Gallardo 🔒 Archiv 📂
- Red Light News
- Beiträge: 402
- Registriert: 21.02.2025
- Kontaktdaten:
Mordprozess
NRZ 05.02.2020
Ein Mann aus Voerde soll im Juli 2019 einen Brand in einem Hamminkelner Saunaclub gelegt haben. Ein Gast starb. Jetzt ist der Prozess gestartet.
Im Prozess um einen tödlichen Brandanschlag auf einen FKK-Saunaclub in Hamminkeln hat sich der Angeklagte am Mittwoch auf Erinnerungslücken berufen. Dem 43-jährigen Deutschen wird vorgeworfen, das Feuer in der Nacht auf den 14. Juli 2019 gelegt zu haben. Bei dem Feuer wurde ein 64-jähriger Niederländer getötet.
Als Feuerwehr und Polizei in der Nacht zum 14. Juli 2019 an der Straße Kesseldorfer Rott in Hamminkeln eintrafen, drang dichter Rauch aus allen Ritzen des Gebäudes eines FKK-Saunaclubs. „Ich hatte den Eindruck, dass ein Schwelbrand das gesamte Gebäude erfasst hatte“, berichtete ein Polizist. Für einen 64-jährigen Niederländer kam jede Hilfe zu spät: Die Feuerwehr konnte den an Rauchgas erstickten Mann nur noch tot bergen.
Angeklagter soll die Matratze im Saunaclub in Brand gesteckt haben
Schnell war klar, dass es sich um Brandstiftung gehandelt hatte. Als mutmaßlicher Täter steht nun ein 43-jähriger Mann aus Voerde vor dem Landgericht Duisburg. Die Anklage wirft ihm Mord vor. Heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln soll der 43-Jährige gehandelt haben. Verärgert über die seiner Ansicht nach schlechten Dienstleistungen in dem Etablissement soll er Zimmer 16 im einstöckigen flachen Anbau des Gebäude-Komplexes durch ein Fenster verlassen haben. Er ließ es offen stehen, um kurz darauf zurückzukehren und mit Hilfe eines Feuerzeuges eine Matratze in Brand zu setzen. Das Feuer erfasste bald das komplette Gebäude.
Doch daran will der Angeklagte keine Erinnerung mehr haben. „Ich habe an dem Tag am Junggesellenabschied meines jetzigen Schwagers teilgenommen“, berichtet der Familienvater, der kleines Unternehmen betreibt. Am frühen Nachmittag sei er abgeholt worden. Alkohol floss immer wieder in Strömen.
Keine Erinnerung an den Brand im Saunaclub
Zunächst beim Treffen einiger Mitglieder der Herrenrunde in Mülheim, dann vor und während einer Schiffstour auf dem Baldeney-See.„Ich erinnere mich noch, dass wir hinterher in einer Kneipe in Essen waren“, so der Angeklagte. Die Idee, hinterher noch in den Saunaclub zu gehen, sei wohl schon auf dem Schiff aufgekommen. „Aber ich weiß nicht mehr, dass ich da gewesen sein soll.“ Er sei am Vormittag in seinem Bett aufgewacht. Mit einem grässlichen Kater.
„Und meine Frau war sauer. Sie hat mir gesagt, dass der Club abgebrannt war. Meine Cousins hatten ihr wohl schon gesagt, dass ich mit da war.“ Einem psychiatrischen Sachverständigen hatte der Angeklagte anvertraut, dass er seit seiner Jugend Alkohol konsumiere.
Regelmäßig bei Stress Alkohol getrunken
Der Konsum habe sich über die Jahre aber deutlich gesteigert. So trinke er regelmäßig, wenn er viel Stress in der Firma oder mit seiner Frau habe. Die Gattin und Mutter der gemeinsamen beiden Kinder habe ihn schon mehrfach aufgefordert, sich zu entscheiden: „Sie sagte: Wir oder der Alkohol.“
Vor Gericht berief sich der Angeklagte auf einen alkoholbedingten Filmriss. „Ich kann mich an gar nichts erinnern“, sagte er den Richtern am Duisburger Schwurgericht. Die Anklage lautet auf Mord.
Prozess um Brand im Saunaclub war im ersten Anlauf geplatzt
Der Angeklagte hatte mit Freunden und Familienangehörigen den Junggesellenabschied seines künftigen Schwagers gefeiert. Dabei sei stundenlang Bier und Schnaps getrunken worden.
Der Prozess hatte eigentlich schon Mitte Januar beginnen sollen, war damals jedoch geplatzt, weil die Verteidiger das Gutachten des Brandsachverständigen zu spät erhalten hatten.
Zum Artikel
.Tödlicher Saunaclub-Brand: Angeklagter spricht von Filmriss
Ein Mann aus Voerde soll im Juli 2019 einen Brand in einem Hamminkelner Saunaclub gelegt haben. Ein Gast starb. Jetzt ist der Prozess gestartet.
Im Prozess um einen tödlichen Brandanschlag auf einen FKK-Saunaclub in Hamminkeln hat sich der Angeklagte am Mittwoch auf Erinnerungslücken berufen. Dem 43-jährigen Deutschen wird vorgeworfen, das Feuer in der Nacht auf den 14. Juli 2019 gelegt zu haben. Bei dem Feuer wurde ein 64-jähriger Niederländer getötet.
Als Feuerwehr und Polizei in der Nacht zum 14. Juli 2019 an der Straße Kesseldorfer Rott in Hamminkeln eintrafen, drang dichter Rauch aus allen Ritzen des Gebäudes eines FKK-Saunaclubs. „Ich hatte den Eindruck, dass ein Schwelbrand das gesamte Gebäude erfasst hatte“, berichtete ein Polizist. Für einen 64-jährigen Niederländer kam jede Hilfe zu spät: Die Feuerwehr konnte den an Rauchgas erstickten Mann nur noch tot bergen.
Angeklagter soll die Matratze im Saunaclub in Brand gesteckt haben
Schnell war klar, dass es sich um Brandstiftung gehandelt hatte. Als mutmaßlicher Täter steht nun ein 43-jähriger Mann aus Voerde vor dem Landgericht Duisburg. Die Anklage wirft ihm Mord vor. Heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln soll der 43-Jährige gehandelt haben. Verärgert über die seiner Ansicht nach schlechten Dienstleistungen in dem Etablissement soll er Zimmer 16 im einstöckigen flachen Anbau des Gebäude-Komplexes durch ein Fenster verlassen haben. Er ließ es offen stehen, um kurz darauf zurückzukehren und mit Hilfe eines Feuerzeuges eine Matratze in Brand zu setzen. Das Feuer erfasste bald das komplette Gebäude.
Doch daran will der Angeklagte keine Erinnerung mehr haben. „Ich habe an dem Tag am Junggesellenabschied meines jetzigen Schwagers teilgenommen“, berichtet der Familienvater, der kleines Unternehmen betreibt. Am frühen Nachmittag sei er abgeholt worden. Alkohol floss immer wieder in Strömen.
Keine Erinnerung an den Brand im Saunaclub
Zunächst beim Treffen einiger Mitglieder der Herrenrunde in Mülheim, dann vor und während einer Schiffstour auf dem Baldeney-See.„Ich erinnere mich noch, dass wir hinterher in einer Kneipe in Essen waren“, so der Angeklagte. Die Idee, hinterher noch in den Saunaclub zu gehen, sei wohl schon auf dem Schiff aufgekommen. „Aber ich weiß nicht mehr, dass ich da gewesen sein soll.“ Er sei am Vormittag in seinem Bett aufgewacht. Mit einem grässlichen Kater.
„Und meine Frau war sauer. Sie hat mir gesagt, dass der Club abgebrannt war. Meine Cousins hatten ihr wohl schon gesagt, dass ich mit da war.“ Einem psychiatrischen Sachverständigen hatte der Angeklagte anvertraut, dass er seit seiner Jugend Alkohol konsumiere.
Regelmäßig bei Stress Alkohol getrunken
Der Konsum habe sich über die Jahre aber deutlich gesteigert. So trinke er regelmäßig, wenn er viel Stress in der Firma oder mit seiner Frau habe. Die Gattin und Mutter der gemeinsamen beiden Kinder habe ihn schon mehrfach aufgefordert, sich zu entscheiden: „Sie sagte: Wir oder der Alkohol.“
Vor Gericht berief sich der Angeklagte auf einen alkoholbedingten Filmriss. „Ich kann mich an gar nichts erinnern“, sagte er den Richtern am Duisburger Schwurgericht. Die Anklage lautet auf Mord.
Prozess um Brand im Saunaclub war im ersten Anlauf geplatzt
Der Angeklagte hatte mit Freunden und Familienangehörigen den Junggesellenabschied seines künftigen Schwagers gefeiert. Dabei sei stundenlang Bier und Schnaps getrunken worden.
Der Prozess hatte eigentlich schon Mitte Januar beginnen sollen, war damals jedoch geplatzt, weil die Verteidiger das Gutachten des Brandsachverständigen zu spät erhalten hatten.
RTL 05.02.2020
Mitten in der Nacht brach im FKK-Saunaclub "Gallardo" im nordrhein-westfälischen Hamminkeln ein Feuer aus. Ein 64-jähriger Gast aus den Niederlanden starb in Folge einer Rauchvergiftung. Wenig später wurde Marius B. festgenommen. Der 43-Jährige soll das Etablissement am 14. Juli 2019 angezündet haben, weil er offenbar mit den Leistungen der Bediensteten unzufrieden war. Am Mittwoch hat der Prozess gegen den Mann begonnen.
Die Anklage lautet auf Mord
Eigentlich sollte der Prozess gegen den Mann aus Voerde schon im Januar starten, doch der Termin war überraschend geplatzt und vertagt worden. Die Begründung: Die Verteidiger hatten das Gutachten des Brandsachverständigen damals zu spät erhalten, um sich auf die Verhandlung vorzubereiten. Im zweiten Anlauf hat es dann geklappt. Mit Handschnellen wurde B. am Mittwoch in den Saal 201 des Duisburger Landgerichts geführt. Die Anklage gegen ihn wiegt schwer: Er soll einen Menschen heimtückisch getötet und durch die Brandstiftung leichtfertig dessen Tod verursacht haben.
Mutmaßlicher Brandstifter hat einen Filmriss
Laut eigener Aussage kann sich der mutmaßliche Brandstifter an die Tat aber nicht mehr erinnern. Vor Gericht beruft er sich auf einen alkoholbedingten Filmriss. Am besagten Tag habe er mit Freunden und Familienangehörigen den Junggesellenabschied seines künftigen Schwagers gefeiert. Die Gesellschaft habe sich gegen Mittag in Mühlheim an der Ruhr getroffen und den Tag mit selbstgebranntem Schnaps begonnen, danach seien sie mit dem Zug weiter nach Essen gefahren. Man habe viel Bier getrunken, sagt der Angeklagte weinend vor Gericht. Bei einer anschließenden Bootsfahrt über den Baldeneysee sei weiter Schnaps und Bier in großen Mengen getrunken worden. Er könne sich dann nur noch daran erinnern, dass die Gruppe später mit einem Taxi nach Essen gefahren sei.
"Weißt du, dass der Club, in dem ihr wart, abgebrannt ist?"
Über die Idee, in einen Saunaclub zu fahren, sei während einer Bootsfahrt auf dem Essener Baldeneysee geredet worden. Dass er mit der Gruppe tatsächlich dort war, wisse er nicht mehr. Am nächsten Morgen sei er zwischen 10 und 11 Uhr mit Kopfschmerzen aufgewacht. Seine Frau sei sauer gewesen, weil sie von einem seiner Cousins erfahren haben soll, dass er im Saunaclub war, erzählt B., während er sich die Tränen vom Gesicht wischt. Sie habe gesagt: "Weißt du, dass der Club, in dem ihr wart, abgebrannt ist?" Am darauffolgenden Mittwoch wurde er gegen Mittag in seinem Lkw von seiner Frau angerufen. Sie habe ihm gesagt: „Du bist dringend tatverdächtig.“ Kurz darauf wurde er von der Polizei auf der Autobahn in Richtung Düsseldorf angehalten und festgenommen.
Angeklagter auf Foto aus der Umkleidekabine zu sehen
Laut Anklage sei der mutmaßliche Brandstifter am 14. Juli 2019 um 1.12 Uhr durch ein offenes Fenster in den Saunaclub eingedrungen und habe dort das Bett und die Matratze angezündet. Weil er mit den Leistungen des Etablissements nicht zufrieden gewesen sein soll, heißt es. Was genau ihn so unzufrieden gemacht haben soll, darüber sprach der Staatsanwalt nicht. Zwei Videos sollen den Angeklagten bei der Tat zeigen. Dort ist zu sehen, wie eine Person in heller Kleidung zwei Mal durch ein Fenster des Clubs steigt. Nach wenigen Minuten geht das Gebäude in Flammen auf. Dann verlassen mehrere leichtbekleidete Frauen den Saunaclub fluchtartig.
Bei einer Durchsuchung hatte die Polizei die Kleidungsstücke in der Wohnung des Angeklagten gefunden. Die Ehefrau von B. habe den Beamten sogar noch den Hinweis gegeben, dass ihr Mann Kleidung im Badezimmer verstaut habe. Dort wurden ein passendes Poloshirt sowie eine Hose gefunden.
42 Zeugen vor Gericht
Weiter geht es in dem Prozess am Montag, 11. Februar, um 9 Uhr. Die Verhandlung soll noch bis April andauern. 42 Zeugen sollen angehört werden, darunter auch die Ehefrau von B. Am Mittwoch hatten zunächst drei Polizisten und drei Feuerwehrmänner ausgesagt.
Zum Artikel
Angeklagter Marius B. (43) weint vor Gericht: Schnapsund Bier in großen Mengen getrunken
Mitten in der Nacht brach im FKK-Saunaclub "Gallardo" im nordrhein-westfälischen Hamminkeln ein Feuer aus. Ein 64-jähriger Gast aus den Niederlanden starb in Folge einer Rauchvergiftung. Wenig später wurde Marius B. festgenommen. Der 43-Jährige soll das Etablissement am 14. Juli 2019 angezündet haben, weil er offenbar mit den Leistungen der Bediensteten unzufrieden war. Am Mittwoch hat der Prozess gegen den Mann begonnen.
Die Anklage lautet auf Mord
Eigentlich sollte der Prozess gegen den Mann aus Voerde schon im Januar starten, doch der Termin war überraschend geplatzt und vertagt worden. Die Begründung: Die Verteidiger hatten das Gutachten des Brandsachverständigen damals zu spät erhalten, um sich auf die Verhandlung vorzubereiten. Im zweiten Anlauf hat es dann geklappt. Mit Handschnellen wurde B. am Mittwoch in den Saal 201 des Duisburger Landgerichts geführt. Die Anklage gegen ihn wiegt schwer: Er soll einen Menschen heimtückisch getötet und durch die Brandstiftung leichtfertig dessen Tod verursacht haben.
Mutmaßlicher Brandstifter hat einen Filmriss
Laut eigener Aussage kann sich der mutmaßliche Brandstifter an die Tat aber nicht mehr erinnern. Vor Gericht beruft er sich auf einen alkoholbedingten Filmriss. Am besagten Tag habe er mit Freunden und Familienangehörigen den Junggesellenabschied seines künftigen Schwagers gefeiert. Die Gesellschaft habe sich gegen Mittag in Mühlheim an der Ruhr getroffen und den Tag mit selbstgebranntem Schnaps begonnen, danach seien sie mit dem Zug weiter nach Essen gefahren. Man habe viel Bier getrunken, sagt der Angeklagte weinend vor Gericht. Bei einer anschließenden Bootsfahrt über den Baldeneysee sei weiter Schnaps und Bier in großen Mengen getrunken worden. Er könne sich dann nur noch daran erinnern, dass die Gruppe später mit einem Taxi nach Essen gefahren sei.
"Weißt du, dass der Club, in dem ihr wart, abgebrannt ist?"
Über die Idee, in einen Saunaclub zu fahren, sei während einer Bootsfahrt auf dem Essener Baldeneysee geredet worden. Dass er mit der Gruppe tatsächlich dort war, wisse er nicht mehr. Am nächsten Morgen sei er zwischen 10 und 11 Uhr mit Kopfschmerzen aufgewacht. Seine Frau sei sauer gewesen, weil sie von einem seiner Cousins erfahren haben soll, dass er im Saunaclub war, erzählt B., während er sich die Tränen vom Gesicht wischt. Sie habe gesagt: "Weißt du, dass der Club, in dem ihr wart, abgebrannt ist?" Am darauffolgenden Mittwoch wurde er gegen Mittag in seinem Lkw von seiner Frau angerufen. Sie habe ihm gesagt: „Du bist dringend tatverdächtig.“ Kurz darauf wurde er von der Polizei auf der Autobahn in Richtung Düsseldorf angehalten und festgenommen.
Angeklagter auf Foto aus der Umkleidekabine zu sehen
Laut Anklage sei der mutmaßliche Brandstifter am 14. Juli 2019 um 1.12 Uhr durch ein offenes Fenster in den Saunaclub eingedrungen und habe dort das Bett und die Matratze angezündet. Weil er mit den Leistungen des Etablissements nicht zufrieden gewesen sein soll, heißt es. Was genau ihn so unzufrieden gemacht haben soll, darüber sprach der Staatsanwalt nicht. Zwei Videos sollen den Angeklagten bei der Tat zeigen. Dort ist zu sehen, wie eine Person in heller Kleidung zwei Mal durch ein Fenster des Clubs steigt. Nach wenigen Minuten geht das Gebäude in Flammen auf. Dann verlassen mehrere leichtbekleidete Frauen den Saunaclub fluchtartig.
Bei einer Durchsuchung hatte die Polizei die Kleidungsstücke in der Wohnung des Angeklagten gefunden. Die Ehefrau von B. habe den Beamten sogar noch den Hinweis gegeben, dass ihr Mann Kleidung im Badezimmer verstaut habe. Dort wurden ein passendes Poloshirt sowie eine Hose gefunden.
42 Zeugen vor Gericht
Weiter geht es in dem Prozess am Montag, 11. Februar, um 9 Uhr. Die Verhandlung soll noch bis April andauern. 42 Zeugen sollen angehört werden, darunter auch die Ehefrau von B. Am Mittwoch hatten zunächst drei Polizisten und drei Feuerwehrmänner ausgesagt.
- Red Light News
- Beiträge: 402
- Registriert: 21.02.2025
- Kontaktdaten:
Beweismaterial
RP 07.02.2020
Aufnahmen von Überwachungskameras dienen am Landgericht Duisburg als Beweismittel im Prozess um das tödliche Feuer im Hamminkelner Saunaclub. Was haben die Überwachungskameras des Etablissements eingefangen?
Die Szenerie im Saal 201 des Landgerichts Duisburg ist bedrückend. Das Wissen, gleich bewegte Bilder eines tödlichen Geschehens zu sehen, lastet auf den Betrachtern. Hauptbeteiligte wie Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung ausgenommen. Denn sie kennen die Videosequenzen schon. Sie stammen aus der Nacht zum Sonntag, 14. Juli 2019, in der ein 64-jähriger Niederländer beim Brand des Saunaclubs im Hamminkelner Gewerbegebiet ums Leben gekommen war. Beim Publikum im Saal steigt indes die Spannung, darauf, was auf dem bodennah angebrachten Bildschirm-Arsenal im Karree zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft, Verteidigern sowie Anklagebank und Zeugenstand gleich wohl zu sehen sein wird.
Was haben die Überwachungskameras des Etablissements eingefangen? Wird es der Erinnerungsfähigkeit des Angeklagten auf die Sprünge helfen? Immerhin muss sich der 43-jährige Familienvater aus Voerde wegen Mordes und Brandstiftung verantworten. Wie berichtet, gibt der Beschuldigte an, beim Junggesellenabschied seines künftigen Schwagers so betrunken gewesen zu sein, dass er vom tödlichen Ende der ausgiebigen Sauftour von Voerde über Essen zum Saunaclub in Hamminkeln nichts mehr wisse.
Die Filmausschnitte haben zunächst nicht viel zu bieten. Links eine Hauswand, an der ein Abfallcontainer steht, rechts die Straße Loikumer Rott. Gelegentlich rollt mitten in der Nacht ein Auto vorbei, auch Radfahrer tauchen auf. Dann kommt, aus der Ferne des Betrachters zum Bildschirm im Gerichtssaal eher schemenhaft erkennbar, eine Figur ins Bild, die sich in Höhe des Containers an einem Fenster zu schaffen macht und einsteigt. Wenig später kehrt die Person zurück. Diese Szene wiederholt sich. Zeit verstreicht. Nach etlichen Minuten qualmt es an dem Fenster leicht. Ein Mensch geht vorbei. Er wirkt unbeteiligt, schenkt dem Rauch offenbar keine Aufmerksamkeit. Der Qualm wird langsam stärker. Vereinzelt passierende Auto- und Radfahrer zeigen keine erkennbaren Reaktionen. Nur auf dem Grundstück gegenüber regt sich Interesse. Kühe kommen heran und schauen dem Feuer zu.
Andere Sequenzen aus dem Inneren des Betriebs geben mehr her. Sie zeigen Menschen im Empfangsbereich. In Farbe und deutlich besserer Qualität. Der Angeklagte wird seine Anwesenheit kaum leugnen können. Die Kleidung, wenige Tage später bei der Wohnungsdurchsuchung von Polizeibeamten gefunden, gleicht der jener Gestalt, die zweimal durchs Fenster des Zimmers 16 ein- und ausstieg. Rechtsexperten, die oftmals lediglich auf Faserspuren als Beweismittel zurückgreifen können, sprechen von sehr aussagekräftigem und verwertbarem Bildmaterial. Gleichwohl gibt es Abweichungen bei den Zeitstempeln, also den auf den Videos der verschiedenen Kameras mitlaufenden Uhrzeiten. Die Frage, was Systemzeit und was Echtzeit ist, wird vielleicht nicht zu klären sein. Aber es wird ja noch einige Verhandlungstage mehr geben.
Fortsetzung der Verhandlung ist in Duisburg am Montag, 10. Februar, 9 Uhr, mit der Anhörung weiterer Zeugen.
Die Bergung des Opfers
Tragik Besonderes Interesse galt im Gericht am Mittwoch natürlich den Umständen des Todesfalls. Die erste Frage der Feuerwehr, ob noch Menschen im Gebäude seien, wurde verneint. Dann kam der Hinweis, es könnte doch noch jemand drin sein. Rettung bekam Priorität vor Brandbekämpfung. Zwei Zweierteams arbeiteten sich aus unterschiedlichen Richtungen zum vermuteten Aufenthaltsort des Vermissten durch die vollkommen verrauchte Anlage vor. Die vier Wehrleute, darunter ein Anästhesie- und Intensivpfleger sowie ein Krankenpfleger und Medizinstudent, fanden den 64-jährigen Niederländer leblos auf dem Rücken liegend in einem großen Ruheraum vor Zimmer 13, brachten ihn ins Freie und begannen mit Reanimation. Der Notarzt kam hinzu. Am Ende war es vergeblich.
Zum Artikel
Was Videos über den Brand erzählen
Aufnahmen von Überwachungskameras dienen am Landgericht Duisburg als Beweismittel im Prozess um das tödliche Feuer im Hamminkelner Saunaclub. Was haben die Überwachungskameras des Etablissements eingefangen?
Die Szenerie im Saal 201 des Landgerichts Duisburg ist bedrückend. Das Wissen, gleich bewegte Bilder eines tödlichen Geschehens zu sehen, lastet auf den Betrachtern. Hauptbeteiligte wie Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung ausgenommen. Denn sie kennen die Videosequenzen schon. Sie stammen aus der Nacht zum Sonntag, 14. Juli 2019, in der ein 64-jähriger Niederländer beim Brand des Saunaclubs im Hamminkelner Gewerbegebiet ums Leben gekommen war. Beim Publikum im Saal steigt indes die Spannung, darauf, was auf dem bodennah angebrachten Bildschirm-Arsenal im Karree zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft, Verteidigern sowie Anklagebank und Zeugenstand gleich wohl zu sehen sein wird.
Was haben die Überwachungskameras des Etablissements eingefangen? Wird es der Erinnerungsfähigkeit des Angeklagten auf die Sprünge helfen? Immerhin muss sich der 43-jährige Familienvater aus Voerde wegen Mordes und Brandstiftung verantworten. Wie berichtet, gibt der Beschuldigte an, beim Junggesellenabschied seines künftigen Schwagers so betrunken gewesen zu sein, dass er vom tödlichen Ende der ausgiebigen Sauftour von Voerde über Essen zum Saunaclub in Hamminkeln nichts mehr wisse.
Die Filmausschnitte haben zunächst nicht viel zu bieten. Links eine Hauswand, an der ein Abfallcontainer steht, rechts die Straße Loikumer Rott. Gelegentlich rollt mitten in der Nacht ein Auto vorbei, auch Radfahrer tauchen auf. Dann kommt, aus der Ferne des Betrachters zum Bildschirm im Gerichtssaal eher schemenhaft erkennbar, eine Figur ins Bild, die sich in Höhe des Containers an einem Fenster zu schaffen macht und einsteigt. Wenig später kehrt die Person zurück. Diese Szene wiederholt sich. Zeit verstreicht. Nach etlichen Minuten qualmt es an dem Fenster leicht. Ein Mensch geht vorbei. Er wirkt unbeteiligt, schenkt dem Rauch offenbar keine Aufmerksamkeit. Der Qualm wird langsam stärker. Vereinzelt passierende Auto- und Radfahrer zeigen keine erkennbaren Reaktionen. Nur auf dem Grundstück gegenüber regt sich Interesse. Kühe kommen heran und schauen dem Feuer zu.
Andere Sequenzen aus dem Inneren des Betriebs geben mehr her. Sie zeigen Menschen im Empfangsbereich. In Farbe und deutlich besserer Qualität. Der Angeklagte wird seine Anwesenheit kaum leugnen können. Die Kleidung, wenige Tage später bei der Wohnungsdurchsuchung von Polizeibeamten gefunden, gleicht der jener Gestalt, die zweimal durchs Fenster des Zimmers 16 ein- und ausstieg. Rechtsexperten, die oftmals lediglich auf Faserspuren als Beweismittel zurückgreifen können, sprechen von sehr aussagekräftigem und verwertbarem Bildmaterial. Gleichwohl gibt es Abweichungen bei den Zeitstempeln, also den auf den Videos der verschiedenen Kameras mitlaufenden Uhrzeiten. Die Frage, was Systemzeit und was Echtzeit ist, wird vielleicht nicht zu klären sein. Aber es wird ja noch einige Verhandlungstage mehr geben.
Fortsetzung der Verhandlung ist in Duisburg am Montag, 10. Februar, 9 Uhr, mit der Anhörung weiterer Zeugen.
Die Bergung des Opfers
Tragik Besonderes Interesse galt im Gericht am Mittwoch natürlich den Umständen des Todesfalls. Die erste Frage der Feuerwehr, ob noch Menschen im Gebäude seien, wurde verneint. Dann kam der Hinweis, es könnte doch noch jemand drin sein. Rettung bekam Priorität vor Brandbekämpfung. Zwei Zweierteams arbeiteten sich aus unterschiedlichen Richtungen zum vermuteten Aufenthaltsort des Vermissten durch die vollkommen verrauchte Anlage vor. Die vier Wehrleute, darunter ein Anästhesie- und Intensivpfleger sowie ein Krankenpfleger und Medizinstudent, fanden den 64-jährigen Niederländer leblos auf dem Rücken liegend in einem großen Ruheraum vor Zimmer 13, brachten ihn ins Freie und begannen mit Reanimation. Der Notarzt kam hinzu. Am Ende war es vergeblich.
- Red Light News
- Beiträge: 402
- Registriert: 21.02.2025
- Kontaktdaten:
Zeugenvernehmung
NRZ 10.02.2020
Den zweiten Tag des Mordprozesses zum Saunaclub-Brand in Hamminkeln bestimmte einmal mehr das Thema Alkohol. Cousins des Angeklagten sagten aus.
Wegen Mordes steht ein 43-jähriger Voerder vor dem Landgericht in Duisburg. In der Nacht zum 14. Juli soll er an der Straße am Kesseldorfer Rott in Hamminkeln aus Wut über seiner Ansicht nach schlechten Service einen FKK-Saunaclub in Brand gesetzt haben. Ein 64-jähriger Niederländer kam dabei ums Leben. Der Angeklagte hat an das Geschehen angeblich alkoholbedingt keine Erinnerung mehr.
Und auch die anderen Teilnehmer eines Junggesellenabschieds taten sich am zweiten Verhandlungstag mit konkreten Erinnerungen schwer.
„Schon beim Abholen haben wir etwas gefeiert“, so ein 44-jähriger Cousin des Angeklagten aus Wesel. Der 43-Jährige sei in Mülheim zu der Truppe gestoßen. Man fuhr mit der Bahn nach Essen und stieg dort auf ein Schiff.
Cousin macht Filmriss geltend
„Wir haben die ganze Zeit getrunken“, so der Zeuge. Auch anschließend in einer Kneipe in der Essener Altstadt. Mit dem Auto sei man dann noch zum Angeklagten nach Hause.
„Danach sind wir in den Club. Wir waren besoffen.“ Auch der Zeuge macht danach eine Filmriss geltend. „Irgendwann bin ich mit dem Taxi nach Hause.“
Nicht viel mehr Aufklärung lieferte die Vernehmung eines weiteren Cousins des Angeklagten. „Wir haben schon vorher getrunken. Aber der eigentliche Junggesellenabschied habe auf dem Schiff, im Rahmen einer feucht-fröhlichen Tour über den Baldeney-See stattgefunden. An Bord seien mindestens zehn Kisten Bier, Wodka und Whisky getrunken worden.
„In der Essener Altstadt haben wir weiter getrunken. Welche Mengen, kann ich nicht mehr sagen.“
Auch an den Aufenthalt im Club hat der 45-Jährige keine allzu deutliche Erinnerung mehr. „Wir haben da nur getrunken. Viel mehr ist da nicht passiert.“ Fürs Verfahren sind bis Ende April acht weitere Sitzungstage vorgesehen.
Zum Artikel
.Saunaclub-Brand in Hamminkeln: Zeugen sprechen von Filmriss
Den zweiten Tag des Mordprozesses zum Saunaclub-Brand in Hamminkeln bestimmte einmal mehr das Thema Alkohol. Cousins des Angeklagten sagten aus.
Wegen Mordes steht ein 43-jähriger Voerder vor dem Landgericht in Duisburg. In der Nacht zum 14. Juli soll er an der Straße am Kesseldorfer Rott in Hamminkeln aus Wut über seiner Ansicht nach schlechten Service einen FKK-Saunaclub in Brand gesetzt haben. Ein 64-jähriger Niederländer kam dabei ums Leben. Der Angeklagte hat an das Geschehen angeblich alkoholbedingt keine Erinnerung mehr.
Und auch die anderen Teilnehmer eines Junggesellenabschieds taten sich am zweiten Verhandlungstag mit konkreten Erinnerungen schwer.
„Schon beim Abholen haben wir etwas gefeiert“, so ein 44-jähriger Cousin des Angeklagten aus Wesel. Der 43-Jährige sei in Mülheim zu der Truppe gestoßen. Man fuhr mit der Bahn nach Essen und stieg dort auf ein Schiff.
Cousin macht Filmriss geltend
„Wir haben die ganze Zeit getrunken“, so der Zeuge. Auch anschließend in einer Kneipe in der Essener Altstadt. Mit dem Auto sei man dann noch zum Angeklagten nach Hause.
„Danach sind wir in den Club. Wir waren besoffen.“ Auch der Zeuge macht danach eine Filmriss geltend. „Irgendwann bin ich mit dem Taxi nach Hause.“
Nicht viel mehr Aufklärung lieferte die Vernehmung eines weiteren Cousins des Angeklagten. „Wir haben schon vorher getrunken. Aber der eigentliche Junggesellenabschied habe auf dem Schiff, im Rahmen einer feucht-fröhlichen Tour über den Baldeney-See stattgefunden. An Bord seien mindestens zehn Kisten Bier, Wodka und Whisky getrunken worden.
„In der Essener Altstadt haben wir weiter getrunken. Welche Mengen, kann ich nicht mehr sagen.“
Auch an den Aufenthalt im Club hat der 45-Jährige keine allzu deutliche Erinnerung mehr. „Wir haben da nur getrunken. Viel mehr ist da nicht passiert.“ Fürs Verfahren sind bis Ende April acht weitere Sitzungstage vorgesehen.
RP 10.02.2020
Beim zweiten Verhandlungstag im Mordprozess gegen einen 43-Jährigen Voerder am Landgericht Duisburg ging es weiter um die Frage, wer wann wie viel Alkohol getrunken hat. Hintergrund ist der Brand in einem Saunaclub in Hamminkeln.
Alkohol spielte auch am zweiten Verhandlungstag im Duisburger Landgerichtsprozess gegen einen 43-jährigen Familienvater aus Voerde die Hauptrolle. Die 5. Kammer des Schwurgerichts spürte am Montag weiter der Frage nach, wer wann wie viel Alkohol bei dem Junggesellenabschied getrunken hat, bei dem in der Nacht zum Sonntag, 14. Juli 2019, ein unbeteiligter Niederländer (64) im brennenden Hamminkelner Saunaclub Gallardo ums Leben kam. Der Voerder, der sich wegen Mordes und Brandstiftung verantworten muss, hatte Kostenpflichtiger Inhalt zum Auftakt vor einer Woche angegeben, sich wegen Trunkenheit an nichts erinnern zu können. Derartige Gedächtnislücken traten nun auch bei einigen Zeugen zutage, die unmittelbar an der Sauftour beteiligt und an deren Ende auch mit den Angeklagten in besagtem Club waren.
Mehrfach bestätigt wurden die Stationen des Samstags, 13. Juli: von Voerde zu einem Treff nach Mülheim, dann mit der Bahn nach Essen zu einer Schiffsrundfahrt auf dem Baldeneysee, dann in eine Essener Innenstadt-Kneipe, zurück nach Voerde und schließlich nach Hamminkeln. Ständige Begleiter der unterwegs zunächst wachsenden, später wieder schwindenden Herrenrunde waren Bier, Rhabarberschnaps, Wodka und Whisky (teils wohl als Longdrink mit Cola) sowie nicht näher definierte Runden „Kurze“ des Schiffsführers.
Schon mittags beim Start in Voerde hatte man sich in Stimmung gebracht. Wie ein Cousin (44) aus Wesel schilderte, hatte der Angeklagte vorher schon getrunken, kam deshalb verspätet. „Wir waren schon ein bisschen besoffen“, sagte der Zeuge, der meinte, die Essener Teilnehmer hätten noch fünf bis sechs Kisten Bier mit zum Schiff gebracht. Von den nächtlichen Ereignissen im Saunaclub wusste er kaum noch was. Nur, dass der Angeklagte für die auf fünf Männer geschrumpfte Truppe den Eintritt bezahlt habe. Man sei noch am Pool gewesen, er selbst habe sich vorzeitig nach Hause bringen lassen. Ein weiterer Cousin (45) aus Leverkusen sagte: „Jeder hatte was dabei.“ Alle seien „gut in einen Rausch“ gekommen. Er meinte zudem, die Essener hätten zehn Kisten Bier zum Schiff mitgebracht. Leergut sei dann als Dank für die Runden des Kapitäns auf dem Bötchen geblieben. „In der Stadt war das Bier alle“, also sei man in eine Kneipe gezogen. Man habe sich „gut amüsiert“, es sei „lustig“ gewesen.
Im Saunaclub habe man schließlich „getrunken, auf Sofas gelegen und die Frauen bewundert“. Der Angeklagte sei wohl mal weg gewesen. Kaum ansprechbar war dieser, als man sich mitten in der Nacht an einer Tankstelle zur Heimfahrt traf. Dies schilderte auch ein dritter Zechkumpan: „Ich hatte den Eindruck, er war voll.“ Für Stirnrunzeln sorgten Aussagen, man sei noch einmal zum nahen Saunaclub zurückgekehrt, um ein vermisstes Handy zu suchen. Während es im hinteren Bereich qualmte und vielleicht sogar schon die Feuerwehr am Werk war, sei man vorne noch reingelassen worden. Das Handy fand sich später woanders in einem Auto. Ebenso anderntags auf einer Geburtstagsfeier der Familie ein Tütchen mit „weißem Pulver“, das weitere Rätsel aufgibt. Der Prozess wird am Montag, 17. Februar, fortgesetzt.
Zum Artikel
Zeugen schildern die tödliche Sauftour
Beim zweiten Verhandlungstag im Mordprozess gegen einen 43-Jährigen Voerder am Landgericht Duisburg ging es weiter um die Frage, wer wann wie viel Alkohol getrunken hat. Hintergrund ist der Brand in einem Saunaclub in Hamminkeln.
Alkohol spielte auch am zweiten Verhandlungstag im Duisburger Landgerichtsprozess gegen einen 43-jährigen Familienvater aus Voerde die Hauptrolle. Die 5. Kammer des Schwurgerichts spürte am Montag weiter der Frage nach, wer wann wie viel Alkohol bei dem Junggesellenabschied getrunken hat, bei dem in der Nacht zum Sonntag, 14. Juli 2019, ein unbeteiligter Niederländer (64) im brennenden Hamminkelner Saunaclub Gallardo ums Leben kam. Der Voerder, der sich wegen Mordes und Brandstiftung verantworten muss, hatte Kostenpflichtiger Inhalt zum Auftakt vor einer Woche angegeben, sich wegen Trunkenheit an nichts erinnern zu können. Derartige Gedächtnislücken traten nun auch bei einigen Zeugen zutage, die unmittelbar an der Sauftour beteiligt und an deren Ende auch mit den Angeklagten in besagtem Club waren.
Mehrfach bestätigt wurden die Stationen des Samstags, 13. Juli: von Voerde zu einem Treff nach Mülheim, dann mit der Bahn nach Essen zu einer Schiffsrundfahrt auf dem Baldeneysee, dann in eine Essener Innenstadt-Kneipe, zurück nach Voerde und schließlich nach Hamminkeln. Ständige Begleiter der unterwegs zunächst wachsenden, später wieder schwindenden Herrenrunde waren Bier, Rhabarberschnaps, Wodka und Whisky (teils wohl als Longdrink mit Cola) sowie nicht näher definierte Runden „Kurze“ des Schiffsführers.
Schon mittags beim Start in Voerde hatte man sich in Stimmung gebracht. Wie ein Cousin (44) aus Wesel schilderte, hatte der Angeklagte vorher schon getrunken, kam deshalb verspätet. „Wir waren schon ein bisschen besoffen“, sagte der Zeuge, der meinte, die Essener Teilnehmer hätten noch fünf bis sechs Kisten Bier mit zum Schiff gebracht. Von den nächtlichen Ereignissen im Saunaclub wusste er kaum noch was. Nur, dass der Angeklagte für die auf fünf Männer geschrumpfte Truppe den Eintritt bezahlt habe. Man sei noch am Pool gewesen, er selbst habe sich vorzeitig nach Hause bringen lassen. Ein weiterer Cousin (45) aus Leverkusen sagte: „Jeder hatte was dabei.“ Alle seien „gut in einen Rausch“ gekommen. Er meinte zudem, die Essener hätten zehn Kisten Bier zum Schiff mitgebracht. Leergut sei dann als Dank für die Runden des Kapitäns auf dem Bötchen geblieben. „In der Stadt war das Bier alle“, also sei man in eine Kneipe gezogen. Man habe sich „gut amüsiert“, es sei „lustig“ gewesen.
Im Saunaclub habe man schließlich „getrunken, auf Sofas gelegen und die Frauen bewundert“. Der Angeklagte sei wohl mal weg gewesen. Kaum ansprechbar war dieser, als man sich mitten in der Nacht an einer Tankstelle zur Heimfahrt traf. Dies schilderte auch ein dritter Zechkumpan: „Ich hatte den Eindruck, er war voll.“ Für Stirnrunzeln sorgten Aussagen, man sei noch einmal zum nahen Saunaclub zurückgekehrt, um ein vermisstes Handy zu suchen. Während es im hinteren Bereich qualmte und vielleicht sogar schon die Feuerwehr am Werk war, sei man vorne noch reingelassen worden. Das Handy fand sich später woanders in einem Auto. Ebenso anderntags auf einer Geburtstagsfeier der Familie ein Tütchen mit „weißem Pulver“, das weitere Rätsel aufgibt. Der Prozess wird am Montag, 17. Februar, fortgesetzt.
- Red Light News
- Beiträge: 402
- Registriert: 21.02.2025
- Kontaktdaten:
Weitere Zeugenvernehmung
RP 17.02.2020
Die Aussagen einer rumänischen Prostituierten und der Betriebsleiterin werfen ein neues Licht auf die Ereignisse der Brandnacht im Juli 2019. Legte ein 42-Jähriger das Feuer, das einen Mann tötete, absichtlich? Und: Wie betrunken war er?
Im Prozess um den Brand mit Todesfolge im Hamminkelner Saunaclub Gallardo im Juli 2019 läuft es immer mehr auf die Frage hinaus, wie stark alkoholisiert der Angeklagte in der Tatnacht war. Ist von einem vorsätzlich gelegten Brand auszugehen, in dessen Folge ein 64-jähriger Niederländer tragisch verstarb? Vor Gericht sprachen am Montag sowohl die Geschäftsführerin des Hamminkelner Clubs „Gallardo“ als auch eine der drei Prostituierten, mit denen der Angeklagte in der Tatnacht Geschlechtsverkehr hatte. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Vorgänge im Rotlicht-Milieu, in dem Clubbetreiber ihr weibliches Personal nur unter Künstlernamen kennen und ein Begriff wie „Saunaclub“ nur ein Euphemismus für einen florierenden Bordellbetrieb ist.
Rückblende: Am 14. Juli 2019 brach nachts in dem Saunaclub „Gallardo“ an der Straße Kesseldorfer Rott in Hamminkeln ein Feuer aus. Ein 64-jähriger Mann aus den Niederlanden konnte nicht mehr rechtzeitig flüchten, er starb in den Flammen. Wenige Tage nach der Brandkatastrophe schon konnte die Polizei ein erstes Ermittlungsergebnis verkünden: Das Feuer soll demnach ein damals 42-jähriger Mann aus Voerde gelegt haben, der an jenem Tag Gast eines Junggesellenabschieds war. Die Tour startete beim künftigen Bräutigam, von dort ging es weiter nach Essen per Boot auf den Baldeneysee, später in das Rüttenscheider Lokal „Plan B“. Der 42-jährige Angeklagte schlug dann nach Schilderung eines weiteren Tourteilnehmers, der als Zeuge am Montag sprach, vor, noch in den Club „Gallardo“ nach Hamminkeln zu fahren.
Rharbaberschnaps, Wodka, Whiskey, Bier: Es war den ganzen Tag über viel Alkohol im Spiel, aber wie sehr hat er die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten beeinflusst? Wie alkoholisiert war er bei Ausbruch des Feuers? Nach bisherigen Schilderungen der Zeugen kristallisiert sich der Eindruck heraus, als sei der Angeklagte, nachdem er mit gleich drei Damen aufs Zimmer ging und Geschlechtsverkehr hatte, unzufrieden mit der Leistung gewesen. Der Angeklagte geriet darüber schließlich in Streit mit einem Manager des Clubs. Er wurde herausgeworfen. Bilder der Videoüberwachung zeigen dann, wie eine Person – mutmaßlich der Angeklagte – von außen durch ein Fenster wieder in das Etablissement einstieg. Danach bricht ein Feuer aus – der Club brennt ab.
Der Angeklagte selbst beruft sich auf einen Filmriss, den er ab dem Barbesuch in Essen gehabt habe. Gegen diese Variante könnte aber sprechen, dass er selbst Ideengeber des Abstechers ins „Gallardo“ war. Seine Mitfahrer lud er sogar auf der Fahrt von Essen an den Niederrhein ein, noch in der Voerder Wohnung eine Gurkensuppe zu sich zu nehmen. Als die Gruppe schließlich im Hamminkelner Club ankam, habe man zunächst gemeinsam weiter getrunken, schilderte der Zeuge. Jeder erhielt eine Verzehrkarte im Wert von 30 Euro, Bier gratis. Der mindestens angeheiterte 42-Jährige soll dort auch an einer Stange getanzt haben. Irgendwann, so berichten die anderen Tourteilnehmer, sei er dann mit Frauen in ein Zimmer verschwunden. Dies sei jedoch nicht abgemacht gewesen. „Ich war sauer deshalb“, sagte einer der Zeugen am Montag vor Gericht. Das sei nicht der Grund gewesen, warum man nach Hamminkeln gefahren sei.
Den Verlauf im Zimmer schilderte am Montag eine 26-jährige Prostituierte aus Dortmund. Gebürtig komme sie aus Rumänien, sei erst drei Tage in Deutschland gewesen, habe dann im Hamminkelner Club zu arbeiten begonnen, berichtete die zierliche, schüchterne Frau. In Kontakt zu dem 42-Jährigen sei sie im Club gekommen. Der Mann habe um eine Zigarette und Feuer gebeten, dann sei man in Verhandlungen eingestiegen. Gleich drei Frauen habe er ausgewählt, dann sei es aufs Zimmer gegangen. „Es lief gut, sein Verhalten war relativ okay, bis wir das Zimmer verließen.“ Fünf bis acht Minuten dauerte der Geschlechtsverkehr mit jeder Frau, 150 Euro sollte der 42-Jährige insgesamt für diese Dienste zahlen. Über diesen Preis allerdings soll es zum verbalen Streit auch mit einem Manager des Clubs gekommen sein, der auch als eine Art Aufseher fungierte. Auf die Frage des Richters, wie hoch der Alkoholpegel des Angeklagten gewesen sei, sagte die Prostituierte. „Ein bisschen besoffen, nicht sehr besoffen.“
Die Rumänin berichtete dann, sie habe danach mit dem nächsten Kunden ein weiteres Zimmer aufgesucht – und habe ihre Arbeit auch da nicht unterbrochen, als sie auf dem Flur schon Brandgeruch bemerkte. Sie informierte lediglich die Rezeption, weil sie dachte, eine Steckdose könne brennen.
Die weiteren Ereignisse der Brandnacht ergeben sich auch aus Schilderungen der Geschäftsführerin, die in jenen Stunden direkt neben jenem Zimmer übernachtete. Nur durch den Alarm des Rauchmelders sei sie geweckt worden. „Ich bin aus dem Bett gesprungen“, berichtete die Frau, die in Recklinghausen lebt. Sie habe schnell die Rezeption alarmiert, die sofort alle Prostituierten und weiteren Bediensteten und Gäste gewarnt habe. Irgendwann habe man aber gemerkt: „Der Opi ist noch drin.“ Als „Opi“ bezeichnete das Team den Stammgast aus den Niederlanden, der schon häufiger da gewesen sei. „Wir kamen da nicht mehr rein, es war zu spät“, berichtete die Geschäftsführerin. Wer sich wo befand, sei auch durch die Listen erkennbar gewesen, die der Saunaclub führt. Darin steht, wann jemand mit den Damen aufs Zimmer geht und wann er zurückkommt. Auf der Liste befindet sich in der Zeile, wo der Name des Niederländers auftaucht, keine Uhrzeit der Rückankunft an der Rezeption.
Der Hamminkelner Club „Gallardo“ ist noch nicht wieder geöffnet, wird es auch wohl so schnell nicht werden, wenn man den Worten der Geschäftsführerin glaubt, die vor Gericht den Angeklagten beschimpfte. „Er hat meine komplette Existenz vernichtet, ich hätte fast mein Leben verloren. Wenn einer nicht zufrieden ist mit einer Leistung, steckt er dann den Laden an?“ An dieser Stelle war sie den Tränen nahe – und erinnerte sich dann daran, dass ja tatsächlich jemand in ihrem Club umgekommen war. „Es ist jemand gestorben“, ergänzte sie.
Wer ist verantwortlich für den Tod des Niederländers? Auch die letzten Ereignisse vor dem Club „Gallardo“ schilderte der männliche Tourteilnehmer. Als der 42-Jährige rausgeschmissen worden war, hätte ihn der verbliebene Rest der Truppe auf dem Handy angerufen. Der 42-Jährige habe sich da schon an der 600 Meter entfernten Shell-Tankstelle in Hamminkeln befunden; offenbar immer noch alkoholisiert, weil er, kurz bevor dann wirklich das Taxi in Richtung Wesel und Voerde eintraf, nach Schilderung eines Mitfahrers reglos am Boden lag. War ihm da schon bewusst, dass er einen großen Fehler begangen hatte? Weil einer der Teilnehmer sein Handy vermisste, ging es noch einmal zurück zum Gallardo. Dort sah der Zeuge, der am Montag vor Gericht auftrat, schon das Flammenmeer. Offenbar war auch da noch nicht die komplette Dramatik bewusst, denn schon am nächsten Tag traf sich ein Teil der Junggesellenabschieds-Gruppe abermals, weil der Vater des Angeklagten Geburtstag hatte.
Einer war am Folgetag aber nicht mehr dabei: der 42-Jährige. Hat ihn da schon das schlechte Gewissen geplagt? Er selbst vernahm den Prozess am Montag fast regungslos, blickte immer wieder zu den Zeugen, schien in manchen Momenten selbst nicht voll zu erfassen, was da gerade mit ihm geschieht.
Was wissen die anderen Prostituierten?
Verwirrend: Auch die anderen Prostituierten waren geladen – erschienen aber nicht vor Gericht. Verwirrend blieb dabei, dass eine der geladenen Zeuginnen im Weseler Marien-Hospital liegt. Sie soll im künstlichen Koma liegen, wurde berichtet. Die genauen Hintergründe sind nicht bekannt.
Zum Artikel
Prostituierte sagt in Saunaclub-Prozess aus
Die Aussagen einer rumänischen Prostituierten und der Betriebsleiterin werfen ein neues Licht auf die Ereignisse der Brandnacht im Juli 2019. Legte ein 42-Jähriger das Feuer, das einen Mann tötete, absichtlich? Und: Wie betrunken war er?
Im Prozess um den Brand mit Todesfolge im Hamminkelner Saunaclub Gallardo im Juli 2019 läuft es immer mehr auf die Frage hinaus, wie stark alkoholisiert der Angeklagte in der Tatnacht war. Ist von einem vorsätzlich gelegten Brand auszugehen, in dessen Folge ein 64-jähriger Niederländer tragisch verstarb? Vor Gericht sprachen am Montag sowohl die Geschäftsführerin des Hamminkelner Clubs „Gallardo“ als auch eine der drei Prostituierten, mit denen der Angeklagte in der Tatnacht Geschlechtsverkehr hatte. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Vorgänge im Rotlicht-Milieu, in dem Clubbetreiber ihr weibliches Personal nur unter Künstlernamen kennen und ein Begriff wie „Saunaclub“ nur ein Euphemismus für einen florierenden Bordellbetrieb ist.
Rückblende: Am 14. Juli 2019 brach nachts in dem Saunaclub „Gallardo“ an der Straße Kesseldorfer Rott in Hamminkeln ein Feuer aus. Ein 64-jähriger Mann aus den Niederlanden konnte nicht mehr rechtzeitig flüchten, er starb in den Flammen. Wenige Tage nach der Brandkatastrophe schon konnte die Polizei ein erstes Ermittlungsergebnis verkünden: Das Feuer soll demnach ein damals 42-jähriger Mann aus Voerde gelegt haben, der an jenem Tag Gast eines Junggesellenabschieds war. Die Tour startete beim künftigen Bräutigam, von dort ging es weiter nach Essen per Boot auf den Baldeneysee, später in das Rüttenscheider Lokal „Plan B“. Der 42-jährige Angeklagte schlug dann nach Schilderung eines weiteren Tourteilnehmers, der als Zeuge am Montag sprach, vor, noch in den Club „Gallardo“ nach Hamminkeln zu fahren.
Rharbaberschnaps, Wodka, Whiskey, Bier: Es war den ganzen Tag über viel Alkohol im Spiel, aber wie sehr hat er die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten beeinflusst? Wie alkoholisiert war er bei Ausbruch des Feuers? Nach bisherigen Schilderungen der Zeugen kristallisiert sich der Eindruck heraus, als sei der Angeklagte, nachdem er mit gleich drei Damen aufs Zimmer ging und Geschlechtsverkehr hatte, unzufrieden mit der Leistung gewesen. Der Angeklagte geriet darüber schließlich in Streit mit einem Manager des Clubs. Er wurde herausgeworfen. Bilder der Videoüberwachung zeigen dann, wie eine Person – mutmaßlich der Angeklagte – von außen durch ein Fenster wieder in das Etablissement einstieg. Danach bricht ein Feuer aus – der Club brennt ab.
Der Angeklagte selbst beruft sich auf einen Filmriss, den er ab dem Barbesuch in Essen gehabt habe. Gegen diese Variante könnte aber sprechen, dass er selbst Ideengeber des Abstechers ins „Gallardo“ war. Seine Mitfahrer lud er sogar auf der Fahrt von Essen an den Niederrhein ein, noch in der Voerder Wohnung eine Gurkensuppe zu sich zu nehmen. Als die Gruppe schließlich im Hamminkelner Club ankam, habe man zunächst gemeinsam weiter getrunken, schilderte der Zeuge. Jeder erhielt eine Verzehrkarte im Wert von 30 Euro, Bier gratis. Der mindestens angeheiterte 42-Jährige soll dort auch an einer Stange getanzt haben. Irgendwann, so berichten die anderen Tourteilnehmer, sei er dann mit Frauen in ein Zimmer verschwunden. Dies sei jedoch nicht abgemacht gewesen. „Ich war sauer deshalb“, sagte einer der Zeugen am Montag vor Gericht. Das sei nicht der Grund gewesen, warum man nach Hamminkeln gefahren sei.
Den Verlauf im Zimmer schilderte am Montag eine 26-jährige Prostituierte aus Dortmund. Gebürtig komme sie aus Rumänien, sei erst drei Tage in Deutschland gewesen, habe dann im Hamminkelner Club zu arbeiten begonnen, berichtete die zierliche, schüchterne Frau. In Kontakt zu dem 42-Jährigen sei sie im Club gekommen. Der Mann habe um eine Zigarette und Feuer gebeten, dann sei man in Verhandlungen eingestiegen. Gleich drei Frauen habe er ausgewählt, dann sei es aufs Zimmer gegangen. „Es lief gut, sein Verhalten war relativ okay, bis wir das Zimmer verließen.“ Fünf bis acht Minuten dauerte der Geschlechtsverkehr mit jeder Frau, 150 Euro sollte der 42-Jährige insgesamt für diese Dienste zahlen. Über diesen Preis allerdings soll es zum verbalen Streit auch mit einem Manager des Clubs gekommen sein, der auch als eine Art Aufseher fungierte. Auf die Frage des Richters, wie hoch der Alkoholpegel des Angeklagten gewesen sei, sagte die Prostituierte. „Ein bisschen besoffen, nicht sehr besoffen.“
Die Rumänin berichtete dann, sie habe danach mit dem nächsten Kunden ein weiteres Zimmer aufgesucht – und habe ihre Arbeit auch da nicht unterbrochen, als sie auf dem Flur schon Brandgeruch bemerkte. Sie informierte lediglich die Rezeption, weil sie dachte, eine Steckdose könne brennen.
Die weiteren Ereignisse der Brandnacht ergeben sich auch aus Schilderungen der Geschäftsführerin, die in jenen Stunden direkt neben jenem Zimmer übernachtete. Nur durch den Alarm des Rauchmelders sei sie geweckt worden. „Ich bin aus dem Bett gesprungen“, berichtete die Frau, die in Recklinghausen lebt. Sie habe schnell die Rezeption alarmiert, die sofort alle Prostituierten und weiteren Bediensteten und Gäste gewarnt habe. Irgendwann habe man aber gemerkt: „Der Opi ist noch drin.“ Als „Opi“ bezeichnete das Team den Stammgast aus den Niederlanden, der schon häufiger da gewesen sei. „Wir kamen da nicht mehr rein, es war zu spät“, berichtete die Geschäftsführerin. Wer sich wo befand, sei auch durch die Listen erkennbar gewesen, die der Saunaclub führt. Darin steht, wann jemand mit den Damen aufs Zimmer geht und wann er zurückkommt. Auf der Liste befindet sich in der Zeile, wo der Name des Niederländers auftaucht, keine Uhrzeit der Rückankunft an der Rezeption.
Der Hamminkelner Club „Gallardo“ ist noch nicht wieder geöffnet, wird es auch wohl so schnell nicht werden, wenn man den Worten der Geschäftsführerin glaubt, die vor Gericht den Angeklagten beschimpfte. „Er hat meine komplette Existenz vernichtet, ich hätte fast mein Leben verloren. Wenn einer nicht zufrieden ist mit einer Leistung, steckt er dann den Laden an?“ An dieser Stelle war sie den Tränen nahe – und erinnerte sich dann daran, dass ja tatsächlich jemand in ihrem Club umgekommen war. „Es ist jemand gestorben“, ergänzte sie.
Wer ist verantwortlich für den Tod des Niederländers? Auch die letzten Ereignisse vor dem Club „Gallardo“ schilderte der männliche Tourteilnehmer. Als der 42-Jährige rausgeschmissen worden war, hätte ihn der verbliebene Rest der Truppe auf dem Handy angerufen. Der 42-Jährige habe sich da schon an der 600 Meter entfernten Shell-Tankstelle in Hamminkeln befunden; offenbar immer noch alkoholisiert, weil er, kurz bevor dann wirklich das Taxi in Richtung Wesel und Voerde eintraf, nach Schilderung eines Mitfahrers reglos am Boden lag. War ihm da schon bewusst, dass er einen großen Fehler begangen hatte? Weil einer der Teilnehmer sein Handy vermisste, ging es noch einmal zurück zum Gallardo. Dort sah der Zeuge, der am Montag vor Gericht auftrat, schon das Flammenmeer. Offenbar war auch da noch nicht die komplette Dramatik bewusst, denn schon am nächsten Tag traf sich ein Teil der Junggesellenabschieds-Gruppe abermals, weil der Vater des Angeklagten Geburtstag hatte.
Einer war am Folgetag aber nicht mehr dabei: der 42-Jährige. Hat ihn da schon das schlechte Gewissen geplagt? Er selbst vernahm den Prozess am Montag fast regungslos, blickte immer wieder zu den Zeugen, schien in manchen Momenten selbst nicht voll zu erfassen, was da gerade mit ihm geschieht.
Was wissen die anderen Prostituierten?
Verwirrend: Auch die anderen Prostituierten waren geladen – erschienen aber nicht vor Gericht. Verwirrend blieb dabei, dass eine der geladenen Zeuginnen im Weseler Marien-Hospital liegt. Sie soll im künstlichen Koma liegen, wurde berichtet. Die genauen Hintergründe sind nicht bekannt.
- Red Light News
- Beiträge: 402
- Registriert: 21.02.2025
- Kontaktdaten:
Weitere Details
NRZ 18.02.2020
Hamminkeln/Duisburg. Ein Gast soll den „Saunaclub“ in Hamminkeln angezündet haben. Ein Gast starb. Gegensätzliche Aussagen des Angeklagten und einer Prostituierten.
Bei einem Brand in einem FKK-Saunaclub am Kesseldorfer Rott in Hamminkeln starb in der Nacht zum 14. Juli 2019 ein 64-jähriger Gast. Der Mann, der den Brand gelegt haben soll, steht derzeit wegen Mordes vor dem Landgericht Duisburg.
Doch was bloß konnte den 43-jährigen Voerder so in Wut versetzen, dass er in Zimmer 16 die Matratze anzündete und so das ganze Gebäude zerstörte?
Diese Frage beantwortete der Angeklagte, der sich ansonsten an kaum etwas aus dieser Nacht erinnern will, am dritten Verhandlungstag: Er habe sich darüber geärgert, dass er nur eine Dame mit auf das Zimmer nehmen wollte, aber noch zwei andere mitkamen. Wobei man einschränken muss, dass ihn das erst angesichts der Rechnung erboste.
Denn während des Aufenthaltes auf dem Zimmer soll der Angeklagte nichts von Wut haben erkennen lassen. Ihm soll es vielmehr Vergnügen bereitet haben, dass ihm gleich drei Damen zu Willen waren. So jedenfalls die Aussage einer Prostituierten, die sich für ihre Profession im Zeugenstand sehr schamvoll gab.
Prozess: Viele farbige Kondome erheitern die Zuhörer
Ohne Zögern soll sich der 43-Jährige, trotz seiner angeblich hochgradigen Alkoholisierung, nacheinander allen drei Frauen gewidmet haben, ohne dass ein Nachlassen seiner Manneskraft erkennbar gewesen wäre. Details, wie die unterschiedlichen Farben der verwendeten Kondome, konnten Zuhörer nur mit einem gewissen Schmunzeln zur Kenntnis nehmen.
Inzwischen verfügt die 5. Große Strafkammer auch noch über deutlich mehr Video-Material als die Ermittlungen der Polizei zunächst zu Tage gefördert hatten. Rund 1000 Video-Sequenzen von unzähligen Überwachungskameras lassen beinahe eine lückenlose Rekonstruktion der Tatnacht und der Bewegungen des Angeklagten zu.
Für den Prozess vor dem Landgericht in Duisbug sind bis Ende April noch sieben weitere Verhandlungstage geplant.
Zum Artikel
Voerder sagt, warum er im Bordell Feuer legte
Hamminkeln/Duisburg. Ein Gast soll den „Saunaclub“ in Hamminkeln angezündet haben. Ein Gast starb. Gegensätzliche Aussagen des Angeklagten und einer Prostituierten.
Bei einem Brand in einem FKK-Saunaclub am Kesseldorfer Rott in Hamminkeln starb in der Nacht zum 14. Juli 2019 ein 64-jähriger Gast. Der Mann, der den Brand gelegt haben soll, steht derzeit wegen Mordes vor dem Landgericht Duisburg.
Doch was bloß konnte den 43-jährigen Voerder so in Wut versetzen, dass er in Zimmer 16 die Matratze anzündete und so das ganze Gebäude zerstörte?
Diese Frage beantwortete der Angeklagte, der sich ansonsten an kaum etwas aus dieser Nacht erinnern will, am dritten Verhandlungstag: Er habe sich darüber geärgert, dass er nur eine Dame mit auf das Zimmer nehmen wollte, aber noch zwei andere mitkamen. Wobei man einschränken muss, dass ihn das erst angesichts der Rechnung erboste.
Denn während des Aufenthaltes auf dem Zimmer soll der Angeklagte nichts von Wut haben erkennen lassen. Ihm soll es vielmehr Vergnügen bereitet haben, dass ihm gleich drei Damen zu Willen waren. So jedenfalls die Aussage einer Prostituierten, die sich für ihre Profession im Zeugenstand sehr schamvoll gab.
Prozess: Viele farbige Kondome erheitern die Zuhörer
Ohne Zögern soll sich der 43-Jährige, trotz seiner angeblich hochgradigen Alkoholisierung, nacheinander allen drei Frauen gewidmet haben, ohne dass ein Nachlassen seiner Manneskraft erkennbar gewesen wäre. Details, wie die unterschiedlichen Farben der verwendeten Kondome, konnten Zuhörer nur mit einem gewissen Schmunzeln zur Kenntnis nehmen.
Inzwischen verfügt die 5. Große Strafkammer auch noch über deutlich mehr Video-Material als die Ermittlungen der Polizei zunächst zu Tage gefördert hatten. Rund 1000 Video-Sequenzen von unzähligen Überwachungskameras lassen beinahe eine lückenlose Rekonstruktion der Tatnacht und der Bewegungen des Angeklagten zu.
Für den Prozess vor dem Landgericht in Duisbug sind bis Ende April noch sieben weitere Verhandlungstage geplant.
- Red Light News
- Beiträge: 402
- Registriert: 21.02.2025
- Kontaktdaten:
Weitere Zeugenvernehmung
RP 25.02.2020
Im Prozess um einen Brand mit Todesfolge im Hamminkelner Saunaclub Gallardo hat die Ehefrau des Angeklagten Voerders ausgesagt. Auch zwei Mitarbeiterinnen und der Betriebsleiter des bordellähnlichen Betriebs sagten aus.
Der Brand mit Todesfolge im Hamminkelner Bordellbetrieb Gallardo hat nicht nur auf tragische Weise das Leben eines Menschen ausgelöscht. Er hat ganz offenbar auch eine Familie auseinandergerissen, die Familie des Angeklagten aus Voerde, der verdächtigt wird, das Feuer im Saunaclub Gallardo gelegt zu haben. Am Dienstag sprach vor dem Duisburger Landgericht die Ehefrau des mutmaßlichen Brandstifters. Sie saß auf der Zeugenbank, ihr Ehemann wenige Meter entfernt auf der Anklagebank. Immer wieder schaute die 34-Jährige zu den Verteidigern und dem Ehemann hinüber. Da saß der Mensch, der sie mit drei Prostituierten betrogen hatte, der auch für den Tod eines 64-jährigen Niederländers verantwortlich sein soll. Und dennoch sagte die Ehefrau mitten im Prozess weinend: „Er ist der beste Ehemann und Papa. Ich möchte, dass er nach Hause kommt.“
Rückblende: In der Nacht vom 13. auf den 14. Juli 2019 brach im Hamminkelner Club Gallardo ein Feuer aus. Verdächtigt wird ein Mann aus Voerde, der in jener Nacht nach einem Junggesellenabschied eines befreundeten Mannes mit einer Gruppe nach Hamminkeln gefahren war. Zeugen berichten, dass der Angeklagte mit drei Frauen aufs Zimmer ging, auch mit ihnen schlief. Danach habe er aber nur eine Prostituierte bezahlen wollen, weil er mit den anderen beiden nicht zufrieden gewesen sei. Auf Videos ist zu sehen, dass sich der Angeklagte an der Pforte noch beschwert, dann Geld auf den Tresen legt und den Club verlässt. Andere Videos zeigen, wie eine Person wieder durch ein Fenster in den Club einsteigt. Kurz darauf bricht ein Feuer aus. Die Bediensteten räumen den Club Gallardo, doch eine Person verlässt nicht rechtzeitig die Räumlichkeiten. Es ist ein 64-jähriger Stammgast aus den Niederlanden, der im Club nur „Opi“ genannt wird. Die Prostituierte hatte ihn zwar noch aufgefordert, schnell das Gallardo zu verlassen. Dieser ältere Herr aber hat sich aber wohl noch anziehen wollen. Das war sein Fehler – er überlebte das Feuer nicht.
Welche Folgen hatte der Alkoholkonsum während der Tagestour der Junggesellen für den Angeklagten? Diese Frage beschäftigt das Gericht, weil dadurch die Frage beantwortet werden soll, ob die eigentliche Tat, die wohl eindeutig dem Angeklagten zugeordnet ist, womöglich unter Einfluss von zu viel Alkohol geschah – die Zurechnungsfähigkeit also eingeschränkt war.
Die Ehefrau sagte in ihrer ersten Vernehmung durch die Polizei direkt nach dem Brand, dass ihr Mann nach der Ankunft zu Hause „normal betrunken“ gewesen sei. Schon tagsüber habe er ihr per Whatsapp eine Nachricht übermittelt. Die sei aber kaum zu verstehen gewesen. Sie war tagsüber selbst auf einem Junggesellinnenabschied, die Kinder waren zu Hause. Sie sei schon gegen Mitternacht wieder in Voerde angekommen, ihr Mann erst später. Ihr Mann sei offenbar so alkoholisiert gewesen, dass er in dieser Nacht bei Ankunft die falsche Schlafzimmertür wählte; die eines Kindes. „Papa, du bist im falschen Zimmer“, habe das Kind noch gesagt, erzählte die Ehefrau vor Gericht. Das habe ihr das Kind später berichtet. Immer wieder brach sie in Tränen aus, schilderte auch, seit dem Brandtag pflanzliche Beruhigungsmittel zu nehmen. Ihrem Mann habe sie häufiger schon empfohlen, eine Therapie zu absolvieren, wenn er sein Alkoholproblem nicht allein in den Griff bekomme. Einmal in der Woche habe er zwei Flaschen Schnaps gekauft, auch Bier.
Ihr Mann sei besonders am Wochenende starker Trinker gewesen, schilderte die Ehefrau, oft bis zum Exzess. Dann habe er verrückte Sachen gemacht, sich nachts noch eine Ente zubereitet oder sei in einen Teich gestiegen. Bei einem Besuch von Nachbarn soll er sich auch mal entkleidet haben nach starkem Alkoholkonsum. An seinem Gesicht könne sie sehen, ob der Ehemann getrunken hat, schilderte die Frau. „Jede Frau erkennt an ihrem Mann, wenn er besoffen ist.“ Der Staatsanwalt wollte bei einer Rückfrage auch geklärt wissen, ob der Angeklagte bei starker Trunkenheit noch zum Geschlechtsverkehr fähig sei. Dies könnte für die Beweisführung dienlich sein, weil der Angeklagte mit den Prostituierten Sex hatte. Das Gericht entschied aber, dass diese Rückfrage in dieser Form zu intim und nicht zulässig sei. Merklich waren alle Prozessbeteiligten der Justiz bemüht, die Ehefrau sensibel zu behandeln.
Nach der Ehefrau sprachen weitere Zeugen. Eine 27-jährige Empfangsdame des Gallardo aus Wesel konnte die näheren Umstände der Brandnacht schildern. In jenen Minuten, in denen das Feuer ausbrach, stand sie am Tresen. Die Chefin, die im Haus schlief, sei mit ihrem Hund angerannt gekommen. „Es brennt“, habe sie gerufen. Die Empfangsdame sagte, sie habe dann veranlasst, dass alle Zimmer geräumt werden. Der Gast aus den Niederlanden sei ihr bekannt gewesen. Er sei nach der Öffnung um 11 Uhr der erste Gast im Club gewesen. Als man die Listen abglich, habe man festgestellt, dass „Opi“ sich wohl noch im Zimmer befand. Da sei es aber schon zu spät gewesen.
Die Empfangsdame sprach auch über den Alkoholkonsum des Angeklagten. Bei der ersten Vernehmung durch die Polizei hatte sie gesagt, dass der Angeklagte „stark angetrunken“ gewesen sei. Nun sagte sie vor Gericht. „Er hat nicht den Anschein gemacht, als ob er betrunken war. Man hatte nicht das Gefühl, dass man sich mit einem betrunkenen Menschen unterhält.
Eine weitere Frau aus Essen (42), die an der Bar arbeitete, schilderte den Verlauf aus ihrer Sicht. Sie ist gelernte Rettungsassistentin, arbeitete vor dem Brand erst wenige Wochen im Gallardo, drückte sich gepflegt aus und konzentrierte ihre Schilderungen insbesondere auf das Todesopfer. Sie habe mit ihrem Fachwissen durch den alten Job direkt um die Gefahren gewusst. Als sie gegenüber weiterem Personal auf das Risiko aufmerksam machte, sei nicht richtig reagiert worden, kritisierte sie. „Ich hätte mir mehr Engagement gewünscht.“
Gegen Ende der Zeugenvernehmung trat dann auch der Betriebsleiter des Gallardo auf, ein 33-jähriger Mann aus Duisburg, klein, aber muskulös. Er war im Haus eine Art „Mädchen für alles“, betreute die Gäste, die Prostituierten, aber auch Bar und Buffetservice des betriebseigenen Kochs. An einer Stelle schilderte er einen Vorgang, der aufhorchen lässt. So habe die Prostituierte, die mit dem später Verstorbenen auf dem Zimmer war, die Angewohnheit gehabt, Kerzen aufzustellen. Auch habe sie manchmal ungeschickt mit dem Glätteisen agiert, das im Zimmer stand. Deshalb dachte der Betriebsleiter nach Ausbruch des Brandes zunächst auch, dass dies ein Grund für das Feuer sein könne. Der Punkt ist wichtig, weil die Verteidigung bei einem früheren Termin das Brandgutachten kritisiert hatte. Wurde am Ende gar kein Feuer durch den Angeklagten gelegt? Wie sicher lässt sich diese Frage klären? Zwar wurde die Tür jenes Zimmers, in dem mutmaßlich das Feuer ausbrach, geöffnet, einmal durch den Betriebsleiter und einmal durch die Empfangsdame. Beide berichteten aber, dass sie keine Flammen, nur Dunkelheit und Rauch gesehen hätten.
Der Betriebsleiter war es auch, der kurz vor dem Ausbruch des Feuers eine Beschwerde des Angeklagten über den Service von zweien der Prostituierten aufnahm. Videos zeigen, wie er mit dem Gast spricht. Ein handfester Streit ist nicht zu erkennen. Im Video zückt der Angeklagte das Portemonnaie, legt Scheine auf den Tisch, der Betriebsleiter öffnet die Tür und der Gast verlässt das Haus. Hätte es hier eine stärkere Auseinandersetzung gegeben, wäre dies eine Erklärung für das Feuer kurz danach gewesen. Es wäre aber dann vielleicht auch Beweis dafür gewesen, dass der Angeklagte mit Kalkül handelte.
258 Euro hat der Angeklagte im Gallardo wohl ausgegeben: 50 Euro Eintritt; darin inbegriffen der Verzehr von Bier und Softdrinks sowie das Buffet. Dazu acht Euro für einen Longdrink und 150 Euro für die Dienste der Prostituierten. Eine teure Nacht – mit noch größeren Folgen. Ein Mensch starb. Das Gallardo selbst bleibt wohl lange geschlossen. Es gibt, so wurde vor Gericht deutlich, einen Streit mit dem Versicherer. 180.000 Euro sollen allein die Abrisskosten betragen.
Zum Artikel
„Ich möchte, dass er nach Hause kommt“
Im Prozess um einen Brand mit Todesfolge im Hamminkelner Saunaclub Gallardo hat die Ehefrau des Angeklagten Voerders ausgesagt. Auch zwei Mitarbeiterinnen und der Betriebsleiter des bordellähnlichen Betriebs sagten aus.
Der Brand mit Todesfolge im Hamminkelner Bordellbetrieb Gallardo hat nicht nur auf tragische Weise das Leben eines Menschen ausgelöscht. Er hat ganz offenbar auch eine Familie auseinandergerissen, die Familie des Angeklagten aus Voerde, der verdächtigt wird, das Feuer im Saunaclub Gallardo gelegt zu haben. Am Dienstag sprach vor dem Duisburger Landgericht die Ehefrau des mutmaßlichen Brandstifters. Sie saß auf der Zeugenbank, ihr Ehemann wenige Meter entfernt auf der Anklagebank. Immer wieder schaute die 34-Jährige zu den Verteidigern und dem Ehemann hinüber. Da saß der Mensch, der sie mit drei Prostituierten betrogen hatte, der auch für den Tod eines 64-jährigen Niederländers verantwortlich sein soll. Und dennoch sagte die Ehefrau mitten im Prozess weinend: „Er ist der beste Ehemann und Papa. Ich möchte, dass er nach Hause kommt.“
Rückblende: In der Nacht vom 13. auf den 14. Juli 2019 brach im Hamminkelner Club Gallardo ein Feuer aus. Verdächtigt wird ein Mann aus Voerde, der in jener Nacht nach einem Junggesellenabschied eines befreundeten Mannes mit einer Gruppe nach Hamminkeln gefahren war. Zeugen berichten, dass der Angeklagte mit drei Frauen aufs Zimmer ging, auch mit ihnen schlief. Danach habe er aber nur eine Prostituierte bezahlen wollen, weil er mit den anderen beiden nicht zufrieden gewesen sei. Auf Videos ist zu sehen, dass sich der Angeklagte an der Pforte noch beschwert, dann Geld auf den Tresen legt und den Club verlässt. Andere Videos zeigen, wie eine Person wieder durch ein Fenster in den Club einsteigt. Kurz darauf bricht ein Feuer aus. Die Bediensteten räumen den Club Gallardo, doch eine Person verlässt nicht rechtzeitig die Räumlichkeiten. Es ist ein 64-jähriger Stammgast aus den Niederlanden, der im Club nur „Opi“ genannt wird. Die Prostituierte hatte ihn zwar noch aufgefordert, schnell das Gallardo zu verlassen. Dieser ältere Herr aber hat sich aber wohl noch anziehen wollen. Das war sein Fehler – er überlebte das Feuer nicht.
Welche Folgen hatte der Alkoholkonsum während der Tagestour der Junggesellen für den Angeklagten? Diese Frage beschäftigt das Gericht, weil dadurch die Frage beantwortet werden soll, ob die eigentliche Tat, die wohl eindeutig dem Angeklagten zugeordnet ist, womöglich unter Einfluss von zu viel Alkohol geschah – die Zurechnungsfähigkeit also eingeschränkt war.
Die Ehefrau sagte in ihrer ersten Vernehmung durch die Polizei direkt nach dem Brand, dass ihr Mann nach der Ankunft zu Hause „normal betrunken“ gewesen sei. Schon tagsüber habe er ihr per Whatsapp eine Nachricht übermittelt. Die sei aber kaum zu verstehen gewesen. Sie war tagsüber selbst auf einem Junggesellinnenabschied, die Kinder waren zu Hause. Sie sei schon gegen Mitternacht wieder in Voerde angekommen, ihr Mann erst später. Ihr Mann sei offenbar so alkoholisiert gewesen, dass er in dieser Nacht bei Ankunft die falsche Schlafzimmertür wählte; die eines Kindes. „Papa, du bist im falschen Zimmer“, habe das Kind noch gesagt, erzählte die Ehefrau vor Gericht. Das habe ihr das Kind später berichtet. Immer wieder brach sie in Tränen aus, schilderte auch, seit dem Brandtag pflanzliche Beruhigungsmittel zu nehmen. Ihrem Mann habe sie häufiger schon empfohlen, eine Therapie zu absolvieren, wenn er sein Alkoholproblem nicht allein in den Griff bekomme. Einmal in der Woche habe er zwei Flaschen Schnaps gekauft, auch Bier.
Ihr Mann sei besonders am Wochenende starker Trinker gewesen, schilderte die Ehefrau, oft bis zum Exzess. Dann habe er verrückte Sachen gemacht, sich nachts noch eine Ente zubereitet oder sei in einen Teich gestiegen. Bei einem Besuch von Nachbarn soll er sich auch mal entkleidet haben nach starkem Alkoholkonsum. An seinem Gesicht könne sie sehen, ob der Ehemann getrunken hat, schilderte die Frau. „Jede Frau erkennt an ihrem Mann, wenn er besoffen ist.“ Der Staatsanwalt wollte bei einer Rückfrage auch geklärt wissen, ob der Angeklagte bei starker Trunkenheit noch zum Geschlechtsverkehr fähig sei. Dies könnte für die Beweisführung dienlich sein, weil der Angeklagte mit den Prostituierten Sex hatte. Das Gericht entschied aber, dass diese Rückfrage in dieser Form zu intim und nicht zulässig sei. Merklich waren alle Prozessbeteiligten der Justiz bemüht, die Ehefrau sensibel zu behandeln.
Nach der Ehefrau sprachen weitere Zeugen. Eine 27-jährige Empfangsdame des Gallardo aus Wesel konnte die näheren Umstände der Brandnacht schildern. In jenen Minuten, in denen das Feuer ausbrach, stand sie am Tresen. Die Chefin, die im Haus schlief, sei mit ihrem Hund angerannt gekommen. „Es brennt“, habe sie gerufen. Die Empfangsdame sagte, sie habe dann veranlasst, dass alle Zimmer geräumt werden. Der Gast aus den Niederlanden sei ihr bekannt gewesen. Er sei nach der Öffnung um 11 Uhr der erste Gast im Club gewesen. Als man die Listen abglich, habe man festgestellt, dass „Opi“ sich wohl noch im Zimmer befand. Da sei es aber schon zu spät gewesen.
Die Empfangsdame sprach auch über den Alkoholkonsum des Angeklagten. Bei der ersten Vernehmung durch die Polizei hatte sie gesagt, dass der Angeklagte „stark angetrunken“ gewesen sei. Nun sagte sie vor Gericht. „Er hat nicht den Anschein gemacht, als ob er betrunken war. Man hatte nicht das Gefühl, dass man sich mit einem betrunkenen Menschen unterhält.
Eine weitere Frau aus Essen (42), die an der Bar arbeitete, schilderte den Verlauf aus ihrer Sicht. Sie ist gelernte Rettungsassistentin, arbeitete vor dem Brand erst wenige Wochen im Gallardo, drückte sich gepflegt aus und konzentrierte ihre Schilderungen insbesondere auf das Todesopfer. Sie habe mit ihrem Fachwissen durch den alten Job direkt um die Gefahren gewusst. Als sie gegenüber weiterem Personal auf das Risiko aufmerksam machte, sei nicht richtig reagiert worden, kritisierte sie. „Ich hätte mir mehr Engagement gewünscht.“
Gegen Ende der Zeugenvernehmung trat dann auch der Betriebsleiter des Gallardo auf, ein 33-jähriger Mann aus Duisburg, klein, aber muskulös. Er war im Haus eine Art „Mädchen für alles“, betreute die Gäste, die Prostituierten, aber auch Bar und Buffetservice des betriebseigenen Kochs. An einer Stelle schilderte er einen Vorgang, der aufhorchen lässt. So habe die Prostituierte, die mit dem später Verstorbenen auf dem Zimmer war, die Angewohnheit gehabt, Kerzen aufzustellen. Auch habe sie manchmal ungeschickt mit dem Glätteisen agiert, das im Zimmer stand. Deshalb dachte der Betriebsleiter nach Ausbruch des Brandes zunächst auch, dass dies ein Grund für das Feuer sein könne. Der Punkt ist wichtig, weil die Verteidigung bei einem früheren Termin das Brandgutachten kritisiert hatte. Wurde am Ende gar kein Feuer durch den Angeklagten gelegt? Wie sicher lässt sich diese Frage klären? Zwar wurde die Tür jenes Zimmers, in dem mutmaßlich das Feuer ausbrach, geöffnet, einmal durch den Betriebsleiter und einmal durch die Empfangsdame. Beide berichteten aber, dass sie keine Flammen, nur Dunkelheit und Rauch gesehen hätten.
Der Betriebsleiter war es auch, der kurz vor dem Ausbruch des Feuers eine Beschwerde des Angeklagten über den Service von zweien der Prostituierten aufnahm. Videos zeigen, wie er mit dem Gast spricht. Ein handfester Streit ist nicht zu erkennen. Im Video zückt der Angeklagte das Portemonnaie, legt Scheine auf den Tisch, der Betriebsleiter öffnet die Tür und der Gast verlässt das Haus. Hätte es hier eine stärkere Auseinandersetzung gegeben, wäre dies eine Erklärung für das Feuer kurz danach gewesen. Es wäre aber dann vielleicht auch Beweis dafür gewesen, dass der Angeklagte mit Kalkül handelte.
258 Euro hat der Angeklagte im Gallardo wohl ausgegeben: 50 Euro Eintritt; darin inbegriffen der Verzehr von Bier und Softdrinks sowie das Buffet. Dazu acht Euro für einen Longdrink und 150 Euro für die Dienste der Prostituierten. Eine teure Nacht – mit noch größeren Folgen. Ein Mensch starb. Das Gallardo selbst bleibt wohl lange geschlossen. Es gibt, so wurde vor Gericht deutlich, einen Streit mit dem Versicherer. 180.000 Euro sollen allein die Abrisskosten betragen.
- Red Light News
- Beiträge: 402
- Registriert: 21.02.2025
- Kontaktdaten:
Anwalt bezweifelt Tatmotiv
NRZ 12.03.2020
Hamminkeln. Im Prozess vor dem Landgericht Duisburg um den tödlichen Brand im Bordell zweifelt die Verteidigung an einem Racheakt – und an der Brandursache.
Seit Anfang Februar steht ein 43-jähriger Mann aus Voerde wegen Mordes vor dem Landgericht Duisburg. Aus Wut über schlechte, oder eher übereifrige Dienstleistungen der Damen des horizontalen Gewerbes soll er in der Nacht zum 14. Juli 2019 in einem FKK-Saunaclub in Hamminkeln Feuer gelegt haben. Ein 64-jähriger Niederländer kam dabei ums Leben. Der nach eigenen Angaben stark alkoholisierte Angeklagte hat angeblich keine Erinnerung mehr.
Seine Verteidiger zweifeln inzwischen ebenso das der Anklage zu Grunde gelegte Motiv wie die Ermittlungen zur Brandursache an. Die Staatsanwaltschaft habe sich in der Anklage auf Rache als Motiv festgelegt.
Voerder war vor dem tödlichen Brand in Saunaclub nicht aggressiv
Aufgrund der Zeugenaussage eines Mitarbeiters des Clubs sei das aber inzwischen höchst zweifelhaft, hieß es in einer Erklärung der Anwälte am 7. Prozesstag. Nach den glaubhaften Berichten des Zeugen sei der Angeklagte keineswegs aggressiv gewesen, sondern habe die hohe Rechnung anstandslos bezahlt.
Danach soll er in ruhiger Gemütslage gegangen sein. Zudem habe derselbe Zeuge angegeben, dass die Bewohnerin des Zimmers 16, in dem der das ganze Gebäude zerstörende Brand ausgebrochen war, schon öfter dadurch aufgefallen war, dass sie entgegen der Hausordnung Kerzen entzündete.
Verteidigung: Ermittler haben sich auf den 43-Jährigen festgelegt
Die Polizei habe sich offenbar, nachdem Bilder einer Video-Kamera zeigten, dass der Angeklagte zweifach das Zimmer verließ, auf den 43-Jährigen als Täter festgelegt, kritisiert die Verteidigung.
Weitere Überwachungsbilder seien erst durch Nachfragen des Gerichts zu Tage gefördert worden, nicht aber durch die Ermittler. Zudem sei das Brandgutachten erst gar nicht auf die Frage eingegangen, ob das Feuer möglicherweise auch durch eine andere Ursache – wie eine umgestürzte Kerze – entstanden sein könnte. Die Anwälte regten eine erneute Vernehmung des Brandsachverständigen an. Bis zum 30. April sind noch drei weitere Verhandlungstage geplant.
Zum Artikel
Brand im Saunaclub Hamminkeln: Anwalt bezweifelt Tatmotiv
Hamminkeln. Im Prozess vor dem Landgericht Duisburg um den tödlichen Brand im Bordell zweifelt die Verteidigung an einem Racheakt – und an der Brandursache.
Seit Anfang Februar steht ein 43-jähriger Mann aus Voerde wegen Mordes vor dem Landgericht Duisburg. Aus Wut über schlechte, oder eher übereifrige Dienstleistungen der Damen des horizontalen Gewerbes soll er in der Nacht zum 14. Juli 2019 in einem FKK-Saunaclub in Hamminkeln Feuer gelegt haben. Ein 64-jähriger Niederländer kam dabei ums Leben. Der nach eigenen Angaben stark alkoholisierte Angeklagte hat angeblich keine Erinnerung mehr.
Seine Verteidiger zweifeln inzwischen ebenso das der Anklage zu Grunde gelegte Motiv wie die Ermittlungen zur Brandursache an. Die Staatsanwaltschaft habe sich in der Anklage auf Rache als Motiv festgelegt.
Voerder war vor dem tödlichen Brand in Saunaclub nicht aggressiv
Aufgrund der Zeugenaussage eines Mitarbeiters des Clubs sei das aber inzwischen höchst zweifelhaft, hieß es in einer Erklärung der Anwälte am 7. Prozesstag. Nach den glaubhaften Berichten des Zeugen sei der Angeklagte keineswegs aggressiv gewesen, sondern habe die hohe Rechnung anstandslos bezahlt.
Danach soll er in ruhiger Gemütslage gegangen sein. Zudem habe derselbe Zeuge angegeben, dass die Bewohnerin des Zimmers 16, in dem der das ganze Gebäude zerstörende Brand ausgebrochen war, schon öfter dadurch aufgefallen war, dass sie entgegen der Hausordnung Kerzen entzündete.
Verteidigung: Ermittler haben sich auf den 43-Jährigen festgelegt
Die Polizei habe sich offenbar, nachdem Bilder einer Video-Kamera zeigten, dass der Angeklagte zweifach das Zimmer verließ, auf den 43-Jährigen als Täter festgelegt, kritisiert die Verteidigung.
Weitere Überwachungsbilder seien erst durch Nachfragen des Gerichts zu Tage gefördert worden, nicht aber durch die Ermittler. Zudem sei das Brandgutachten erst gar nicht auf die Frage eingegangen, ob das Feuer möglicherweise auch durch eine andere Ursache – wie eine umgestürzte Kerze – entstanden sein könnte. Die Anwälte regten eine erneute Vernehmung des Brandsachverständigen an. Bis zum 30. April sind noch drei weitere Verhandlungstage geplant.
- Red Light News
- Beiträge: 402
- Registriert: 21.02.2025
- Kontaktdaten:
Prozess erneut ausgesetzt
NRZ 02.04.2020
Hamminkeln/Duisburg. Der Prozess zum Saunaclubbrand wird aus Gründen des Infektionsschutzes unterbrochen. Am 30. April geht es vor dem Landgericht in Duisburg weiter.
Seit Anfang Februar steht ein 43-jähriger Mann aus Voerde wegen Mordes vor dem Landgericht Duisburg. Aus Wut über Dienstleistungen der Damen des horizontalen Gewerbes soll er in der Nacht zum 14. Juli 2019 in einem FKK-Saunaclub in Hamminkeln Feuer gelegt haben. Das kostete einen 64-jährigen Niederländer das Leben.
Doch zum sechsten Verhandlungstag kam es aufgrund zweifelhafter Einträge in den der Öffentlichkeit digital zugänglichen Prozessankündigungen eines Justiz-Portals nun – vorerst – nicht. Und die 5. Große Strafkammer nutzte, nur wenige Tage nach Inkrafttreten einer Änderung der Strafprozessordnung, erstmals bei einem Schwurgerichtsprozess die Möglichkeit, das Verfahren für längere Zeit als bislang möglich auszusetzen.
Unstimmigkeit über den Termin
Zu Beginn des geplanten Verhandlungstages hatte die Verteidigung auf Unstimmigkeiten in den elektronischen Ankündigungen hingewiesen: Im Portal des Landgerichts sei der Verhandlungstag seit mehreren Wochen als „aufgehoben“ markiert gewesen. Erst kurz vor dem Termin sei zusätzlich „nicht aufgehoben“ zu lesen gewesen.
Einer der Anwälte, die den 43-Jährigen vertreten, äußerte massive Zweifel daran, ob dadurch nicht die Öffentlichkeit blockiert worden sei, weil potenzielle Zuschauer in dem Glauben, die Verhandlung fände nicht statt, von einer Teilnahme abgesehen hätten.
Kammer benötigte Beratungszeit
Die Kammer benötigte einiges an Beratungszeit, um dann, demonstrativ trugen sie dabei keine Roben, zwei Beschlüsse zu verkünden: Der sechste Verhandlungstag wurde kurzerhand aufgehoben. Anschließend wurde in nicht-öffentlicher Sitzung der Prozess für vier Wochen ausgesetzt. Der nächste Verhandlungstag soll nun der 30. April sein. Damit nutzten die Richter die erst in der vergangenen Woche vom Gesetzgeber geschaffene Möglichkeit, Verfahren über die bislang geltenden Fristen hinaus aus Gründen des Infektionsschutzes zu unterbrechen.
Sorge um Viren – Computerviren
Die Verteidigung trieb allerdings nicht nur die Frage eines möglichen Revisionsgrundes um, sondern ein Anwalt machte sich ganz offenbar auch Sorgen um Viren. Nein, nicht etwa um Corona, sondern um Computer-Viren, die seine Geräte lahm legen könnten. Eine Festplatte mit neuen Beweismitteln habe er daher eigens der IT-Abteilung einer Hochschule zur Untersuchung gegeben. „Gerade in der jetzigen Zeit können wir es uns nicht leisten, dass unsere Computer durch einen Virus lahm gelegt werden“, so der Anwalt.
Zum Artikel
Prozess um Saunaclubbrand in Hamminkeln ausgesetzt
Hamminkeln/Duisburg. Der Prozess zum Saunaclubbrand wird aus Gründen des Infektionsschutzes unterbrochen. Am 30. April geht es vor dem Landgericht in Duisburg weiter.
Seit Anfang Februar steht ein 43-jähriger Mann aus Voerde wegen Mordes vor dem Landgericht Duisburg. Aus Wut über Dienstleistungen der Damen des horizontalen Gewerbes soll er in der Nacht zum 14. Juli 2019 in einem FKK-Saunaclub in Hamminkeln Feuer gelegt haben. Das kostete einen 64-jährigen Niederländer das Leben.
Doch zum sechsten Verhandlungstag kam es aufgrund zweifelhafter Einträge in den der Öffentlichkeit digital zugänglichen Prozessankündigungen eines Justiz-Portals nun – vorerst – nicht. Und die 5. Große Strafkammer nutzte, nur wenige Tage nach Inkrafttreten einer Änderung der Strafprozessordnung, erstmals bei einem Schwurgerichtsprozess die Möglichkeit, das Verfahren für längere Zeit als bislang möglich auszusetzen.
Unstimmigkeit über den Termin
Zu Beginn des geplanten Verhandlungstages hatte die Verteidigung auf Unstimmigkeiten in den elektronischen Ankündigungen hingewiesen: Im Portal des Landgerichts sei der Verhandlungstag seit mehreren Wochen als „aufgehoben“ markiert gewesen. Erst kurz vor dem Termin sei zusätzlich „nicht aufgehoben“ zu lesen gewesen.
Einer der Anwälte, die den 43-Jährigen vertreten, äußerte massive Zweifel daran, ob dadurch nicht die Öffentlichkeit blockiert worden sei, weil potenzielle Zuschauer in dem Glauben, die Verhandlung fände nicht statt, von einer Teilnahme abgesehen hätten.
Kammer benötigte Beratungszeit
Die Kammer benötigte einiges an Beratungszeit, um dann, demonstrativ trugen sie dabei keine Roben, zwei Beschlüsse zu verkünden: Der sechste Verhandlungstag wurde kurzerhand aufgehoben. Anschließend wurde in nicht-öffentlicher Sitzung der Prozess für vier Wochen ausgesetzt. Der nächste Verhandlungstag soll nun der 30. April sein. Damit nutzten die Richter die erst in der vergangenen Woche vom Gesetzgeber geschaffene Möglichkeit, Verfahren über die bislang geltenden Fristen hinaus aus Gründen des Infektionsschutzes zu unterbrechen.
Sorge um Viren – Computerviren
Die Verteidigung trieb allerdings nicht nur die Frage eines möglichen Revisionsgrundes um, sondern ein Anwalt machte sich ganz offenbar auch Sorgen um Viren. Nein, nicht etwa um Corona, sondern um Computer-Viren, die seine Geräte lahm legen könnten. Eine Festplatte mit neuen Beweismitteln habe er daher eigens der IT-Abteilung einer Hochschule zur Untersuchung gegeben. „Gerade in der jetzigen Zeit können wir es uns nicht leisten, dass unsere Computer durch einen Virus lahm gelegt werden“, so der Anwalt.
- Red Light News
- Beiträge: 402
- Registriert: 21.02.2025
- Kontaktdaten:
Neues Gutachten möglich
NRZ 30.04.2020
Voerde. Die Anwälte des Angeklagten aus Voerde fordern ein neues Gutachten im Prozess um den Saunabrand. Der 43-Jährige ist wegen Mordes angeklagt.
Seit Anfang Februar muss sich ein 4 3-jähriger Mann aus Voerde vor dem Landgericht Duisburg verantworten. Die Anklage lautet auf Mord. In der Nacht zum 14. Juli 2019 soll er in einem FKK-Saunaclub in Hamminkeln Feuer gelegt haben. Einen Niederländer (64) kostete das sein Leben. Der Angeklagte beruft sich auf alkoholbedingte Erinnerungslücken. Ein baldiges Ende des Prozesses scheint nach dem siebten Verhandlungstag sehr unwahrscheinlich.
Prozess setzte wegen Corona einen Monat aus
Nachdem das Verfahren vor dem Hintergrund der Corona-Epidemie einen Monat lang ausgesetzt war – eine Änderung der Strafprozessordnung gab der Kammer dazu die Möglichkeit – erneuerte die Verteidigung ihre Kritik an einseitigen Ermittlungen. So sei die Frage nach einer anderen Brandursache als der eines durch den Angeklagten gelegten Feuers von den Ermittlern nicht ausreichend geprüft worden. Zum Beispiel die Möglichkeit einer fahrlässigen Brandstiftung durch eine Prostituierte, in deren Zimmer das Feuer ausgebrochen war.
Anwälte werfen dem Gutachter mangelnde Unvoreingenommenheit vor
Die Zeugin hatte bei der Fortsetzung des Verfahrens ein zweites Mal gehört werden sollen, wozu es aber gar nicht kam. Denn die Verteidigung will, bevor sie die Frau befragt, zunächst ein neues Brandgutachten haben. Einem Brandsachverständigen warfen die Anwälte in diesem Zusammenhang vor, er habe die nötige Unvoreingenommenheit vermissen lassen. Zudem äußerten die Verteidiger Zweifel an der fachlichen Kompetenz des Gutachters.
Die Kammer äußerte sich nicht abschließend darüber, ob sie einen zweiten Brandsachverständigen einschalten will. Die Indizien sprechen aber recht eindeutig dafür: Der Vorsitzende besprach mit den Verfahrensbeteiligten bereits, welche Unterlagen und vor allem, welche Teile aus dem ersten Gutachten, einem zweiten Experten zur Verfügung gestellt werden sollen. Der erste Gutachter könnte dann in der Anwesenheit seines Kollegen noch einmal vernommen werden.
Keine Haftverschonung für Angeklagten aus Voerde
Mit Blick auf die lange Verfahrensdauer und die zu erwartenden weiteren Verzögerungen beantragte die Verteidigung außerdem, den Angeklagten von der Untersuchungshaft zu verschonen. Die Kammer lehnte das allerdings ab. Der 43-Jährige sei dringend verdächtig, zumindest eine Brandstiftung mit Todesfolge begangen zu haben. Die drohende hohe Strafe sei ein zu hoher Fluchtanreiz, zumal der Deutsch-Pole Kontakte ins Ausland habe. Der problematische Alkoholkonsum des Angeklagten erschwere eine günstige Prognose für eine Haftverschonung zusätzlich.
Zum Artikel
Feuer in Saunaclub Hamminkeln: neues Gutachten möglich
Voerde. Die Anwälte des Angeklagten aus Voerde fordern ein neues Gutachten im Prozess um den Saunabrand. Der 43-Jährige ist wegen Mordes angeklagt.
Seit Anfang Februar muss sich ein 4 3-jähriger Mann aus Voerde vor dem Landgericht Duisburg verantworten. Die Anklage lautet auf Mord. In der Nacht zum 14. Juli 2019 soll er in einem FKK-Saunaclub in Hamminkeln Feuer gelegt haben. Einen Niederländer (64) kostete das sein Leben. Der Angeklagte beruft sich auf alkoholbedingte Erinnerungslücken. Ein baldiges Ende des Prozesses scheint nach dem siebten Verhandlungstag sehr unwahrscheinlich.
Prozess setzte wegen Corona einen Monat aus
Nachdem das Verfahren vor dem Hintergrund der Corona-Epidemie einen Monat lang ausgesetzt war – eine Änderung der Strafprozessordnung gab der Kammer dazu die Möglichkeit – erneuerte die Verteidigung ihre Kritik an einseitigen Ermittlungen. So sei die Frage nach einer anderen Brandursache als der eines durch den Angeklagten gelegten Feuers von den Ermittlern nicht ausreichend geprüft worden. Zum Beispiel die Möglichkeit einer fahrlässigen Brandstiftung durch eine Prostituierte, in deren Zimmer das Feuer ausgebrochen war.
Anwälte werfen dem Gutachter mangelnde Unvoreingenommenheit vor
Die Zeugin hatte bei der Fortsetzung des Verfahrens ein zweites Mal gehört werden sollen, wozu es aber gar nicht kam. Denn die Verteidigung will, bevor sie die Frau befragt, zunächst ein neues Brandgutachten haben. Einem Brandsachverständigen warfen die Anwälte in diesem Zusammenhang vor, er habe die nötige Unvoreingenommenheit vermissen lassen. Zudem äußerten die Verteidiger Zweifel an der fachlichen Kompetenz des Gutachters.
Die Kammer äußerte sich nicht abschließend darüber, ob sie einen zweiten Brandsachverständigen einschalten will. Die Indizien sprechen aber recht eindeutig dafür: Der Vorsitzende besprach mit den Verfahrensbeteiligten bereits, welche Unterlagen und vor allem, welche Teile aus dem ersten Gutachten, einem zweiten Experten zur Verfügung gestellt werden sollen. Der erste Gutachter könnte dann in der Anwesenheit seines Kollegen noch einmal vernommen werden.
Keine Haftverschonung für Angeklagten aus Voerde
Mit Blick auf die lange Verfahrensdauer und die zu erwartenden weiteren Verzögerungen beantragte die Verteidigung außerdem, den Angeklagten von der Untersuchungshaft zu verschonen. Die Kammer lehnte das allerdings ab. Der 43-Jährige sei dringend verdächtig, zumindest eine Brandstiftung mit Todesfolge begangen zu haben. Die drohende hohe Strafe sei ein zu hoher Fluchtanreiz, zumal der Deutsch-Pole Kontakte ins Ausland habe. Der problematische Alkoholkonsum des Angeklagten erschwere eine günstige Prognose für eine Haftverschonung zusätzlich.
- Red Light News
- Beiträge: 402
- Registriert: 21.02.2025
- Kontaktdaten:
Weiterer Gutachter beauftragt
NRZ 18.05.2020
Hamminkeln/Duisburg. Brandstiftung im Saunaclub: Das Landgericht zieht nach massiver Kritik der Verteidiger am Brandgutachten einen neuen Sachverständigen hinzu.
Vor dem Landgericht Duisburg wurde das Verfahren gegen einen 43-jährigen Mann aus Voerde fortgesetzt. Seit Februar muss er sich wegen Mordes verantworten. In der Nacht zum 14. Juli 2019 soll er in einem FKK-Saunaclub in Hamminkeln Feuer gelegt haben. Ein 64-jähriger Mann starb dabei. Das Haus wurde vollkommen zerstört.
Die wichtigste Neuigkeit des achten Verhandlungstages: Nachdem es, insbesondere von der Verteidigung, massive Kritik an einem Brandgutachten und dem Gutachter gab, hat die fünfte Große Strafkammer inzwischen einen weiteren Sachverständigen beauftragt. Er könnte möglicherweise bereits ab Ende Mai an den Sitzungen teilnehmen. Wann er sein schriftliches Gutachten wird vorlegen können, ist derzeit aber noch nicht klar.
Überwachungskamera filmte Angeklagten vor dem Brand
Einstweilen setzt die Verteidigung Versuche fort, von den Kernfragen des Verfahrens abzulenken. So kam zu Sprache, dass die Eigentümer des abgebrannten Etablissements zuvor massive finanzielle Probleme gehabt haben sollen, weil inzwischen eine Zwangsversteigerung eines Teilgrundstücks anstehe.
Da darf man sich fragen, ob die Anwälte wirklich darauf hinaus wollen, dass ein Auftragstäter dem Angeklagten, der das Zimmer, in dem der Brand ausbrach, laut Bildern von Überwachungskameras unmittelbar zuvor durch ein Fenster betrat und wieder verließ, zuvorgekommen sein könnte.
Saunaclub machte 100.000 Euro Umsatz im Monat
Finanzielle Probleme hatte der Inhaber des Clubs, der die Immobilie gemietet hatte, vor dem Brand jedenfalls nicht. Das Feuer habe für ihn „einen wirtschaftlichen Totalschaden bedeutet“, so der Zeuge. Vor der Eröffnung anderthalb Jahre zuvor sei noch eine sechsstellige Summe in die Renovierung und die Einrichtung gesteckt worden. Aber die Einnahmen waren dementsprechend: „Wir hatten Umsätze von rund 100.000 Euro im Monat.“
Was schlagartig mit dem Brand endete. Und weil Versicherungsprämien für einen Bordellbetrieb sehr hoch seien, so der Zeuge, sei man auch nicht entsprechend versichert gewesen. Auf die spitzfindige Frage der Verteidigung, ob das Etablissement auch die Corona-Krise überlebt hätte, antwortete der Zeuge völlig zurecht: „Darauf kann ihnen wohl niemand eine Antwort geben.“
Zum Artikel
Saunaclubbrand in Hamminkeln: Weiterer Gutachter beauftragt
Hamminkeln/Duisburg. Brandstiftung im Saunaclub: Das Landgericht zieht nach massiver Kritik der Verteidiger am Brandgutachten einen neuen Sachverständigen hinzu.
Vor dem Landgericht Duisburg wurde das Verfahren gegen einen 43-jährigen Mann aus Voerde fortgesetzt. Seit Februar muss er sich wegen Mordes verantworten. In der Nacht zum 14. Juli 2019 soll er in einem FKK-Saunaclub in Hamminkeln Feuer gelegt haben. Ein 64-jähriger Mann starb dabei. Das Haus wurde vollkommen zerstört.
Die wichtigste Neuigkeit des achten Verhandlungstages: Nachdem es, insbesondere von der Verteidigung, massive Kritik an einem Brandgutachten und dem Gutachter gab, hat die fünfte Große Strafkammer inzwischen einen weiteren Sachverständigen beauftragt. Er könnte möglicherweise bereits ab Ende Mai an den Sitzungen teilnehmen. Wann er sein schriftliches Gutachten wird vorlegen können, ist derzeit aber noch nicht klar.
Überwachungskamera filmte Angeklagten vor dem Brand
Einstweilen setzt die Verteidigung Versuche fort, von den Kernfragen des Verfahrens abzulenken. So kam zu Sprache, dass die Eigentümer des abgebrannten Etablissements zuvor massive finanzielle Probleme gehabt haben sollen, weil inzwischen eine Zwangsversteigerung eines Teilgrundstücks anstehe.
Da darf man sich fragen, ob die Anwälte wirklich darauf hinaus wollen, dass ein Auftragstäter dem Angeklagten, der das Zimmer, in dem der Brand ausbrach, laut Bildern von Überwachungskameras unmittelbar zuvor durch ein Fenster betrat und wieder verließ, zuvorgekommen sein könnte.
Saunaclub machte 100.000 Euro Umsatz im Monat
Finanzielle Probleme hatte der Inhaber des Clubs, der die Immobilie gemietet hatte, vor dem Brand jedenfalls nicht. Das Feuer habe für ihn „einen wirtschaftlichen Totalschaden bedeutet“, so der Zeuge. Vor der Eröffnung anderthalb Jahre zuvor sei noch eine sechsstellige Summe in die Renovierung und die Einrichtung gesteckt worden. Aber die Einnahmen waren dementsprechend: „Wir hatten Umsätze von rund 100.000 Euro im Monat.“
Was schlagartig mit dem Brand endete. Und weil Versicherungsprämien für einen Bordellbetrieb sehr hoch seien, so der Zeuge, sei man auch nicht entsprechend versichert gewesen. Auf die spitzfindige Frage der Verteidigung, ob das Etablissement auch die Corona-Krise überlebt hätte, antwortete der Zeuge völlig zurecht: „Darauf kann ihnen wohl niemand eine Antwort geben.“
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast