverwaltung und Verbandsbürgermeister um das weitere Vorgehen zu besprechen
Dierdorf. Die Razzia mit 150 Polizeikräften am Wochenende in dem Amüsierclub „Finca Erotica“ hat Wellen geschlagen und beschäftigt jetzt die Ermittler wie auch die Ordnungsbehörden. Am Donnerstag (13.8.) haben sich Kripo-Beamte mit Vertretern der Kreisverwaltung und der Verbandsgemeindeverwaltung getroffen. Über die Inhalte des Treffens wurde Stillschweigen vereinbart.
2005 wurde eine Nutzungsänderung für das Gebäude, in dem heute die „Finca Erotica“ untergebracht ist beantragt. Im Bauantrag
seinerzeit war die Rede von einem bordellähnlichen Betrieb. So wurde der Umbau auch genehmigt. Dies wurde vom Sprecher der Kreisverwaltung, Jürgen Opgenoorth, bestätigt.
Auch nach dem Treffen heute in der Dierdorfer Verwaltung war nicht zu erfahren, ob bereits Ermittlungsergebnisse aus der Großrazzia vorliegen. Die Kripo hat sich bislang öffentlich noch nicht geäußert. Laut Verwaltung soll der Betrieb eines Bordells gewerberechtlich nur anzeigepflichtig, nicht aber genehmigungspflichtig sein. Horst Rasbach: „Prostitution an sich ist nichts Illegales.“ Im Gegenteil: Wie aus zuverlässiger Quelle zu erfahren war, profitiert die Verbandsgemeinde sogar von dem Treiben in der Finca Erotica: Angelehnt an das so genannte „Düsseldorfer Verfahren“ zahlt jede selbstständige Prostituierte in dem Haus täglich 25 Euro pauschal an Steuern, von denen ein Teil an die Verbandsgemeinde fließt.
In Deutschland gibt es seit 2002 ein Prostitutionsgesetz, ein aus drei Paragraphen bestehendes Bundesgesetz, das die rechtliche Stellung von Prostitution als Dienstleistung regelt, um die rechtliche und soziale Situation von Prostituierten zu verbessern. Gleichzeitig wurden das Strafgesetzbuch in § 180a (Ausbeutung von Prostituierten) und § 181a (Zuhälterei) dahingehend geändert, dass das Schaffen eines angemessenen Arbeitsumfeldes nicht mehr strafbar ist, solange nicht eine Ausbeutung von Prostituierten stattfindet.
Seit 2011 sind im Zuge der Kommunalreform die Kreisverwaltungen für die Rechtsverordnung zum Schutze der Jugend und des öffentlichen Anstandes zuständig. Laut Pressesprecher Jürgen Opgenoorth wird es am morgigen Freitag in der Kreisverwaltung Gespräche zum Fall Dierdorf geben.
Nach der Belegung der Parkplätze rund um die Finca zu urteilen, läuft der Betrieb dort auch nach dem Polizeieinsatz ganz normal weiter.
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RZ 13.09.2012
"Finca Erotica": Sexy Steuerquelle für Dierdorf?
Rheinland-Pfalz - Die Rotlicht-Fakten nach der Großrazzia in der Finca Erotica in Dierdorf (Kreis Neuwied) müssen jetzt nicht nur die Fahnder der Polizei auswerten, sondern auch das Ordnungsamt der Gemeinde. Je nach Ausgang der Prüfung sprudelt nämlich in Dierdorf eine verführerische Steuerquelle mehr oder weniger.
Rheinland-Pfalz – Die Rotlicht-Fakten nach der Großrazzia in der Finca Erotica in Dierdorf (Kreis Neuwied) müssen jetzt nicht nur die Fahnder der Polizei auswerten, sondern auch das Ordnungsamt der Gemeinde. Je nach Ausgang der Prüfung sprudelt nämlich in Dierdorf eine „sexy“ Steuerquelle mehr oder weniger.
Denn die „AG Menschenhandel“ des Polizeipräsidiums Koblenz hat „zweifelsfrei“ festgestellt: Bei der Finca handelt es sich „entgegen der Gewerbeanmeldung“ nicht um einen „Saunaklub mit FKK“ und Gaststättenkonzession. Aus Polizeisicht handelt es sich „in erster Linie um eine Prostitutionsstätte“. Davon konnten sich 150 Beamte in der Nacht zum Sonntag im Westerwald überzeugen. Die Ergebnisse der Kontrolle von 35 Männern und 38 Frauen liegen noch nicht vor.
Ob in dem Etablissement illegal ein Bordell betrieben wurde, ob es geschlossen werden muss oder ein solcher Rotlicht-Betrieb auch genehmigungsfähig wäre, muss jetzt die Ordnungsbehörde klären. Damit erwartet den neuen Bürgermeister Horst Rasbach (SPD) gleich zu Beginn seiner Amtszeit ein kniffliger Fall. Er weiß um Grauzonen, rechtliche Probleme und Fallstricke abseits des Strafrechts rund um das älteste Gewerbe der Welt. Bisher unterliegt der Saunaklub mit verschwiegenen Zimmern nur besonderen Hygienekontrollen des Gesundheitsamtes Neuwied. Bis heute kassiert die Kommune hier auch Vergnügungsteuer, „die nach der Fläche berechnet wird“. In einem Bordell könnte sie nach der in Dierdorf und nicht überall üblichen Satzung von jeder Dame pro Tag auch 5 Euro kassieren. „Dies ist bisher nicht der Fall“, so Rasbach. Die Frauen unterliegen nur der normalen Einkommensteuer, die sie pauschal (pro Tag 25 Euro) oder mit einer normalen Steuererklärung abzüglich Werbungskosten abführen.
Prostitution ist an sich und abseits von kriminellen Machenschaften wie Zuhälterei und Menschenhandel nicht strafbar. Trotzdem können Kommunen diese Dienste aus gewissen Gegenden verbannen. Unerlaubt ist Wohnungsprostitution in reinen und allgemeinen Wohnbezirken. Prostitution ist abseits von Bahnhofsvierteln von Großstädten (sogenannte Kerngebiete) und Sperrbezirken allenfalls in Gewerbegebieten zulässig, wenn die Behörden sie denn genehmigen und ein Bebauungsplan dies nicht ausdrücklich ausschließt. Für sogenannte Mischgebiete gibt es in Rheinland-Pfalz noch keine Gerichtsentscheidung, lautet die Auskunft beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Koblenz.
Das Ordnungsamt in Dierdorf wird nun alle rechtlichen Prüfungen rund ums Bau- und Gewerberecht oder Konzessionen anstellen müssen. Dies war wohl bisher nie Thema, weil keine lauten Beschwerden bekannt sind. Außerdem wusste im Grunde jeder, „was in der Finca passiert“, sagt Rasbach. Der Verantwortliche des Betriebs hat 2005 bei seiner beantragten Nutzungsänderung des Gebäudes bei der Bauabteilung auch keinen Hehl daraus gemacht, dass er „einen bordellähnlichen Betrieb“ in der Nähe zur A3 aufmachen will, sagt der Sprecher der Kreisverwaltung Neuwied, Jürgen Opgenoorth, unserer Zeitung. „Dies war damals auch genehmigungsfähig.“ Laut Rasbach wurde das Etablissement beim Gewerbeamt aber als Saunaklub angemeldet. Er erhofft sich jetzt nähere Erkenntnisse von der Polizei.
Nicht nur er muss nun Rechtsfragen klären. Auch der Neuwieder Landrat Rainer Kaul (SPD) hat eine geerbt. Hintergrund: 2005 wurde vom OVG eine „Rechtsverordnung zum Schutze der Jugend und des öffentlichen Anstandes für Rheinland-Pfalz“ als zu pauschal gekippt. Damit wollte beispielsweise der Rhein-Lahn-Kreis Prostitution flächendeckend verbieten. Seit Jahren warten die Kommunen, so Rasbach, auf eine neue Verordnung des Landes. Diese „heiße Kartoffel“ ist die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion inzwischen aber los. Für die Verordnung zum Schutz von Jugend und Anstand sind seit Januar 2011 die Kreisverwaltungen zuständig – als Ergebnis der Kommunal- und Verwaltungsreform.
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RZ 14.09.2012
Finca Erotica: Dierdorfer Verwaltung geht nach Gespräch mit der Polizei nicht gegen Saunaklub vor
Wenige Tage nach der Razzia in der Finca Erotica haben sich im Dierdorfer Rathaus kommunale Spitzen mit Vertretern Polizei getroffen. Dabei ging es um den tieferen Sinn des aufsehenerregenden Großeinsatzes mit 150 Polizisten und um das, was bei den Ermittlungen herausgekommen ist. Wie Bürgermeister Horst Rasbach auf RZ-Nachfrage informiert, ist „die Luft raus aus der Sache“. Die Polizei hat laut Verwaltungschef noch einmal betont, dass ein Einsatz mit Großaufgebot keine Seltenheit ist. So sei die Behörde schon in vergleichbaren Einrichtungen vorgegangen. Gefahr sei im Fall Dierdorf jedenfalls nicht im Verzug gewesen. Und es gebe auch keine laufenden Strafverfahren.
Die Polizei wollte einzig sicher gehen, dass ihr keine der an jenem Abend im Etablissement befindlichen Personen „durch die Lappen geht“. Die Frage, ob in der Finca Damen der Prostitution nachgehen, hat dabei nicht im Vordergrund gestanden. Zumal das ohnehin kein Geheimnis war. Für die Dierdorfer Verwaltung ergibt sich nach dem Treffen keine neue Situation. Es gibt für die Finca eine Konzession, eine gültige Baugenehmigung und ein angezeigtes Gewerbe mit bordellähnlichen Strukturen. Rasbach: „Uns liegt zudem nichts vor, wonach da etwas zu beanstanden wäre. Von daher gibt es keinen Grund für uns zu handeln.“
Was die Frage nach der Vergnügungssteuer betrifft, sagte der Bürgermeister: „Bislang haben wir die nur nach Quadratmeter berechnet, weil das ein verlässlicher Faktor ist.“ Den Paragrafen Prostitution hat die Verwaltung noch nicht angewendet. Darüber, ob sie das künftig tun wird, muss noch beraten werden, so Rasbach. Ralf Grün
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