OÖN 04.09.2018
Anschlag auf Rotlicht-Club: Lehrlinge verurteilt
Im Dezember 2017 wurde in einem „Saunaclub“ in Leonding ein Buttersäure-Anschlag verübt. In Linz wurden am Dienstag zwei junge Männer wegen schwerer Sachbeschädigung verurteilt.
War es ein „übler Scherz“ oder gar ein gezielter Anschlag der Rotlichtmafia? Am 22. Dezember 2017 besuchten mehrere Männer den „Sauna-Club“, den Eintritt von rund 100 Euro pro Person zahlte ein gewisser Herr D., dem Verbindungen ins Milieu nachgesagt werden.
Auf einer Videokamera ist festgehalten, wie sich die Herrschaften in der Garderobe und dann im Raucherbereich des Lokals unterhalten. Schlussendlich wird ein Becher voll mit Buttersäure verschüttet. Der bestialische Gestank breitet sich aus, für die Gäste des Etablissements geht ein vergnünglicher Herrenabend jäh zu Ende.
Der Betreiber sitzt auf einem Schaden von mehr als 10.000 Euro, denn Teppiche und der Holzaufbau eines Podests mussten ausgetauscht werden. Er selbst hatte beim Reinigen eine Augenentzündung erlitten.
Gestern nahmen drei junge Männer, ein Bosnier, ein Österreicher mit Migrationshintergrund und ein Tschetschene auf der Anklagebank im Linzer Landesgericht Platz. Laut Strafantrag sollen sie den Täter, der die Säure verschüttete und dessen Aufenthaltsort derzeit unbekannt ist, abgeschirmt haben, sodass dieser ungestört zu Werk gehen konnte. Die drei mutmaßlichen Komplizen, ein Leasingarbeiter und zwei Lehrlinge, bekannten sich allerdings nicht schuldig.
Wieso der noble Spender den Eintrittspreis für den Sauna-Besuch bezahlt habe, wollte Richterin Margit Kreuzer wissen. „Wegen einer Wette“, antworteten die Beschuldigten einsilbig. Was für eine Wette? „Keine Ahnung“. Wer die anderen Männer waren, wie sie hießen? Keine Ahnung, man kannte sich doch nur flüchtig. Der Tschetschene wollte überhaupt nicht dabei gewesen sein. Er habe doch das Freudenhaus rasch wieder verlassen.
„Ich habe an dem Abend viel getrunken und kann mich nur brüchig erinnern“, sagte einer der Angeklagten. Und was hatte die SMS des edlen Spenders mit dem Text: „Die Polizei weiß nichts“ für eine Bedeutung? „Keine Ahnung, was er gemeint hat.“
„Sind Sie Mitglied bei den Balkan Bikers MC?“, fragte die Richterin. Die Antwort lautete wenig überraschend: „Nein“.
Anmerkung: Bei den Balkan Bikers handelt es sich um eine Motorradgang, die ähnlich wie die „Hells Angels“ mit kriminellen Machenschaften im Rotlicht-Geschäft mitmischen, allerdings ist ihr „Chapter“ deutlich kleiner.
Der Lokalbetreiber betonte im OÖN-Gespräch nach der Gerichtsverhandlung, es habe seit dem Vorfall im Dezember „nichts mehr gegeben“, es habe sich um eine „Vollidioten-Aktion“ gehandelt.
Zwei der drei Angeklagten wurden schuldig gesprochen und zu Geldstrafen von 1120 Euro bzw. 360 Euro verurteilt. Die Entscheidung ist rechtskräftig. Die Richterin fragte noch, ob das Opfer Schadenersatz begehrt. „Da muss ich meinen Anwalt fragen“, sagte der Betreiber. Die Ermittlungen der Polizei in diesem Fall sind noch nicht abgeschlossen.
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