SN 07.02.2009
Auch die Bordelle spüren die Finanzkrise
Die Finanzkrise trifft auch das älteste Gewerbe der Welt. Manche Bordelle schreiben ein Minus von 30 Prozent.
Die Zahlen sind konstant. Es gibt 15 legale Bordelle in der Stadt Salzburg und zwischen 300 und 350 Prostituierte. Doch die Finanzkrise verändert die Szene. Den Clubs alter Prägung beschert der Jänner und der Februar Rückgänge bis zu 30 Prozent. Und das trotz zwei großer Messen, der „Gast“ und der „Auto Zoom“.
Eine Dame aus dem Gewerbe: „Es wird extrem viel gespart. Auch von den Firmen und bei Einladungen.“ Doch es gibt auch Gewinner. Das Pascha oder das
Casa Juvuavum spüren die Krise nach Angaben der Geschäftsführer kaum. Das liege, ist zu hören, am geänderten Geschäftsmodell. „All Inclusive“ scheint in Zeiten der neu entdeckten Sparsamkeit auch in Bordellen zur Philosophie zu werden.
Der Eintritt von 50 bis 60 Euro deckt die Konsumation von Essen und Trinken teils ohne Limit ab. Die Dienstleistung einer Dame kostet 60 Euro aufwärts. Ein Insider sagt: „Da wird der Besuch für den Normalverdiener preislich überschaubar. Der liegt unter 200 Euro. In Bordellen alter Prägung gibt es am Ende nicht selten eine Überraschung, wenn die Rechnung Tausend Euro ausmacht. Da ist dann das private Budget für mehrere Monate ruiniert und lässt keinen Spielraum mehr.“
Neu im „All inclusive“-Trend ist die Verbindung mit einem Saunaclub bzw. großzügigen Saunalandschaften. Den Trend zum Event gibt es auch im Etablissement. „Erst mühsam bei einer Flasche Champagner Konversation zu pflegen und dabei langsam ausgenommen zu werden, interessiert niemanden mehr“, meint ein mit der Szene vertrauter Rechtsanwalt.
In Villach wurde vor zwei Tagen das größte Bordell Österreichs eröffnet. Es heißt „Andiamo“. Eine Betreibergruppe investierte fünf Millionen Euro. Die Fläche der Saunalandschaft mit angeschlossenen Zimmern beträgt 2200 Quadratmeter. Wer dort hingeht, kann es aber auch beim Besuch der Sauna belassen.
Jochen Kohlweis, dem das Gebäude des Club Roma in Salzburg gehört und der Clubs in Villach führt: „Diese neuen Wellnesstempel machen sich für uns, aber auch für herkömmliche Nachtlokale stark negativ bemerkbar.“
Das Andiamo funktioniert nach dem „All inclusive“-Prinzip. Genauso wie das „Sexodrom“ in Linz. Eine Betreibergruppe aus Oberösterreich soll auch ein Auge auf den Standort Salzburg geworfen haben. Gedacht wird an einen großen „Saunatempel mit Eventcharakter“. Doch das Landespolizeigesetz in Salzburg ist streng und an eine Genehmigung für einen neuen Stadtbereich kaum zu denken. Denn Schulen, Kindergärten oder Kirchen dürfen nicht in der Nähe sein. Vizebürgermeister Harry Preuner (ÖVP), für Fragen der Sicherheit in Salzburg zuständig: „Salzburg braucht kein als Sauna getarntes Großbordell.“
Dass „All inclusive“ bei den Freiern zieht, belegt die aktuelle Hitliste der Taxivereinigung 81-11. In der liegt ein Bordell an erster Stelle. Das „Pascha“ war mit 7642 „Ankünften“ im Jahr2008 die klare Nummer eins. Es lag weit vor seriösen Zielen wie dem Hotel Sacher (6507), dem Castellani Parkhotel (5499) oder dem Hangar-7 von Red Bull (4917).
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