Fünf Jahre hieß der Saunaclub am Westring Great Palace. Jetzt trägt er den Namen Penelope. Bei unserer Recherche stießen wir auf viel Unklares und einen Besitzerwechsel. Vielleicht gab es sogar einen zweiten.
Zu übersehen ist der neue Name nicht. Der Saunaclub am Westring, in dem es bekanntlich nicht nur ums Schwitzen geht, firmiert unter neuem Namen. " Penelope" steht in großen Lettern an dem roten Klinkerbau und ist als markanter Schriftzug auch am Parkplatz gegenüber, auf dem gerade noch ein bisschen mit dem Bagger gebuddelt wird, auf Bändern zu lesen. Statt Great Palace oder ein paar Jahre zuvor Amnesia heißt es jetzt also Penelope. Offenbar nach jener Dame, die sich über viele lange Jahre in unerfüllter Sehnsucht auf die Rückkehr ihres Gatten Odysseus aufrieb, um ihm schlussendlich wieder in die Arme zu sinken. Ob s dieser Akt war oder womöglich eine andere Geschichte hinter dem neuen Namen steckt, das wollten
wir gerne wissen. Aufgeploppt ist Penelope in der Facebook-Gruppe " Du bist Castroper, wenn..." . Da teilte ein User namens " Janinho
Pernambucano" in Vollendung des Satzes mit: " ... wenn du dich um die wesentlichen Dinge in Castrop kümmerst und dir
bekannt ist, dass das Great Palace einen neuen Namen hat." Ob das nun als Ironie durchgehen sollte oder eben nicht, sei mal dahingestellt.
Ein praller Popo von hinten
Die beiden Damen, mit denen unsere Redaktion bei der Recherche sprach, versprachen, die Bitte um Auskunft an den Chef weiterzuleiten. Der riefe dann zurück - oder auch nicht. Mit dem freundlichen Hinweis, für Werbung hätte er seine Leute. Aber war hier jemals von Werbung die Rede? Die Homepage von Penelope jedenfalls verrät auch keine E-Mail-Adresse, sondern präsentiert einen prallen Popo von hinten. " Im Aufbau" steht da nur zur Erklärung.
Ex-Betreiber Heinz Pfau
Einen Takt mehr verrät " stupsi" im Internetforum " Ruhrgebiet-Clubs/Bordellcommunity" . Da steht etwas von einem Besitzerwechsel. Gehört das Bordell also nicht mehr Heinz Pfau, der vor vielen Jahren ein Fitnessstudio in der Altstadt betrieb? Nein, der " Saunaclub Penelope Deluxe" , so firmiert er im Netz, hat offenbar den Besitzer gewechselt. " Hab ich vor zwei Jahren verkauft" , sagt Heinz Pfau gegenüber unserer Redaktion am Telefon. Und: Soviel er wisse, sei der Laden noch mal verkauft worden. Ob es eine Verbindung gibt zu Penelope in Essen? " Vom Hörensagen könnte das sein" , sagt Pfau. Das Bordell Penelope in Altenessen wurde erst kürzlich still gelegt, nachdem es fast 30 Jahre lang in einer Wohnsiedlung betrieben worden war. Freilich ohne dafür jemals die Genehmigung der Stadt Essen bekommen zu haben. Eigentlich sollte das Haus vor den Sommerferien zwangsversteigert werden, das zuständige Gericht zog den angesetzten Termin allerdings zurück. Vermutlich, weil eine Partei ausgezahlt worden ist. Heinz Pfau bringt es auf den Punkt: " Ob das jetzt Amnesia, Great Palace oder Penelope heißt, ist doch völlig egal."
Großeinsatz in Castrop-Rauxel: Polizei durchsucht Saunaclub
NRW-Innenminister Herbert Reul vor Ort - Über 150 Einsatzkräfte von Polizei, Zoll, Steuerfahndung und Ordnungsamt im Einsatz
Castrop-Rauxel (Kreis Recklinghausen) - Um Punkt 21 Uhr am Freitagabend (26.04.) stürmten Polizisten der Einsatzhundertschaft einen Saunaclub in Castrop-Rauxel. Über 150 Einsatzkräfte von Polizei, Zoll, Steuerfahndung und Ordnungsamt waren an der Aktion beteiligt. Ihr Ziel war es, mögliche illegale Prostitution oder Ausbeutung von Frauen zu überprüfen. Gleichzeitig wurde das „Penelope“ daraufhin untersucht, ob dort illegale Spielautomaten betrieben werden. Der Verdacht liegt nahe, dass die Glücksspielsteuer nicht ordnungsgemäß entrichtet wird. Auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) war persönlich vor Ort, um sich ein Bild von den Durchsuchungen zu machen. Zeitgleich führte die Polizei in Marl weitere Razzien in Shishabars und Clubs durch, um Verstöße gegen gesetzliche Auflagen und unverzollten Shisha-Tabak zu ahnden. Eine Auswertung der Razzia steht noch aus. Bis in die Nacht hinein waren die Einsatzkräfte aktiv.
Castrop-Rauxel/Marl (NRW) – Um 21 Uhr fand die Sex-Party im Saunaclub „Penelope“ ein jähes Ende. Über 100 Einsatzkräfte von Polizei, Zoll und Ordnungsamt stürmten das pink beleuchtete Bordell in Castrop-Rauxel. Groß-Razzia im horizontalen Gewerbe!
Kurz nachdem die Beamten alle Räume und Personen gesichert haben, fährt NRW-Innenminister Herbert Reul (71, CDU) vor. Als Vorkämpfer gegen die organisierte Clankriminalität möchte er sich den spektakulären Einsatz aus der Nähe anschauen.
"Hier geht’s darum zu klären: Haben hier alle eine Aufenthaltserlaubnis, ist die Kassenführung sauber, werden Steuern gezahlt, haben die Verantwortlichen eine Genehmigung, so einen Laden führen? Wir haben bei dem Besitzer den Hinweis auf Rocker-Bezüge, auch das überprüfen wir.“
Der Grund für den ungewöhnlichen Zugriff in dem Sex-Club im Ruhrgebiet: Die Ermittler wollen überprüfen, ob dort möglicherweise illegale Prostituierte anschaffen oder Frauen ausgebeutet werden. Außerdem soll im „Penelope“ überprüft werden, ob dort illegale Spielautomaten aufgestellt worden sind. Es geht dabei um den Verdacht, dass die Glücksspiel-Steuer nicht ordentlich abgeführt wird.
Während des Einsatzes verlassen erste frustrierte Kunden den Saunaclub, gehen auf dem überfüllten Parkplatz zu ihren Autos. Einer redet genervt auf die Polizisten ein: „Was soll das denn, das ist ein sauberer Laden, wir haben nichts gemacht und sind jetzt die Doofen.“
Auch mehrere Prostituierte haben früher Feierabend. Die leicht bekleideten Frauen laufen durch den kalten Abend schnell zu ihren Wagen und verschwinden.
Zeitgleich führt die Polizei in Castrop-Rauxel und Marl weitere Razzien in Shishabars und Clubs durch. Wie immer geht es um unverzollten Shisha-Tabak, Verstöße gegen gesetzliche Auflagen und den Verdacht, dass die Einnahmen nicht ordentlich versteuert werden. Deshalb ist auch der Zoll mit Finanzfahndern am Einsatz beteiligt.
Im Saunaclub „Penelope“ dauern die Kontrollen am Abend länger. Ein Ermittler: „Der Club ist wirklich rappelvoll. Die meisten Personen waren nur leicht bekleidet oder hatten sogar nur ein Handtuch um die Hüften gewickelt. Wir müssen jetzt erst mal einzeln abklären, welche Papiere zu welchen Personen gehören.“
Innenminister Herbert Reul zeigte sich vor dem Sex-Club vorerst zufrieden mit dem Einsatz: „Es ist noch zu früh, eine konkrete Bilanz zu ziehen. Auch wenn wir hier nicht viel finden sollten, solche Einsätze sind völlig richtig. Wir gewinnen so Erkenntnisse darüber, wer mit wem Geschäfte macht, wer Beziehungen im Milieu zu wem hat. Und wir müssen jederzeit klarmachen, dass bei uns Recht und Gesetz gelten.“
Insgesamt wurden bei den Kontrollen über 270 Personen und 75 Fahrzeuge überprüft. Ein Auto wurde sichergestellt: Betriebserlaubnis erloschen! Außerdem fünf illegale Glücksspielautomaten, Drogen und Bargeld.
Die Beamten stellten zwei Anzeigen wegen illegalem Glücksspiel, fünf Anzeigen wegen Verkehrsverstößen, eine Anzeige wegen Steuerhehlerei, eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Baurecht und die Schließung des Gebäudes.
Ein Haftbefehl wurde vollstreckt. Außerdem gab drei Verwarngelder und eine Ordnungswidrigkeitsanzeige wegen Verkehrsverstößen, neun Ordnungswidrigkeitsanzeigen wegen illegalem Glücksspiel und vier Ordnungswidrigkeitsanzeigen wegen Gewerbeverstößen.
Zum Artikel
Polizeikolonne und Beschlagnahmungen in Castrop-Rauxel
Gegen 20 Uhr sammelten sich die Einsatzkräfte auf dem Forumsplatz zwischen Stadt- und Europahalle sowie dem Rathaus am Stadtmittelpunkt. Von dort aus schwärmten die Fahrzeuge in diesem von langer Hand geplanten abgestimmten Einsatz aus.
Ein Teil der Kolonne fuhr zum Westring. Dort durchsuchten die behördlichen Mitarbeiter unter dem Schutz der Polizisten den Saunaclub Penelope direkt an der A42-Ausfahrt Bladenhorst. Hier war auch die Presse vertreten hier gaben Zurhausen und Reul Interviews. Hier sprach die Polizeipräsidentin auch erstmals Klartext, dass es an drei weiteren Stellen, wörtlich „Café und Teestuben“ in Castrop-Rauxel, parallel Einsätze gegeben habe.
Bei den Kontrollen wurden nach Angaben der Polizei über 270 Personen und 75 Fahrzeuge überprüft. Während dieser Kontrolle stellten die Einsatzkräfte folgende Verstöße fest:
2 Strafanzeigen wegen illegalem Glücksspiel
5 Sicherstellungen von illegalen Glücksspielautomaten
1 Strafanzeige wegen Betäubungsmitteln
1 Sicherstellung von Betäubungsmitteln
1 Sicherstellung von Bargeld
1 Vollstreckung eines Haftbefehls
3 Verwarngelder im Verkehr
1 Anzeige wegen einer Ordnungswidrigkeit im Verkehr
3 Strafanzeigen im Verkehr
Außerdem wurde bei Verkehrskontrollen ein Auto sichergestellt, dessen Betriebserlaubnis erloschen war.
Des Weiteren stellte die Polizei Verstöße durch die Netzwerkpartner fest:
1 Strafanzeige wegen Steuerhehlerei
6 Ordnungswidrigkeit-Anzeigen wegen illegalem Glücksspiel
1 Strafanzeige im Bereich Baurecht und Objektschließung
4 Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen wegen Gewerbeverstoß
Herbert Reul bei Saunaclub-Razzia in Castrop-Rauxel
Dass der NRW-Innenminister einen Polizeieinsatz live vor Ort verfolgt, ist nicht unbedingt üblich. In Castrop-Rauxel war es am Freitagabend der Fall.
Der NRW-Innenminister Herbert Reul war am Freitagabend (26.4.2024) bei einer Polizei-Razzia Teil des Sicherheitskräfte-Aufgebots. Er kam mit der rie- sigen Polizeikolonne zum Saunaclub Penelope an der A42-Ausfahrt Bladenhorst am Westring, um sich den Zugriff vor Ort anzusehen. Er selbst ging begleitet von Sicherheitspersonal in den Saunaclub herein und kehrte nach einigen Minuten zurück. Dann nahm er sich kurz Zeit, mit der Presse zu sprechen.
Erste Hinweise, es könnte sich um eine Razzia im Zuge der Massenschlägerei-Ermittlungen von 2023 handeln, wies er zurück: „Es handelt sich um eine normale Durchsuchung, wie sie immer wieder in NRW stattfindet. Es geht um Rockerclubs und das Rotlichtmilieu.“
Die Polizeibeamten schauten zusammen mit Kräften des Ordnungsamtes, ob man im Club Menschen antreffe, die irregulären Beschäftigungsverhältnissen nachgingen, ob sie alle eine Aufenthaltserlaubnis vorlegen könnten und nach weiterem: „Wir haben Automaten sichergestellt, auch an anderen Stellen, um unter anderem die saubere Kassenprüfung zu überprüfen“, so Reul im Interview mit unserer Redaktion. Der Einsatz sei ganz richtig vor dem Hintergrund der Dinge, die sich oft in solchen Etablissements ereigneten.
Den großen Aufwand mit so viel Polizeikräften könne man nicht vermeiden: „Das ist immer bei diesen Sicherheitsthemen so. Wenn Sie gegen Kriminelle vorgehen wollen, müssen Sie einen gigantischen Aufwand betreiben“, so Reul weiter. „Polizisten sind entweder massiv auf der Straße im Einsatz oder auch monatelang im Hintergrund mit Ermittlungsarbeit beschäftigt.“
Reul: Nichts Überraschendes gesehen
Im Saunaclub habe er selbst nichts Überraschendes gesehen. „So, wie es in einem solchen Saunaclub eben aussieht“, sagte Reul in unserem Livestream vom Einsatzort in die Kamera. Zusammenhänge zu anderen Ereignissen aus der Vergangenheit in Castrop-Rauxel sehe er aktuell eher nicht. „Das kann man nicht ausschließen in dieser Szene“, so Reul, aber direkte Zusammen- hänge oder akute Hinweise habe es bisher nicht gegeben.
Dass Innenminister Reul selbst so einen Polizeieinsatz begleitet, ist eher un- gewöhnlich. Zwar ließ er sich über die Vorfälle im vergangenen Jahr in Castrop-Rauxel wie den Anti-Terror-Einsatz an der Langen Straße und den Massenschlägerei-Vorfall von der Wartburgstraße laufend unterrichten und kam Ende Juli 2023 auch nach Castrop-Rauxel, um im Nachgang darüber zu diskutieren. Aber zur dunklen Abendstunde bei einem Zugriff live dabei zu sein und sich den Ort des Geschehens selbst anzuschauen, ist nicht unbedingt sein tägliches Arbeitsumfeld.
Zum Artikel
Nach den Razzien in Castrop-Rauxel äußert sich die Polizeipräsidentin des Kreises Recklinghausen: Friederike Zurhausen im interview.
Neben NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) war auch Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen am Freitagabend (26.4.2024) beim Großeinsatz der Ordnungs- und Polizeikräfte in Castrop-Rauxel am Saunaclub Penelope zugegen. Im Interview mit unserer Redaktion erklärte die Chefin des Polizeipräsidiums, das neben den zehn Kommunen des Kreises Recklinghausen auch noch die Stadt Bottrop umfasst, es habe sich um eine Großkontrolle mit den „Netzwerkpartnern“ gehandelt, bei der die Polizei „in der Amts- und Vollzugshilfe“ tätig sei.
Vor allem geht es bei einer solchen Kontrolle um Mitarbeiter von Zoll und Finanzämtern, vom Ordnungsamt und Ausländeramt sowie Leuten des Kreises Recklinghausen, sagte Zurhausen am Abend am größten Einsatzort. „Wir überprüfen verschiedene Bereiche: aufenthaltsrechtliche Genehmigungen der hier arbeitenden Frauen, die Kassen, ob das Glücksspiel legal läuft und solche Dinge“, erklärte sie.
Neben dem Saunaclub habe man noch drei Cafés oder Teestuben in Castrop-Rauxel aufgesucht. „In einem der Objekte sind fünf Automaten sichergestellt worden, die in einem verschlossenen Raum aufgefunden worden waren“, sagte sie gegen 22 Uhr zum aktuellen Stand des parallelen Zugriffs.
Man haben hier an diesem Abend die Kräfte gebündelt, um an verschiedenen Orten diese Maßnahmen umzusetzen. Hintergrund sei laut Zurhausen ein seit 2019 bestehendes „Clan-Lagebild“. Das habe unter anderem die Erkenntnis erbracht, dass in ihrem Bezirk, also dem Kreis RE und Bottrop, Clankriminalität erheblich stattfinde. „Unsere Netzwerkpartner und wir versuchen gebündelt Kontrollen durchzuführen. Wir sind nur in Amts- und Vollzugshilfe hier, nutzen aber die Gelegenheit, Geschäftsmodelle aufzuhellen und aufzuklären“, so die Polizeipräsidentin.
Auch Innenminister Reul hatte sich gegenüber unserer Redaktion in ähnlicher Weise geäußert. Er sprach aber eher von Ermittlungen im Rockermilieu und sagte gegen 21.30 Uhr, es habe am Abend bis dahin am Saunaclub keine Erkenntnisse oder Hinweise auf Verbindungen zum Clan-Milieu gegeben.
Zum Artikel
CDU kontert SPD-Kritik zu Reuls großem Polizei-Einsatz
Scharfe Kritik übt die SPD im NRW-Landtag an dem Polizei-Einsatz von Herbert Reul in Castrop-Rauxel und Marl. Bundestagsabgeordneter Michael Breilmann (CDU) ist fassungslos.
Keine Stunde nach offiziellem Einsatzbeginn am Saunaclub Penelope am Westring in Castrop-Rauxel meldete sich am Freitagabend die NRW Landtagsfraktion zum laufenden Großeinsatz der Polizei zu Wort. Die innenpolitische Sprecherin der Fraktion, Christina Kampmann, ließ sich wie folgt zitieren: „Während in NRW die Kinder- und Jugendkriminalität steigt, macht Herbert Reul weiter Jagd auf unversteuerten Tabak. Natürlich ist es wichtig, gegenüber den Clans klare Kante zu zeigen. Aber wenn diese Landesregierung nur halb so viel Energie auf unsere Kinder und Jugendlichen legen würde wie auf die Inszenierung ihrer PR-Razzien wäre dem Land noch mehr geholfen.“
Damit kritisiert die Landes-SPD den Großeinsatz, der parallel an vier verschiedenen Orten in Castrop-Rauxel und später auch in Marl durchgeführt wurde. Diese Razzia hat am Freitagabend einen Löwen-Anteil an Polizeikräften, Zoll- und städtischen Mitarbeitern gebunden. Einen konkreten Anlass habe es laut Aussage des NRW-Innenministers aber nicht gegeben. Reul betonte aber, dass es wichtig sei, Präsenz zu zeigen: „Wenn man die Regeln nicht einhält und erwischt wird, gibt es Ärger.“
Der Castrop-Rauxeler Bundestagsabgeordnete Michael Breilmann sieht das erwartbar anders und stärkt der Großrazzia seines CDU-Innenministers den Rücken: „Es bestätigt uns in unserer Einschätzung, dass die von der Landesregierung verfolgte Politik der tausend Nadelstiche richtig ist und es null Toleranz gegen Kriminalität, auch Clankriminalität, geben darf. Dazu ist der Ansatz von groß angelegten Razzien unter Beteiligung mehrerer Behörden
zielführend.“
Dazu hatte Herbert Reul nicht zuletzt beim CDU-Neujahrsempfang in Castrop-Rauxel 2023 vor dem Hintergrund des großen Anti-Terror-Einsatzes an der Langen Straße referiert und sich Beifall von seiner Partei für seine politische Linie eingeholt.
Verheerende SPD-Äußerung
Breilmann findet aber auch klare Worte in Richtung NRW-SPD: „Die Äußerungen der innenpolitischen Sprecherin der SPD zu dem Einsatz sind jedoch verheerend. Es ist unfassbar, dass aus der NRW-SPD der sinnvolle gemeinsame Einsatz von Polizei, Zoll, Kreis, Stadt und Finanzverwaltung in Castrop-
Rauxel als PR-Razzia diskreditiert wird.“
Breilmann bedankt sich bei den knapp 150 Einsatzkräften der Polizei und den weiteren zuständigen Behörden. Das Zeichen von Polizeipräsidentin Frederike Zurhausen und Herbert Reul, bei dem Einsatz vor Ort gewesen zu sein, hält der CDU-Bundestagsabgeordnete für „wichtig und richtig“.
Zum Artikel
Bürgermeister Kravanja zur Kontroll-Razzia: „Hat geholfen, aber muss es nicht jeden Tag haben“
Lohnt sich ein Einsatz so vieler Kräfte von Behörden und Polizei, wenn es kaum zählbare „Erfolge“ gibt? Ja, sagt Bürgermeister Kravanja und ergänzt
ein Aber.
Sie überprüften polizeilich 270 Personen und 70 Fahrzeuge. Behörden stellten fünf Spielautomaten sicher und in einem Fall Drogen. Ein bereits vorliegender Haftbefehl wurde vollstreckt, zwei Strafanzeigen wegen illegalen Glücksspiels wurden geschrieben. Sieht so eine „erfolgreiche“ Razzia in vier Objekten mit Hunderten Sicherheitskräften aus, zu der selbst NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) kommt und sich am Saunaclub Penelope ablichten lässt?
Schon zwischen der Landes-SPD und der Landes-CDU ist darüber eine Debatte entfacht: Noch am selben Abend ließ sich die innenpolitische Sprecherin Christina Kampmann (SPD) kritisch zu dieser „PR-Razzia“ ein. Die CDU verteidigte die große Aktion als Teil ihrer „Politik der tausend Nadelstiche“ gegen kriminelle Machenschaften von Clans, Rockerclubs und auch einzelnen. Reuls Anwesenheit, sagte CDU-Bundestagsabgeordneter Michael Breilmann, sei „wichtig und richtig“ gewesen.
Jetzt hat sich auch Bürgermeister Rajko Kravanja (SPD) zu dem Thema eingelassen. Er selbst war am Rathaus zugegen, als sich Freitagabend gegen 20 Uhr Hunderte Einsatzkräfte sammelten, empfing Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen und Reul am Europaplatz, ehe sie mit der Polizei zum Saunaclub Penelope aufbrachen. Am Montagabend in einer Facebook-Sprechstunde ließ er sich auch inhaltlich dazu ein.
„Der Einsatz hat für Bilder und Nachfragen gesorgt“, so Rajko Kravanja im Internet-Stream. „Am Ende muss die Polizei dazu etwas sagen. Sie haben sich vier Objekte angeschaut, überall so ein bisschen was gefunden. Ob es am Ende in Richtung Clankriminalität geht, entzieht sich meiner Kenntnis. Zumindest ist die Verquickung zu irgendwelchen Geschehnissen, die mal da waren, nicht zu erkennen. Ich wüsste sie nicht.“
Dennoch sei es wichtig, „immer Präsenz zu zeigen“. Man dürfe nur nicht daraus ableiten, dass in Castrop-Rauxel alles so schlimm sei und die Welt untergehe. „Nein, so ist es nicht“, sagt Rajko Kravanja. „Ich finde, dass man darüber diskutieren darf, ob man die Stunden in der Vorbereitung für so eine Aktion investiert, so viele Kräfte beim Einsatz bindet. Da ist die Frage erlaubt, ob das Ergebnis diesen Einsatz rechtfertigt oder man mit demselben Personal in der Zeit andere Dinge tun und viel mehr herausfinden können.“
Als Bürgermeister urteile er so: „Es hat uns geholfen, da an ein, zwei Stellen mal reinzugucken. Ich muss es aber nicht jeden Tag haben, denn dann entsteht der Eindruck, in Castrop-Rauxel sei der Teufel los. Irgendwann bekommt man einen Stempel.“ Er wolle aber Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen in der Zukunft mal zu einer Facebook-Sprechstunde einladen, kündigte Kravanja an.
Zum Artikel