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GA 10.04.2014
Drei Männer stehen zurzeit wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung vor einem Schöffengericht am Gießener Amtsgericht. Am ersten Tag wurden Zeugen gehört. Der Prozess wird fortgesetzt.
Der kleine Bruder ist gedrückter Stimmung, weil er »bei einem Notwehrproblem jemanden abgestochen« hat. Die Idee des großen Bruders: Beide und noch ein Kumpel gönnen sich »zur Ablenkung« einen Abend in einem Pohlheimer Saunaclub. Schließlich sei er da »seit sechs Jahren regelmäßiger Kunde« gewesen. »Ich wurde respektiert und habe die Leute noch mehr respektiert«, berichtet der 25-jährige Zeuge am Mittwoch offenherzig einem Schöffengericht des Gießener Amtsgerichts. Nur: Die Sache mit dem Respekt geht am 1. Juni vergangenen Jahres gründlich schief: Über »Kontakte« des älteren Bruders versuchen die drei, die lange Schlange vor dem Etablissement zu umgehen, denn wegen einer Jubiläumsfeier herrscht Hochbetrieb. Daraus wird nichts. Die Männer wollen nicht so lange warten und entscheiden sich, mit einem Minicar heimzufahren. Auf dem Parkplatz gibt es jedoch Ärger mit einem Platzanweiser, der nicht will, dass das Minicar bis zum Club-Gelände vorfährt.
Dann geht es ganz schnell: Noch im Streit holt der Platzanweiser über Funk Verstärkung, und plötzlich rennen etwa sechs andere Männer zu herbeigefahrenen Autos, kommen mit Eisenstangen und Schlagringen zurück und prügeln auf den 25-Jährigen ein, bis dieser sich fühlt, als »wäre ein Lkw über mich drüber gefahren«. Dann drängen ihn zwei Sicherheitsleute gegen seinen Willen in einen Porsche und der fährt los. Am Steuer der Mann, mit dessen Hilfe das Trio eigentlich schneller in den Club gelangen wollte. Doch der hat jetzt andere Sorgen: Immer wieder versucht er, den blutüberströmten, aufgebrachten Mitfahrer zu beruhigen und ihn davon abzubringen, zur Polizei zu gehen. Denn: »Die bringen dich um, die sind die Mafia«.
Angeklagte gehören zu Hells Angels
An einer Tankstelle kauft der Fahrer zwei Flaschen Wasser, mit einer soll sich das Opfer das Blut aus dem Gesicht waschen. Zwar kennen sich die beiden Deutschtürken seit 15 Jahren, wie das Opfer berichtet. Dennoch glaubt er dem Fahrer nicht, dass der bloß nicht wollte, »dass mein Vater mich so sieht«. Vielmehr argwöhnt er, dass Spuren der Prügelattacke beseitigt werden sollten.
Über Telefonate des zurückgeblieben kleinen Bruders wird letztlich auch ein Kontakt zu dem Vater des 25-Jährigen hergestellt. An einer Tankstelle in Pohlheim wird das Opfer seiner Familie übergeben. Mit Hilfe eines Dolmetschers betont der 61 Jahre alte Vater vor Gericht, gesehen zu haben, dass sein Sohn verletzt war – auch ohne Blut. Ärzte stellen später mehrere Platzwunden am Kopf und ein zugeschwollenes Auge fest. Die blutverschmierte Oberbekleidung habe der 29-jährige Fahrer zunächst nicht herausgeben wollen, berichtet der Vater. Die Textilien sollten erst gereinigt werden. Der Senior beharrt, bekommt die Kleidung des Sohnes.
Als er später in einer Eisdiele saß, sei der 29-Jährige aufgetaucht und habe – zusammen mit sechs anderen Männern – versucht, ihn zu überzeugen, nicht bei der Polizei auszusagen, erläutert der 61-Jährige dem Richter. Das Opfer betont auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft: Der Fahrer habe auch »mit den Hells Angels gedroht«, sollte er die Tat anzeigen. Ob sein langjähriger Bekannter in dieser Gruppe Einfluss besitze, wisse er aber nicht. Hier kann jedoch ein Polizeibeamter Auskunft geben: Der 29-Jährige ist Vollmitglied bei den Hells Angels. Was die beiden mitangeklagten Männer vom Sicherheitsdienst des Clubs betrifft: Der 31-Jährige ist laut Polizei führendes Mitglied der »Brigade 81« und der 27-Jährige auch diesem Bereich zuzuordnen. Eine Tatsache, die sich auch ganz praktisch auf den Prozess auswirkt: Am Mittwoch befinden sich acht Wachtmeister und Polizisten im Sitzungssaal, während die Verhandlung läuft.
Die Sicherheitsbediensteten sind wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, räumen über ihre Verteidiger Faustschläge ein. Der 29-Jährige bestreitet die Vorwürfe der Freiheitsberaubung sowie der versuchten Nötigung und Strafvereitelung. Alles sei »einvernehmlich« geschehen. Der Prozess wird fortgesetzt.
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Porsche, Puff und Prügel
Drei Männer stehen zurzeit wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung vor einem Schöffengericht am Gießener Amtsgericht. Am ersten Tag wurden Zeugen gehört. Der Prozess wird fortgesetzt.
Der kleine Bruder ist gedrückter Stimmung, weil er »bei einem Notwehrproblem jemanden abgestochen« hat. Die Idee des großen Bruders: Beide und noch ein Kumpel gönnen sich »zur Ablenkung« einen Abend in einem Pohlheimer Saunaclub. Schließlich sei er da »seit sechs Jahren regelmäßiger Kunde« gewesen. »Ich wurde respektiert und habe die Leute noch mehr respektiert«, berichtet der 25-jährige Zeuge am Mittwoch offenherzig einem Schöffengericht des Gießener Amtsgerichts. Nur: Die Sache mit dem Respekt geht am 1. Juni vergangenen Jahres gründlich schief: Über »Kontakte« des älteren Bruders versuchen die drei, die lange Schlange vor dem Etablissement zu umgehen, denn wegen einer Jubiläumsfeier herrscht Hochbetrieb. Daraus wird nichts. Die Männer wollen nicht so lange warten und entscheiden sich, mit einem Minicar heimzufahren. Auf dem Parkplatz gibt es jedoch Ärger mit einem Platzanweiser, der nicht will, dass das Minicar bis zum Club-Gelände vorfährt.
Dann geht es ganz schnell: Noch im Streit holt der Platzanweiser über Funk Verstärkung, und plötzlich rennen etwa sechs andere Männer zu herbeigefahrenen Autos, kommen mit Eisenstangen und Schlagringen zurück und prügeln auf den 25-Jährigen ein, bis dieser sich fühlt, als »wäre ein Lkw über mich drüber gefahren«. Dann drängen ihn zwei Sicherheitsleute gegen seinen Willen in einen Porsche und der fährt los. Am Steuer der Mann, mit dessen Hilfe das Trio eigentlich schneller in den Club gelangen wollte. Doch der hat jetzt andere Sorgen: Immer wieder versucht er, den blutüberströmten, aufgebrachten Mitfahrer zu beruhigen und ihn davon abzubringen, zur Polizei zu gehen. Denn: »Die bringen dich um, die sind die Mafia«.
Angeklagte gehören zu Hells Angels
An einer Tankstelle kauft der Fahrer zwei Flaschen Wasser, mit einer soll sich das Opfer das Blut aus dem Gesicht waschen. Zwar kennen sich die beiden Deutschtürken seit 15 Jahren, wie das Opfer berichtet. Dennoch glaubt er dem Fahrer nicht, dass der bloß nicht wollte, »dass mein Vater mich so sieht«. Vielmehr argwöhnt er, dass Spuren der Prügelattacke beseitigt werden sollten.
Über Telefonate des zurückgeblieben kleinen Bruders wird letztlich auch ein Kontakt zu dem Vater des 25-Jährigen hergestellt. An einer Tankstelle in Pohlheim wird das Opfer seiner Familie übergeben. Mit Hilfe eines Dolmetschers betont der 61 Jahre alte Vater vor Gericht, gesehen zu haben, dass sein Sohn verletzt war – auch ohne Blut. Ärzte stellen später mehrere Platzwunden am Kopf und ein zugeschwollenes Auge fest. Die blutverschmierte Oberbekleidung habe der 29-jährige Fahrer zunächst nicht herausgeben wollen, berichtet der Vater. Die Textilien sollten erst gereinigt werden. Der Senior beharrt, bekommt die Kleidung des Sohnes.
Als er später in einer Eisdiele saß, sei der 29-Jährige aufgetaucht und habe – zusammen mit sechs anderen Männern – versucht, ihn zu überzeugen, nicht bei der Polizei auszusagen, erläutert der 61-Jährige dem Richter. Das Opfer betont auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft: Der Fahrer habe auch »mit den Hells Angels gedroht«, sollte er die Tat anzeigen. Ob sein langjähriger Bekannter in dieser Gruppe Einfluss besitze, wisse er aber nicht. Hier kann jedoch ein Polizeibeamter Auskunft geben: Der 29-Jährige ist Vollmitglied bei den Hells Angels. Was die beiden mitangeklagten Männer vom Sicherheitsdienst des Clubs betrifft: Der 31-Jährige ist laut Polizei führendes Mitglied der »Brigade 81« und der 27-Jährige auch diesem Bereich zuzuordnen. Eine Tatsache, die sich auch ganz praktisch auf den Prozess auswirkt: Am Mittwoch befinden sich acht Wachtmeister und Polizisten im Sitzungssaal, während die Verhandlung läuft.
Die Sicherheitsbediensteten sind wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, räumen über ihre Verteidiger Faustschläge ein. Der 29-Jährige bestreitet die Vorwürfe der Freiheitsberaubung sowie der versuchten Nötigung und Strafvereitelung. Alles sei »einvernehmlich« geschehen. Der Prozess wird fortgesetzt.
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GA 03.04.2019
Die ehemalige Fabrikantenvilla der Familie Vogt am Grüninger Weg bei Garbenteich hat einen neuen Eigentümer. Für 939250 Euro erhielt ein Unternehmer den Zuschlag – angesichts des weit höheren Immobilienwerts sozusagen ein Schnäppchen.
Im Rahmen einer Zwangsversteigerung hat am Donnerstagmorgen ein 43-Jähriger aus dem Raum Aschaffenburg die Immobilie erworben. Auf dem Glände ist seit 2005 mit dem Erotik-Etablissement »FKK-World« ein pikanter Saunaclub angesiedelt.
Der 43-Jährige war im Verlauf der 30 Minuten währenden Versteigerung in Saal 100 des Amtsgerichts Gießen der einzige Bieter. Zu einem geringeren Preis hätte er am Donnerstag die Villa samt separatem Gästehaus und mehr als 30000 Quadratmetern Land aufgrund des sogenannten »Verschleuderungsverbots« nicht ersteigern können. Demnach hatte der gestrige Versteigerungstermin mindestens die Hälfte des auf knapp 1,88 Millionen Euro veranschlagten Werts der Immobilie zu erzielen.
Im kurzen Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung erklärte der Käufer, die künftige Nutzung der ehemaligen Fabrikantenvilla und des dicht bewaldeten Areals am Grüninger Weg wolle er sich »überlegen«. Es deutet allerdings einiges darauf hin, dass die »FKK-World« weiter bleiben wird.
Im Gerichtssaal war während der Zwangsversteigerung nicht zu übersehen, dass der Käufer einerseits und Vertreter der Pächter andererseits einander bekannt sind. Der 43-jährige Unternehmer, unter anderem im Bereich der Aufstellung von Automaten tätig, ist laut Berichterstattung der »Rhein-Zeitung« Miteigentümer eines Grundstücks in einem Industriegebiet in Pfalzfeld/Hunsrück, auf dem seit diesem Jahr ein großer Erotikfachmarkt mit Kino und Kabinen angesiedelt ist. Die Errichtung einer FKK-Clubanlage war dort offenbar aus baurechtlichen Gründen gescheitert.
Der 43-jährige ist übrigens mit 500 000 Euro ein Gläubiger des vorherigen Eigentümers der Immobilie. Dessen Insolvenz hatte die gestrige Zwangsversteigerung nötig gemacht. Insgesamt hatte der vorherige Eigentümer Schulden in Höhe von über 1,8 Millionen Euro angehäuft. Mit dem Kaufpreis von 939 250 Euro kann nur die Hälfte der Verbindlichkeiten getilgt werden.
Weitere Gläubiger sind die Sparkasse, das Finanzamt Lohr am Main und mehrere Privatpersonen. Der Käufer übernimmt die Vogt-Villa lastenfrei, wie das Gericht unter Vorsitz von Rechtspfleger Erwin Weigel vor rund 40 Zuhörern feststellte.
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Ehemalige Vogt-Villa brachte nur 939 250 Euro
Die ehemalige Fabrikantenvilla der Familie Vogt am Grüninger Weg bei Garbenteich hat einen neuen Eigentümer. Für 939250 Euro erhielt ein Unternehmer den Zuschlag – angesichts des weit höheren Immobilienwerts sozusagen ein Schnäppchen.
Im Rahmen einer Zwangsversteigerung hat am Donnerstagmorgen ein 43-Jähriger aus dem Raum Aschaffenburg die Immobilie erworben. Auf dem Glände ist seit 2005 mit dem Erotik-Etablissement »FKK-World« ein pikanter Saunaclub angesiedelt.
Der 43-Jährige war im Verlauf der 30 Minuten währenden Versteigerung in Saal 100 des Amtsgerichts Gießen der einzige Bieter. Zu einem geringeren Preis hätte er am Donnerstag die Villa samt separatem Gästehaus und mehr als 30000 Quadratmetern Land aufgrund des sogenannten »Verschleuderungsverbots« nicht ersteigern können. Demnach hatte der gestrige Versteigerungstermin mindestens die Hälfte des auf knapp 1,88 Millionen Euro veranschlagten Werts der Immobilie zu erzielen.
Im kurzen Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung erklärte der Käufer, die künftige Nutzung der ehemaligen Fabrikantenvilla und des dicht bewaldeten Areals am Grüninger Weg wolle er sich »überlegen«. Es deutet allerdings einiges darauf hin, dass die »FKK-World« weiter bleiben wird.
Im Gerichtssaal war während der Zwangsversteigerung nicht zu übersehen, dass der Käufer einerseits und Vertreter der Pächter andererseits einander bekannt sind. Der 43-jährige Unternehmer, unter anderem im Bereich der Aufstellung von Automaten tätig, ist laut Berichterstattung der »Rhein-Zeitung« Miteigentümer eines Grundstücks in einem Industriegebiet in Pfalzfeld/Hunsrück, auf dem seit diesem Jahr ein großer Erotikfachmarkt mit Kino und Kabinen angesiedelt ist. Die Errichtung einer FKK-Clubanlage war dort offenbar aus baurechtlichen Gründen gescheitert.
Der 43-jährige ist übrigens mit 500 000 Euro ein Gläubiger des vorherigen Eigentümers der Immobilie. Dessen Insolvenz hatte die gestrige Zwangsversteigerung nötig gemacht. Insgesamt hatte der vorherige Eigentümer Schulden in Höhe von über 1,8 Millionen Euro angehäuft. Mit dem Kaufpreis von 939 250 Euro kann nur die Hälfte der Verbindlichkeiten getilgt werden.
Weitere Gläubiger sind die Sparkasse, das Finanzamt Lohr am Main und mehrere Privatpersonen. Der Käufer übernimmt die Vogt-Villa lastenfrei, wie das Gericht unter Vorsitz von Rechtspfleger Erwin Weigel vor rund 40 Zuhörern feststellte.
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