KZ 21.06.2016
Proteste gegen Bau von Mega-Bordell
In Hohenthurn im Gailtal wird Kärntens größtes Bordell errichtet. In dem "Wellnessclub" nahe der italienischen Grenze sollen mehr als 100 Prostituierte arbeiten.
Sieben Millionen Euro werden investiert, 40 normale Arbeitsplätze geschaffen, vom Hausmeister bis zu den Reinigungskräften, und dann kommt ja auch noch die Kommunalsteuern dazu!" Florian Tschinderle, ÖVP- Bürgermeister von Hohenthurn im Unteren Gailtal, freut sich über einen nicht unumstrittenen Coup. Nicht näher benannte Investoren aus Deutschland und aus der Schweiz bereichern die 807-Einwohner-Gemeinde um einen so genannten Wellnessclub.
Bis vor Kurzem hat es dafür nicht gut ausgeschaut: Unstimmigkeiten unter den Investoren brachten einen monatelangen Baustopp und schienen ein Aus besiegelt zu haben. Zur Freude kritischen Gemeindebürger. Seit April wird jedoch wieder gebaut. "Ein solches Projekt ist gegen alle christlichen Werte. Man hat kaum mitbekommen, dass Arbeiten wieder aufgenommen worden sind, das wird sicher noch zum Thema", ist Elisabeth Wiesflecker, die Obfrau des Pfarrgemeinderates empört.
Enorme Ausmaße
Die Wiederaufnahme des Baus ging auch deshalb so unbemerkt über die Bühne, weil der Standort fernab der Bundesstraße und von Wohngebieten liegt. Dafür sind die Ausmaße der Anlage, die in einem Wald am Flussufer errichtet wird, enorm: Mindestens 100 bis kolportierte 140 Frauen sollen in dem Club arbeiten. Damit wäre das Bordell das größte Kärntens. Vor allem Freier aus Italien und Slowenien, wo Prostitution gänzlich verboten ist, sollen Geld in die Kassen der Betreiber und in weiterer Folge in die der Gemeinde schwemmen. Kritiker befürchten, der versteckte Standort könnte auch Drogengeschäfte anziehen.
Bei der Polizei ist man gerüstet. "Wir haben eigens ausgebildete Kriminalisten, die monatlich alle Etablissements überprüfen. Außerdem setzten wir Schwerpunktaktionen", sagt Kripo-Chef Gottlieb Türk. Im Raum Villach wird angesichts eines weiteren Großbetriebes, der sexuelle Dienstleistungen anbietet, wohl auch das Personal der Exekutive verstärkt werden. "Es ist erschütternd, dass ein Bürgermeister einer kleinen Gemeinde so etwas für einige Einnahmen notwendig hat", gibt Schwester Silke Mallmann von Talitha, der Beratungsstelle für Opfer von Menschenhandel, zu bedenken. "Das Mindeste wäre es hier einen Sozialarbeiter direkt bei der Meldestelle der Polizei einzusetzen. Dort könnte man die Frauen über Rechte und die Möglichkeit und Hilfe zum Ausstieg informieren."
Bürgermeister Tschinderle beruhigt unterdessen: "Man wollte am Standort auch ein Kasino und ein Hotel realisieren. Es gibt viele renommierte Bewerber. Doch mehr als den bisher genehmigten Betrieb wird es vorerst nicht geben."
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KZ 22.06.2016
Neues Bordell mitten im Wald
Während andernorts protestiert wird, freut sich Hohenthurn auf Bordell: "Belebung für Wirtschaft!"
Man muss nur das richtige Gelände finden, dann gibt es keine Probleme", sagt der Bürgermeister von Hohenthurn Florian Tschinderle. Während in Fürnitz und Villach/Maria Gail (bereits vom Tisch) Anrainer gegen Bordelle protestierten, wird das unter "Wellnesstempel" firmierende Etablissement auf dem Industriegelände Hohenthurn vorangetrieben - im Dezember ist es fertig.
Einzige Anrainer sind der Wald und die angrenzende Autobahn. Das neue Etablissement wird auch eine eigene Küche, ein Restaurant sowie einen Hotelbetrieb für Übernachtungen bieten. Investiert werden sechs Millionen Euro, 20 Arbeitsplätze werden geschaffen. Investor ist eine Schweizer Gruppe, betrieben wird das Bordell von Österreichern. In Hohenthurn freut man sich sogar auf das Bordell: "Für die Gemeinde ist dies natürlich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein wichtiger neuer Betrieb, wir profitieren von der Kommunalsteuer", sagt Tschinderle.
Bordell statt Industrie
Im Jahre 2008 hat die Gemeinde das Industriegelände auf 14 Hektar aus dem Wald gestampft. In der Zwischenzeit ist das Gelände an Kanal-, Wasser- und Stromnetz angeschlossen. 1,5 Millionen Euro hat die Gemeinde investiert. Der erste Betrieb, der sich ansiedelte, war voriges Jahr die russische Firma "Kraftool", eine Werkzeugfirma, die vor allem im osteuropäischen Raum verkauft. 20 Arbeitsplätze wurden geschaffen. Dass der zweite Betrieb auf dem Industriegelände nun ein Bordell wird, hat der Gemeinde zwar Kopfzerbrechen beschert, nach langem Zögern gab man aber grünes Licht. "Es ist die größte Baustelle im Gailtal und eine Belebung für die Wirtschaft", sagt Tschinderle. Der "Wellnesstempel" wurde bereits nach Gewerbe-, Prostitutions- und Baurecht genehmigt.
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