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Red Light News
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Ankündigung + Protest

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Beitrag von Red Light News »

SAAZ 26.07.2013
Neues Großbordell soll bald in Saarbrücken eröffnet werden

Ein Investor aus Württemberg baut im Saarbrücker Stadtteil Burbach auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern ein Bordell. Wie der Saarbrücker Rechtsdezernent Jürgen Wohlfarth auf SZ-Anfrage mitteilte, geht es um die schon im Jahr 2010 genehmigte Erweiterung und Vergrößerung eines bestehenden Betriebes. Der Standort liegt in der Nähe eines Wohngebiets. Wohlfarth sagte, die Stadt könne nichts dagegen tun. Natürlich habe Saarbrücken "viel zu viele Bordelle", aber die Stadt könne "keine Bedürfnisprüfung vornehmen".
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SAAZ 27.07.2013
Betreiber verteidigt Großbordell

Die Paradise Island GmbH, die in Saarbrücken-Burbach ein neues Großbordell plant, hat ihre Investition verteidigt. Der Investor sieht sich als Vertreter einer „sauberen“ und vom Staat kontrollierten Prostitution.

Der Stuttgarter Investor Jürgen Rudloff hat bestätigt, dass er auf einer Fläche von 6000 Quadratmetern ein Wellness-Großbordell in Saarbrücken Burbach baut. Sein Sprecher Michael Beretin teilte mit, dass das Etablissement bis zum Jahresende fertig sei. Dort sollen rund 50 Frauen arbeiten. Er widersprach zugleich der Aussage des Saarbrücker Ordnungsdezernenten Jürgen Wohlfarth, dass es in der Landeshauptstadt bereits "viel zu viele" Bordelle gebe.

Beretin sagte der SZ, richtig sei vielmehr, dass es in Saarbrücken "viel zu viele Spelunken" gebe, von denen Wohlfarth" mal einige zumachen sollte, weil sie katastrophal betrieben werden". Dort hätten die Frauen keinerlei Freiheiten und müssten tun, was Inhaber und Kunden verlangen. Das sei "dirigistische Prostitution, im Grunde ein Straftatbestand"

"Große Häuser" wie das geplante Investment in Burbach seien für die Behörden dagegen "einfach kontrollierbar". Bei ihm, so Beretin, der in Saarbrücken Geschäftsführer werden soll, finde keine Zwangsprostitution statt. Die Frauen checkten wie im Hotel ein und legten selbst fest, von wann bis wann und wie sie arbeiten. Die Räume würden nach jedem Gast gereinigt. Die Frauen müssten regelmäßige ärztliche Untersuchungen nachweisen. Er biete ihnen über Allianz und DKV eine Altersversorgung und eine Tageskrankenversicherung an.

Beretin sagte, er sei offen für jede denkbare Kooperation mit Behörden, Polizei oder Selbsthilfegruppen von Prostituierten, solange sie nicht "geschäftsschädigend" sei. Die geplante Nutzfläche sei mit 6000 Quadratmetern deshalb so groß, damit die Frauen auf drei von insgesamt fünf Stockwerken die Möglichkeit hätten, sich in Räumlichkeiten zurückzuziehen, in denen sie nicht von Freiern behelligt würden, schlafen, fernsehen sowie essen und trinken könnten. Die Frauen zahlten beim "Einchecken" 79 Euro Eintritt, 23 Euro pro Übernachtung plus 25 Euro Pauschalbesteuerung, die an das Finanzamt abgeführt würden. In der Preisgestaltung mit den Freiern seien sie autonom.

Rudloff betreibt laut Beretin bisher bereits ganz ähnliche Häuser in derselben Größenordnung, wie es jetzt in Saarbrücken geplant ist, in Frankfurt, Stuttgart, Salzburg und Graz. Die Investition in Saarbrücken begründete Beretin mit der Nähe zu Frankreich, wo die Prostitution verboten ist. Die Investitionssumme betrage viereinhalb Millionen Euro.

Er begrüßte ausdrücklich Forderungen aus der Politik nach einer strengeren Regulierung der Prostitution in Form eines "Bordell-Tüvs" und regelmäßigen behördlichen Kontrollen, wie sie etwa von Wohlfarth erhoben worden waren.

Saar-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) verlangte eine Überarbeitung des rot-grünen Prostitutionsgesetzes von 2002, das die Prostitution liberalisiert hatte. Die Behörden sollten über eine Genehmigungspflicht für Bordelle direkt auf die Rotlichtkriminalität einwirken und Bordelle verhindern können, wenn Anforderungen nicht erfüllt werden. Damit solle verhindert werden, dass Frauen "in einem Zustand der Sklaverei leben".
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Spiegel 25.09.2013
"Die Prostitution hat unerträgliche Ausmaße angenommen"

In Saarbrücken arbeiten rund tausend Prostituierte. Die Oberbürgermeisterin versucht, die Situation mit Sexsteuer und Sperrgebieten in den Griff zu bekommen. Ein Investor baut das größte Bordell Südwestdeutschlands.

Da, wo im Dezember das größte Bordell Südwestdeutschlands eröffnet werden soll, wuchert das Gras. Müll liegt herum, in der Einfahrt zum Hinterhof steht ein Einkaufswagen. Ein paar rote Vorhänge hängen schon, das meiste ist noch Baustelle. Handwerker bauen die Klimaanlage ein, die Kabel für die zukünftige Leuchtreklame hängen aus den Wänden.

4500 Quadratmeter groß soll das Etablissement in Saarbrücken-Burbach werden, 45 Mitarbeiter, 70 bis 90 Prostituierte. 60 bis 70 Euro soll der Eintritt kosten. Wer mit einer Frau aufs Zimmer will, handelt den Preis selbst aus. 4,5 Millionen Euro kostet die Firma Paradise Island Entertainment GmbH das Investment.

Das Riesenbordell ist der neueste Schritt einer Entwicklung, die viele in Saarbrücken nicht wollen. Burbach und die Landeshauptstadt des Saarlandes haben große Schwierigkeiten, die Prostitution in den Griff zu bekommen. Viele Franzosen kommen nach Saarbrücken, weil im Gegensatz zu Deutschland in Frankreich Bordelle verboten sind. Das Saarland bedient eine doppelte Nachfrage, auch ein Grund für den Investor, gerade in Burbach ein neues Haus zu eröffnen.

Manche kommen freiwillig, manche gewaltsam

Wie viele Prostituierte es in Saarbrücken gibt, weiß keiner so genau. Nach Schätzungen des Prostituierten-Hilfsverein Aldona e.V . sollen es an die tausend in hundert Bordellen, Clubs oder privaten Räumen sein. Seitdem Bulgarien und Rumänien der EU beigetreten sind, kämen viele Frauen nach Deutschland, um der Armut zu entfliehen. Manche freiwillig, manche durch falsche Versprechungen, manche gewaltsam, sagt Barbara Filipak von Aldona.

Wenn Oberbürgermeisterin Charlotte Britz aus ihrem Fenster im Rathaus schaut, sieht sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwei Bordelle, das Haus Nummer acht und Nummer zehn. "Die gegenwärtige Situation ist schlecht für das Image der Stadt", sagt sie. Britz sorgt sich aber beileibe nicht nur um die Stadt: "Straßenprostitution findet meist unter katastrophalen hygienischen Verhältnissen statt. Menschenhandel ist da auch nicht weit."

Britz will, dass Saarbrücken bis auf zwei Straßen zum Sperrgebiet wird. "Die Prostitution hat unerträgliche Ausmaße angenommen", sagt sie. Die SPD Politikerin fordert zudem eine "kommunale Sexsteuer", die den Anreiz zur Prostitution mindert. Auch das Mega-Bordell in Burbach sieht die Stadt kritisch, hat aber keine Handhabe dagegen.

Tatsächlich gibt es für Städte und Bundesländer nicht so viele Möglichkeiten, gegen Prostitution vorzugehen. Die Bundesregierung hat das Prostitutionsgesetz 2001 neu geregelt. Prostituierte sollte ein Beruf wie jeder andere werden, sozialversichert und besteuert. Wer sich mit Leuten unterhält, die sich in der Szene auskennen, egal ob Polizisten oder Zuhälter, bekommt zwölf Jahre später zu hören, dass sich eigentlich nichts zum Besseren geändert hat. Das gutgemeinte Gesetz nutze vielmehr Zuhältern und Menschenhändlern statt den betroffenen Frauen.

"Früher gab es nur eine Handvoll von uns"

Keine Krankenversicherung nimmt eine Prostituierte zu bezahlbaren Konditionen. Und weil der Staat Steuern erheben will, aber die Einnahmen kaum nachprüfen kann, verlangen manche Städte etwa pauschal 25 Euro pro Tag von Bordellbetreibern. Die geben die Kosten meistens an die Prostituierten weiter, auch wenn sie nur 100 Euro am Tag verdienen.

Vivian (Name geändert) ist raus aus dem Geschäft. Nicht richtig, sie arbeitet immer noch in einem Saarbrücker Club, allerdings nur noch hinter der Bar. Aufs Zimmer geht sie nicht mehr. 22 Jahre lang war sie im Geschäft, mit 17 hat sie angefangen. "Früher gab es nur eine Handvoll von uns in Saarbrücken", erzählt sie. Vor allem nach dem EU-Beitritt Rumäniens und Bulgariens seien viele Frauen nach Deutschland gekommen. Das Angebot stieg, die Nachfrage blieb gleich. "Die Preise sind enorm gefallen", sagt sie. Die ganzen Probleme - Armut, Drogen, keine medizinische Versorgung - das hätte viel damit zu tun. "Auf dem Straßenstrich muss man als Kunde teilweise nur 15 Euro zahlen", sagt sie.

Das neue Etablissement in Burbach liegt direkt oberhalb des Wohngebiets Matzenberg. Neubauten, viele Familien wohnen hier, Kinder spielen Fußball vor den Garagentoren, fünf oder sechs gehen mit Schulranzen die Straße hoch. Ein älterer Mann schimpft: "Schauen sie sich um, hier kann man doch kein Bordell hinbauen." Die Straße runter arbeitet Rudolf Kunzler im Garten. "Ob da jetzt noch ein Bordell mehr oder weniger eröffnet, was macht das schon?", sagt er resigniert. "Wir haben ja schon vier oder fünf."

"Die Hoffnung ist unrealistisch"

"Dass es Proteste gibt, ist ganz normal", sagt Michael Beretin, der zukünftige Geschäftsführer des Bordells. "Wir laden alle Anwohner vor der Eröffnung zu einer Info-Veranstaltung ein, jeder kann das Haus besichtigen." Beretin sagt, große Häuser wie das seine würden sich an gesetzliche Standards halten, würden mit den Behörden zusammenarbeiten und seien einfach zu kontrollieren.

Ein paar hundert Meter vom neuen Mega-Bordell entfernt führen Claudia Saller and Miriam Junasson vor ihren Häusern Nachbarschaftsgespräche. "Wir hatten hier schon mal ein Bordell, davon haben wir wenig mitbekommen", sagt Saller. "Es ist doch besser für die Frauen, sie arbeiten in so einem Haus statt auf der Straße", entgegnet Junasson.

Wer in die Burbacher Stadtmitte fährt, hört dieses Argument oft. Carmen Dienhart betreibt ein Café im Stadtzentrum, das neue Bordell ist schon länger Stadtgespräch. "Ein paar Anwohner sind gegen das Bordell, aber hier in der Stadt sind viele dafür", sagt sie. Besser, die Frauen arbeiten unter hygienischen Bedingungen statt auf der Straße, sei häufig das Argument der Befürworter.
"Da hinten stehen sie immer", sagt Dienhart und zeigt aus dem Fenster. "Aber die werden nicht verschwinden. Vom Straßenstrich in ein Bordell, das funktioniert nicht", sagt sie. Ein älterer Gast nickt stumm und nippt an seinem Kaffee. "Die Hoffnung ist unrealistisch", sagt auch Beretin. "Wer auf dem Straßenstrich arbeitet, wechselt nicht einfach in ein Haus."
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Welt 27.05.2014
Puff-König wünscht sich „ein bisschen Dankbarkeit“

In Saarbrücken entsteht eines der größten Bordelle Deutschlands – auch wegen der vielen Freier aus Frankreich. Dabei wollte die Stadt der Prostitution eigentlich den Kampf ansagen. Ein Ortsbesuch.

Wer das größte Bordell des Saarlandes sucht, landet mit etwas Pech erst einmal bei der Hundeschule. Ausgeschildert ist das Etablissement noch nirgends, und so lotst das Navigationssystem an dem unscheinbaren Bau vorbei – direkt zum benachbarten „Polizei- und Schutzhundesportverein Saarbrücken“. Erst nach einer Kehrtwende fällt das Schild „VIP-Club“ ins Auge, das noch vom Vorgängerbetrieb übrig geblieben ist. Hinterm Haus dann, die Hofeinfahrt hinunter – diskrete Parkplätze gibt es genug –, prangt ein gelber Schriftzug über dem Eingang: „Paradise“.

Als „Mega-Puff“ ist das Projekt des Stuttgarter Investors Jürgen Rudloff verschrien: 4500 Quadratmeter auf zwei Stockwerken, 30 Zimmer, bis zu 50 Prostituierte und 120 Freier pro Tag. Die Paradise Island Entertainment GmbH hat bereits Ableger in Stuttgart, Frankfurt, Graz und Salzburg. Nun haben die Schwaben rund 4,5 Millionen Euro in die Saarbrücker „Wellness-Oase für den Mann“ investiert. Mitte Juni soll sie öffnen. Es wird der vorläufige Höhepunkt einer Prostitutionsdebatte, die das kleine Land bundesweit zum Thema gemacht und Saarbrücken das Image der „Prostitutionshauptstadt“ verpasst hat.

Anlass dafür sind die französischen Freier, die hier im Südwesten sehr gern über die Grenze kommen, denn Bordelle sind im Nachbarland verboten. Sie schaffen eine Nachfrage, die von immer mehr Damen bedient wird: am Bordstein oder von „Bordell-König“ Rudloff am Matzenberg. Hier im Gewerbegebiet, am Rand Saarbrückens, ist es überwiegend grün und ruhig. Im angrenzenden Wohngebiet wird gerade ein Kindergarten gebaut; die Kinder, die in diesem Viertel wohnen, müssen auf ihrem Schulweg jene Straße queren, über die bald die Kunden das „Paradise“ ansteuern werden.

Gesetzliche Kondompflicht

Ein Unding, findet eine Anwohnerin, die fünf Minuten vom neuen Großbordell entfernt lebt – und nicht versteht, wie die Stadt dieses Etablissement ausgerechnet hier zulassen konnte. In einem Ortsteil, in dem ohnehin der Großteil des neu eingeführten Sperrbezirks liegt. Und dann auch noch unmittelbar neben einem American-Football-Spielfeld, auf dem viele Jugendliche trainierten. Sie würde ihre Kinder jedenfalls nicht mehr dorthin lassen, sagt die Mutter zweier Töchter. Das wäre ihr zu riskant bei all den Freiern. 😂😂😂

Die Saarländer sehen im Grenzverkehr die Ursache allen Übels. Und sie versuchen, sich zu wehren: So gilt seit April eine neue Sperrbezirksverordnung für Saarbrücken, die den Straßenstrich räumlich und zeitlich stark eingegrenzt hat; die Frauen dürfen sich nur noch auf drei Ausfallstraßen von knapp drei Kilometer Länge postieren, sie halten sich bislang daran. Damit ist die Straßenprostitution nahezu aus dem restlichen Stadtbild verschwunden – ein erster Erfolg. Außerdem gilt im Saarland seit Neuestem eine gesetzliche Kondompflicht, die allerdings niemand überprüft.

Nur gegen Bordelle wie das „Paradise“ lässt sich nichts machen. Es steht jetzt da, ausgerechnet in jener Stadt, die sich im Kampf gegen die Prostitution an vorderster Front profilieren wollte. Da hilft es nicht gerade, dass „Paradise“-Marketingleiter Michael Beretin sich damit brüstet, Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) offeriert zu haben, mit ihr Strategien gegen die Probleme zu entwickeln. „Ich setze mich nicht mit einem Bordellbetreiber zusammen, um mit ihm Lösungsansätze für die ausufernde Prostitution und Ausbeutung von Frauen zu besprechen“, konterte Britz. „Das wäre doch grotesk.“

Erst einmal zahlen die Frauen

Die Kulisse dieser Posse ist beim Besuch noch eine Baustelle. Balken stapeln sich im Hof des „Paradise“, Kabel hängen aus den Wänden. Auf die unfertig wirkende Anlage angesprochen, wiegelt der Geschäftsführer ab. Die Arbeiten seien „superweit. Alles gefliest, Saunaanlage, Hamam und Dampfbad sind auch fertig.“ Beretin trägt Gelfrisur zum bronzierten Teint, dazu Siegelring und Golduhr. Wenn der 47-Jährige im grauen Anzug samt Sonnenbrille und faustgroßer Gürtelschnalle vor dem „Paradise“ posiert, wirkt er tatsächlich wie ein wandelndes Klischee und perfekt gecastet für fragwürdiges Fernsehen. „Rotlicht-Experten im Einsatz“ heißt die Dokusoap auf RTL II, in der er mitspielt. Natürlich als Rotlicht-Experte.

„Unsere Häuser“, erläutert Beretin, „sind alle im orientalischen Stil gehalten.“ Neben Restaurant und Kino bietet das Großbordell seinen Gästen auch eine Tempelbar und ein Beduinenzelt. Das Interieur ist Teil des Geschäftsmodells. 60 Euro kostet der Eintritt in den Wellnessbereich, Buffet und alkoholfreie Getränke inklusive. Für alle. Die Damen zahlen neben den 60 Euro Eintritt 25 Euro Pauschalbesteuerung, die vom Unternehmen direkt an das Finanzamt abgeführt wird. Die „Paradise“-Betreiber verdienen also sowohl an den Freiern als auch den Prostituierten. Beretin bietet dafür „eine familiäre Atmosphäre“, einwandfreie Hygiene, Rückzugsräume, Sicherheitspersonal und vor allem: transparente Zusammenarbeit mit den Behörden. Alle Frauen zur Untermiete werden registriert, die Daten an Polizei und Finanzamt übermittelt, sagt Beretin.

Doppelt so viele Puffs pro Einwohner wie in Berlin

Das „Paradise“ wird das größte Bordell in Saarbrücken sein, das einzige ist es nicht. 123 ermittelte Rotlicht-Betriebe gibt es in der Stadt, macht einen Puff pro 1500 Einwohner. In Berlin, wo Schätzungen von bis zu 800 Bordellen ausgehen, ist die flächendeckende Versorgung mit Bordellen pro Einwohner nicht mal halb so groß.

Wer verstehen will, warum die Stadt diesem Ausmaß an Freudenhäusern nicht Herr wird, sollte Frank Simons besuchen. Der Brillenträger in Pulli und Jeans empfängt in der Kaffeeküche seines Amtes. Simons leitet die Untere Bauaufsichtsbehörde der Stadt, und weil die sich mit der Nutzung von Grundstücken befasst, fallen die entsprechenden Etablissements auch in seinen Arbeitsbereich – von der Wohnungsprostitution bis hin zu Großbordellen wie dem „Paradise“.

Leuchtreklame verboten

„Aber das Baurecht“, das wird Frank Simons im Gespräch mehrfach wiederholen, „ist nicht das richtige Instrument, um dagegen vorzugehen.“ Er erzählt dann von den Maßnahmen, mit denen seine Behörde es dennoch versucht – und von deren Grenzen. Der Antrag für das „Paradise“ etwa ging über seinen Tisch: Es handelte sich um die Genehmigung für die Erweiterung des bereits bestehenden Gebäudes. Das Spielkasino, das die Betreiber erst darin eröffnen wollten, konnte die Behörde noch ablehnen; für ein Verbot des Gewerbebetriebs aber, den das „Paradise“ daraufhin beantragte, gab es keine rechtliche Grundlage. Simons musste es genehmigen, trotz Wellnessbereich und „Chillroom“, zumal es ordnungsgemäß eben auch in einem Gewerbegebiet angesiedelt ist.

In den Behörden hört man oft den Wunsch nach schärferen Gesetzen: Bundesweite Regelungen seien notwendig, vielleicht sogar EU-weite, das Kommunalrecht jedenfalls reiche im Kampf gegen die Prostitution nicht aus. Denn damit bleibt Städten wie Saarbrücken nichts anderes, als Unternehmen wie das „Paradise“ widerstrebend zu dulden – oder in ihrer Verzweiflung alle verfügbaren Mittel dagegen einzusetzen, und sei es eben das Baurecht, auch wenn diese Maßnahmen zum Teil nur noch Signalcharakter haben.

Schönes Beispiel dafür ist die Entfernung einer Bordell-Leuchtreklame, die eine von Simons’ Mitarbeiterinnen jüngst anordnete: Die Werbeanlage war neben einem denkmalgeschützten Gebäude angebracht worden. Der Betreiber wird sich dem Verbot fügen müssen – doch seine bunt erleuchtete Butze mit den Frauensilhouetten in den Fenstern darf bleiben.

1500 Euro Bußgeld

Viele Saarbrücker fürchten, dass die Puff-Schwemme in Zukunft noch ärger wird. Die Nachfrage jedenfalls wird weiter steigen, sollte der französische Senat dem verschärften Anti-Prostitutions-Gesetz bis Ende Juni zustimmen. Denn dann müssen Freier, die erwischt werden, 1500 Euro Bußgeld zahlen. Auch Michael Beretin rechne „mit den Franzosen, klar“.

Kundenwerbung hat er nicht nötig, doch ihm geht es offenkundig um noch mehr: Er möchte nicht nur geduldet, sondern anerkannt werden. In einer Gesellschaft, in der Prostitution ein legales Gewerbe ist und 14 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr erwirtschaftet, lasse sich dieser Markt nicht einfach wegdiskutieren, sagt er. Als Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Erotikgewerbes wirbt er für die Interessen der Branche, die er zu Unrecht in eine Schmuddelecke gedrängt sieht. Schließlich schaffe sie Arbeitsplätze und zahle Steuern: „Was wir wollen, ist doch nur ein kleines bisschen Dankbarkeit.“

Dankbarkeit ist es nicht gerade, was man im Saarbrücker Rathaus verspürt. Dass die ihre Steuern abführen, ist ihre Pflicht als Gewerbetreibende und nichts, wofür wir dankbar sein müssten, heißt es da. Im Grunde geht es der Stadt im Kampf gegen die Prostitution um eine andere Frage, eine, über die auch im Rest des Landes gestritten wird: Kann Prostitution frei von Zwang und damit eine Dienstleistung wie jede andere sein?

Wann beginnt Zwangsprostitution?

Auf das Thema angesprochen, wird Michael Beretins geschäftlich-jovialer Tonfall laut. Der „Paradise“-Betreiber hört den Vorwurf der Zwangsprostitution oft. „Wir rekrutieren niemanden, die Frauen schreiben uns an, weil sie gern zu uns möchten“, schimpft er. Wenn eine Frau Angst hätte oder Anzeichen für einen Zuhälter erkennen ließe, riefe er sofort die Polizei. Überdies biete das „Paradise“ nur die Plattform für die Anbahnung, soll heißen, die Prostituierten legten ihre Preise selbst fest. Und gefalle ihnen ein Kunde nicht, hätten sie die Freiheit, ihn sitzen zu lassen und sich den nächsten zu suchen.

Ein unglaubwürdiges Szenario, findet Saarbrückens Frauenbeauftragte Petra Messinger. „Zwangsprostitution ist kein strafrechtlicher Begriff, sondern ein Konstrukt, und die Grenzen zwischen Armuts- und Zwangsprostitution sind fließend“, sagt sie. Gerade bei Frauen, die aus Ländern mit großer wirtschaftlicher Not kommen, steckten oft indirekte Zwänge dahinter: Kinder etwa oder Eltern, die versorgt werden müssen. Und selbst wenn man Beretin glaubte, dass er Zwangsprostituierte erstens erkennen und zweitens der Polizei melden würde: Das Geld, das die Sexarbeiterinnen für den Eintritt ins „Paradise“ aufbringen müssten, wolle erst mal verdient sein. „Das sind aus meiner Sicht harte Arbeitsbedingungen für die Frauen“, sagt Messinger.

Michael Beretin hat zurzeit andere Sorgen. Die Möbel sind immer noch nicht da, außerdem regnete es auf der Paradies-Baustelle jüngst durchs Dach. Der Termin für die Eröffnung musste deshalb schon wieder nach hinten verschoben werden. Aber, sagt Beretin, „wenn die Party steigt, werden wir mal so richtig Gas geben“. Oberbürgermeisterin Britz sei natürlich herzlich eingeladen. Und mit den Franzosen wird ohnehin gerechnet.
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NTV 29.11.2013
Saarbrücken fürchtet Sex-Touristen

"Danke an die blöden Franzosen!"

In Frankreich berät das Parlament über ein scharfes Gesetz gegen Prostitution. Mit Spannung wird das in Saarbrücken verfolgt. Schon jetzt kommen zahlreiche Franzosen über die Grenze, denn Deutschland ist Sex-Paradies. Nun fürchtet die Stadt, überrollt zu werden.

Jürgen Rudloff wird in Saarbrücken nicht mit offenen Armen empfangen. Rund 4,5 Millionen Euro investiert der Stuttgarter Unternehmer im Stadtteil Burbach - eigentlich eine tolle Nachricht, wäre Rudloffs Geschäft nur nicht so umstritten. Den "Bordell-König" nennen sie den braungebrannten Mann auch. Mit dem Saarbrücker Bau will sich der König ein weiteres Diadem aufsetzen: 4500 Quadratmeter groß soll der Sex-Tempel werden, den Rudloff im Februar eröffnen möchte. Mit seinem Geschäft will er von der Nähe zu Frankreich profitieren. Vor allem französische Männer sollen sich in dem unscheinbaren und von Bäumen umgebenen Bau stundenweise Frauen kaufen können.

Anders als in Deutschland ist Rudloffs Geschäftsfeld in Frankreich nicht nur verpönt, sondern Bordelle auch seit 1946 verboten. Während derzeit Prostituierte für das Anwerben von Freiern bestraft werden, soll sich der Spieß bald umdrehen. Einige französische Politiker fordern, künftig die Kunden der Liebesdamen zur Kasse zu bitten. Am heutigen Freitag beginnen in der Nationalversammlung die Beratungen über ein entsprechendes Gesetz.

1500 Euro Strafe soll der Kauf von Sex bald kosten, 3000 Euro die Wiederholungstat - sofern das Gesetz denn durchkommt. Haben die Befürworter Erfolg, steht Saarbrücken womöglich ein Ansturm von Sex-Touristen bevor. Das Saarland droht zur heißesten Adresse für Puff-Gänger zu werden. Die französische Grenze ist gleich nebenan, von der Stadt Metz sind es 70 Kilometer bis nach Saarbrücken, von Nancy aus 120.

"Für uns ist das eine Bingo-Karte"

Im Vergleich zu Frankreich ist Deutschland ultraliberal in Sachen Prostitution. Das Geschäft mit dem Sex boomt: Mindestens eine Million Männer lassen sich jeden Tag von 400.000 Sexarbeiterinnen bedienen, heißt es immer wieder. Eindeutige Zahlen gibt es nicht. Das Statistische Bundesamt beziffert den Umsatz im deutschen Rotlicht-Gewerbe auf jährlich 14 Milliarden Euro. Bordellbetreiber Rudloff nimmt sich ein Stück vom Kuchen. Sein kleines Imperium umfasst mittlerweile "Wellness-Oasen" mit dem gewissen Extra in Stuttgart, Frankfurt, Graz und Salzburg, neben Saarbrücken werden Sylt und das österreichische Villach folgen. Für München, Hamburg und Köln/Düsseldorf gibt es Pläne, wie Rudloffs Marketing-Chef Michael Beretin n-tv.de sagt.

Beretin hofft, dass das französische Anti-Prostitutions-Gesetz durchkommt und Tausende liebeshungrige Franzosen über die Grenze strömen. "Für uns ist das eine Bingo-Karte", jubiliert er. "Danke an die blöden Franzosen!" Nach Beretins Darstellung sind er und Rudloff sehr willkommen in der saarländischen Hauptstadt. Schließlich würden sie den käuflichen Sex von der Straße holen. Obwohl ein Sprecher der Stadt mittlerweile von einem "unerträglichen Maß" an Prostitution spricht, sei das Großbordell willkommen, behaupten die Erotik- Unternehmer. "Wir haben ein super Verhältnis zur Oberbürgermeisterin, Frau Britz. Sie kann aber als SPD-Frau nicht offen sagen: 'Wie schön, dass ihr kommt.'

Die Stadt wiederum sieht das ein bisschen anders. Zur angeblichen Freude in Saarbrücken sagt Rechtsdezernent Jürgen Wohlfarth: "Das ist die Darstellung der Betreiber. Froh ist hier keiner. " Nur leider sei es so, dass Rudloff einen Rechtsanspruch besitzt. Sein Bordell ist ein Gewerbebetrieb - und rein formell gibt es keinen Grund, diesen zu verbieten. Denn anders als in Frankreich ist die Prostitution hierzulande völlig legal.

Die Freier wollen es immer billiger

Beretin verspricht vollmundig ein sicheres, hygienisches und sauberes Haus, Steuereinnahmen und keine Belästigungen für Anwohner, weil das neue Sex-Paradies in einem Gewerbegebiet liege. Auch die Damen seien sicher: "Jede Frau wird datentechnisch komplett erfasst. Wir haben auch einen engen Kontakt zur Polizei." Auch wenn die Frauen nicht angestellt würden, sondern als Gäste gelten, verlange das Bordell regelmäßige Nachweise vom Gynäkologen.

Barbara Filipak glaubt hingegen nicht, dass sich am Problem der Straßenprostitution etwas ändern wird. Die Mitarbeiterin der Prostituierten-Beratung Aldona meint: "Es gibt ja schon jetzt viele Bordelle in der Nähe. Und die Frauen, die auf der Straße arbeiten sind nicht diejenigen, die dann zu Herrn Rudloff gehen. "Auf den Straßen stünden zumeist Bulgarinnen und Rumäninnen. "Viele sind Analphabetinnen oder haben gerade mal drei Schulklassen absolviert", erzählt Filipak. Etwa 800 bis 1000 Liebesdamen vermutet sie schon heute in Saarbrücken. Die Frauen arbeiteten unter härtesten Bedingungen: "Die Freier wollen immer weniger zahlen, immer häufiger Sex ohne Kondom und verlangen immer häufiger Praktiken, von denen die Frauen vorher noch nie etwas gehört haben."

Zu dem geplanten Anti-Prostitution-Gesetz in Frankreich hat die Beraterin ein gespaltenes Verhältnis. Es werde wohl nicht dabei helfen, das Geschäft mit dem käuflichen Sex einzuschränken, glaubt sie. Jedoch sei zu hoffen, dass sich die Franzosen an den Schweden orientieren. Dort sei das Verbot der Prostitution auch verbunden mit Aufklärung in Schulen. "Jungs lernen schon früh, dass man keiner Frau für Sex Geld anbieten darf. Hier in Deutschland ist die Prostitution aber mittlerweile gesellschaftsfähig geworden."

"Dreckskerle" fordern: "Finger weg von meiner Hure"

Den französischen Politikern ist es zuallererst ernst mit dem strikten Verbot käuflicher Liebesdienste. Sozialistische Abgeordnete und die französische Frauenrechtsministerin Najat Vallaud-Belkacem nennen ihre Initiative "Gesetz zur Verstärkung des Kampfs gegen das System Prostitution". Die Meinungen sind quer durch alle politischen Lager gespalten, viele lehnen das Gesetz ab. "Prostituierte sind Opfer", sagt dennoch ganz entschlossen die Abgeordnete Maud Olivier, die den Gesetzentwurf maßgeblich vorantreibt. Sie will Freier unter anderem zu sozialer Arbeit verdonnern und sie über das "entwürdigende Frauenbild" aufklären, was durch die Prostitution verbreitet werde.

Aber auch dagegen gibt es eine Initiative: ein Appell von 343 selbst ernannten "Dreckskerlen". In ihrem Manifest heißt es: "Finger weg von meiner Hure". Zu den Unterzeichnern gehören unter anderen in Frankreich bekannte Journalisten und Schriftsteller. Sie bekennen sich dazu, die Dienste von Huren in Anspruch zu nehmen oder es künftig tun zu wollen. Sie als potenzielle Freier wollen sich nicht kriminalisieren lassen.

Vor der Verschärfung des Gesetzes warnt auch die Prostituierten-Gewerkschaft "Strass". Sie und viele andere Sozialarbeiter fürchten, dass die Prostitution noch stärker völlig verborgen stattfindet. Diese Arbeit fern der staatlichen Kontrolle tue sei eine große Gefahr für die Prostituierten.
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LT 03.07.2014
Demo gegen Riesenbordell im Saarland

Eines der größten Bordelle in Europa eröffnet am Donnerstag im Saarland. Doch seit Beginn des Baus ist es umstritten. Nun wird demonstriert.

4500 Quadratmeter nur für Sex. Das gibt's ab Donnerstag im Saarbrücker Stadtteil Burbach. Denn dann soll das neue Großbordell eröffnet werden. Das berichtet SR-Online . Parallel zur Eröffnung wollen Gegner des Etablissements um 19.30 Uhr eine Demonstration veranstalten. Gegen das neue Bordell - aber auch gegen Prostitution als Luxusgut. Ausdrücklich, so sagen die Organisatoren der Demo, richte sich die Aktion nicht gegen die Prostituierten.

Das Großbordell verfügt über 50 Prostituierte und 30 Zimmer - verteilt über zwei Stockwerke. Es ist eines der größten Häuser Europas. 120 Freier werden jeden Tag erwartet, vornehmlich Franzosen. Bereits während des Baus sorgte das fünf Millionen teure Projekt für europaweites Medien Aufsehen. Nun wird es trotz Widerstand in Betrieb genommen.
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Eröffnung

#3

Beitrag von Red Light News »

LT 04.07.2014
Nackte Frauen bewerfen Bordell-Betreiber mit Obst

Während der Eröffnung des Riesenbordells in Saarbrücken haben am Donnerstagabend Femen-Aktivistinnen den Betreiber mit Äpfeln und Pfirsichen beworfen.

Bei der Eröffnung des Großbordells in Saarbrücken am Donnerstagabend haben Aktivistinnen der feministischen Frauenrechtsgruppe «Femen» mit nackten Brüsten gegen Prostitution demonstriert. Das berichtete S R -O n l i n e . Die Frauen bewarfen den Bordellbetreiber mit Äpfeln und Pfirsichen. Die Polizei nahm die Frauen fest.

Ein Saarbrücker Aktionsbündnis hatte die Demonstration organisiert, um gegen die «Verharmlosung von Prostitution als Luxus- und Wellnessangebot» zu protestieren. Organisatorin Annette Keinhorst sagte dem S R : «Wir finden nicht, dass Frauen etwas sein sollen, was man so eben mal mitkauft, nachdem man in der Sauna war.» Die Aktion richte sich ausdrücklich nicht gegen die Prostituierten.

Weil das Paradies als Gewerbebetrieb in einem Gewerbegebiet gebaut wurde, war der Bau des Großbordells trotz großer Kritik juristisch nicht zu verhindern. Die Prostituierten arbeiten selbständig und bezahlen den Betreiber pauschal für die Nutzung des Zimmers. Offiziell ist es also wie ein Hotel. Das «Paradies» hat 4'500 Quadratmeter, zwei Stockwerke und 30 Zimmer. Es ist eines der größten Bordelle Europas.
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Razzia 🚨

#4

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Bild 01.12.2014
TV-Star bei Puff-Razzia festgenommen

Groß-Razzia im Saarbrücker Mega-Puff „Paradise“. Unter den 5 Festgenommenen: TV-Star Michael Beretin, bekannt aus „Rotlichtexperten im Einsatz“ (RTL 2)“!

Pünktlich um 18 Uhr startet die Aktion. Die Beamten kontrollieren die Personalien der Prostituierten, LKA-Mitarbeiter suchen nach Beweismitteln im Büro des Betreibers der Kette: Jürgen Rudloff.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Stuttgart, die das Verfahren leitet: Menschenhandel, Zuhälterei, Untreue.

Es wird überprüft, ob die Frauen (zumeist stammen die im „Paradise“ aus Osteuropa) Zwangsprostituierte sind. Zudem sollen nach BILD-Informationen Investorengelder veruntreut worden sein, u. a. die eines bekannten Sportmanagers.

Außer in Saarbrücken sollen in 3 weiteren Städten Razzien stattgefunden haben (u. a. in Stuttgart und Graz).

5 Verdächtige wurden festgenommen. Darunter TV-Star Michael Beretin – denn der ist zugleich Geschäftsführer des Saarbrücker Bordells.
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#5

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STZ 21.07.2015
Großbordell Paradise soll verkauft werden

„Paradise“-Chef Jürgen Rudloff zieht sich offenbar aus der Branche zurück: Er bestätigte, dass es einen Interessenten gebe. Gegen Rudloff wird wegen Betrugs ermittelt; Mitarbeiter des Clubs stehen wegen Menschenhandels vor Gericht.

Ich stehe in Verhandlungen“, sagt Jürgen Rudloff. Der Unternehmer, der unter anderem Chef des Großbordells Paradise in Leinfelden-Echterdingen ist, bestätigte am Freitag gegenüber der Stuttgarter Zeitung, dass er beabsichtige, seine „ganze Gesellschaft“ zu verkaufen. Damit meint er die drei Häuser in Frankfurt, Saarbrücken und in Echterdingen. Über die Verhandlungen lässt er sich nichts Näheres entlocken. In der Branche spricht man von rund 30 Millionen Euro für alle drei Betriebe, Leinfelden-Echterdingen soll den Interessenten acht bis neun Millionen Euro wert sein. „Das kommentiere ich nicht, solange Gespräche laufen“, sagt Rudloff. Was er selbst in Zukunft geschäftlich plane, will der 61-Jährige auch noch für sich behalten.

Dass Rudloff sich offenbar aus der Sexbranche zurückzieht, ist nicht überraschend, da seine Geschäfte zurzeit von der Staatsanwaltschaft durchleuchtet werden. Seit vergangenem Herbst wird gegen ihn und seinen Geschäftsführer ermittelt. Rudloff soll Investorengelder für Betriebe eingeworben, diese dann aber nicht für den Bau weiterer Bordelle, sondern für seine eigenen Zwecke verwendet haben. Am Landgericht läuft bereits ein Verfahren wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und Zuhälterei gegen zwei Prostituierte des Clubs Paradise sowie einen jungen Mann. Der Mann soll jungen Frauen die große Liebe vorgespielt und sie so zur Prostitution gebracht haben.

Rudloff: „Interessenten kamen auf mich zu“

Der Bordellchef, der zurzeit in der Schweiz leben soll, betont mehrfach, dass nicht er seine Betriebe zum Kauf angeboten habe, sondern jemand auf ihn zugekommen sei. Dabei soll es sich um „ein großes Unternehmen“ handeln, das über das notwendige Kapital verfüge, mit der Sexbranche aber bislang nichts zu tun habe.

Was Rudloff auch wichtig ist zu verbreiten: Der Kaufinteressent habe signalisiert, den Betrieb weiterführen zu wollen. „Das heißt, dass niemand in den Häusern Angst um seinen Arbeitsplatz haben muss, es bleiben alle“, sagt der scheidende Chef. Schließlich habe er allein in Leinfelden-Echterdingen rund 60 Jobs geschaffen, lobt er sich selbst. Die Kaufsumme beziehe sich zumindest im Fall des Paradise allein auf den Betrieb und nicht auf das Gebäude. Die Immobilie soll angemietet sein. „Das Geschäft dreht sich um die ganze Gesellschaft, mit gemieteten und erworbenen Immobilien“, sagt Jürgen Rudloff dazu.
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