WB 20.03.2018
Bad Lippspringer Harem ist dicht
Insolvenzverfahren und Durchsuchung der Staatsanwaltschaft im Bordell
Der Sauna-Club Harem in Bad Lippspringe ist seit Montag dicht. Das Paderborner Amtsgericht hat das Insolvenzverfahren angeordnet. Am Montag Vormittag erhielten die Mitarbeiter ihre Kündigung und Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten gegen Mittag die Räume des Bordells.
Bereits vor zwei Wochen wurde durch das Paderborner Amtsgericht das vorläufige Insolvenzverfahren angeordnet, zur vorläufigen Insolvenzverwalterin wurde die Rechtsanwältin Cornelia Mönert aus Bielefeld bestellt, so das Gericht. Am Montag Morgen erhielten die knapp zwei Dutzend angestellten Mitarbeiter bei einer Versammlung in den Räumen der ehemaligen Fabrik auf dem 7000 Quadratmeter großen Areal am Strothebach in Bad Lippspringe ihre Kündigung.
Vorausgegangen waren nach Aussage von Mitarbeitern unter anderem ausstehende Lohnzahlungen, die schließlich in der Einleitung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens mündeten. Am Montag gab es vor Ort ein Treffen der Mitarbeiter und Vertretern der Geschäftsführung der »Wellness and more GmbH« mit der Insolvenzverwalterin. Alle Mitarbeiter bekamen nach Auskunft von Betroffenen ihre Kündigung ausgehändigt und mussten das von einem Sicherheitsdienst bewachte Areal verlassen. Bereits am Wochenende mussten ebenfalls nach Zeugenaussagen einige Mieterinnen aus ihren Räumen in dem Haus ausziehen. Ob ein Insolvenzverfahren eingeleitet wird, hängt jetzt davon ab, ob genügend Insolvenzmasse außerhalb der Verwaltungs- und Gerichtskosten vorhanden ist.
Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung
Gegen Mittag durchsuchte dann die Polizei die Räume des Harems aufgrund eines vom Paderborner Amtsgericht erlassenen Durchsuchungsbeschlusses. Die Staatsanwaltschaft Paderborn hatte darum ersucht, weil sie ein Ermittlungsverfahren gegen mehrere Personen wegen des Verdachtes der Insolvenzverschleppung eingeleitet hat, teilte sie auf Anfrage mit.
Bereits vor knapp einem Jahr musste das Bordell, in dem auf Vermietungsbasis von Zimmern etwa 25 bis 40 Prostituierte tätig sind,
vorübergehend geschlossen werden. Hintergrund waren Brandschutzauflagen. Als bei einer regulären Brandschau im April gravierende Mängel festgestellt worden waren, wurde seitens des Kreises die Nutzung untersagt. Nach weitestgehender Erfüllung der Auflagen nahm der Kreis die Schließung zurück.
Hintergrund der aktuellen Geschehnisse sollen nach Angaben aus Behördenkreisen interne Streitigkeiten um die Besitzverhältnisse sein. So verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr 29 Einsätze vor Ort aufgrund von Vorwürfen wie Hausfriedensbruch, Körperverletzung, Randalieren oder Zahlungsstreitigkeiten. In den ersten Monaten dieses Jahres wurden bereits elf Einsätze dieser Art protokolliert, teilte ein Polizeisprecher mit.
Immer wieder für Diskussionen gesorgt
Vor fünf Jahren geriet das Etablissement in die Schlagzeilen aufgrund seiner Werbung am Paderborner Flughafen. Im Ankunftsbereich hatte eine meterhohe Tafel für die »sinnliche Wellness-Oase« geworben. Im Kreistag kritisierten die Bündnisgrünen den Kreis Paderborn als Mehrheitsgesellschafter des Flughafens vor dem Hintergrund von Präventionsmaßnahmen gegen die gewerbliche Prostitution. Die Werbung basierte auf einem Zwei-Jahres-Vertrag, der dem Flughafen einen fünfstelligen Betrag einbrachte. Kurz danach verschwand die Werbung.
Auch in der Bad Lippspringer Politik sorgte die Einrichtung, die selbst damit wirbt, der größte Sauna-Club NRWs zu sein, immer wieder für heftige Diskussionen seit 2006 vor dem Hintergrund, ob bau- und ordnungsrechtlich eine »Erotik-Meile« in Bad Lippspringe verhindert werden könne. Die Debatte wurde 2013 erneut angefacht durch Anwohner- Beschwerden, als sich in direkter Nachbarschaft zum Harem ein
SM-Studio ansiedelte.
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