Goldentime {w} Archiv 📂

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FSDACH
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Goldentime {w} Archiv 📂

#1

Beitrag von FSDACH »


Goldentime {w} Archiv

Goldentime {w} Karl-Gunsam-Gasse 1 🇦🇹 1110 Wien
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Das GoldenTime in Wien wurde von Werner Schmuck ins Leben gerufen und eröffnete am 21.11. 2003. Als im Jahre 2006 eine Razzia stattfand, war jedoch bereits Wolfgang Bogner Inhaber des Clubs, welcher in diesem Zuge zunächst verhaftet-, später allerdings freigesprochen wurde. Diese Razzia war Bestandteil des größten Skandals der Wiener Polizei, der so genannten Sauna Affäre. Während dessen übernahm Alexander Gerhardinger den Club. Gerhardinger wollte mit seinen Rotlichtbetrieben an die Börse, scheiterte jedoch letztendlich mit diesem Vorhaben. Mehr Erfolg hingegen erlangte er als Buchautor. Er veröffentlichte ein Buch welches sich um das Business im Rotlichtmilieu drehte und der Schauplatz dabei oftmals das Wiener Goldentime war. Ihm ist auch der gleichnamige Schwesterclub in Linz zu verdanken, den er eröffnete. Gerhardinger wurde letzten Endes verurteilt, er hatte erfolgreich die Konkurrenz ausgeschaltet. Das Wiener Goldentime ist somit wahrhaftig Geschichtsträchtig.
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Red Light News
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Eröffnung

#3

Beitrag von Red Light News »

OTS 21.11.2003
Goldentime FKK-Sauna eröffnet in Wien

Heute eröffnet goldentime, die erste FKK-Sauna Österreichs, mit einer Fläche von 3.100 Quadratmetern. Bis zu 400 Besucher können die Anlage mit Sauna, Dampfbad, Pool und Massage gleichzeitig benützen.

Heute eröffnet mit dem "goldentime" Wiens erste FKK-Sauna. "Die Besucher von goldentime sind in allen Bereichen der Anlage maximal mit einem Badetuch bekleidet. Daher kommt der Begriff FKK-Sauna", erläutert sagt Erich Meixner, Erfinder des "goldentime" Wellnessparks in Österreich. Die Anlage wird ausschließlich für Volljährige zu benützen sein. Grund dafür sind die täglichen Öffnungszeiten von zehn Uhr Vormittags bis vier Uhr Früh. Auf dem 3.100 Quadratmeter großen Areal tauchen die Besucher in ein Stückchen Südamerika ein. "Vorbild für unsere in Österreich einzigartige Anlage war eine Wellnessoase in Panama. Wie ich das dort gesehen habe, wusste ich: so etwas fehlt in Österreich", sagt Meixner.

Oberstes Ziel der Betreiber ist es, die Besucher ihre Alltagssorgen vergessen zu lassen und ihnen Kraft zu geben. "Die Besucher der goldentime FKK Sauna können bei uns ihre Alltagssorgen vergessen und hier einen Tagesurlaub verbringen", sagt Meixner. Für die Energiezufuhr stehen drei Saunas zur Verfügung. Die trockene Hitze der Sauna stärkt das Herzkreislaufsystem und regt die Durchblutung an. Haut und Poren werden durch das Schwitzen gereinigt. Aqua Viva hilft zusätzlich Gästen mit starken Energie Ungleichgewichten. Beruhigende Lichteffekte und Vogelgezwitscher regen das vegetative Nervensystem an. Dies unterstützt den Körper dabei sein Gleichgewicht wieder zu gewinnen.

Das Dampfbad lockt mit niedrigeren Temperaturen bei nahezu 100-prozentiger Luftfeuchtigkeit. Ein bunter Sternenhimmel lädt zum Verweilen ein, während die Wärme den Stoffwechsel ankurbelt und die Abwehrkräfte steigert. Zwischendurch frischt ein Solariumsbesuch die Urlaubsbräune auf.

Die Rückkehr der Lebensgeister

Für die Lockerung der vom Arbeiten verspannten Muskulatur steht ein Heilmasseur zur Verfügung. Seelischen und körperlichen Ausgleich pur finden die Gäste in dem beheizten Pool und in den zahlreichen Ruheräumen. In dem Fitness- und Trainingsraum können sie etwas für ihre Figur und Muskulatur tun. Im Kino heißt es einfach zurücklehnen. Insgesamt hilft das individuell gestaltbare Wellness-Programm dabei, die verloren gegangene Energie wieder zurück zu bringen und Lebensgeister zu wecken.

In der Mitte der Aula befindet sich ein großes Aquarium. Das ist der optische Ruhepol des Wellness-Tempels. Hier können die Gäste auf einer der zahlreichen Sitzgelegenheiten ihre Sinne sammeln. Wer Unterhaltung sucht, findet sie an der Bar, bei der ausschließlich Soft-Drinks wie alkoholfreies Bier, Kaffee und Tee ausgeschenkt werden.

Hygiene und Sauberkeit

Im "goldentime" werden die Kästchen nach Schuhgröße vergeben. Jeder Besucher erhält frisch desinfizierte Badesandalen sowie frische Hand- und Badetücher so viel er will. Diskretes Reinigungspersonal sorgt vor und während des Betriebs von 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr Früh für die Sauberkeit in dem Erholungstempel.

Das "goldentime" befindet sich in der Simmeringer Karl Gunsam Gasse 1. Der Wellness-Park ist sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Linien 6, 69A und N6) als auch mit dem Auto gut zu erreichen. Die Erholungsoase hat einen Parkplatz mit 70 Stellplätzen.

Die Eintrittsgebühr ermöglicht dem Besucher den Zugang und die Benützung der einmaligen Wellness- und Fitnessanlage. Die Eröffnungsfeier findet am 21.11. 2003 ab 16.00 Uhr statt.
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ST 05.11.2012
Geschäftsmann ohne „Strizzi-Manie“

Auszug aus dem Artikel

...Bereits vor fast zehn Jahren hat sich Schmuck in der Szene einen Namen gemacht, als er den Goldentime Saunaclub gegründet hat. Die Idee für das Modell (Freier und Prostituierte zahlen Eintritt für die Benutzung der Anlage) kam ihm in Panama City beim Besuch des gleichnamigen Etablissements. Zwei Jahre später stand der Traum in Wien, Schmuck schien nur als Beteiligter auf. Doch der erwartete Erfolg blieb aus, im ersten Jahr schrieb die Sauna 165.552 Euro Bilanzverlust...
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Red Light News
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Razzia 🚨

#4

Beitrag von Red Light News »

KZ 12.04.2006
Handschellen für Sauna-Chef!

Polizei-Aktion mit acht Verhaftungen: Drei "Kundinnen" werden von der Polizei zur Einvernahme in die Kriminaldirektion gebracht - ebenso wie Sauna-Besitzer Wolfgang B.

Zwei Wochen nach der Suspendierung des Wiener Kripo-Chefs Ernst Geiger wurde nun dessen Freund aus dem Rotlichtmilieu verhaftet. Der Besitzer des "Goldentime" und mehrere ebenfalls gefasste Komplizen stehen im Verdacht der grenzüberschreitenden Prostitution.

Ausgestattet mit neun Haftbefehlen der Justiz schlugen Dienstagabend 30 Beamte der Wiener Kriminaldirektion in der Bundeshauptstadt und Niederösterreich zu. Für Sauna-Besitzer Wolfgang B. sowie sieben weitere Komplizen klickten die Handschellen, ein Mittäter ist noch flüchtig. Das mit einem Tagesumsatz von bis zu 30.000 Euro gut gehende "Goldentime" neben der Südost-Tangente in Wien-Simmering steht seit Ende des vergangenen Jahres im Visier der Ermittlungen. Seitdem dort eine erst 17-jährige Geheimprostitutierte aus Tschechien geschnappt wurde.

Die "FKK- und Erlebnissauna" arbeitet mit einer aus Deutschland importierten Geschäftsidee: Frauen und Männer zahlen gleichermaßen 80 Euro Eintritt - sexuelle Kontakte sind dann im "Rahmen der Hausordnung" möglich. Aufgrund der Aufregung rund um den Klub gibt es derzeit sogar eine "Osteraktion" um 60 Euro!

Der nun verhaftete 42-jährige Geschäftsführer (für ihn gilt die Unschuldsvermutung) hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stets bestritten. "Auch die Damen sind Kundinnen", so seine Verantwortung. Die aus dem Osten stammenden Damen sollen übrigens als Zirkus-Artistinnen nach Österreich eingeschleust worden sein.

Der Fall bekam noch mehr Brisanz, als Kripo-Chef Ernst Geiger vorläufig vom Dienst suspendiert wurde. Der Spitzenbeamte und Wolfgang B., der Noch-Schwager von Ex-Innenminister Karl Schlögl, kennen sich seit einem Marathonlauf vor sieben Jahren. Geiger soll aber zu enge Kontakte zwischen "Blaulicht und Rotlicht" gepflogen haben. Laut einem abgehörten Telefongespräch zwischen beiden besteht zumindest der Verdacht, dass eine Razzia verraten wurde.

Zudem befinden sich im früheren Bekanntenkreis und in dem bis auf die Karibik-Insel Bahamas reichenden Firmengeflecht prominente Namen wie der Ex-Finanzminister Staribacher sowie Ex-Staatssekretär Wittmann.
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VI 12.04.2006
Weitere Details

Nach der Verhaftung von acht Verdächtigen in der sog. "Sauna-Affäre" gibt es nun erste Geständnisse. Dem Saunabetreiber wird Menschenhandel vorgeworfen, der Chauffeur soll Verbindung zum Zirkus ausgenutzt haben.

Erste Geständnisse hat es in der "Sauna-Affäre” nach den Verhaftungen von acht Verdächtigen am Dienstagabend in Wien und Niederösterreich gegeben. Wie Oberst Roland Frühwirth, Leiter der Kriminaldirektion 1 (KD 1), der APA mitteilte, zeigten sich zwei der Verhafteten bei ihren Einvernahmen geständig. Ebenso gebe es vier Frauen, welche die Verdachtsmomente gegen den Simmeringer Club hinsichtlich des Menschenhandels bestätigten. Der Betreiber der Sauna, Wolfgang B., wies hingegen alle Vorwürfe zurück.

Zu den acht Verhaftungen – betroffen sind der 42-jährige Betreiber sowie sieben Angestellte im Alter von 25 bis 46 Jahren – war es gekommen, nachdem bei einer Razzia und Hausdurchsuchungen Ende März belastendes Material gefunden worden war, das die in Ermittlungen aufgetauchten Verdachtsmomente bestätigte, die in Richtung Menschenhandel (strafrechtlich: grenzüberschreitender Prostitutionshandel) und illegale Prostitution in der Sauna gingen. Einvernahmen der dort anwesenden Frauen und die Auswertung des Materials führten schließlich dazu, dass die Haftbefehle ausgesprochen wurden.

Eine Schlüsselrolle soll dabei der 30-jährige Chauffeur des Betreibers spielen. Er soll den Damen die Visa verschafft und sie als Beschäftigte bei einem bekannten Zirkus angemeldet haben. Nach derzeitigem Informationsstand dürften die Verantwortlichen des Zirkus davon aber nichts gewusst haben. Auch die Frauen dürften hier zu Lande nie eine Zirkuskuppel von innen gesehen haben. Der 30-Jährige soll mit dem Betreiber des Zirkus in geschäftlicher Verbindung gestanden sein und diese Position ausgenützt haben, um die Frauen hinter dem Rücken seines Geschäftspartners anzumelden. Dabei dürfte er in ver- oder gefälschten Papieren den Namen des Zirkus verwendet haben.

Wolfgang B. wies Frühwirth zufolge auch in den ersten Einvernahmen in der KD 1 alle Anschuldigungen zurück. Er verantworte sich nach wie vor damit, dass die in seinem Club anwesenden Frauen zahlende Gäste wie die Männer auch sind. Ob sie sich für Sex bezahlen lassen, gehe ihn nichts an und interessiere ihn auch nicht.

Die Ermittlungen gegen das Etablissement waren ins Rollen gekommen, nachdem im Vorjahr eine 17-Jährige aufgegriffen worden war. In weiterer Folge startete die KD 1 Telefonüberwachungen.

In Zusammenhang mit der Affäre kam es auch zu Ermittlungen des im Innenministerium angesiedelten Büros für Interne Angelegenheiten (BIA) gegen den interimistischen Leiter der Kriminalpolizeilichen Abteilung in Wien, Dr. Ernst Geiger. Er wurde am 29. März vom Dienst suspendiert, zudem laufen gerichtliche Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts auf Verrats eines Amtsgeheimnisses. Geiger selbst bestritt diese Vorwürfe wiederholt. Zudem entlastete ihn der Sauna-Betreiber Wolfgang B., den mit dem Kriminalisten eine private Bekanntschaft verbindet.

Geiger tauchte bei der Telefonüberwachung des Clubs auf, daraufhin wurde das BIA eingeschaltet. Konkret wird dem suspendierten Kripo-Chef vorgeworfen, dem mit ihm bekannten Sauna-Betreiber Wolfgang B. Tipps über Razzien gegeben zu haben. Mit den Verdachtsmomenten gegen die Sauna selbst stehe Geiger aber in keinerlei Zusammenhang, betonte die Polizei.
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Kurier 13.04.2006
Chronologie I

Am Anfang stand 2005 eine erst 17-Jährige, die mit falschen Papieren in der Sauna beschäftigt worden sein soll. Während ihr Mädchenhändler vom Gericht verurteilt wurde, begannen die Ermittlungen gegen "Goldentime-FKK-Sauna"-Betreiber Wolfgang B., 42, den "Noch-Schwager" von Ex-Innenminister Karl Schlögl.

Bei B.'s abgehörten Telefonaten bekamen die Ermittler auch die Stimme von Polizei-Hofrat Ernst Geiger, 51, zu hören. Dass er, wie ihm vorgeworfen wird, Razzien an seinen guten Bekannten B. verraten haben soll, bestreiten er und B. vehement.

Nach einer Hausdurchsuchung in der Sauna am 24. März wurde Geiger jedenfalls am 29. März vom Dienst suspendiert. Am Dienstag hat die Justiz nun Haftbefehle gegen die Hauptakteure des mutmaßlichen Prostituierten-Rings erlassen.

Im Laufe der Jahre sollen in dem Etablissement in Simmering, an dem drei Ex-SP-Spitzenpolitiker zumindest kurzfristig und direkt oder indirekt beteiligt gewesen sein sollen, 150 Mädchen einschlägig tätig gewesen sein.
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Kurier 14.04.2006
Verdächtige wird gesucht

In der so genannten Sauna-Affäre sind fünf der acht am Dienstag verhafteten auf freien Fuß gesetzt worden. Sie wären größtenteils kooperativ gewesen, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft über den Wegfall der Haftgründe. Über "Goldentime-FKK-Sauna"-Betreiber Wolfgang B., 42, seinen Chauffeur Alexander H. und einen weiteren mutmaßlichen Komplizen wurde hingegen die U-Haft verhängt.

Nach Otilie Susana Rieben-Riebenfeld, 28, wird noch mittels Haftbefehl des Wiener Landesgerichts gefahndet. Die Frau steht unter dem Verdacht, so etwas wie die "Puff-Mutter" in dem mutmaßlichen Bordell in Simmering gewesen zu sein. Laut Kriminaldirektion 1 (KD1) soll sie unter anderem für den "Mädchen-Nachschub" (aus dem östlichen Ausland) und für deren Unterbringung verantwortlich gewesen sein. Darüber hinaus soll Rieben-Riebenfeld auch fragwürdige "Mieten" für Inventar eingehoben haben.

Am Mittwoch hat es noch geheißen, die Verdächtige würde sich dem Gericht stellen wollen. "Offenbar ist sie aber untergetaucht", so die Polizei am Donnerstag. Das KD1-Referat für Prostitution und Menschenhandel bittet um Hinweise.
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Falter 19.04.2006
Sauna, Zirkus oder Puff

Der Verdacht gegen den letzte Woche inhaftierten Simmeringer Saunabetreiber erhärtet sich. Prostituierte im Goldentime sollen mit gefälschten Papieren als "Zirkusartistinnen" ins Land geholt worden sein.

Alle, die sich fürs vergangene Wochenende vorgenommen hatten, die Osteraktion in der FKK-Sauna Goldentime in Anspruch zu nehmen, um "gemeinsam abschalten, entspannen oder zusammenfinden zu können", wurden maßlos enttäuscht. Da hatte die Homepage des Badetempels "treuen Stammkunden" einen reduzierten Eintrittspreis von sechzig statt achtzig Euro versprochen, und dann wurde nichts daraus. Denn die Sauna hat zugesperrt. "Wir haben leider bis Ende April geschlossen", informiert ein Mitarbeiter am Telefon: "Betriebsurlaub."

Schuld am Betriebsurlaub in Simmering sind die Strafverfolgungsbehörden. Vergangene Woche wurden neun Haftbefehle ausgestellt. Saunabetreiber Wolfgang Bogner, dessen Freundin und mehrere Goldentime-Mitarbeiter wurden wegen Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr in Untersuchungshaft genommen. Der Vorwurf lautet - wie bereits berichtet - auf Menschenhandel, Zuhälterei und Förderung der illegalen Prostitution. Auch der Geschäftsführer einer Rotlichtbar in der Innenstadt, die mit der Sauna in Verbindung steht, wurde verhaftet. Eine Verdächtige blieb zunächst flüchtig: Am Donnerstag veröffentlichte die Polizei dann ein offizielles Fahndungsersuchen nach der 28-jährigen Otilie Susana Rieben-Riebenfeld. Sie soll für "Nachschub" von illegalen Prostituierten gesorgt haben.

Dass die Verhaftungen gerade jetzt erfolgen, wird mit neuen Erkenntnissen begründet. So könne man nunmehr nachweisen, dass die Mädchen hohe Summen direkt an Bogner bezahlen mussten. Und außerdem deute vieles darauf hin, dass der 42-Jährige über die Firma seiner Lebensgefährtin die Unterbringung der Mädchen übernahm und dafür Miete kassierte. Es gebe mehrere Aussagen von Prostituierten, die den Saunachef belasten.

"Das ist ein organisiertes Bordell, ein Puff. Das können wir beweisen", meint Roland Frühwirth von der Kriminaldirektion 1, der die Ermittlungen leitet. "Es gibt Frauen, die aussagen, dass sie Strafgelder bezahlen mussten. Weil sie zu spät gekommen waren, Kaugummi kauten, ein Separee nach dem Geschlechtsverkehr nicht aufräumten oder ein Kondom nicht beseitigt haben", berichtet Frühwirth. Zwischen hundert und 200 Euro sollen diese Strafen betragen haben. Die Aussage Bogners, der auch gegenüber dem Falter betont hatte, die Frauen seien gewöhnliche Gäste, die einfach nur den Eintritt bezahlten, sei so widerlegt. Außerdem: "Rechnen Sie einmal dreißig Tage mal achtzig Euro Eintrittsgeld. Das macht immerhin 2400 Euro im Monat. Das muss eine Prostituierte erst einmal verdienen." Zusätzlich hätten die Frauen Geld für Miete, Kosmetika und Pediküre an Unternehmen oder Personen im Dunstkreis von Goldentime bezahlen müssen. Es verdichteten sich nämlich die Hinweise, dass es eine Kooperation mit dem Unternehmen von Bogners Lebensgefährtin gegeben habe, das für die Prostituierten die Unterkünfte bereitgestellt haben soll. "Der Großteil der Mädchen hat in Schwechat gewohnt", sagt Frühwirth. Für die Miete seien den Frauen 500 Euro monatlich verrechnet worden. Trotz geschätztem Monatsverdienst von 3000 bis 5000 Euro seien den Mädchen nicht mehr als 500 Euro übrig geblieben, kalkuliert der Kriminalist.

Ins Land gelangten die Prostituierten entweder offiziell, wenn sie aus einem östlichen EU-Nachbarland kamen, oder sie hatten einen Sichtvermerk im Pass, der sie als Artistinnen auswies. Der Chauffeur der Sauna soll die Visa für die Mädchen besorgt haben. "Er hat sie beim Schweizer Nationalzirkus Knie als Beschäftigte angemeldet, obwohl sie noch nie ein Zirkuszelt von innen gesehen haben", sagt Frühwirth. "Die beim Zirkus sagen, sie wissen von nichts." Für das laufende Jahr könne man zumindest sechs Fälle von Visaschwindel nachweisen. Betroffen seien jedenfalls die österreichischen Botschaften in Sofia und Bukarest.

Ein Blick auf die Visastatistik der letzten Jahre zeigt, dass Sofia zahlenmäßig weit hinten in der Liste der Botschaften mit den höchsten Visavergaben rangiert. Gerade einmal 200 Sichtvermerke wurden im Jahr 2005 vergeben. Anders sieht die Lage in Bukarest aus: Da lag die Zahl der Sichtvermerke zuletzt bei 1793. Übrigens ein Rückgang von mehr als achtzig Prozent im Vergleich zum Jahr 2004, als noch mehr als 10.000 Sichtvermerke ausgestellt wurden. Wie viele Visa dabei an Artistinnen oder Tänzerinnen gingen - unter diesen Titeln bekommen Prostituierte oft den Sichtvermerk -, ist unbekannt. In Bukarest wusste man auf Anfrage von zehn bis zwölf Visa, die nominell für den Zirkus ausgestellt wurden.

Die Ermittlungen gegen Goldentime waren ins Rollen gekommen, nachdem dort im Vorjahr bei einer Razzia eine 17-Jährige mit falschen Papieren angetroffen worden war. Die Kriminaldirektion 1 begann eine Telefonüberwachung, bei der sie Gespräche zwischen Bogner und dem bekannten Wiener Kriminalisten Ernst Geiger mitschnitt. Das Büro für Interne Angelegenheiten (BIA) wurde eingeschaltet, Geiger Ende März vom Dienst suspendiert. Dem Hofrat wird vorgeworfen, Razziatermine an den Saunachef, mit dem er privat befreundet ist, weitergegeben zu haben. Geiger hat die Vorwürfe stets bestritten. Ebenso wies auch Wolfgang Bogner, der mit Ex-SPÖ-Innenminister Karl Schlögl verschwägert und mit den früheren SPÖ-Politikern Andreas Staribacher und Peter Wittmann gut im Geschäft war, stets alle Vorwürfe zurück. Bogners Rechtsanwalt Christian Nurschinger stand für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.
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ST 03.05.2006
FKK-Saunas, Razzien und heikle Telefonate

Zumindest im Dunstkreis der betroffenen Sauna scheint jemand nervös geworden zu sein - Internetforum geschlossen

In der kommenden Woche soll über eine mögliche Anklage gegen Ernst Geiger entschieden werden. Die Ermittlungen rund um die "Sauna-Affäre" laufen weiter – der Betreiber des Clubs beklagt sich mittlerweile öffentlich über "schikanöse Razzien" der Polizei.

Wien – FKK und Sauna in einem Wort hört sich nach Redundanz an. Besuchen die meisten Menschen doch eine Schwitzkammer ohnehin nicht oder kaum bekleidet. Für Männer auf der Suche nach käuflichem Sex signalisiert "FKK-Sauna" allerdings ein lohnendes Ziel – trifft man dort doch Prostituierte.

Was der Betreiber des in die "Sauna-Affäre" verwickelten Etablissements in Wien-Simmering auch nicht bestreitet. Allerdings, wie es am Freitag in einer Stellungnahme seines Anwaltes hieß: "Herr B. tut jedoch nichts, um diese Prostitution zu fördern. Männliche wie weibliche Gäste zahlen denselben Eintritt . . . Herr B. sorgt lediglich organisatorisch dafür, dass keine illegalen Aktivitäten stattfinden, insbesondere keine minderjährigen weiblichen Gäste anwesend sind."

Zwanzig Razzien in eineinhalb Jahren

Genau dies scheint die Exekutive nicht zu glauben – und veranstaltet regelmäßig Razzien, bei denen die Anwesenden überprüft werden. 20 Mal soll die Polizei in eineinhalb Jahren das schwüle Treiben gestört haben, beschwert sich der Betreiber. Und um diese "schikanösen Razzien" zu beenden, habe er sich an seinen Freund Ernst Geiger gewandt. Aber nur einmal, um zu erfahren, was es für rechtliche Möglichkeiten gäbe. Weitere Telefonate und Treffen seien privat gewesen.

Eine Version, auf die sich auch der suspendierte Kripo-Chef und sein Anwalt Manfred Ainedter im Gespräch mit dem STANDARD berufen. Ob er als ranghoher Kriminalist den Kontakt zu seinem Bekannten nicht besser hätte einstellen sollen, nachdem dieser ins Milieu gewechselt ist? "Klug war es nicht", gesteht Geiger. Allerdings habe er einen Aktenvermerk über das umstrittene Gespräch gemacht. Nächste Woche wird entschieden, ob Anklage erhoben wird oder nicht, schätzt der Anwalt.

Eigenartige Umstände

Gleichzeitig wundert sich der Spitzenbeamte über die Begleitumstände der Causa. "Wenn der Verdacht des Geheimnisverrates so massiv gewesen wäre, hätten die Observationsbeamten wohl früher zugegriffen", gibt Ainedter zu bedenken. Für Geiger wiederum ist es "eigenartig, dass bei einer geheimen Razzia Fotoreporter dabei sind". Die‑ Kronen-Zeitung hatte über die bislang letzte Kontrolle in dem Saunaclub mit Bild berichtet.

Geheime Razzia mit Fotoreporter

Auch Roland Frühwirth von der Kriminaldirektion 1, die die Ermittlungen gegen den Saunabetreiber wegen Verdacht des Menschenhandels leitet, war darüber verwundert. Seine Dienststelle habe aber "mit Sicherheit" keine 20 Razzien durchgeführt. Allerdings: "Wir haben seit eineinhalb Jahren im Rotlichtmilieu einen Kontrollwildwuchs." Verschiedene Dienststellen würden unkoordiniert Betriebe prüfen – daher könnte die Zahl der 20 Kontrollen insgesamt zutreffen.

Dass selten Illegales gefunden wird, wundert Frühwirth nicht. Gerade bei einer Sauna sei es schwierig. In einer Bar könnten Tänzerinnen noch arbeitsrechtlich in die Bredouille kommen, Nackte in einer Sauna sind dagegen schwierig zu belangen – außer man ertappt sie "auf frischer Tat". Dem betroffenen Saunabetreiber wird aber weiter "Zuführen zur Prostitution" vorgeworfen, am Freitag wurden von der Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungsschritte festgesetzt.

Internetforum geschlossen

Zumindest im Dunstkreis der betroffenen Sauna scheint aufgrund der Ermittlungen jemand nervös geworden zu sein. Denn ein Internetforum, in dem am Dienstag noch über "Anwesenheitslisten" der "weiblichen Gäste" diskutiert wurde, war schon ab Mittwoch nicht mehr erreichbar.

Insgesamt gibt es in Wien rund 350 einschlägige Betriebe und "Begleitagenturen", die der Polizei bekannt sind, zehn männliche und 1065 weibliche Prostituierte sind registriert. Vor allem durch Asylwerberinnen aus Afrika und Frauen aus den neuen EU- Staaten habe sich die Zahl in zwei Jahren fast verdoppelt, rechnet Wolfgang Szirba von der Polizei vor.
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ORF 06.06.2006
Chronologie II

27.03.2006: Ermittlungen bestätigt
Das Büro für interne Angelegenheiten im Innenministerium bestätigt, ein "mögliches Nahverhältnis zwischen der Rotlichtszene und Mitarbeitern des Öffentlichen Dienstes" zu untersuchen.

29.03.2006: Suspendierung
Die Bundespolizeidirektion Wien gibt die Suspendierung eines ranghohen Kriminalisten im Zusammenhang mit der "Sauna-Affäre" bekannt. Es wird Disziplinaranzeige erstattet.

30.03.2006: Vorwürfe zurückgewiesen
Der Wiener Staatsanwaltschaft beantragt die Einleitung gerichtlicher Vorerhebungen gegen Geiger. Der suspendierte Spitzenkriminalist weist in Interviews die Vorwürfe zurück ("Habe keine Razzia verraten").

11.04.2006: Erste Festnahmen
Erste Verhaftungen in der "Sauna-Affäre": Der Betreiber und sieben weitere Angestellte der Firma, die den Club in Wien-Simmering unterhielt, wandern hinter Gitter. Sie stehen im Verdacht des grenzüberschreitenden Prostitutionshandels.

12.04.2006: Geständnisse
Einige der Verhafteten legen erste Geständnisse ab, der Saunabetreiber weist alle Vorwürfe zurück.

13.04.2006: Weiterer Verdächtiger
Die Polizei gibt die Fahndung nach einem weiteren Verdächtigen bekannt.

10.05.2006: Ermittlungen abgeschlossen
Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigt, ihre Ermittlungen gegen Geiger abgeschlossen zu haben. Über den Vorhabensbericht mit dem Vorschlag der Anklagebehörde, ob gegen den Kriminalisten Anklage wegen Amtsmissbrauchs bzw. Verrats eines Amtsgeheimnisses erhoben oder das Verfahren eingestellt wird, muss das Justizministerium entscheiden.

26.05.2006: Verdächtiger aus U-Haft
Der hauptverdächtige Saunabetreiber wird gegen gelindere Mittel aus der U-Haft entlassen. Der 42-Jährige steht laut Gericht weiterhin unter dem Verdacht des grenzüberschreitenden Prostitutionshandels, Zuführung zur Prostitution und Zuhälterei.

06.06.2006: Anklage wird erhoben
Das Justizministerium genehmigt den Vorhabensbericht der Staatsanwaltschaft und entscheidet für einen Prozess wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs gegen Geiger.

30.08.2006: Prozessbeginn
Unter großem Medieninteresse startete der Prozess gegen den suspendierten Kripo-Chef Ernst Geiger. Die Anklage wegen Amtsmissbrauchs sei angeblich ein "Zufallsfund", hieß es. Geiger bekannte sich "nicht schuldig".

31.08.2006: Hofrat Geiger verurteilt
Drei Monate bedingte Haft wegen Verletzung eines Amtsgeheimnisses - so lautet das Urteil gegen den suspendierten Chef der Kriminalpolizei Ernst Geiger. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
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Prozess Tag 1
ST 04.05.2007
Bordell-Betreiber gab sich als "Betriebssanierer"

Im Wiener Straflandesgericht ist am Freitag der Prozess rund um die so genannte Sauna-Affäre eröffnet worden. Wolfgang B., der frühere Geschäftsführer der FKK-Sauna "Goldentime" in Simmering, bestritt, sich dort als Zuhälter verdingt zu haben. Der damalige Besitzer habe ihn geholt, "weil er weiß, dass ich mich mit schwierigen Betriebssanierungen beschäftigt habe". Das sei ihm als erfahrenem Kaufmann auch mit dem "Goldentime" gelungen. Was die dort tätigen Mädchen aus Rumänien und Bulgarien trieben, habe ihn nicht interessiert, versicherte der 43-Jährige.

Das rege mediale Interesse an seiner Person verdankt B. seiner einst freundschaftlichen Beziehung zum ehemaligen interimistischen Leiter der Wiener Kriminalpolizei, Hofrat Ernst Geiger. Jenen kostete diese Verbindung seine bis dahin glänzende Karriere: Die durchaus berechtigten Hoffnungen, in absehbarer Zeit Nachfolger von Peter Stiedl als Wiener Polizeipräsident zu werden, zerplatzten, als ruchbar wurde, dass Geiger dem Sauna-Betreiber einen unmittelbar bevorstehenden Razzia-Termin verraten haben soll. Warten auf Berufungsverfahren Geiger wurde zunächst vom Dienst suspendiert und im August 2006 wegen Verletzung eines Amtsgeheimnisses zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt. Das Urteil ist noch immer nicht rechtskräftig: Hofrat Geiger, inzwischen als Global Security Manager beim Magna-Konzern des Austrokanadiers Frank Stronach, wartet nach wie vor auf einen Termin für die Berufungsverhandlung beim Obersten Gerichtshof (OGH). Wolfgang B. war zunächst des grenzüberschreitenden Prostitutionshandel und der Zuführung zur Prostitution verdächtigt worden. Für die Polizei und die Staatsanwaltschaft steht nämlich fest, dass das von Wolfgang B. geführte Etablissement "ein als Kontakt-Sauna getarntes Bordell" war, wie nun im Strafantrag nachzulesen war. Der 43-Jährige habe mit sechs mitangeklagten Mitarbeitern - darunter so genannte Chefs vom Dienst, die nach dem Rotationsprinzip nach dem Rechten zu sehen hatten - eine "kriminelle Vereinigung" geführt, um sich aus der Prostitution eine fortlaufende Einnahmequelle zu verschaffen. Zwei Ex-Mitarbeitern legt Staatsanwalt Josef Redl neben Zuhälterei auch Schlepperei zur Last.

"Strafgelder"

Die Anklage stützt sich im Wesentlichen auf Angaben von jungen Frauen, denen zu Folge im "Goldentime" das Tragen bestimmter Kleidung, fixe Dienstzeiten, die Teilnahme an "Shopping-Touren" und das "Abarbeiten" der Kosten für die Beschaffung von Visa vorgeschrieben wurden. Außerdem waren für Verfehlungen wie verspätetes Erscheinen zum Dienst, Kauen von Kaugummi während des Dienstes und Liegenlassen von Badeschlapfen nach dem Dienst "Strafgelder" von bis zu 200 Euro zu entrichten. Zwei Mädchen, die aussteigen wollten, soll Wolfgang B. an den Ohren und Haaren gerissen und damit zum Bleiben genötigt haben.

Dieser wies sämtliche Anschuldigungen zurück und konnte sich diese nicht erklären. Er habe das bis zu seinem Einstieg unter Gästemangel leidende "Goldentime" mit seriösen kaufmännischen Mitteln auf Vordermann gebracht. "Ich habe ein Konzept erarbeitet, wie ich da Männer reinkrieg'. Es hat Partys gegeben, Wellness, Ruhe und Sauna, Gratis-Getränke so viel man will. Und sicher war die Hauptattraktion, dass dort Mädchen sind, die man haben kann, wenn man will", stellte der 43-Jährige fest.

"Wollte nur einen sauberen Betrieb"

Die Frauen hätten genauso Eintritt bezahlt wie die männlichen Gäste. Ob und wie sich diese mitsammen vergnügten, "war mir egal. Die haben sich das untereinander ausgemacht. Mir war egal, was die Mädchen da verdient haben. Mir war nur wichtig, dass a Ruh' ist, dass es keine Streitereien gibt", betonte B.

Die "Dienstpläne" hätten sich die Frauen "selber eingeteilt", er habe sich darum nicht gekümmert: "Ich habe 18 bis 20 Stunden am Tag gearbeitet. Die Mädchen haben mich nicht interessiert. Ich habe nie eine berührt. Ich wollte nur einen sauberen Betrieb haben."


Die Belastungszeuginnen sollen am kommenden Mittwoch aussagen. Das "Goldentime" wurde mittlerweile von Alexander Gerhardinger übernommen und soll bald Zweigstellen in mehreren Landeshauptstädten bekommen. Außerdem plant Gerhardinger mit seiner Bordell-Kette den Gang an die Börse und will dafür als Sponsor für den Fußballclub Rapid Wien werben, wie er unlängst in einem Interview der "Kronen Zeitung" verriet.
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Prozess Tag 2
VI 09.05.2007
Freisprüche in Wiener Sauna-Affäre

Als weiterhin unbescholtener Mann hat Wolfgang B., die Zentralfigur in der so genannten Sauna-Affäre, am Mittwoch das Wiener Straflandesgericht verlassen.

Der ehemalige Betreiber des als FKK-Sauna getarnten Bordells Goldentime in Wien-Simmering, gegen den ursprünglich auch wegen grenzüberschreitenden Prostitutionshandels und Zuführung zur Prostitution ermittelt worden war, wurde von der letztlich angeklagten Zuhälterei freigesprochen.

Auch fünf mitangeklagte ehemalige Mitarbeiter des 43-Jährigen wurden freigesprochen. Richter Johannes Jilke machte in seiner ausführlichen Begründung klar, im Goldentime sei nach seinem Dafürhalten keine direkte Zuhälterei betrieben worden. Die Freisprüche sind nicht rechtskräftig, Staatsanwalt Josef Redl gab vorerst keine Erklärung ab.

Zwei frühere Sauna-Mitarbeiter bekommen in jedem Fall noch einen separaten Prozess wegen des Verdachts auf Schlepperei. Für Wolfgang B., der recht gute Kontakte zur Wiener Polizeispitze hatte – sein einstiges freundschaftliches Verhältnis zu Ernst Geiger, dem ehemaligen Leiter der Kriminalpolizeilichen Abteilung, ist sattsam bekannt und kostete Geiger im Vorjahr die Karriere – ist die Sache in strafrechtlicher Hinsicht ausgestanden, sollte die Anklagebehörde auf Rechtsmittel verzichten.

Wolfgang B. war angelastet worden, mit seinen Mitarbeitern eine kriminelle Vereinigung betrieben zu haben, um sich aus der Prostitution eine fortlaufende Einnahmequelle zu verschaffen. Dabei stützte sich der Staatsanwalt vor allem auf die Aussage von zwei jungen Osteuropäerinnen, die im Goldentime gearbeitet hatten. Ihnen zu Folge soll Wolfgang B. sogar gewalttätig geworden sein, als sie aussteigen wollten.

Sie berichteten in einer polizeilichen Befragung auch von Vorschriften wie dem Tragen bestimmter Kleidung, fixen Dienstzeiten und dem erzwungenen Abarbeiten der Visa-Kosten. Gerichtlich wurden diese Belastungszeuginnen allerdings nie einvernommen: Der Hauptverhandlung blieben sie fern, im Vorverfahren hatte man aus unerfindlichen Gründen auf eine kontradiktorische Einvernahme verzichtet.

Im Hinblick darauf seien ihre Angaben nicht verwertbar, stellte der Richter fest. Allein auf Basis teilweise unrealistischer, wenig nachvollziehbarer Schilderungen gegenüber Polizeibeamten, die er nicht hinterfragen könne, wolle er niemanden verurteilen. Ich bin nicht gewillt, rechtsstaatliche Mindeststandards zu unterschreiten, betonte Jilke.

Zudem hatte am heutigen Verhandlungstag eine junge, seinerzeit ebenfalls im Goldentime tätige Rumänin ausgesagt, die zwar darlegte, verspätetes Erscheinen am Dienstort habe Strafen nach sich gezogen und von den Sauna-Betreibern sei ein gewisser Druck ausgeübt worden, die Dienstzeiten einzuhalten. Sie versicherte jedoch, von niemandem gezwungen worden zu sein, in der Sauna die Prostitution auszuüben. Sie sei dort geblieben, weil es mir dort am besten gefallen hat. Ich habe dort ohne Zuhälter gearbeitet.

Davon ging auch der Richter aus. Wolfgang B. sei der Hauptakteur in einem Bordell, jedoch kein Zuhälter gewesen. Er habe – auch im Interesse der Gäste und der Prostituierten – für Ordnung gesorgt und den Mädchen Geldstrafen von bis zu 50 Euro abgeknöpft, wenn es etwas zu beanstanden gab, etwa das Tragen unpassender Kleidung, das Liegenlassen von Badeschlapfen oder Kaugummi kauen. Es ging primär darum, dass der Betrieb ordentlich funktioniert, stellte Jilke fest.

Die Frauen hätten ihre Freier als auch die Art der Sexualpraktiken frei und nicht fremdbestimmt wählen können, bemerkte der Richter: Von einer direkten Zuhälterei kann daher nicht gesprochen werden.
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VO 15.05.2007
Freispruch in Sauna-Affäre rechtskräftig

Die Staatsanwaltschaft verzichtet auf Rechtsmittel gegen den in der vergangenen Woche im Straflandesgericht vom Vorwurf der Zuhälterei freigesprochenen Wolfgang B. (43). Auch die Freisprüche für sein mitangeklagtes früheres Personal sind rechtskräftig, bestätigte am Dienstag die Anklagebehörde auf Anfrage der APA.

Wolfgang B. war im März 2006 nach monatelangen Ermittlungen der Wiener Polizei festgenommen worden. In seinem Etablissement, das nach den nunmehrigen Feststellungen des Gerichts ein als FKK-Sauna getarntes Bordell war, sei belastendes Material in Richtung grenzüberschreitenden Prostitutionshandel, Zuführung zur Prostitution und Zuhälterei gefunden worden, hieß es damals. Sechs Wochen verbrachte der 43-Jährige in U-Haft, ehe ihn die zuständige U-Richterin gegen gelindere Mittel auf freien Fuß setzte.

Das vorgeblich umfangreiche Beweismaterial fiel offensichtlich alles andere als üppig aus: Der Staatsanwalt brachte mit der Zuhälterei jedenfalls nur das vergleichsweise harmloseste Delikt vor Gericht, während sich in der Anklageschrift von den ursprünglich weit darüber hinaus gehenden, mit wesentlich strengerer Strafe bedrohten Tatbeständen kein Wort mehr fand.

Im Prozess hielt nicht einmal mehr die Zuhälterei. Der Richter bezeichnete am Ende des Beweisverfahrens die von der Polizei festgehaltenen, Wolfgang B. erheblich belastenden Angaben von zwei rumänischen Prostituierten als teilweise unrealistische, wenig nachvollziehbare Schilderungen. Und weiter: Das war letzten Endes nix anderes als ein Bordell. Das funktioniert nur, wenn man konkrete Arbeitsbedingungen und Preisvorgaben macht. Wolfgang B. sei der Hauptakteur, jedoch kein Zuhälter gewesen.

Für Manfred Ainedter, den Rechtsbeistand von Ernst Geiger, dem ehemaligen Leiter der Wiener Kriminalabteilung, und andere Juristen zeigte der Ausgang dieses Strafverfahrens, dass man gegen B. zumindest überschießend erhoben hat, so Ainedter gegenüber der APA.

Hintergrund: B. war privat seit Jahren mit Geiger bekannt – ein Umstand, der letzteren bekanntlich die Karriere kostete. Geiger wurde im Vorjahr zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt, weil er B. einen unmittelbar bevor stehenden Razzia-Termin verraten haben soll.

Die ungewöhnlichen freundschaftlichen Bande zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Männern sei von polizeiinternen Gegnern Geigers dazu benutzt worden, diesen abzuschießen, hieß es immer wieder hinter vorgehaltener Hand. Geiger galt als Kandidat für den in wenigen Jahren nachzubesetzenden Posten des Wiener Polizeipräsidenten, was in den eigenen Reihen nicht jedem ins Konzept gepasst haben soll. Mit den geradezu verbissenen Ermittlungen gegen B. sei in Wahrheit der Versuch unternommen worden, über Umwege Geiger zu treffen, wurde und wird nach wie vor gemunkelt.
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News 16.05.2007
Die Kosten der Aktion

Auszug aus dem Artikel

... 200.000 Euro Ermittlungskosten. Monatelang ist also gegen den "goldentime"-Betreiber auf Hochtouren ermittelt worden, 1.800 Telefonate wurden dabei abgehört, Dutzende Observationen durchgeführt, Zehntausende Überstunden getätigt - mindestens 200.000 Euro Steuergeld haben die irrwitzigen Erhebungen, die letztlich kein einziges strafrechtlich relevantes Ergebnis brachten, gekostet....
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ST 17.12.2007
Sauna-Affäre "ist der größte Polizeiskandal"

Die polizeilichen Ermittlungen in der sogenannten Sauna-Affäre wurden betrieben, "obwohl von der Verdachtslage gesehen dafür keine objektiven Anhaltspunkte bestanden haben". Vielmehr wurden "anonyme Anzeigen zum Zwecke des Aufbaus einer Verdachtslage fingiert". Zu diesem vernichtenden Ergebnis kommt ein 75 Seiten starker Bericht des Büros für Rechtsfragen und Datenschutz der Bundespolizeidirektion Wien.

Zur Erinnerung: Die Kriminaldirektion 1 (KD) hatte gegen Wolfgang B., den Betreiber des als FKK-Sauna getarnten Bordells Goldentime, monatelang intensiv wegen Menschenhandels ermittelt. Der 43-Jährige und fünf Mitangeklagte wurden allerdings Anfang Mai 2007 im Wiener Straflandesgericht freigesprochen.

Laut dem nunmehr vorliegenden Bericht kamen diese Freisprüche nicht überraschend. Die Polizei habe "durch subjektive beziehungsweise einseitige Darstellung die Staatsanwaltschaft und das Gericht zur Erteilung von Aufträgen in Verbindung mit massiven Grundrechtseingriffen verleitet", stellt das Büro für Rechtsfragen und Datenschutz fest. Erst in der Hauptverhandlung habe sich die Schuldlosigkeit sämtlicher Verdächtiger herausgestellt: "Anträge beziehungsweise Anzeigen der Kriminaldirektion 1 im Zuge der polizeilichen Ermittlungen scheinen so aufgebaut worden zu sein, dass es für Staatsanwaltschaft und Gericht nur schwer zu erkennen war, dass diesen Schriftstücken nicht wirklich fundierte sachliche Substrate zugrunde lagen."

"Privatrecherchen"

Die Anzeige gegen Wolfgang B. und sein Umfeld "hätte in dieser Form den 'sicherheitsbehördlichen Schreibtisch nicht verlassen', wäre der Akt den zuständigen und mit einer sachgerechten und ordentlichen Aktenführung vertrauten Organen der Kriminalpolizeilichen Abteilung vorgelegt worden".

Im Bericht werden ausdrücklich der mittlerweile außer Dienst gestellte und in erster Instanz wegen Amtsmissbrauchs abgeurteilte Wiener Landespolizeikommandant Roland Horngacher sowie der Leiter der KD 1, Oberst Roland Frühwirth, massiv kritisiert. "Privatrecherchen unter Ausnützung der polizeilichen Möglichkeiten", heißt es. Gemeint sind damit die internen Angriffe auf Ernst Geiger.

Wie berichtet, war der frühere Topkriminalist im Zuge der Sauna-Affäre beschuldigt worden, an B. eine Razzia in dessen Etablissement verraten zu haben. Dafür wurde Geiger suspendiert, seine Verurteilung in erster Instanz wurde inzwischen aufgehoben, der Prozess muss auf Anordnung des Obersten Gerichtshofs wiederholt werden. Der Bericht wirft Horngacher und Frühwirth vor, gezielt und mit "Täuschung" der Vorgesetzten Geiger angepatzt zu haben.

Karriere zerstört

Geiger, derzeit im Stronach-Konzern Magna als Sicherheitsberater tätig, hat noch einen Zivilprozess gegen KD1-Chef Frühwirth laufen. Grund: Frühwirth wirft Geiger Kreditschädigung und üble Nachrede vor. Warum? Weil Geiger Frühwirth beschuldigt hatte, mit den Sauna-Ermittlungen seine Karriere zerstört zu haben. Eben für diesen Prozess, der kommenden Montag am Bezirksgericht Hietzing weitergeht, wurde der Evaluierungsbericht in Auftrag gegeben.

Erste Konsequenzen aufgrund des Berichts dürften nicht lange auf sich warten lassen: Man werde "geeignete und erforderliche Maßnahmen in die Wege leiten", kündigte die Wiener Vizepolizeipräsidentin Michaela Pfeifenberger am Freitagabend an. Für Geigers Rechtsbeistand Manfred Ainedter steht fest: "Der Bericht dokumentiert den größten Polizeiskandal des Jahres." Frühwirth wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben.
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NÖN 17.12.2007
Bogner schlägt zurück

Für Aufsehen sorgte ein nun an die Öffentlichkeit gekommener interner Polizeibericht über die Vorgänge rund um den Saunabetrieb "Goldentime" des aus dem Bezirk Wiener Neustadt stammenden Unternehmers Wolfgang Bogner. Der ehemalige Obmann des Wiener Neustädter SC war ins Visier der Wiener Polizei geraten, ihm wurde Menschenhandel und Prostitution zur Last gelegt. Bogner wurde sogar für fünf Wochen in Untersuchungshaft genommen. Der neue, noch überaus umstrittene Bericht, ist allerdings Wasser auf die Mühlen Bogners. Er hatte immer alle Vorwürfe bestritten, auch hatte Bogner bestritten, dass er Informationen über Razzien in seiner Sauna von Österreichs angesehenstem Kriminalbeamten, Dr. Ernst Geiger (ein persönlicher Freund Bogners), erhalten hätte. Laut diesem Bericht seien Vorwürfe und Anzeigen konstruiert gewesen. Bogner: "Alles war frei erfunden, um bei mir etwas zu finden. Wie beim Schach, ich war der Turm, der fallen musste, um den König Ernst Geiger zu schlagen." Für ihn sei nach seinem Freispruch und dem jetzt bekannt gewordenen Polizei-Bericht klar, dass man sich noch im 21. Jahrhundert in Wien vor der Polizei fürchten müsse.

Seine nächsten Schritte sind für Bogner schon klar: "Ich werde Strafanzeige gegen Oberst Frühwirth und die Gruppe 5 einbringen wegen Amtsmissbrauchs und Fälschung von Beweismitteln." Gegen Horngacher werde er Anzeige wegen Anstiftung zu diesen Delikten erstatten: "Ich habe fast zwei Jahre gegen diesen Riesen Wiener Polizei gekämpft. Mich freuts für Geiger, dass seine Unschuld bewiesen ist." Er hoffe, dass alle, die in diese Sache gegen Geiger verwickelt waren, angeklagt und verurteilt werden: "Ich ruhe erst, wenn die Gerechtigkeit gesiegt hat."

Bei jenen in Wiener Neustadt und Umgebung, die in dieser Zeit zu ihm gehalten hatten, möchte sich Bogner übrigens von Herzen bedanken: "Den anderen sage ich, sie mögen mit Vorverurteilungen vorsichtig sein."
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DP 12.02.2008
Hauptfigur der Sauna-Affäre an Herzinfarkt gestorben

Wolfgang B., Besitzer der Sauna "Goldentime", die im Zentrum der Sauna-Affäre steht, ist 44-jährig an einem Herzinfarkt gestorben. Er hätte ab 10. März vor Gericht aussagen sollen.

Eine der zentralen Figuren in der Sauna-Affäre ist überraschend gestorben: Wolfgang B., der Besitzer der Sauna "Goldentime". Ab 10. März wäre er beim Prozess am Wiener Landesgericht gegen Ernst Geiger, den suspendierten Leiter der Wiener Kriminalpolizei, der wichtigste Zeuge gewesen. Der 44-Jährige dürfte in der Nacht zum Dienstag in seiner Wohnung in der Innenstadt einem Herzinfarkt erlegen sein.

"Es gibt keine äußeren Anzeichen von Gewalteinwirkung", meinte Walter Hladik, Sprecher der Bundespolizeidirektion Wien, am Dienstagnachmittag. Die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion der Leiche angeordnet. Damit will man allfällige Gerüchte über eine nicht natürliche Todesursache ausräumen, sagte Sprecherin Michaela Schnell.

Geiger-Prozess in vier Wochen wiederholt

Ab 10. März wird der Prozess gegen Ernst Geiger wegen des Verrats einer Razzia in der Sauna "Goldentime" neu aufgerollt. Wolfgang B. hätte dabei aussagen wollen. Sein Tod sei eine "Tragödie", sagt der Anwalt Geigers, Manfred Ainedter. "Natürlich wäre es mir lieber gewesen, wenn er im Verfahren gegen meinen Mandanten als Zeuge aussagen und den Verdacht entkräften hätte können, Geiger habe ihm einen Razzia-Termin verraten", so Ainedter am Dienstagnachmittag. Nun müsse man sich mit der Verlesung der bisherigen Angaben des ehemaligen "Goldentime"-Betreibers begnügen: "Dessen ungeachtet bin ich überzeugt, dass Geiger freigesprochen wird."

Zwischen Geiger und Horngacher

Wolfgang B. sah sich als Opfer eines polizeiinternen Machtkampfes zwischen Ernst Geiger, mit dem ihm seit längerem eine gute Bekanntschaft verband, und dessen Rivalen, dem Wiener Landespolizeikommandanten Roland Horngacher. Die Ermittlungen der Kriminaldirektion (KD) 1, die gegen B. über Monate hinweg wegen angeblichen Menschenhandels, grenzüberschreitender Prostitution und Zuhälterei vorging, hätten in Wahrheit Geiger gegolten, um diesen zu Fall zu bringen. Sowohl Geiger als auch Horngacher wurden Ambitionen auf den Posten des Wiener Polizeipräsidenten nachgesagt.

Tatsächlich saß B. in weiterer Folge wochenlang in U-Haft, ehe er und fünf Mitangeklagte im Mai 2007 im Straflandesgericht von sämtlichen Anklagepunkten freigesprochen wurden. Für Geiger setzte es dagegen in einem separaten Verfahren im August 2006 wegen Verrat eines Amtsgeheimnisses drei Monate bedingt, weil das Erstgericht davon ausging, dass der Hofrat Wolfgang B. vorab den Termin für eine Polizei-Razzia in dessen Etablissement verraten hatte. Der Oberste Gerichtshof (OGH) hob diese Entscheidung allerdings im Oktober 2007 wegen Feststellungsmängeln auf und ordnete eine Neudurchführung des Verfahrens an. Der Prozess gegen Geiger wird daher ab 10. März neu aufgerollt.
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Die Sauna Affäre

#5

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FA 05.04.2006
Falsche Freunde

Hinter den Anschuldigungen gegen den Chef der Kriminalpolizei steckt mehr als nur die Ränkespiele in der Exekutive: Ernst Geiger wurde seine Freundschaft zu einem Saunabesitzer zum Verhängnis. Der Falter hat das Badehaus besucht.

Bunte Eier, violette Schleifen, Plastikblumen. Die Osterdekoration macht den Ort nicht weniger seltsam. Ein verlorenes Dutzend Männer mit grünen Handtüchern um die Hüften watschelt in Badeschlapfen in einer Halle herum, wo sich das sanfte Licht eines beleuchteten Aquariums in Discokugeln spiegelt. Die Lüftungsrohre an der Hallendecke sind hellblau bemalt, irgendwer hat der Wand eine Palme appliziert. Stilsicher ist das nicht, aber egal. Denn wegen Einrichtung, Schwimmbad oder Römersauna ist sowieso keiner hier. Auch nicht, weil das in den achtzig Euro Eintrittsgeld beinhaltete Buffet - heute gibt es Geselchtes mit Kraut und Knödeln, die Schnitzel sind aus - so delikat wäre. Der Masseur hat ebenfalls nichts zu tun. Er sitzt einsam und träge im TV-Raum und zieht sich irgendeine vertrottelte italienische Fernsehshow rein.

Wir befinden uns in der FKK-Sauna Goldentime in der Karl-Gunsam-Gasse in Simmering. Laut Homepage ist das hier "der ideale Ort, wo Damen und Herren gemeinsam abschalten, entspannen oder zusammenfinden können, unter besten modernsten Hygienevoraussetzungen. Öffnungszeiten von zehn Uhr vormittags bis vier Uhr früh, da kann man sich auch mal untertags in die Sonne legen und Energie tanken." Wer drinnen ist, stellt fest: Goldentime sieht aus wie ein Puff, es gibt Separees wie in einem Puff, und die Mädchen offerieren sexuelle Dienste wie in einem Puff. Nur: "Goldentime ist kein Puff", versichert zumindest Besitzer Wolfgang Bogner. Das Etablissement - wie immer man es bezeichnen will - ist auch der Grund, warum Österreichs bekanntester Kriminalist seit kurzem arbeitslos ist. Ernst Geiger soll den Sauna-Betreiber im März vor einer Razzia gewarnt haben. Der Verdacht kam auf, als im Zuge einer Anzeige gegen Bogner wegen Frauenhandels und Förderung gewerbsmäßiger Prostitution dessen Telefongespräche abgehört wurden. Dabei fand sich auf den Bändern auch Geigers Stimme. Die Gespräche zwischen Geiger und Bogner können - laut Polizeipräsident Peter Stiedl - "in eine bestimmte Richtung interpretiert werden". Nach Ermittlungen des Büros für Interne Angelegenheiten (BIA) wurde Geiger suspendiert. Gegen ihn und weitere Beamte laufen Vorerhebungen der Staatsanwaltschaft. Ein Disziplinarverfahren ist anberaumt.

"Ich habe Bogner nichts verraten", weist Geiger alle Anschuldigungen zurück. Während des Interviews in der Kanzlei seines Anwalts Manfred Ainedter ist dem Polizisten die Nervosität deutlich anzumerken. Es ist nicht der erste Pressetermin an diesem Freitag. In der Früh waren die Radios dran, dann kam die Reporterin von News, jetzt der Falter. Immer wieder dieselben Fragen. Die medialen Mühlen mahlen rasch. Geiger hat sich den ehemaligen ORF-Journalisten Christian Moser als Berater zur Seite geholt. Während es Geiger keine zwei Minuten im Polstermöbel hält und er zigarettenrauchend im Zimmer auf und ab läuft, versucht der langhaarige Moser die gespannte Situation zu lockern. Rechtsvertreter Ainedter gibt sich derweil zuversichtlich und postuliert breitschultrig: "Das Verfahren ist innerhalb von einer Woche eingestellt."

Geigers Version der Ereignisse sieht so aus: Er habe Bogner vor acht Jahren über den ehemaligen Innenminister Karl Schlögl kennen gelernt. Bogner sei damals noch seriösen Geschäften nachgegangen, ein "wirklich guter Bekannter gewesen". In jüngster Zeit habe sich der Saunabetreiber bei ihm wiederholt über die hohe Zahl von Razzien in Simmering aufgeregt. "Ich habe zu ihm gesagt, dass ich nicht für ihn intervenieren kann. Wenn er sich aber schlecht behandelt fühlt, soll er sich beschweren und einen Brief an den Polizeipräsidenten schreiben." Er habe ihm geraten, die Zahl der Razzien zu notieren. Geiger legte über das Gespräch sogar einen Aktenvermerk an. Dafür, dass er dem Geschäftsmann einen Tipp gegeben habe, "gibt es überhaupt keine Beweise", verteidigt sich der Kriminalist, "das Ganze ist eine reine Indiziengeschichte". Ob er einen Fehler begangen habe? "Ich mache mir persönlich den Vorwurf, dass ich die Beziehung nicht abgebrochen habe, das werfe ich mir vor."

Der Fall des Ernst Geiger ereignet sich vor dem Hintergrund massiver Machtkämpfe innerhalb der Wiener Polizei. Die Reform des Verwaltungsapparats hat ein Kuddelmuddel gebracht, in dem die Kompetenzen noch nicht klar verteilt sind. Geiger gab die Leitung der Kriminaldirektion 1 (KD1), die er seit ihrer Entstehung im Jahr 2002 geführt hatte, ab und übernahm die neu ins Leben gerufene Kriminalpolizeiliche Abteilung. Diese ist weniger zur Verfolgung einzelner Fälle als für die Erarbeitung kriminalpolizeilicher Strategien zuständig und wurde von der täglichen Ermittlungsarbeit mehr oder weniger abgeschnitten. Hinter den Kulissen sind auch die Diadochenkämpfe rund um die Nachfolge des mit Ende 2007 aus dem Amt scheidenden Polizeipräsidenten ausgebrochen. Geiger galt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für Stiedls Nachfolge. Es steht außer Frage, dass die ganze Sache Geigers Konkurrenten nützt. Auch wenn Geiger heute bestreitet, für das Präsidentenamt Interesse gehabt zu haben: Er hätte hervorragende Chancen gehabt, gilt er doch als einer der fähigsten österreichischen Kriminalisten, der bei Polizeireportern und in der Öffentlichkeit beliebt war. Antagonist im Ränkespiel ist der amtierende Landespolizeikommandant Roland Horngacher, der in letzter Zeit einige Kritik ausfasste. Wenn zwei auf schlammigem Terrain miteinander ringen, wühlen sie einiges auf, was sonst nicht sichtbar geworden wäre. Bei Horngacher waren das Hinweise auf fragwürdige Ermittlungsmethoden, Dienstanweisungen ohne ausreichende rechtliche Deckung und fehlende Aufzeichnungen über Waffengebrauch seiner angeblich gewaltbereiten "Prätorianergarde". Vorwürfe, Horngacher unterhalte unlautere Kontakte in die Rotlichtszene, erhärteten sich nicht.

Die Feindschaft zwischen Horngacher und Geiger, die beide als SPÖ-nahe gelten, ist bekannt. Mit seiner Suspendierung hat Geiger den Machtkampf jetzt - zumindest vorerst einmal - verloren. "Meine Karriere ist zerstört", sagt Geiger. Auch im Falle seiner völligen Rehabilitierung wäre er für einen Karrieresprung aus dem Rennen, weil er sich in den nächsten Monaten nicht um ein neues Amt bewerben kann. Dass hinter den Vorwürfen eine polizeiinterne Intrige stecken könnte, findet Polizeipräsident Stiedl "absurd": "Es ist ein Unterschied, ob ich eine anonyme Anzeige habe oder ob ich ein Telefongespräch protokolliert habe." Auch BIA-Chef Martin Kreutner, der neben Geiger auch noch gegen vier weitere Beamte verschiedener Behörden ermittelt, warnt vor Verschwörungstheorien. Die Staatsanwaltschaft will "so schnell wie möglich" entscheiden, wie in der Sache weiter vorgegangen wird. Diese Woche wird aber aller Voraussicht nach keine Entscheidung fallen.

Ob Intrige oder nicht: Fakt ist, dass es einem hochrangigen Polizeioffizier nicht gut ansteht, freundschaftliche Kontakte ins Rotlichtmilieu zu unterhalten. Dabei ist die Person des Saunabesitzers hochinteressant. Assoziationen zu Udo Proksch drängen sich insofern auf, als es Wolfgang Bogner offensichtlich gelang, die Sympathien mächtiger Männer zu gewinnen. Lange Zeit agierte Bogner in etwas weniger anrüchigen Geschäftsfeldern und machte in den Neunzigerjahren Geschäfte mit Glücksspielautomaten. Aus dieser Zeit stammen auch die Verbindungen zu Schlögl, mit dem er verschwägert ist, und anderen SP-Granden wie Exfinanzminister Andreas Staribacher und Exstaatssekretär Peter Wittmann. Im Dezember 2003 rief Bogner zusammen mit Schlögl und Wittmann die Firma SWB-Consulting ins Leben. Irgendwann wuchs in Bogner dann offenbar das Interesse für halbseidene Geschäfte. Am 1. April 2004 übernahm er mit viel Werberambazamba die im Herbst 2003 gegründete ABC-Sauna. Unter diesem Namen steht Goldentime auch heute noch im Firmenbuch. Große Werbeplakate priesen das Badehaus der Freuden auch unter Betonung der günstigen Verkehrslage. Goldentime liegt unmittelbar neben der Südosttangente. "Mit der Sauna haben die anderen ausdrücklich nichts zu tun", betont Bogner. Sowohl Geiger als auch Schlögl betonen, niemals einen Schritt in die Sauna gesetzt zu haben.

Schlögl ist heute Bürgermeister von Purkersdorf und distanziert sich heftig von den Vorgängen im Simmeringer Freudentempel. Saunageschäftsführer Bogner sei sein "Noch-Schwager", mit dem er früher Geschäfte gemacht habe: "Es hat eine Firmenbeziehung gegeben bis Ende 2003." Staribacher soll laut Standard Vorstand einer Privatstiftung sein, die 99 Prozent einer Beteiligungsfirma hielt, die Anteile an jener GmbH hatte, der die Sauna gehört. Am 10. März dieses Jahres wurden diese abgestoßen, hieß es in dem Bericht. Bogner ist fest davon überzeugt, dass ihn die Konkurrenten in der Rotlichtszene ruinieren wollen. "Weil wir den Markt stören", sei er den Königen des Nachtlebens ein Dorn im Auge gewesen. Vielleicht mit ein Grund - vermutet Bogner -, warum sich die Polizeibesuche in Simmering gar so häuften. Als er sich bei Geiger, den er seit acht Jahren kennt, darüber beschwerte, habe ihm der nicht helfen wollen, sondern auf den offiziellen Beschwerdeweg verwiesen. Die Vorwürfe gegen ihn selbst bezeichnet Bogner als "absoluten Schwachsinn". Es sei nicht sein Fehler, dass im Goldentime bei einer Razzia eine 17-jährige Prostituierte aufgeflogen sei: "Schauen Sie, zu mir kommen Herren und Damen, alle bezahlen achtzig Euro Eintritt. Was die bei mir machen und wie alt die sind, interessiert mich eigentlich nicht." Er achte lediglich darauf, dass alles in einem geordneten Rahmen abläuft: "Das ist wie in einem Hotel. Was glauben Sie, was dort alles passiert?"

"Hallo, ich bin Michelle, und wer bist du?" Es dauert nicht lang, bis eine der rund zwanzig Frauen, die in der Halle der Sauna in den Fauteuils hocken, auf Sonnenliegen ruhen oder an der Bar Getränke ausschenken und Blicke erwidern, den Gast in ein Gespräch verstrickt. Die Besetzung ist international und jung. Jedes der barbusigen Mädchen trägt zur kleinen Handtasche ein Höschen aus weißem Frottee. "Ah, ich verstehe, du bist neu hier und willst dich noch ein bisschen umsehen", sagt Michelle und zwinkert.
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News 06.04.2006
Sex, Cops & rotes Licht

Die Sauna Affäre
Wie der Top-Kriminalist ins Rotlicht geriet. Und damit unter Verdacht, Geheiminfos ausgeplaudert zu haben. KRIEG DER COPS. Der brutale Machtkampf zwischen Hofrat Geiger und General Horngacher. Das Intrigenspiel der Top-Cops.

Vor ein paar Wochen war die Welt von Ernst Geiger noch in Ordnung. Seine Karriere schien auf einem neuen Höhepunkt angelangt: Gerade war ihm das Silberne Ehrenkreuz für Verdienste um die Republik Österreich verliehen worden, erst Ende vergangenen Jahres hatte ihn die Innenministerin zum provisorischen Leiter der Kriminalpolizeilichen Abteilung bestellt.

Geigers offizielle Posten-Ernennung - im Zuge einer Ausschreibung, die am 1. April erfolgen sollte - galt damit bloß noch als Formsache. Und außerdem wurde der 51-jährige Polizeijurist bereits als chancenreichster Nachfolger von Polizeipräsident Peter Stiedl, der 2007 in Pension gehen will, gehandelt.

Bloß eine Intrige? Aber jetzt ist alles ganz anders.

Denn Ernst Geiger, der wohl bekannteste und erfolgreichste Fahnder Österreichs (er zeichnet etwa verantwortlich für die Klärung des Falles Jack Unterweger oder zuletzt der Entführungscausa Saliera) steht jetzt unter dem Verdacht, Razzia-Termine an die Rotlichtszene weitergegeben zu haben. Er selbst bestreitet diesen Vorwurf zwar vehement (siehe Interview Kasten rechts), wurde jedoch "aufgrund massiver Indizien", so verlautet aus der Polizeispitze, vom Dienst suspendiert.

Aber egal, ob weitergehende gerichtliche und disziplinäre Nachforschungen irgendwann endgültig Geigers Schuld oder Schuldlosigkeit belegen - um jenen Job, den er bislang ja lediglich inoffiziell innehatte, kann er sich nun nicht mehr bewerben.

Und der berufliche Totalabsturz ist ihm somit so oder so gewiss.

Jedenfalls: Immer massiver wird polizeiintern kolportiert: "Ernst Geiger ist einer Intrige zum Opfer gefallen."

Ein ,fataler Kontakt'. Was sind eigentlich die Indizien in diesem einmaligen Krimi um Rotlicht, Razzien und Polizei? Und welche Beweise
liegen tatsächlich gegen den Topkriminalisten vor?

Fest steht: Geiger pflegte seit mehreren Jahren Kontakt zu dem Betreiber eines Rotlicht-Etablissements, Wolfgang Bogner, 42, Schwager des SP Politikers Karl Schlögl. Genau über diesen hatten Geiger, ein langjähriger guter Freund des Exinnenministers, und Bogner einander kennen gelernt. 1999, beim Wien-Marathon.

"Herr Bogner", erklärt Geiger, "war damals noch im Immobiliengeschäft tätig." Auf Anhieb habe man einander sympathisch gefunden. Wolfgang Bogner dazu: "Doktor Geiger und ich haben damals unsere Telefonnummern ausgetauscht, daraufhin mitunter miteinander telefoniert und uns manchmal auch zum Kaffeetrinken getroffen."

Worüber wurde bei diesen Treffen gesprochen?

"Über Privates", behauptet Bogner, "wir konnten einfach viel miteinander lachen."

"Über nichts", beteuert Geiger, "womit ich mein Dienstgeheimnis verletzt hätte." Seinen Angaben zufolge zu keinem Zeitpunkt, auch nicht, nachdem Wolfgang Bogner 2003 die Geschäftsführung des "goldentime", eines "etwas anderen Saunabetriebs", in Wien-Simmering übernommen hatte.

Das Konzept des Lokals: Die Besucher zahlen einen Pauschaleintritt von 80 Euro, dürfen sich dafür am Buffet bedienen, diverse Wellness-Einrichtungen in Anspruch nehmen - und zusätzlich besteht für die männlichen Gäste die Möglichkeit, in dem Club mit Damen aus dem horizontalen Gewerbe in näheren Kontakt zu treten. "Für etwaige Liebesdienste", so Bogner, "werden die Frauen direkt von ihren Freiern bezahlt." Weswegen sich der 42 Jährige keineswegs als Zuhälter sehen will - sondern "quasi als Betreiber eines Stundenhotels."

Wie auch immer - die Exekutive hat das Unternehmen schon seit längerem im Visier. Und das wusste auch Ernst Geiger - von Wolfgang Bogner. Dieser gibt zu: "Ich habe mich ein paar Mal bei Geiger darüber beschwert, dass in meinem Club so viele Razzien gemacht werden - doch er hat immer geantwortet: Da kann ich dir nicht helfen."

"Mein Fehler", räumt wiederum Geiger nun ein, "war, dass ich den Kontakt zu Bogner nicht abgebrochen habe, als er in der Rotlichtszene zu arbeiten begann."

Die Kernfrage bleibt: Hat Geiger an Bogner Informationen weitergegeben?

Beide verneinen dies.

,Zweideutige' Telefonate? Jene Ermittler, die den "goldentime"-Betreiber wegen des Verdachts des Menschenhandels und des Zuführens Minderjähriger zur Prostitution bereits seit Monaten observiert und sein Handy abgehört hatten, glauben jedoch Hinweise dafür gefunden zu haben.

In diversen angeblich zweideutigen Telefonaten zwischen Geiger und Bogner sowie einem Treffen der beiden im Café Schottenring. Im Ermittlungsakt sind jedenfalls folgende Gespräche angeführt:

* Das erste überwachte Telefonat datiert vom 12. Februar 2006: Geiger ruft Bogner an, fragt ihn, wie es ihm geht, dieser sagt, bei ihm sei alles okay, es gäbe nichts Neues zu berichten. Und Geiger erzählt: "Ich mache gerade einen Ausflug und sitze im Kohlröserlhaus, es ist wunderschön hier, schade, dass du nicht da bist."

* Bei einem zweiten Telefonat am 19. Februar 2006 erzählt Geiger Bogner von einer John-Irving-Buchpräsentation, bei der er als Gast geladen war, und spricht begeistert über den Schriftsteller: "Ich muss mir unbedingt seine Bücher kaufen."

* Am 6. März 2006 das dritte Telefonat: Bogner berichtet Geiger, dass seine Lebensgefährtin, eine gebürtige Serbin, nun die österreichische Staatsbürgerschaft zugesprochen bekommen hat - und erkundigt sich bei dem Polizeijuristen nach weiteren rechtlichen Schritten: "Wie bekommt sie jetzt einen Reisepass?"

* Am 9. März 2006 bekommt Geiger per polizeiinternen Mailverkehr eine brisante Nachricht: Ihm wird ein Einsatzplan übermittelt, aus dem hervorgeht, dass am Abend des folgenden Tages eine Razzia in Bogners Etablissement stattfinden wird.

* Ebenfalls am 9. März 2006 erhält Geiger von Bogner einen Anruf. Bogner beschwert sich über die "dauernden Razzien" in seinem Lokal, Geiger sagt: "Bring mir deine Aufzeichnungen darüber mit", und verabredet sich mit ihm für den nächsten Tag um 11 Uhr im Café Schottenring.

* Bei diesem Treffen am 10. März wird Geiger von einem Observanten dabei beobachtet, wie er Bogner "etwas zeigt".

* Sowohl Geiger als auch Bogner behaupten nun - unabhängig voneinander - dass der Fahnder seinem Bekannten Privatfotos zur Ansicht gegeben habe.

* Am 10. März 2006 findet im "goldentime" die Wahl zur "Miss goldentime" statt, Taxi-Orange-Star Alex ist Moderator. Kurz vor Beginn der Veranstaltung wird Wolfgang Bogner auf seinem Handy von seinem 16-jährigen Sohn kontaktiert. Die Frage des Burschen: "Wo ist der Alex?", beantwortet Bogner wie folgt: "Der ist schon hinten. Aber ich muss jetzt aufhören, weil es geht schon los." Darauf der Filius: "Hast vielleicht eine Razzia?" Und der Papa antwortet: "Bub, sei nicht so deppert, über so etwas redet man nicht am Telefon."

* Tatsache ist: Am Abend des 10. März 2006 fand im "goldentime" keine Razzia statt.

* Am 19. März 2006 beschwert sich Bogner erneut am Telefon bei Geiger über die vielen Razzien in seinem Lokal. Geiger rät Bogner, in schriftlicher Form eine Beschwerde an Polizeipräsident Stiedl zu verfassen, und schlägt ihm vor, zu ihm ins Büro zu kommen.

* Noch am selben Tag verfasst Geiger einen offiziellen Aktenvermerk über Bogners Besuch bei ihm und hält in diesem Schreiben fest: "Da ich mit Wolfgang Bogner privat bekannt bin, kann und will ich selbst in der Angelegenheit nicht tätig werden."

So viel zu den Treffen und Telefonaten zwischen Ernst Geiger und Wolfgang Bogner.

Ungerechtfertigte Razzien? "Welchen Vorteil", fragt Wolfgang Bogner, "hätte ich davon gehabt, wenn mir Ernst Geiger Razzia-Termine verraten hätte? Mein Lokal hätte ich ja nicht zusperren können - sonst wäre mein Geschäft endgültig ruiniert gewesen. Und die Mädchen hätte ich auch nicht warnen können - sonst hätten sie alle in der Sekunde fluchtartig den Club verlassen. Denn auch wenn sie die noch so reinste Weste hat - keine Prostituierte ist daran interessiert, sich einer Polizeikontrolle zu unterziehen."

Und überhaupt, führt Bogner weiter aus, wären sowieso "überdurchschnittlich viele Razzien" im "goldentime" durchgeführt worden, "nachweislich viel mehr als in anderen Rotlichtlokalen".

Warum?

"In besagtem Club", erklärt Kripochef Roland Frühwirth, "wurde vor einigen Monaten eine minderjährige Prostituierte aufgegriffen - daher war und ist es die Pflicht der Exekutive, diese Örtlichkeit unter besonderer Beobachtung zu halten".

Wolfgang Bogner dazu: "Es ist wahr, dass am 17. November 2005 im ,goldentime' eine 17-jährige Tschechin festgenommen wurde. Tatsache ist aber auch: Sie hatte sich in mein Lokal mit gefälschten Papieren - nach welchen sie angeblich bereits 20 war - eingeschleust. Und: Am 14. Februar 2006 fand zu diesem Fall bereits ein Gerichtsprozess statt. Ein Albaner, der das Mädchen - natürlich ohne mein Wissen - zur Prostitution gezwungen hatte, wurde dabei zu sechs Monaten Haft verurteilt. Ich bin bei der Verhandlung lediglich als Zeuge und Geschädigter befragt worden."

Brisantes Vorspiel. Die "wahre Ursache" für die verstärkte polizeiliche Präsenz in seinem Etablissement vermutet Bogner sowieso in einem anderen Umstand: nämlich dass er vor allem durch Zeljka J., eine 42-jährige Prostituierte, die noch kürzlich bei ihm Dienst versehen hatte, in den Fokus eines hochrangigen Fahnders - der brisanterweise als größter beruflicher Konkurrent und Gegner Ernst Geigers gilt - geraten sei.

Der mögliche Hintergrund dazu: ein Zeitungsbericht vom vergangenen Sommer. Damals erschien in NEWS (siehe Heft Nr. 32/2005) eine Reportage über die bekannteste Puffbesitzerin Österreichs, "Madame Nina". Die Bordellmutter plauderte im Interview über die noblen Gäste ihrer (übrigens nachweislich kaum von der Exekutive kontrollierten) Bar: Politiker, Künstler und auch hochrangige Polizisten.

Und eine Prostituierte, die bis dahin in "Ninas Bar" gearbeitet hatte und soeben dabei war, in Bogners Etablissement zu wechseln, erzählte freizügig über ihren angeblich besten und spendabelsten Stammkunden: Roland Horngacher, Polizeigeneral mit Spitznamen "Napoleon".

Dieser hätte sie sogar mehrmals zum Essen außerhalb der Bar ausgeführt, in seinem Jaguar durch Wien chauffiert und ihr Einblick in seinen Computer gewährt.

Roland Horngacher dazu: "Tatsache ist: Sämtliche Untersuchungen zu diesem Vorwurf haben von A bis Z nichts ergeben. Und ich bin es leid, ständig mit absurden Vorwürfen angepatzt zu werden."

Hure unter Druck? Jedenfalls: Nach Erscheinen der Story soll sich das Freudenmädchen zunehmend von Horngacher und seinen Einsatzgruppen verfolgt gefühlt haben. Im September 2005 erstattete Zeljka J. Anzeige gegen ihn bei der Polizei Schwechat. Der Akt wurde an das Büro für Interne Angelegenheiten zur Überprüfung weitergeleitet, dieses wiederum übergab im Anschluss die Untersuchungsergebnisse an Polizeipräsident Peter Stiedl.

Doch weder er noch die Staatsanwaltschaft sahen einen Grund für weitere straf-oder zumindest disziplinarrechtliche Ermittlungen. Die Sache wurde als "gemeine Intrige" diagnostiziert.

Fakt ist auch: Es gab in den vergangenen Monaten und Jahren noch weitere Anzeigen und offizielle Beschwerden gegen Horngacher - die allesamt ebenfalls weder vom Gericht noch vom Polizeipräsidenten als "weiter nachverfolgungswürdig" eingeschätzt wurden.

Viele Anschuldigungen. Obwohl die Liste der Anschuldigungen lang und umfassend ist. Extremes Mobbing in zahlreichen Fällen wurde Horngacher ebenso vorgeworfen wie mehrfache Verletzung des Amtsgeheimnisses, weil er wiederholt diverse Razzia-Pläne an ihm wohlgesinnte Medien verraten hätte.

Der General im Konter: "Das ist alles lächerlich. Wenn man ordentlich arbeitet, fühlt sich immer wer auf den Schlips getreten."

Auch Peter Stiedl steht nach wie vor hinter seinem obersten Beamten: "Es gab gravierende Umstrukturierungen im Polizeiapparat - in solchen Phasen fühlen sich halt manche Kollegen zwangsläufig benachteiligt".

"Seitdem", erklärt ein Fahnder, "Horngacher an der Macht ist, herrscht in der Polizei ein Klima der Angst. Ermittler, die nicht seiner Meinung sind oder nur die kleinste Kritik an ihm üben, werden unter fadenscheinigen Gründen von ihren Posten abgesetzt." Tatsächlich wurden zahlreiche Beamte der Kriminaldirektion 1 seit Horngachers Bestellung 2003 "ausgetauscht", ebenso wie lang gediente Gruppenleiter und sogar so erfahrene und erfolgreiche Ermittler wie etwa der Kripochef des ehemaligen Wiener Sicherheitsbüros, Rudolf König. "Ich wurde", sagt der Ex-Top-Fahnder nun, "von Horngacher systematisch fertig gemacht." Die Folge: "Ich bekam gesundheitlich schwere Probleme - mit 52 musste ich auf Anraten meiner Ärzte in Frühpension gehen."

Doch was waren - und sind - die Streitpunkte zwischen dem General und anderen lang gedienten Kriminalisten?

Immer wieder Razzien. "Horngacher", erklärt ein Fahnder, "vertritt in der Verbrechensbekämpfung einen für viele von uns logisch nicht nachvollziehbaren Stil. Er hat eine Einsatzgruppe geschaffen, die darauf spezialisiert ist, andauernd Razzien zu veranstalten. Überall und immerzu. In U-Bahnen, um mögliche Kleindealer zu perlustrieren; am Strich, um Prostituierte zu kontrollieren; auf Autobahnen, um etwaige ,Einbrecherfahrzeuge' zu stoppen. Wahr ist auch, dass es bei diesen Aktionen häufig zu Festnahmen kommt. Das schönt schließlich seine Statistik. Aber Faktum ist auch: Der Großteil der Verhafteten muss meist schon nach wenigen Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt werden, weil die Beweise so gut wie nie für eine längerfristige Anhaltung ausreichen. Und die Drahtzieher krimineller Machenschaften bleiben durch derartige Razzien ohnehin ungeschoren."

Unterm Strich steht: Auch Ernst Geiger gehörte wegen differierender Auffassungen darüber, wie Kriminalität effektiv zu bekämpfen sei, bis zuletzt zu den größten Kritikern und Gegnern Roland Horngachers. Erst knapp zwei Wochen vor seiner Suspendierung hatte er - wieder einmal - bei Polizeipräsident Peter Stiedl ein Disziplinarverfahren gegen den Polizeigeneral angestrengt. Angeblich, weil dieser sich geweigert haben soll, einen verdächtigen Todesfall der Mordabteilung zu übergeben. Auch diese Anzeige wurde zurückgelegt.

Die Suspendierung. Aber mehrere Journalisten waren vor Ort, als am Freitag, dem 24. März, in Wolfgang Bogners "goldentime" eine Razzia stattfand. Bereits am 26. März berichteten diverse Medien über mögliche Verstrickungen eines hochrangigen Polizeibeamten in einen Rotlichtskandal. Drei Tage bevor Geiger selbst erstmals zur Stellungnahme gebeten wurde. Das Verhör im Büro für Interne Angelegenheiten fand nämlich erst am Nachmittag des 29. März statt.

Am selben Abend noch wurde Geiger von Polizeipräsident Stiedl zu einem Gespräch beordert. Schon am Weg in die Bundespolizeidirektion erfuhr er per Handy von seiner Suspendierung. Von einem Journalisten...
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VI 10.05.2006
Ermittlungen abgeschlossen

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Erhebungen gegen den ehemaligen Leiter der Kriminalpolizei Wien abgeschlossen: Er soll den Betreiber eines illegalen Bordells vor Razzien gewarnt haben.

Der Vorhabensbericht mit dem Vorschlag der Anklagebehörde, ob gegen Geiger Anklage wegen Amtsmissbrauchs bzw. Verrat eines Amtsgeheimnisses erhoben oder das Verfahren eingestellt wird, soll spätestens Anfang kommender Woche dem Justizministerium zukommen. Dort muss dieses Vorhaben genehmigt werden.

Der mittlerweile suspendierte Kriminalist soll dem Chef eines Rotlicht-Etablissements, mit dem ihm eine private Bekannt- bzw. Freundschaft verband, Tipps gegeben und in zumindest einem Fall eine unmittelbar bevorstehende Razzia verraten haben. Gegen den Sauna-Betreiber und sein Umfeld sind Voruntersuchungen wegen grenzüberschreitenden Prostitutionshandels, Zuführung zur Prostitution und Zuhälterei anhängig. Die Vorwürfe gegen Geiger, die von diesem zurück gewiesen werden, basieren im Wesentlichen auf den Ergebnissen einer Telefonüberwachung und Observationen.

Im Hinblick auf ihre Brisanz ist die Causa Geiger berichtspflichtig: Die Oberstaatsanwaltschaft und in weiterer Folge das Justizministerium müssen dem Vorschlag des weisungsgebundenen Staatsanwalts grünes Licht erteilen. Die Entscheidung darüber dürfte zwei bis drei Wochen nach Einlangen des Berichts fallen.

Experten gehen hinter vorgehaltener Hand davon aus, dass Geiger mit hoher Wahrscheinlichkeit vor Gericht gestellt wird. Im Hinblick auf die Wellen, die diese Sache geschlagen hat, sei es unerlässlich, die bestehenden Vorwürfe in jedem Fall von einem unabhängigen Gericht prüfen zu lassen. Sollte die Anklagebehörde die Anzeige formell zurücklegen, würde Geigers Ruf beschädigt bleiben. Ein Prozess und ein möglicher Freispruch könnten ihn demgegenüber rehabilitieren, heißt es in Justizkreisen.
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Prozess Tag 1
ORF 30.08.2006
Prozessauftakt

Geiger-Anklage ein "Zufallsfund"

Unter großem Medieninteresse ist Mittwochfrüh der Prozess gegen den suspendierten Kripo-Chef Ernst Geiger eröffnet worden. Die Anklage wegen Amtsmissbrauchs ist angeblich ein "Zufallsfund". Geiger bekannte sich "nicht schuldig".

Zufall oder Intrige

Dass Geiger in der "Sauna-Affäre" ins Visier der Ermittler geriet, bezeichnete der Staatsanwalt als "Zufallsfund". Gegen den Saunabesitzer wurde eine Telefonüberwachung genehmigt, einer der Gesprächspartner war Geiger.

Geiger wurde bei dem Treffen in dem Cafe von sechs Polizisten observiert, die allerdings nicht sehr geschickt handelten. So ist nicht bekannt, was auf dem Zettel stand, der im Laufe des Gesprächs den Besitzer wechselte. Auch das Gespräch selbst konnte nicht dokumentiert werden.

Anklage wegen Amtsmissbrauchs

Die Anklage gegen Geiger lautete auf Amtsmissbrauch. Auf 27 Seiten wurde dabei dargelegt, dass Geiger Amtsgeheimnisse - sprich eine Razzia - einem Freund aus dem Rotlichtmilieu verraten haben soll.

"Nach 27 Jahren untadeliger Polizeiarbeit bin ich mit dieser Anklage auf meinem absoluten Tiefpunkt", sagte Geiger vor Gericht.

Der Staatsanwalt stützte diesen Vorwurf darauf, dass der Saunabesitzer nach dem Treffen mit Geiger seinen Anwalt für denselben Abend in die Sauna bestellte. Einige Stunden später teilte er Geschäftspartnern mit, dass "Besuch" zu erwarten sei.

Observation in "Kottan-Manier"

Geigers Anwalt Manfred Ainedter bezeichnete die Observation als "Kottan live". Sechs Beamte hätten "nichts mitgekriegt". Der Observationsbericht enthält keine Hinweise auf Telefonate des Saunabetreibers während des Treffens mit Geiger.

Einer der Observierer war zudem ein Beamter, der jahrzehntelang Geiger als Vorgesetzten hatte. Wenn er ihn gesehen hätte, hätten sie einander begrüßen können.

Ainedter wunderte sich erneut, dass die Observation nicht von Beamten des dafür zuständigen Büros für interne Angelegenheiten (BIA) durchgeführt wurde. Die Beamten konnten diese Frage auch nicht beantworten und verwiesen auf ihre Vorgesetzten.

Anwalt spricht von Intrige

Man könne Geiger nicht für "so blöd halten, dass er 28 Jahre wegen einer verratenen Razzia aufs Spiel setzen würde". Geiger sei einer Intrige zum Opfer gefallen, hinter der Ainedter den mittlerweile ebenfalls suspendierten Landespolizeikommandanten Roland Horngacher vermutet.

Geiger belastet hohen Polizeioffizier

"Ich habe mit ihm nie über konkrete Amtshandlungen gesprochen", sagte Geiger über den Kaffeehausbesuch mit dem Saunabesitzer. Dieser habe ihm geklagt, dass er sich einseitig schikanös behandelt fühlte.

Geiger behauptete, dass jener Polizeioffizier, der auch die Ermittlungen gegen ihn geleitet habe, "Sperrlisten" geführt habe. Lokale auf dieser Liste wurden nicht kontrolliert. Hätte er dem Saunabesitzer tatsächlich helfen wollen, hätte er nur dafür sorgen müssen, dass auch das Lokal seines Bekannten auf diese Listen komme.

Geiger bezeichnete den Saunabesitzer als "einen privaten Freund und Informanten". Dieser habe ihm unter anderem "einen Bankräuber geliefert". Das Treffen sei zu Stande gekommen, weil er seinen Freund aufgefordert habe, die Termine der Razzien aufzuschreiben, um die behauptete Ungleichbehandlung belegen zu können.

Geiger: Konkreten Termin nie genannt

"Ich habe ihm den konkreten Termin nie genannt", beschwor Geiger. Die von seinem Freund eingeleiteten Schritte erklärte Geiger damit, dass sich dieser auf Grund der häufigen Kontrollen ausrechnen konnte, dass auch im Hinblick auf die für diesen Abend geplante "Miss Golden Time"-Wahl wieder Polizei auftauchen würde.

Knalleffekt bei Polizei

Ins Rollen kam die Sache Ende März. Damals gab die Polizei bekannt, dass interne Ermittlungen gegen einen hohen Kripo-Beamten laufen würden. Er soll dem Betreiber eines Rotlicht-Saunaclubs in Simmering eine bevorstehende Razzia verraten haben. Dann platzte die Bombe, der Name Geiger wurde erstmals genannt.

Als Beweis gab es angeblich ein abgehörtes Gespräch zwischen Geiger und dem Saunabetreiber. Polizeipräsident Peter Stiedl suspendierte daraufhin seinen Spitzenbeamten.

Geiger beteuerte Unschuld

Während die Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen begann, verteidigte sich Geiger. Im ORF-Wien-Exklusivinterview beteuerte er damals seine Unschuld. Er könne sich nur vorwerfen, den Kontakt mit seinem Freund nicht rechtzeitig abgebrochen zu haben. Auch der Rotlicht-Saunabetreiber und Freund von Geiger bestätigte ein paar Tage später, keinen Tipp über eine bevorstehende Razzia bekommen zu haben.

Alles eine Intrige?

Seitdem gab es immer wieder Spekulationen, dass der 51-jährige Geiger das Opfer einer Intrige innerhalb der Polizei geworden sein könnte. In Polizeikreisen sprach man offen von einem Machtkampf zwischen Kripo-Chef Geiger und dem mittlerweile ebenfalls suspendierten Landespolizeikommandanten Horngacher. Beide wollten offenkundig in eineinhalb Jahren Wiener Polizeipräsident werden.

Selbst Innenministerin Liese Prokop (ÖVP) leugnete zuletzt die Zustände in der Polizei nicht mehr. Intrigen seien abzustellen und das werde man mit allen Konsequenzen tun. Der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Erik Buxbaum, schaut seitdem besonderes genau auf die Wiener Polizei.

Keine Zukunft bei der Polizei

Eines steht auf jeden Fall schon jetzt fest: Für den prominenten Jäger von Frauenmörder Jack Unterweger und Finder der gestohlenen "Saliera" ist die Polizeikarriere - unabhängig vom Urteil - wohl zu Ende. Geiger hatte bereits vor ein paar Tagen in einem Interview gesagt, dass er in der Wiener Polizei ohnehin nichts mehr werden möchte.

Zur Beruhigung der Situation bei der Wiener Polizei hat Innenministerin Prokop zuletzt zwei hohe Vertreter des Ministeriums in alle Entscheidungen am Schottenring eingebunden.

Die Causa Horngacher ist in der Wiener Polizei dieses Jahr immerhin der zweite Aufsehen erregende Fall. Nach Geiger sorgt Horngacher für Negativ-Schlagzeilen. Für die Unruhe bei der Polizei gibt es mehrere Gründe
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Prozess Tag 2 - Urteil
ORF 31.08.2006
Schuldspruch für Hofrat Geiger

Drei Monate bedingte Haft wegen Verletzung eines Amtsgeheimnisses - so lautet das Urteil gegen den suspendierten Chef der Kriminalpolizei Ernst Geiger. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

"Nicht vereinbar"

Geiger hat laut Anklage seinem Freund, dem Sauna-Betreiber Wolfgang B., Informationen über eine bevorstehende Razzia in dessen "Erlebnis-Sauna" zukommen lassen. Das sah nun auch das Gericht als bewiesen an. Geigers Verteidiger Manfred Ainedter meldete allerdings sofort Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an.

Geiger war eigentlich wegen Amtsmissbrauchs angeklagt. Verurteilt wurde er wegen Verletzung eines Amtsgeheimnisses. In seiner Urteilsbegründung verwies das Gericht auf die Telefonüberwachung. Mit dieser sei Geigers Verantwortung "nicht vereinbar".

Keine erschwerenden Umstände
Bei der Strafbemessung fand der Senat keine erschwerenden Umstände. Mildernd wurden Geigers Unbescholtenheit sowie der Umstand heran gezogen, "dass die Tat in auffallendem Missverhältnis zu Ihrem bisherigen Lebenswandel steht", hieß es. Bei einem Strafrahmen von bis zu drei Jahren siedelte der Senat die verhängte Strafe daher im untersten Bereich an.

Geiger sichtlich geknickt
Hofrat Geiger wirkte während der Urteilsverkündung geknickt. Seine Tochter brach in Tränen aus. "Ich bin davon enttäuscht", kommentierte der sichtlich gezeichnete Geiger den Ausgang des Verfahrens. Sein Anwalt sprach von einer "einseitigen Beweiswürdigung zu Lasten des Angeklagten". Der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab.

Mit dem Urteil ist für Geiger jedenfalls nicht der automatische Amtsverlust verbunden. Dafür wäre eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr nötig gewesen.

Über die dienstrechtlichen Konsequenzen muss die Disziplinarbehörde entscheiden, der mehrere Möglichkeiten - Kürzung der Bezüge, Verhängung einer Geldbuße oder Entlassung - offen stehen. Eine Rückkehr an seinen bisherigen Arbeitsplatz scheint jedenfalls ausgeschlossen.

Saunabetreiber gab nur Treffen zu
Streit und hitzige Diskussionen prägten den zweiten Prozesstag. Richter und Staatsanwalt nahmen den Saunabetreiber, der am Donnerstag als Zeuge aussagte, in die Mangel.

Der Saunabetreiber gab zu, dass sein Treffen mit Geiger den Hintergrund hatte, Hilfe von dem Beamten zu erhalten. Gleichzeitig blieb er aber auch bei der Aussage, dass ihm Geiger nichts von der Razzia verraten hat.

Schon Tage vorher von der Razzia gewusst
Der Saunabetreiber beharrte darauf, dass er von der Razzia bereits einige Tage vorher gewusst hatte. Die Information will er von Gästen und einigen seiner Mädchen erhalten haben. Die bürgerlichen Namen der Mädchen wüsste er aber nicht, sagte der Saunabetreiber aus.

Daraufhin ging es los. Der Richter wurde ungehalten und donnerte los: "Sie ärgern mich, es fällt einem ehrlich gesagt schwer, ihnen zu glauben."

Abgehörte Telefonate belasteten Geiger

Unzählige abgehörte Telefonate wurden dann vorgespielt. Daraus ging hervor, dass der Saunabetreiber tatsächlich erst nach dem Treffen mit Geiger alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte. So bestellte er seinen Anwalt am Abend in die Sauna. Auch seinem Geschäftspartner hatte er erst nach dem Treffen von der Razzia erzählt, obwohl er täglich mit ihm telefonierte.

Die Einvernahme gipfelte dann mehrmals in einem heftigen Streit zwischen Verteidiger und Richter. Der Verteidiger, Manfred Ainedter, schrie einmal sogar in den Saal: "Dann verurteilen wir den Geiger halt und gehen heim. Ich habe das Gefühl, dass alles zu seinen Lasten ausgelegt wird."

Der Fall Geiger hat von Anfang an für große Aufregung gesorgt. In der Folge wurde noch ein zweiter Spitzenbeamter der Wiener Polizei, Roland Horngacher, vom Dienst suspendiert, das Innenministerium hat "Aufpasser" für die Wiener Polizei bestimmt. Als Gründe für die Unruhe in Wien wurden die Organisationsänderungen der letzten Jahre genannt.
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VI11.10.2007
Prozess gegen Ernst Geiger neu aufgerollt

Der Prozess gegen Ernst Geiger, zuletzt interimistischer Leiter der Kriminalpolizeilichen Abteilung der Bundespolizeidirektion Wien, muss wiederholt werden.

Das hat der Oberste Gerichtshof am Donnerstag entschieden. Der Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft Wien gegen das Urteil der ersten Instanz – drei Monate bedingt wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses – wurde stattgegeben. Die Karten sind neu gemischt, kommentierte Ernst Geiger die Entscheidung. Er hoffe, im zweiten Verfahren meine Unschuld beweisen zu können.

Das Erstgericht hätte unrichtige Feststellungen getroffen, die eine Neudurchführung des Verfahrens unumgänglich machten, führte Helge Schmucker, die Vorsitzende des Berufungssenats, in der Begründung ins Treffen. Die erste Instanz hatte es als erwiesen angesehen, dass Geiger in der sogenannten Sauna-Affäre den befreundeten Wolfgang B., von Beruf Betreiber des als FKK-Sauna getarnten Bordells Golden Time, von einem Razzia-Termin in Kenntnis setzte und damit den Anspruch des Staates auf Vornahme effizienter Lokalkontrollen torpedierte.

Der OGH bemängelte nun allerdings, der Schöffensenat habe in seinem Urteil nicht dargelegt, worin diese Schädigung bestanden habe. Eine solche hätte konkreter aufgezeigt werden müssen, bemerkte die Senatsvorsitzende. Im Hinblick auf die Verantwortung Geigers wären außerdem hinreichende Erklärungen für den diesem im Urteil unterstellten wissentlichen Befugnismissbrauch sowie die Schädigungsabsicht geboten gewesen.

Staatsanwalt Friedrich Alexander König hatte das Ersturteil mit Nichtigkeitsbeschwerde bekämpft, weil er weiter auf seiner Anklage beharrte, die auf Amtsmissbrauch gelautet hatte. Seine diesbezüglichen rechtlichen Ausführungen qualifizierte der OGH als zutreffend, so dass sich das Höchstgericht formal gar nicht mehr eingehend mit den Rechtsmitteln von Verteidiger Manfred Ainedter – Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung – auseinanderzusetzen hatte.

Hofrat Geiger ist unschuldig! Das hat er von der ersten Minute an gesagt, ließ Ainedter im Justizpalast den OGH wissen. Man habe sich im erstinstanzlichen Verfahren überhaupt nicht mit seinen Argumenten befasst. Die angeblich weitergebene Razzia sei in Wahrheit nie geplant gewesen, so dass der Verteidiger von einer virtuellen Razzia sprach. Außerdem könne mittlerweile davon ausgegangen werden, dass in der Sauna gesetzestreu agiert wurde, verwies Ainedter auf den Umstand, dass das Strafverfahren gegen den Sauna-Betreiber, dem Menschenhandel, Zuhälterei und Zuführung zur Prostitution vorgeworfen worden war, mit einem rechtskräftigen Freispruch in sämtlichen Anklagepunkten abgeschlossen wurde.

Wann der Prozess gegen Geiger neu aufgerollt wird, ist nicht absehbar. Zunächst muss ein neuer Vorsitzender gefunden werden, dem eine hinreichende Vorbereitungszeit zuzubilligen ist. Vermutlich wird die Prozesswiederholung erst 2008 über die Bühne gehen.

Der frühere Top-Kriminalist ist seit Ende März 2006 bei gekürzten Bezügen vom Dienst suspendiert. Die Disziplinarbehörde wird erst nach rechtskräftigem Abschluss des Strafverfahrens über dienstrechtliche Konsequenzen entscheiden. Auf die Frage einer ORF-Journalistin, ob ihm die Polizei fehle, bemerkte Geiger im Justizpalast: Ich habe derzeit anderes zu tun. Der Jurist ist als Konsulent bei Magna International tätig. Sein Hauptaufgabengebiete: Beratung in Sicherheitsfragen und Risikoanalyse.
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DP 17.12.2007
Polizisten-Prozess: Freispruch für Ernst Geiger

Erste Folge des Berichts über die Sauna-Affäre: Hofrat Ernst Geiger wurde vom Vorwurf der üblen Nachrede freigesprochen. Die Anklage könnte nun auf Kläger Roland Frühwirth zurückfallen.

Als "Bumerang" hat sich die Privatanklage erwiesen, die der Leiter der Wiener Kriminaldirektion (KD 1), Oberst Roland Frühwirth, wegen angeblicher Kreditschädigung und übler Nachrede gegen den ehemaligen interimistischen Leiter der Kriminalpolizeilichen Abteilung, Hofrat Ernst Geiger, am Bezirksgericht Hietzing eingebracht hat. Zuvor hatte Geiger gegen Frühwirth eine Anzeige wegen angeblicher Unrechtmäßigkeiten bei Ermittlungen in der sogenannten Sauna-Affäre eingebracht. Der Prozess endete mit einem Freispruch für Hofrat Geiger.

Wie Richterin Karin Binder feststellte, machte sich Geiger mit seiner Anzeige keines strafrechtlich relevanten Fehlverhaltens schuldig. "Es sind viele objektive Kriterien da, die einen zu einer Anzeige berechtigen", meinte sie unter Anspielung auf einen zuvor ausführlich besprochenen Evaluierungsbericht der Bundespolizeidirektion Wien in ihrer Begründung. Der Freispruch ist nicht rechtskräftig, Frühwirths Anwältin meldete volle Berufung an.

Entlastend: Bericht über Sauna-Affäre

Entlastend für den Angeklagten war die Aussage eines Beamten vom Büro für Rechtsfragen und Datenschutz der Bundespolizeidirektion Wien: Es bestehe "der dringende Verdacht", dass die Ermittlungen in der sogenannten Sauna-Affäre von der Kriminaldirektion (KD 1) nicht korrekt geführt wurden. Auf Weisung von Polizeipräsident Peter Stiedl hatte der Beamte die Ermittlungen gegen den Betreiber des als FKK-Sauna getarnten Bordells "Golden Time", Wolfgang B., überprüft und darüber einen 75 Seiten starken Bericht vorgelegt.

Die KD 1 hätte an den vorgesetzten Dienststellen einen "Geheimakt geführt" und sogar Hausdurchsuchungen nicht gemeldet, stellte der interne Prüfer fest. Man habe die Erhebungen zum Verschlussakt erklärt, "weil man einfach einen Geheimakt wollte und die Berichtspflicht nicht eingehalten hat".

Ermittlungsergebnisse seien teilweise nicht richtig gewürdigt worden, teils seien sie nicht in die Akten eingeflossen. Es gebe außerdem "Aktendivergenzen zwischen dem, was die Polizei ermittelt hat und dem, was der Staatsanwaltschaft gemeldet worden ist", hielt der Polizist fest. Anzeigen gegen Wolfgang B. wären "ohne Substrat aus der Beweislage untermauert" worden. Die Herkunft anonymer Anzeigen wiederum sei nicht einmal ansatzweise hinterfragt worden.

Zeuge: "Roland, sei mir net bös'"

Speziell ging der Verfasser des Evaluierungsberichts auf den Umstand ein, dass Roland Frühwirth den Umstand nicht gemeldet hatte, dass mit Hofrat Ernst Geiger sein unmittelbarer Fachvorgesetzter auf der gegen Wolfgang B. gerichteten Telefonüberwachung "gelandet" war. Weder sei dies der Dienstbehörde noch dem Büro für besondere Ermittlungen zur Kenntnis gebracht worden. "Roland, sei mir net bös', aber das ist leider eine falsche Vorgangsweise", bemerkte der Zeuge mit Blick auf den KD 1-Chef, Oberst Roland Frühwirth.

Frühwirth hätte in diesem Stadium der Ermittlungen außerdem seine Befangenheit deklarieren müssen, gab der interne Prüfer zu bedenken. Stattdessen sei "befangen und parteilich" ermittelt worden.

"Es fehlt einfach am Substrat", schlussfolgerte der Zeuge. Es sei "an der Zeit, die Causa Sauna-Affäre noch einmal zu überprüfen und zu einem Abschluss zu bringen". Vieles an diesem Akt lasse "ein sehr, sehr schlechtes Licht auf die Exekutive fallen", bemerkte der polizeiinterne Prüfer.
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ST 15.02.2008
Prozess gegen Hofrat Geiger wird ab 10. März wiederholt

Geiger kämpft um Rehabilitierung - Befangenheitsanzeige der Verhandlungsleiterin zurückgewiesen

Der Prozess gegen Ernst Geiger, den vormaligen Leiter der kriminalpolizeilichen Abteilung der Bundespolizeidirektion Wien, wird ab 10. März wiederholt. Der einstige Spitzen-Kriminalist, der unter anderem für die Saliera-Amtshandlung verantwortlich war, will die vier vorgesehenen Verhandlungstage nützen, um sich in der Sauna-Affäre zu rehabilitieren. Staatsanwalt Friedrich Alexander Koenig legt Geiger Amtsmissbrauch zur Last, weil er dem befreundeten Betreiber eines als FKK-Sauna getarnten Bordells eine bevorstehende Polizei-Razzia verraten haben soll.

Im ersten Rechtsgang im August 2006 war Geiger wegen Verrat eines Amtsgeheimnisses zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Der Oberste Gerichtshof (OGH) hob diese Entscheidung allerdings im Oktober 2007 wegen Feststellungsmängeln auf und ordnete eine Neudurchführung des Verfahrens an. In diesem rechnet sich Geigers Verteidiger Manfred Ainedter nun gute Chancen auf einen Freispruch aus, da sich in den vergangenen Monaten Wesentliches getan hätte, was die Strafsache in einem neuen Licht erscheinen ließe.

Einerseits verweist Ainedter darauf, dass der ursprünglich wegen Menschenhandels, grenzüberschreitender Prostitution und Zuhälterei in Verdacht geratene Sauna-Betreiber in der Zwischenzeit von sämtlichen Anklagepunkten rechtskräftig freigesprochen wurde. Darüber hinaus wurde in einem mit 12. Dezember 2007 datierten Prüfbericht des Büros für Rechtsfragen und Datenschutz der Bundespolizeidirektion Wien festgestellt, dass in der sogenannten Sauna-Affäre von der Kriminaldirektion (KD) 1 ermittelt wurde, "obwohl von der Verdachtslage gesehen dafür keine objektiven Anhaltspunkte bestanden haben".

Vielmehr wären "anonyme Anzeigen zum Zwecke des Aufbaus einer Verdachtslage fingiert" worden, heißt es in dem 75 Seiten starken Bericht. Namentlich wird dem Leiter der KD 1, Roland Frühwirth, sowie dem mittlerweile außer Dienst gestellten und in erster Instanz wegen Amtsmissbrauchs abgeurteilten Wiener Landespolizeikommandanten Roland Horngacher vorgeworfen, seit August 2005 "aus Rache" intensive Ermittlungen betrieben zu haben, die sich auch gegen Horngachers "Intimfeind" Geiger richteten, der offensichtlich in Folge seiner Bekanntschaft mit dem Sauna-Geschäftsführer ins Visier seiner Kollegen geraten war.

"Gezielte Ermittlungen"

Horngacher und Frühwirth hätten "gezielte Ermittlungen betreffend einen Dienstvorgesetzten veranlasst", ist in dem Prüfbericht nachzulesen. Für Ainedter steht damit schwarz auf weiß fest, dass sein Mandant einer polizeiinternen Intrige zum Opfer fiel und die gegen ihn gerichteten Vorwürfe haltlos sind.

Das Schöffenverfahren gegen Hofrat Geiger wird Richterin Minou Factor leiten - ihre ans Präsidium des Straflandesgerichts gerichtete Befangenheitsanzeige wurde von Gerichtspräsidentin Ulrike Psenner als unbegründet zurückgewiesen. Factor hatte Geiger vor etlichen Jahren im Kreis von Richtern und Staatsanwälten in einem Lokal kennengelernt und sich dabei angeregt mit dem Spitzenpolizisten über den Fall Jack Unterweger unterhalten. Im Zuge dieses Gesprächs sollen die beiden per Du geworden sein.

Wie Factor in ihrer Befangenheitsanzeige jedoch betonte, kam es nach diesem Abend weder zu weiteren persönlichen noch telefonischen Kontakten, so dass sie sich subjektiv in der Lage fühle, die Verhandlung mit der nötigen Unbefangenheit zu führen. Das Präsidium sah das genau so und bestätigte Factor als Verhandlungsleiterin, zumal das Du-Wort heutzutage "inflationär" gebraucht werde.
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Neuverhandlung
Prozess Tag 1
DP 11.03.2008
Geiger sieht sich als Polizei-Opfer

Der suspendierte Wiener Kripo-Chef Ernst Geiger bekennt sich des Amtsmissbrauchs noch immer „nicht schuldig“.

Hofrat Geiger kennt seine Rechte. Kein Wunder, er ist Jurist, Polizeijurist. Er möchte, so sagt der 53-Jährige am Montag vor Gericht, eine „zusammenhängende Darstellung“ seines Falles abgeben. Dieses Recht hat er. So ganz zusammenhängend ist die Darstellung dann zwar nicht, immer wieder stellt Richterin Minou Factor Zwischenfragen – aber eines kommt letztlich doch klar heraus: Geiger setzt nun, bei der Neuaustragung seines Amtsmissbrauchs-Prozesses, ganz auf die Auswirkungen des Wiener „Polizei-Kriegs“.

Vor dem Hintergrund dieses Geflechts aus Intrigen und Verleumdungen sei er als Opfer zu sehen. Und nicht als Täter.

Der Vorwurf, den Staatsanwalt Friedrich König erhebt, ist schnell gesagt: Geiger habe am 10. März 2006 Amtsmissbrauch begangen, indem er seinem Freund Wolfgang Bogner, dem damaligen Betreiber der Sex-Sauna „Goldentime“, einen Razzia-Termin verraten habe. Bogner – er ist wie berichtet kürzlich überraschend verstorben – sagte beim ersten Geiger-Prozess als Zeuge, dass der Vorwurf nicht stimme. Das gleiche gab Geiger an. Und er bleibt dabei. Wortgleich sagt er am Montag vor dem Schöffensenat, was er bereits im „Presse“-Interview (Wochenend-Ausgabe) erklärt hatte: „Ich habe mein Amt nicht missbraucht und auch keine Amtsgeheimnisse verraten.“

„Berichtspflicht verletzt“

Man könne die Sauna-Affäre eben nur dann richtig bewerten, so doziert nun Polizeijurist Geiger, wenn man sich genau ansehe, wie es zur Verfolgung seines Freundes Bogner – und damit auch zu seiner eigenen Verfolgung kam. Geiger: „Der Akt wurde zu einer sehr ungewöhnlichen Zeit, am 13. August 2005 um 0.59 Uhr, angelegt. Von Frühwirth, in der Freizeit.“ Zur Erklärung: Oberst Roland Frühwirth, einst Chef der Kriminaldirektion 1, gilt als Getreuer des ebenfalls suspendierten Polizeigenerals Roland Horngacher – Geigers Intimfeind.

„Wenn man bei Bogner den Verdacht auf Menschenhandel hat, hätte Frühwirth dem Bundeskriminalamt und anderen Vorgesetzten berichten müssen“, so Geiger. Dies sei unterblieben. Während der Akt als Verschluss-Sache geführt wurde, sei zudem etwas geschehen, das Horngacher „besonders böse“ gemacht habe: Er, Geiger, habe in einer Pressekonferenz die Klärung des Saliera-Diebstahls verkündet. Der General habe daraufhin nach dem Motto „Jetzt muss endlich was geschehen“, die Sauna-Ermittlungen forcieren lassen. Frühwirth habe in Sachen „Sauna“ eine Anzeige eingebracht – „ohne Beweise“. In Folge sei es zu Telefon-Überwachungen bei Bogner gekommen. Dabei seien auch Gespräche zwischen ihm und Bogner aufgezeichnet worden.

Laut Anklage ergeben sich aus diesen Gesprächen Indizien für den Verrat des Razzia-Termins. Eine dezidierte Nennung des Termins findet sich in den Telefon-Protokollen allerdings nicht.

Vernichtender Prüfbericht

So eigenartig die Amtshandlung auch gewesen sein mag (Frühwirth ist heute, Dienstag, als Zeuge geladen und kann dazu Stellung nehmen) – ihr folgten etliche Verfahren. Darunter drei große Strafprozesse: Bogner stand wegen Zuhälterei vor Gericht und wurde rechtskräftig freigesprochen. Geiger bekam wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses drei Monate bedingt. Der OGH ließ dieses Urteil aber nicht gelten. Die Höchstrichter ordneten die nun stattfindende Wiederholung der Verhandlung an: Die Preisgabe einer Razzia würde den Staat in seinen Kontrollrechten schädigen, daher sei der gegen Geiger erhobene Vorwurf als Amtsmissbrauch zu werten – vorausgesetzt, der Vorwurf lasse sich beweisen.

Auch Geigers Rivale Horngacher wurde inzwischen in erster Instanz verurteilt. Zu 15 Monaten bedingter Haft wegen Amtsmissbrauchs. Sowohl Geiger als auch Horngacher hatten einst Ambitionen auf das Amt des Wiener Polizeipräsidenten. Genau das heizte den „Polizei-Krieg“ stetig an.

Was die schweren Mängel der gegen ihn geführten Amtshandlung anlangt, könnte Geiger Recht behalten: Ein Prüfbericht des Büros für Rechtsfragen geht mit den Ermittlungen hart ins Gericht (siehe Artikel unten). So heißt es, dass „anonyme Anzeigen zum Zwecke des Aufbaus einer Verdachtslage fingiert“ worden seien. Geiger-Anwalt Manfred Ainedter stellt den Antrag, die Telefonüberwachungs-Protokolle nicht als Beweismittel zuzulassen. „Wenn wir Menschen aufgrund einer rechtswidrigen Vorgangsweise verurteilen, dann Gute Nacht Rechtsstaat Österreich.“ Staatsanwalt König bleibt unbeeindruckt: „Ein leitender Kripo-Beamter darf eine Razzia nicht verraten. Auch wenn er der Ansicht ist, die Razzia ist schikanös.“
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Neuverhandlung
Prozess Tag 2
ORF 11.03.2008
Polizeipräsident: Intrige gegen Geiger denkbar

Der Polizeipräsident Gerhard Pürstl hält eine Intrige in der "Sauna-Affäre" für denkbar. Das sagte er am zweiten Tag des Prozesses rund um den Amtsmissbrauchvorwurf gegen Ex-Spitzenkriminalist Ernst Geiger.

Abrechnung mit Ermittlungen

Die Ermittlungen in der "Sauna-Affäre" waren mit einer anonymen Anzeige ins Rollen gekommen. "Ich habe höchste Zweifel, dass das eine anonyme Anzeige war", erklärte dazu Pürstl. Form und Sprache ließen darauf schließen, dass sie ein Beamter selbst verfasst hatte.

Überhaupt habe es sich dabei um eine alte, aus dem Jahr 2004 stammende Anzeige gehandelt, die sich gar nicht gegen Wolfgang B., sondern den Vorbesitzer des Goldentime richtete, so Pürstl. Dass mit der Kriminaldirektion (KD) 1 eine Behörde die Ermittlungen führte, die mit Geiger den eigenen Vorgesetzten im Auge hatte, habe ihn "am Meisten gestört", so Pürstl. Das dürfe nicht passieren.

Damit übte Pürstl auch Kritik an seinem Amtsvorgänger Peter Stiedl: "Ich würde das nicht dulden!" Pürstl hatte mit Anfang 2008 Stiedl an der Spitze der Wiener Polizei abgelöst.

Ermittlungen gezielt gegen Geiger

Der nunmehrige Polizeichef gab im weiteren Verlauf seiner Befragung deutlich zu verstehen, dass er es für denkbar halte, dass die Sauna-Ermittlungen von Anfang an auf Geiger abzielten und vom inzwischen außer Dienst gestellten und wegen Amtsmissbrauchs abgeurteilten Wiener Landespolizeikommandanten Roland Horngacher initiiert wurden.

Pürstl berichtete, Anfang August 2005 wäre in einem Magazin ein offensichtlich auf Horngacher gemünzter Artikel erschienen, in dem von Kontakten zwischen einem ranghohen Polizisten und einer Prostituierten die Rede war.

"Horngacher war versessen darauf, nachzuweisen, dass Geiger ihm diesen Artikel untergeschoben hat. Der Rachegedanke war da", sagte Pürstl aus. Horngacher habe später zudem ihm gegenüber angedeutet, er habe "Methoden" das zu regeln.

Pürstl: "Riesensauerei, wenn es stimmt"

Der Polizeipräsident kündigte an, man werde die Sauna-Affäre auf Basis des vorliegenden Prüfberichts intern vollständig aufarbeiten.

In Bezug auf die dort festgehaltenen Fehler, Versäumnisse und möglichen Rechtwidrigkeiten bemerkte Pürstl abschließend: "Wenn das alles stimmt, ist das a Riesensauerei! Die Wahrheit muss zutage kommen!" Zeit sei dabei kein Faktor.

Frühwirth nach drei Stunden heimgeschickt

Der Verhandlungsplan im Geiger-Prozess lief unterdessen am Dienstag aus dem Ruder. Eigentlich hätte auch der Ex-KD1-Chef Roland Frühwirth aussagen sollen, doch da Aufnahmen von Telefongesprächen im Saal nicht zu verstehen waren, verzögert sich der Ablauf.

Der für 9.15 Uhr geladene, inzwischen als Leiter der Kriminaldirektion (KD) 1 versetzte Oberst Frühwirth kam somit gar nicht zu Wort und wurde, nachdem er drei Stunden gewartet hatte, heimgeschickt. Er wird erst am Mittwoch vernommen.

Frühwirth, hatte auf Basis einer anonymen Anzeige die Ermittlungen gegen Geiger - damals sein unmittelbarer Dienstvorgesetzter - aufgenommen. Nach Darstellung Geigers soll dies auf Wunsch seines polizeiinternen Rivalen, des früheren Landespolizeikommandanten Roland Horngacher, geschehen sein, der ihn "vernichten" habe wollen. Frühwirth bestreitet diese Version.

Befangenheitsantrag gegen Staatsanwalt

Am zweiten Verhandlungstag im Landesgericht war gleich zu Beginn der Schlagabtausch zwischen Verteidiger und Staatsanwalt weitergegangen. Verteidiger Manfred Ainedter brachte einen Befangenheitsantrag gegen Staatsanwalt Friedrich König ein. Der Antrag wurde abgelehnt.

Erstes Urteil aufgehoben

Beim ersten Mal war Geiger im August 2006 wegen Verrats eines Amtsgeheimnisses zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Der OGH hatte das erste Urteil aufgrund formaler Kriterien aufgehoben.

Der Hintergrund: Er soll am 9. März 2006 seinem Bekannten Wolfgang B. eine Razzia verraten haben, weshalb ihm Verrats eines Amtsgeheimnisses vorgeworfen wird.

Der Geiger-Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Am Donnerstag könnte es ein Urteil geben.
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Neuverhandlung
Prozess Tag 3
DP 12.03.2008
Frühwirth zu Sauna-Affäre: Horngacher "fuchsteufelswild"

Geiger-Prozess, der zweite Anlauf: Ex-KD1-Chef Frühwirth sieht keine gezielten Ermittlungen, er sei auch nicht die rechte Hand von Horngacher gewesen. Frühwirth selbst steht im Prozess im Kreuzfeuer.

Am dritten Tag des Prozesses gegen Ernst Geiger wegen Amtsmissbrauchs sagte erneut der ehemalige Leiter der Kriminaldirektion 1 (KD1) Roland Frühwirth aus - und er verteidigte sich gegen die Vorwürfe des neuen Wiener Polizeipräsidenten Gerhard Pürstl, dass die Ermittlungen gegen Sauna-Betreiber Wolfgang B. (er ist vor einem Monat verstorben) eigentlich Frühwirths Vorgesetztem Geiger gegolten haben.

Vorwürfe von neuem Polizeipräsidenten

Zur Erinnerung: Am Vortag sagte Pürstl im Zeugenstand im Geiger-Prozess, dass Frühwirth über die Ermittlungen einen "Geheimakt" angelegt und so gegen dienstrechtliche Vorschriften verstoßen. Der Verdacht ließe sich nicht entkräften, so Pürstl, dass die Ermittlungen gegen Sauna-Betreiber B. in Wirklichkeit Geiger galten. Von der Verdachtslage her habe es keine objektiven Anhaltspunkte für Ermittlungen gegeben. Vielmehr seien die Ermittlungen "instrumentalisiert" worden. Pürstl hält auch eine Intrige des ehemaligen Wiener Landespolizeikommandanten Roland Horngacher für möglich.

Frühwirth: "Ermittlungserfolg" purer Zufall

Dem widersprach Frühwirth: Der "Ermittlungserfolg" gegen Geiger sei ein purer Zufall gewesen. Die Polizei habe, so Frühwirth, das Treffen zwischen dem ehemaligen Kripo-Chef und dem Geschäftsführer der Sauna "Goldentime", Wolfgang B., am 10. März 2006 nur observiert, weil sie hinter B. her waren. Bei dieser Zusammenkunft soll Geiger laut Anklage seinem Bekannten einen Razzia-Termin verraten haben.

In einem abgehörten Telefonat soll Geiger B. gebeten haben, am 10. März um 11.00 Uhr zum Schottenring zu kommen und eine Liste mit einer Aufstellung über die gegen das "Goldentime" geführten Razzien mitzunehmen. "Ich dachte, er bringt die Liste in die Bundespolizei am Schottenring", meinte der ehemalige KD1-Chef Frühwirth. Stattdessen trafen sich die beiden im nahegelegenen Cafe Schottenring. Dabei wurde Geiger von Beamten in Zivil beobachtet.

Die Entscheidung zur Überwachung habe Frühwirth erst unmittelbar vor dem Termin getroffen. Kurzfristig wurden Beamte einer gerade zur Verfügung stehenden Gruppe mit B.s Personsbeschreibung "klein, dicker Bauch, kahlköpfig" versorgt und schwärmten am Schottenring aus. Auf den Einwand des Gerichtes, dass die Beschreibung auf sehr viele Menschen zutreffen würde, die unter Tags in der Stadt unterwegs sind, entgegnete Frühwirth: "Sie haben ihn gefunden, ich weiß nicht wie. Vielleicht haben sie ein Foto angefordert."

Horngachers rechte Hand? "Ein Witz"

Eine Woche nach dem Treffen hat Frühwirth dem damaligen Polizeigeneral Horngacher davon erzählt. "Er war fuchsteufelswild. Er meinte, ich hätte es ihm viel früher sagen müssen", so Frühwirth.

Frühwirth wehrte sich gegen Vorwürfe, bei den Ermittlungen die "rechte Hand" von Horngacher gewesen zu sein. "Das ist ein Witz", sagte Frühwirth. "Wir waren keine Vertrauten, wir waren keine Freunde."

Dass Horngacher die Karriere von Frühwirth unterstützt hat, betritt dieser hingegen nicht. "Ja - und wenn", meinte der ehemalige Leiter der KD1. Dienstlich habe er auch ein recht gutes Verhältnis zu dem umstrittenen ehemaligen Polizeigeneral gehabt. "Er hat sich von mir ein bisschen was sagen lassen", meinte Frühwirth.

Ernst Geiger wird Amtsmissbrauch vorgeworfen – er soll einem Sauna-Betreiber einen Razzia-Termin verraten haben. Deswegen war er bereits zu drei Monaten bedingt verurteilt worden – wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses. Aufgehoben: Die Generalprokuratur bekämpfte daraufhin das Urteil der ersten Instanz, weil sie meint, dass Geiger Amtsmissbrauch begangen hat – nicht „nur“ Geheimnisverrat. Der OGH ordnete schließlich eine Neuaustragung an.
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Neuverhandlung
Prozess Tag 4 - Urteil
ST 14.03.2008
Ernst Geiger hat nichts verraten

Mit einem Freispruch endete Donnerstagnacht der Prozess gegen den ehemaligen Wiener Kripochef Ernst Geiger. Der Polizei drohen allerdings weitere Prozesse in der Saunaaffäre.

"Ich habe damals nicht gewusst, dass diese Viertelstunde mein Leben entscheiden wird, deswegen kann ich mich nicht mehr an jedes Detail erinnern." Geiger ringt um seine Worte, als er am letzten Tag seines Prozesses rund um Amtsmissbrauch noch einmal von der Vorsitzenden Minou Factor vernommen wird. Zu jenem Märztag 2006, als er sich im Cafe Schottenring mit seinem Freund, dem FKK-Saunabetreiber Wolfgang Bogner, getroffen hat. Eine Viertelstunde lang, bei der er ihm verraten haben soll, dass am selben Abend eine Razzia in der Sauna stattfindet, wie Staatsanwalt Friedrich Koenig behauptet hat. Was der Schöffensenat nicht geglaubt hat. Nach über einstündiger Beratung verkündete das Gericht den nicht rechtskräftigen Freispruch im Zweifel.

In Wahrheit saß während des gesamten Prozesses nicht nur der ehemalige Wiener Kripochef Geiger auf der Anklagebank. Sondern ein wesentlicher Teil der Wiener Kriminalpolizei. Und die schaute dabei gar nicht gut aus. Ankläger Koenig kündigte in seinem Schlussplädoyer an, die gesamten Ermittlungen zur "Saunaaffäre" prüfen zu lassen. Schwebt doch mehr als nur ein Hauch von Amtsmissbrauch im Raum - allerdings nicht durch Geiger, sondern durch die gegen ihn ermittelnden Kriminalisten. Denn was Koenig darüber seit Montag gehört habe seien "haarsträubende Geschichten" und "empörende Dinge." Eine Einschätzung, die auch das Gericht teilte. Vor allem die Aussage von Roland Frühwirth, ehemals Leiter der Kriminaldirektion (KD) 1, der die Untersuchung gegen Bogner und Geiger geführt hat, wurde in der mündlichen Urteilsbegründung von Richterin Factor um 21.30 Uhr zerpflückt. Denn Frühwirths Angaben, wie die gesamte Saunaaffäre gelaufen sei, müsse "der Schöffensenat einfach jede Glaubwürdigkeit absprechen." Geigers Aussagen seien dagegen glaubwürdig gewesen. Und da die Indizien sowohl für als auch gegen ihn ausgelegt werden können lautete das Motto: im Zweifel für den Angeklagten.

Geigers Anwalt Manfred Ainedter hatte schon im Schlussplädoyer seine vernichtende Meinung über Frühwirth kund getan. "Ich glaube, dass seine Aussage von Anfang bis zum Ende eine Lüge gewesen ist. Und da kann er mich ruhig klagen", donnerte der Verteidiger. Der überhaupt noch nie einen Prozess wie den gegen seinen Duzfreund Geiger erlebt hat. Noch nie habe es so gestimmt wie bei dieser Neuauflage (das mit einem Schuldspruch beendete Verfahren vom August 2006 wurde vom Obersten Gerichtshof wegen eines Formalfehlers annulliert), dass die "Wahrheit eine Tochter der Zeit" sei. Saßen beim ersten Urteil Geigers interne Konkurrenten Roland Horngacher und Roland Frühwirth noch fest im Polizeisattel, änderte sich die Situation danach grundlegend. Horngacher ist mittlerweile selbst, nicht rechtskräftig, wegen Amtsmissbrauchs verurteilt, Frühwirth nicht mehr KD 1 Chef. Und schließlich gibt es den polizeiinternen Prüfbericht vom Dezember 2007, der auch im Mittelpunkt der Verhandlungsführung von Vorsitzender Factor stand, der Frühwirth und seinen Beamten schwere Verfehlungen bei den gesamten Ermittlungen vorwirft. Und Geigers Viertelstunde wurde in diesem Licht neu bewertet.
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DP 07.05.2009
Freispruch für Hofrat Geiger rechtskräftig

Der Oberste Gerichtshof verwarf die Nichtigkeits-Beschwerde der Staats-Anwaltschaft. Geiger war zunächst wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt worden.

Hofrat Ernst Geiger, der über die Sauna-Affäre gestolperte ehemalige Leiter der Wiener Kriminalpolizeilichen Abteilung, ist endgültig rehabilitiert. Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat die Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft Wien gegen den Freispruch des Kriminalisten verworfen. "Der Freispruch ist somit rechtskräftig", betonte Geigers Verteidiger Manfred Ainedter am Donnerstagnachmittag.

Die Staatsanwaltschaft hatte im März 2006 gerichtliche Vorerhebungen gegen Geiger in die Wege geleitet und im Juni 2006 Anklage wegen Amtsmissbrauchs erhoben. Der Vorwurf: Der 55-jährige Polizeijurist habe dem befreundeten Betreiber einer Rotlicht-Sauna vorab einen Razzia-Termin verraten.

Geiger wurde in weiterer Folge zunächst wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt. Der OGH hob jedoch dieses Urteil aus formalen Gründen auf. Im zweiten Rechtsgang setzte es im März 2008 dann einen bemerkenswerten Freispruch: Das Gericht stellte wörtlich fest, bei den Ermittlungen in der sogenannten Sauna-Affäre hätten Methoden Platz gegriffen, "die eines Rechtsstaats unwürdig sind".

So ergab das Beweisverfahren Hinweise, dass die anonyme Anzeige, mit der die Sache ursprünglich ins Rollen gekommen war, möglicherweise von einem Polizeibeamten verfasst wurde und auf einer alten Anzeige beruhte, die gar nicht auf den mit Geiger befreundeten Sauna-Betreiber, sondern dessen Vorgänger gemünzt war. Weiters traten Verdachtsmomente zutage, wonach die richterliche Genehmigung für die Telefonüberwachung, die Geiger letzten Endes den Job kostete, mit einer übertrieben dargestellten Verdachtslage "erschlichen" wurde.

Dessen ungeachtet beharrte die Anklagebehörde auf ihrer Anklageschrift und legte gegen den Freispruch Rechtsmittel ein. "Der OGH hat nun allerdings festgestellt, dass diesem keine Berechtigung zukommt", gab Geigers Anwalt bekannt. Ainedter will die Entscheidung am Freitagvormittag im Rahmen einer Pressekonferenz, an der auch Geiger teilnehmen wird, der Öffentlichkeit präsentieren.

Was die Bestätigung des Freispruchs durch den OGH für Geigers allfällige weitere Karriere bei der Bundespolizeidirektion Wien bedeutet, war dort am Donnerstag nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Eine Polizeisprecherin versprach eine Stellungnahme für Freitag. Offiziell wisse man noch nichts von der Entscheidung des OGH.
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ST 06.07.2009
Fremdenpolizei und Staatsschutz

Nach drei Jahren und zwei Monaten betrat Ernst Geiger am Montag wieder Polizeiland

In seinem neuen Büro in der Wiener Bundespolizeidirektion soll er künftig Analysen für Fremdenpolizei und Staatsschutz erstellen.

Willkommensparty gab es keine. Aber "schön, dass du wieder da bist", hörte Ernst Geiger am Montagmorgen oft, als er nach drei Jahren und zwei Monaten erstmals wieder Polizeiland betrat. Nach einem Kaffee mit der Wiener Polizeivizepräsidentin Michaela Pfeifenberger ging es gleich in medias res: Der frühere Chef der kriminalpolizeilichen Abteilung wird künftig fremdenpolizeiliche Analysen erstellen und für den Staatsschutz tätig sein. Am Mittwoch wird die zweite Polizeikarriere des 55-Jährigen mit einer ersten Strategiesitzung starten.

Der Entschluss, nach dem Freispruch in der "Sauna-Affäre" und seiner dienstlichen Rehabilitierung zur Polizei zurückzukehren, ist in seinem Herzen schon früh gefallen. Aber als gelernter Kriminalist hütete er sich davor, sich in die Karten schauen zu lassen. Vor rund einem Monat nahm er schließlich das Angebot, das ihm Polizeipräsident Gerhard Pürstl machte, offiziell an.

Dass ein Angebot kommen musste, war klar, Geiger hatte Anspruch auf einen Posten in der zuletzt gültigen Gehaltseinstufung. Sein bislang letzter Job ist längst besetzt, Pürstl wollte den früheren Spitzenkriminalisten aber nicht hinter irgendeinem Schreibtisch versauern lassen und holte Geiger kurzerhand ins Präsidium. "Dort soll er vor allem auch seine Erfahrungen aus der Privatwirtschaft einbringen", erklärt Pfeifenberger im Standard Gespräch. Wie berichtet, war Geiger zwischenzeitlich bei Frank Stronachs Magna-Konzern als Security-Manager engagiert. Er schulte Mitarbeiter in Sachen Risikoeinschätzung und war viel unterwegs; noch vor wenigen Tagen in Nischni Nowgorod, dem ehemaligen Gorki, in Russland.

Seinen ehemaligen Widersachern dürfte Geiger beruflich kaum über den Weg laufen: Roland Horngacher, der frühere Landespolizeikommandant, wurde wegen Missbrauchs der Amtsgewalt und Verletzung des Amtsgeheimnisses zu 15 Monaten Haft verurteilt und aus dem Polizeidienst entlassen. Er ist mittlerweile unter anderem für ein privates Kartenkasino als Berater tätig. Kriminalist Roland Frühwirth hat zum Bundeskriminalamt gewechselt.

Absturz nach Höhenflug

Ernst Geigers erste Polizeikarriere hatte 2006 im von Reformen angefachten Streit um Macht und Posten ein jähes Ende gefunden. Knapp nach einem seiner größten Erfolge, der Klärung des Saliera-Diebstahls im Kunsthistorischen Museum, wurde er verdächtigt, er habe dem Betreiber einer Rotlicht Sauna einen Razzia-Termin verraten. Geiger wurde suspendiert und später wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt. Der Oberste Gerichtshof (OGH) hob dieses Urteil aus formalen Gründen auf. Im zweiten Rechtsgang setzte es im März 2008 einen Freispruch. Im Mai bestätigte der OGH diesen Freispruch, Geiger war voll rehabilitiert.
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Neueröffnung

#6

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VI 03.08.2006
Club neu eröffnet

Der im Zuge der Sauna-Affäre in die Schlagzeilen geratene FKK-Club "Goldentime" in Wien-Simmering hat mit neuem Besitzer wieder geöffnet.

Vor allem werden in Zukunft alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten“, heißt es in einer Aussendung des Betreibers vom Donnerstag. Der frühere Eigentümer des Lokals, Wolfgang B., soll vom suspendierte Wiener Kripo-Chef Ernst Geiger Informationen über bevorstehende Razzien erhalten haben. Geiger muss sich am 30. und 31. August deswegen vor Gericht verantworten.

B. und frühere Angestellte des Clubs stehen unter dem Verdacht des grenzüberschreitenden Prostitutionshandels, der Zuführung zur Prostitution und Zuhälterei. „Eine Grauzone, wie bisher, wird es im neuen Goldentime nicht mehr geben“, betonte nun der neue Betreiber.
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Große Pläne

#7

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DP 27.04.2008
Mit dem Puff an die Börse

Der Wiener Bordellbetreiber Alexander Gerhardinger will als erster Europäer mit seinem Betrieb an die Börse. Der Polizei wurde sein Lokal zum Stolperstein.

Mitten in Wien Favoriten liegt "Golden Time", das Bordell bewirbt sich als "Der großte FKK Saunaclub Österreichs". Die Eintrittspreise sind gestaffelt: 60 Euro für die "Ladies", 80 Euro für die "Gentlemen". Alexander Gerhardingers "Golden Time" unterscheidet sich von anderen Bordellbetrieben. Offiziell betreibt er einen "Saunaclub", die Prostituierten arbeiten auf eigene Rechnung. Ebenso wie ihre Freier zahlen sie Eintritt, ihr Einnahmen müssen sie - anders als in solchen Etablissements üblich - nicht abgeben.

Der 45-Jährige, der seit jeher seit Geld mit Immobilien verdient, ist erst sein einem guten halben Jahr im Rotlicht-Milieu tätig. Seine Familie findet sein neues Betätigungsfeld "nicht so lustig", gibt Gerhardinger in der Süddeutschen Zeitung zu. "Die glauben offensichtlich, die Mädchen liegen hier angekettet im Keller", sagt Gerhardinger, "aber selbst ansehen wollten sie es sich noch nie."

Das Geschäftmodell ist erfolgreich, das "Golden Time" erwirtschaftet mehr als drei Millionen Euro Jahresumsatz, berichte die Süddeutsche Zeitung. "Es ist das älteste Geschäft der Welt", sagt der Unternehmer Alexander Gerhardinger. "und es läuft gut."

So gut sogar, dass Gerhardinger als erster Bordellbesitzer Europas an die Börse will. Der gebürtige Linzer möchte in den nächsten Wochen einen großen Teil der Aktien der Muttergesellschaft RB Immo an Privatleute verkaufen: Wiener Rechtsanwälte, Steuerberater oder Fußballer, die aus Angst vor Imageschäden nicht öffentlich genannt werden wollen. Die Einnahmen aus diesem Verkauf will er umgehend in einen Ausbau von "Golden Time" investieren: Der Unternehmer will expandieren.

Noch heuer will Gerhardinger Niederlassungen in Innsbruck und München gründen. Mitte 2008 soll der Börsenprospekt lanciert werden, ein halbes Jahr später RB Immo an der Börse in Wien oder Fankfurt notieren. Es sieht gut aus für "Golden Time".

Vor einem Jahr stand das Bordell noch vor dem Aus. Damals wurde öffentlich, dass Mitgleider der Wiener Polizei den damaligen Betreiber vor Razzien vorgewarnt hätten. Der Skandal zog weite Kreise: Wiens Kripo-Chef Ernst Geiger verbüßt gerade eine Strafe - drei Monate bedingte Haft - und der damalige "Golden Time"-Inhaber wurde inhaftiert.

Damals stieg Gerhardinger ein. "Es war die perfekte Gelegenheit zum Kauf", sagt der Unternehmer. Rechtliche Probleme fürchte er nicht: Unser Geschäftsmodell ist rechtlich einwandfrei", sagt er in der Süddeutschen Zeitung. "Wir finanzieren uns über die Eitnritte der Gäste, unser Geschäftsgebaren ist somit transparent wie das eines Kinos." Und er gibt sich optimistisch: "Unser Geschäftmodell kann auf der ganzen Welt erfolgreich sein."
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ST 29.04.2009
Goldentime legt Anleihe auf

„Der Konjunkturabschwung kann dem Sex-Business nichts anhaben, wer von seiner Firma auf die Straße gesetzt wird, braucht Ablenkung.“ Mit diesem Argument versuchte am Mittwoch der Geschäftsführer des durch die „Sauna-Affäre“ bekannt gewordenen Wiener Etablissements „Goldentime“, Alexander Gerhardinger, Anlegern Appetit auf eine hochverzinste Anleihe des Saunaclubs zu machen.

**Börsegang geplant**

Zwölf Prozent jährlich soll den Anlegern die Investition in das älteste Gewerbe der Welt bringen. 6 Mio. Euro beträgt vorerst das Emissionsvolumen der bis 2014 laufenden fünfjährigen Anleihe. Bei großer Nachfrage kann auf 9 Mio. Euro aufgestockt werden. Die Emission wird nicht von Banken, sondern vom ehemaligen Vorstand der Ringturm KAG, Günter Castro, begleitet. Mit dabei ist auch der im Autohandel tätige US-Investor Michael Zimbrick, der von Johannes Reissner, Vorstand der Novag Immobilien Developement AG, vertreten wird. Innerhalb von drei bis vier Jahren ist auch ein Börsengang geplant.

Mit dem frischen Kapital soll eine auch über Österreich hinausgehende Kette von Erotik-Saunaclubs aufgebaut werden. In der ersten Phase ist die Errichtung von vier Etablissements geplant, bei denen Goldentime die Mehrheit halten würde. Zimbrick wäre bei allen Projekten mit 30 Prozent in Bar beteiligt, sagte Gerhardinger. Dies sollte innerhalb von eineinhalb Jahren geschehen.

Die weitere Expansion soll mit Franchisepartnern erfolgen, die vom „Sex-Boom“ profitieren wollen. Solche werden derzeit noch gesucht.

Gerhardinger versucht eine möglicherweise vorhandene Hemmschwelle zu verringern: „Beim Geschäft handelt es sich nicht um Zuhälterei.“ Der Umsatz beschränke sich auf das Kassieren von Eintrittspreisen, es gebe keinen Anteil am sogenannten „Schandlohn“. Die erotischen Dienste würden die Mädchen den Gästen auf eigene Rechnung anbieten. Für den Eintritt zahlen sie 60 Euro, Männer 80 Euro. Eine halbe Stunde „Liebesdienst“ komme auf etwa 60 Euro und sei direkt an die Damen zu bezahlen.

Im Zuge der „Sauna-Affäre“ und ihrer Nachwehen standen der ehemalige Leiter der Wiener kriminalpolizeilichen Abteilung, Ernst Geiger, und der ehemalige Landespolizeikommandant von Wien, Roland Horngacher, vor Gericht.
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OÖN 22.05.2012
Puffvater Gerhardinger macht Bekanntschaft mit Konkursgericht

Normalerweise macht Alexander Gerhardinger mit wenig verhüllten Frauen seine Geschäfte. Jetzt bereitet dem Rotlicht-Unternehmer eine angeblich längst inaktive Firmenhülle Ärger und Imageprobleme. Denn seit vergangener Woche muss sich der Gesellschafter der GT Betriebs GmbH mit dem Konkursgericht auseinandersetzen.

Der in Linz aufgewachsene frühere Croupier wurde bekannt, als er aus dem Restaurant Napoleonhof in Ansfelden einen Nobel-Nachtclub machte. Diesen hat er später abgegeben. 2006 hat er in Wien den Saunaclub Goldentime übernommen. Das Credo des promovierten Betriebswirts lautet, ein Bordell sei wie jeder andere Betrieb mit betriebswirtschaftlichen Stellschrauben wie Kundenbindung, Marketingkonzept und strengem Kostenmanagement zu führen.

Die Geschichte, wie er zu dem Klub kam und worauf es beim Führen eines solchen Hauses ankommt, kann man in seinem Buch „Pufferzone – wie man ein Bordell erfolgreich führt“ nachlesen.

Ein Konkursantrag gegen die zahlungsunfähige GT Betriebs GmbH versieht diesen Untertitel nun mit einem Fragezeichen. Die Insolvenz konnte laut Handelsgericht Wien nicht eröffnet werden, weil das Geld für den Kostenvorschuss fehlt.

Gerhardinger betont im Gespräch mit den OÖNachrichten, dass dies die frühere Betriebsführungsfirma gewesen sei. Der Firmenmantel habe kein aktives Geschäft mehr ausgeübt. Das Goldentime habe er abgegeben, er sei nur noch Angestellter.

Umbenennung kurz vor der Pleite

Pikant ist die Angelegenheit vor allem, weil in der Insolvenzdatei die Pleite einer Goldentime Betrieb GmbH veröffentlicht ist. Erst Anfang Mai ist diese angeblich inaktive Gesellschaft in die anonyme GT Betriebs GmbH umbenannt worden. Dies macht man üblicherweise, um Schaden vom weiterlaufenden Betrieb abzuwenden. Gerhardinger betont, das Goldentime habe nichts mit der Insolvenz zu tun. Sein Traum sei nach wie vor, Freudenhäuser an die Börse zu bringen.

Vor kurzem hat der 51-Jährige öffentlich berichtet, vor 25 bis 30 Jahren gemeinsam mit anderen Studenten bis zu 400 Dissertationen gegen Geld verfasst zu haben.
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Fachbuch

#8

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ST 12.10.2010
Wie man ein Bordell Betreibt

Das durch die Saunaclub-Affäre bekannte „Goldentime“ sonnt sich auch in unruhigen Zeiten im Sex-Boom. Oder erst recht. „Am Wahl-Sonntag war es noch ruhig, aber diese Woche wird sich einiges tun.“ Wenn Alexander Gerhardinger, nach Eigendefinition Bordellbetreiber und Buchautor, zur Pressekonferenz ruft, ist der Saal gerammelt voll. Der promovierte Betriebswirt zelebriert mit seinem Erstlingswerk „Pufferzone – Wie man ein Bordell betreibt“ seine neuen Seiten als Autor, gibt Tipps für Einsteiger ins „Milieu“ und versucht mit Klischees aufzuräumen, indem er geradlinig durch das horizontale Gewerbe führt.

Gerhardinger kennt sich aus am Großmarkt der Liebe. Vier Jahre Gymnasium bei den Jesuiten hätten ihm die Augen geöffnet. Priester lernte er als „offen denkende Freigeister“ kennen, und als sein Interesse für Mädchen und Wirtschaft steigt, wechselt er – nichts ist scheinbar naheliegender und geht ihm leichter über die Lippen – in die Handelsakademie. Nach einem bunten beruflichen Werdegang mit Zwischenstopps beim Stahlkonzern voestalpine und als Croupier bei den Casinos Austria erleidet er beim Versuch, in Italien ein Kino zu eröffnen, Schiffbruch und meldet Privatkonkurs an.

Lang hält der gebürtige Linzer nicht still. Gerhardinger rückblickend: „Ich wollte in möglichst wenig Zeit möglichst viel Geld verdienen.“ Und wie so oft im Leben spielt ihm der Zufall in die Hände. Er bekommt den Zuschlag für das „Goldentime“. Seither kämpft er gegen das schmuddelige Image der „Szene“. „Meine Mutter glaubt bis heute, dass wir die Frauen im Keller angekettet haben.“ Er schmunzelt. Ein Saunaclub sei eben ein Saunaclub und – Hand aufs Herz – kein Bordell. Der Unterschied? Die Bettenfachkraft im „Goldentime“ ist freie Unternehmerin, einen Zuhälter gibt es nicht. „Die Mädchen zahlen 60 Euro Eintritt und bieten ihren speziellen Service an.“ Wie viel dabei in ihre Taschen fließe, wisse er nicht. „Spitzenmädchen bringen es schätzungsweise auf 5.000 bis 15.000 Euro im Monat. Der Einkommenssteuersatz ist gedeckelt und liegt in Wien bei 250 Euro.“

Leichtes Geld? Gerhardinger verneint. „Die Mädchen arbeiten etwa 20 Tage pro Monat. Von 11 Uhr vormittags bis 4 Uhr morgens haben wir geöffnet.“ Anwerben dürfe er aber keines: „Akquisition wäre Anstiftung zur Prostitution und ist in Österreich strafbar.“ Mundpropaganda und Inserate in einschlägigen deutschen Fachzeitschriften sorgten demnach für den entsprechenden Zulauf.

Beten nach dem Akt

Die Kundschaft ist so vielschichtig wie das Gewerbe selbst. „Die Männer kommen aus allen Schichten, vom Arbeiter bis zum Manager.“ Hier holen ihn die Jugendjahre wieder ein, denn der Kreis schließt sich auf wundersame Weise: An Geistlichen fehle es nicht. „Sehr angenehme Menschen“, plaudert Gerhardinger aus dem Nähkästchen. So lässt einer der Padres am Südtiroler Standbein des „Goldentime“ monatlich 3.000 bis 4.000 Euro. „Entweder der Bursche zweigte einen Haufen Geld aus dem Klingelbeutel ab, oder er verfügte über ein ererbtes Privatvermögen.“ Nicht weniger bizarr ein Beispiel aus Wien: „Wir haben einen, der kniet sich nach dem Akt mit seiner Gespielin vors Bett und betet. Anschließend erteilt er die Absolution.“ Ob die Dame wisse, was hier abgehe, lässt er offen. Aber: „Ich bin sehr bemüht, dass die Mädchen deutsch oder zumindest englisch sprechen.“ Denn stattliche 30 Prozent der Männer kämen wegen des Redens und nicht zum Sex. Das stößt nicht immer auf Gegenliebe. „Fuck my body, not my mind“, zitiert Gerhardinger eine erboste Russin.

An Kundenandrang mangelt es jedenfalls nicht. Wie viele es sind, lässt Gerhardinger offen. Nur: „Ich sehe mich als McDonald’s unter den Bordellen. Wir sind für die Massen zuständig.“ Und nicht nur für die. Für „aus Film, Fernsehen und Rundfunk“ bekannte Prominenz soll demnächst umgebaut werden. Ein diskreter Hintereingang sowie ein VIP-Bereich sollen her. „Im Bademantel erkennt man sie ohnehin kaum, aber nach außen hin gilt Diskretion.“

Die stillste Zeit des Jahres ist für Bordellbesucher die lebendigste – in der Vorweihnachtszeit läuft das Geschäft am besten. Ärztekongresse garantierten auch eine hohe Frequenz. Gerhardinger: „Die Wahl der Kongress-Stadt geht Hand in Hand mit der Anzahl der Bordelle.“ Wien kennt man eben nicht nur wegen des Riesenrades.

Ehrenkodex

Schusswaffen in seiner Schreibtischlade lassen keinen Zweifel – das Milieu ist immer noch gefährlich. Unmittelbare Angst hat er dennoch nicht. Gerhardinger: „Man stumpft mit der Zeit ab.“ Und: Irgendwie könne er auch Schutzgeldern etwas Positives abgewinnen. „In der Unterwelt gilt ein Ehrenkodex. Man zahlt und hat seine Ruhe. Geredet wird erstmal am grünen Tisch. Geschossen wird nicht so schnell.“ Für Neueinsteiger gilt also: Ruhig Blut und das nötige Kleingeld. Gerhardinger: „Eine Eigenkapitalquote von 30 bis 40 Prozent würde ich schon empfehlen. Mich selbst werden die Bankzinsen noch einige Zeit verfolgen.“

So wie möglicherweise auch der einst angekündigte Börsegang, denn drei Jahre und eine Finanzkrise später ist dieser ausgeträumt. „Ein IPO wäre zu kompliziert, zu kostenintensiv gewesen“, so der Unternehmer zu derStandard.at. „Die Nachfrage war allerdings enorm.“ Kein Wunder, wäre ein börsenotiertes Bordell doch eine Europa-Premiere gewesen. Dafür sucht er immer noch nach Franchise-Partnern. „Es scheitert bislang an der Standortfrage. Wer geht schon in ein Bordell in einer unattraktiven Gegend?“

Was er tun würde, wäre er Wiens Bürgermeister? „Weniger saufen“, so Gerhardinger, „und das Konzept des Saunaclubs forcieren, um den kriminellen Straßenstrich einzudämmen.“
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Fernsehbericht

#9

Beitrag von Red Light News »

P24 12.11.2012
Diskussion rund um Prostitution

In einer Diskussionsrunde rund um das Thema Prostitution anlässlich der geplanten Errichtung eines "Mega-Laufhauses" vor den Toren Wiens, kommt auch der Betreiber der Goldentime Saunaclubs Wien und Linz zu Wort.
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Brandstiftung

#10

Beitrag von Red Light News »

VI 14.05.2012
"Centaurus" in der Brünner Straße ausgebrannt - Brandstiftung vermutet

Ein einschlägiges Nachtlokal in der Brünner Straße brannte in der Nacht auf Montag vollkommen aus. Pikantes Detail: Im "Centaurus" gab es nicht zum ersten Mal ein Feuer - es fiel bereits mehreren Brandanschlägen zum Opfer.

Wie Pressesprecher Roman Hahslinger auf Anfage von VIENNA.AT bestätigte, brach in dem FKK-Saunaclub namens “Centaurus”, der sich auf der Brünner Straße 57 in Wien befindet, in der Nacht ein Feuer aus. Ab 2:00 Uhr loderten dort laut Hahslinger die Flammen, wie ein Passant bemerkt hatte, der sogleich die Feuerwehr verständigte.

Eine Stunde lang dauerte der nächtliche Löscheinsatz der Feuerwehr. Der Vollbrand hinterließ das einschlägige Nachtlokal in einem desolaten Zustand – das Haus wurde völlig zerstört. Zum Zeitpunkt des Brandes befand sich glücklicherweise niemand im Clubhaus.

Nicht der erste Brand im “Centaurus” auf der Brünner Straße

Nach Angaben von Hahslinger gab es in der Vergangenheit bereits mehrere Brandanschläge gegen das Etablissement – keiner davon war jedoch so verheerend wie der letzte. Wie die Bilder zeigen, liegt das “Centaurus” nach dem schweren nächtlichen Brand buchstäblich in Schutt und Asche. Medienberichten zufolge soll es dort zuvor bereits drei Anschläge mit Molotov Cocktails gegeben haben, unter anderem rund um die Eröffnung im Oktober 2011. Grund dafür soll damals Rivalität im Rotlicht-Milieu gewesen sein.

Deshalb wird nun auch seitens der Polizei wegen Brandstiftung ermittelt, da man davon ausgeht, dass auch dieses Feuer nicht durch Fahrlässigkeit entstanden ist, sondern bewusst gelegt wurde. Konkrete Verdächtige gibt es in diesem Zusammenhang laut Hahslinger noch nicht, doch die Ermittlungen zum Brand in dem Lokal auf der Brünner Straße laufen auf Hochtouren.
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VI 31.05.2012
Brand in Sauna-Club "Centaurus": Profi-Brandstiftung

Wie bereits berichtet, ist in der Nacht auf Montag der Sauna-Club "Centaurus" auf der Wiener Brünner Straße vollends ausgebrannt. Der Verdacht der Brandstiftung bleibt bestehen - die Polizei vermutet hoch professionelle Täter und einen Streit im Rotlichtmilieu hinter dem Vollbrand.

Dem Brand des Erotik-Lokals bzw. Sauna-Clubs “Centaurus” auf der Floridsdorfer Brünner Straße soll ein Streit im Wiener Rotlichtmilieu vorangegangen sein, der in der Nacht auf Montag offenbar eskalierte. Laut Polizei haben Unbekannte im Sauna-Club “Centaurus” auf der Brünner Straße in Floridsdorf den Brand gelegt, bei dem das Clubhaus zerstört wurde.

Profis mit Brandbeschleuniger auf der Brünner Straße vermutet

Polizeisprecher Roman Hahslinger zufolge bemerkten Passanten gegen 2.00 Uhr das Feuer und verständigten umgehend die Einsatzkräfte. Wie Anrainer, unter anderem von der benachbarten Tankstelle, berichteten, habe es einen regelrechten Knall gegeben. Die Brandstiftung wurde von den Ermittlern als das Werk hoch professioneller Täter eingeschätzt. Die Feuerwehr bekam die Flammen nach rund einer Stunde unter Kontrolle, für das Clubhaus gab es aber keine Rettung mehr. Vermutlich wurde ein brandbeschleunigendes Mittel verwendet.

Es war nicht der erste Brandanschlag gegen das Etablissement. Bereits im Vorjahr gab es Medienberichten zufolge mehrere Versuche, Feuer im Lokal zu legen. Bereits damals wurde vermutet, dass der Hintergrund in Zwistigkeiten im Rotlichtmilieu zu suchen sei.

War neuer Betreiber im “Centaurus” Auslöser?

Vor einigen Wochen dürfte es einen Betreiberwechsel gegeben haben. Der neue Inhaber des Centaurus-Clubs, der erst im vergangenen Oktober – unter anderem mit einer Lesung von Barbara Karlich – eröffnet worden war, soll sich den Unmut eines Konkurrenten aus dem Dunstkreis eines anderen Wiener Rotlichtetablissements zugezogen haben.
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KR 28.09.2012
Brand in Sauna-Club: Heiße Spur führt zu Häfen-Duo

Ein Feuer hat im Mai die Brünner Straße im Wiener Bezirk Floridsdorf hell erleuchtet: Ein Sauna-Club ging, wie berichtet, nach einem Brandanschlag in Flammen auf. Nach ausgesetztem Kopfgeld und einem Tipp aus der Szene gibt es nun zwei Verdächtige: Das Duo befindet sich allerdings bereits wegen mehreren Einbrüchen in Haft.

Rund 2,5 Millionen Euro Schaden sollen die Brandstifter mit ihrem Anschlag angerichtet haben - schnell wurden Rivalitätskämpfe zwischen Wiens Rotlicht-Größen als mögliches Tatmotiv genannt. Dass ausgerechnet ein Werbefahrzeug eines Konkurrenz-Clubs direkt vor der Brandruine parkte, heizte die Gerüchte noch zusätzlich an.

Zwei Häfenbrüder im Visier der Ermittler
Doch sämtliche Ermittlungen führten - trotz ausgesetzten Kopfgelds über 5.000 Euro - lange Zeit nicht zum Erfolg. Doch jetzt gibt es eine, im wahrsten Sinne des Wortes, heiße Spur zu den möglichen Feuerteufeln - und die führt direkt in Zellen der Justizanstalt Linz.

Denn dort sitzen zwei Männer aus der rechten Szene ein und sollen, laut einem Tipp aus dem Rotlichtmilieu, für das Flammeninferno verantwortlich sein. Die Häfenbrüder seien noch vor ihrer Verhaftung von bislang unbekannten Hintermännern beauftragt worden, das Etablissement in Schutt und Asche zu legen.

Die Einvernahmen sind im Gange, Spekulationen und Schuldzuweisungen innerhalb der Szene wieder angeheizt.
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OÖN 24.01.2013
Nach Brandstiftung in Bordell in Wien: Gebürtiger Linzer musste in U-Haft

Bekannter Unternehmer und Buchautor soll Auftraggeber gewesen sein. 51-Jähriger wurde nach Ermittlungen in der Neonazi-Szene von Verdächtigen belastet.

Ein brisantes Verfahren nach dem Brand eines Wiener Bordells ist derzeit bei der Staatsanwaltschaft Wels anhängig. Mehrere Verdächtige befinden sich in Untersuchungshaft, darunter seit vergangenem Freitag auch der aus Linz stammende Unternehmer Alexander Gerhardinger (51), der als Gründer des Etablissements „Napoleonhof“ in Ansfelden und als Buchautor („Pufferzone“) bekannt ist. Dem 51-Jährigen wird vorgeworfen, an mehrere Männern den Auftrag gegeben zu haben, einen Sauna-Club in Wien in Brand zu stecken, um damit einen Versicherungsbetrug zu begehen.

Der „Saunaclub Centaurus“ in Floridsdorf wurde in der Nacht des 14. Mai 2012 ein Raub der Flammen. Nach den Ermittlungen der Wiener Polizei soll es sich eindeutig um Brandstiftung bzw. um das „Werk von Profis“ handeln. Das Etablissement wird den Rotlicht-Betrieben von Gerhardinger zugeordnet.

Im Firmenbuch scheint ein Unternehmen, an dem Gerhardinger zu 23,3 Prozent beteiligt ist, unter derselben Adresse auf, an der sich der abgebrannte Sauna-Club befindet. Über diese Firma wurde im Vorjahr ein Konkursverfahren eröffnet. Nach dem Brand war von „Revierkämpfen“ die Rede und das Verfahren gegen Gerhardinger wurde von der Staatsanwaltschaft Wien eingestellt.

Zu diesem Zeitpunkt ließ die Staatsanwaltschaft Wels in ihrem Zuständigkeitsbereich Ermittlungen in der Neonazi-Szene durchführen. Daraufhin wurden mehrere Verdächtige in Haft genommen. Diese beschuldigten daraufhin Gerhardinger, den Auftrag für die Brandlegung in Wien in dessen eigenem Betrieb gegeben zu haben. Vergangenen Freitag wurde der gebürtige Oberösterreicher festgenommen und die Untersuchungshaft verhängt. Die Welser Anklagebehörde wollte gestern trotz mehrfacher Anfrage der OÖNachrichten keine Stellungnahme zu dem Verfahren abgeben.

Staatsanwalt schweigt

Zu einer Auskunft war hingegen Nikolaus Rast, Verteidiger von Gerhardinger, bereit. Er bestätigte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Wels gegen seinen Mandanten. Allerdings kontert Rast: „Diese Vorwürfe entbehren jeglicher Grundlage. Jemand aus der Unterwelt will meinem Mandanten etwas ans Zeug flicken. Bei der Staatsanwaltschaft Wien ist dieses Verfahren schon längst eingestellt worden. Herr Gerhardinger ist unbescholten und ein seriöser Geschäftsmann.“

Strafverteidiger Werner Tomanek aus Wien vertritt zwei der Beschuldigten, die die Brandstiftung mitorganisiert haben sollen. „Sie machen von ihrem Recht zu schweigen Gebrauch“, sagt der Anwalt. Das Verfahren gegen seine Mandanten wird wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das NS-Verbotsgesetz gesondert geführt.

Vom Manager zum Mitbesitzer von Rotlicht-Lokalen

Alexander Gerhardinger wuchs in Linz auf und studierte Betriebswirtschaft und Soziologie in Linz. Wie der Unternehmer über seinen eigenen Werdegang in seinem Buch „Pufferzone – Wie man ein Bordell betreibt“ schreibt, war er anfangs für die Voest im Anlagenbau engagiert und arbeitete später für die Casinos Austria als Croupier und im Auslandsmarketing. Danach war Gerhardinger in der Immobilienbranche tätig, ehe er 2005 in Ansfelden sein erstes Bordell, das Nobel-Etablissement „Napoleonhof“, gründete und damit sogar in Deutschland bekannt wurde. Aus diesem Geschäft stieg er jedoch wieder aus und ein Jahr später ins Rotlicht-Geschäft in Wien ein, wo er den prominenten Sauna-Club „Golden Time“ übernahm. Laut Firmenbuch ist über beide Firmen des 51-Jährigen ein Insolvenzverfahren anhängig. Eine Firma wurde bereits liquidiert.

Promoviert und „Helfer“ an der Uni

In einer deutschen Talkshow sagte Alexander Gerhardinger im Vorjahr, dass gemeinsam mit anderen Studenten bis zu 400 Dissertationen verfasst haben soll. „Zu unserem Netzwerk gehörten damals etwa 40 Leute. Ich selbst habe nur zehn Dissertationen geschrieben. Wir waren keine Fälscher, sondern Dienstleister“, sagte Gerhardinger damals. Die Auftragsarbeiten liegen 25 bis 30 Jahre zurück: „Die Namen der Doktoranden verrate ich nicht. Es geht mir lediglich darum, das System in Frage zu stellen“, sagte Gerhardinger. Als Student und Croupier hätte er genügend Zeit gehabt, Kollegen gegen Bezahlung unter die Arme zu greifen. Seine eigene Dissertation sei nach eigenen Aussagen makellos: „Das Thema war Spielsucht und ich saß an der Quelle.“
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TTZ 03.02.2013
Sechs Verdächtige bleiben in Untersuchungshaft

Die Untersuchungshaft für sechs der elf Inhaftierten, die im Verdacht stehen, in Verbindung mit dem rechtsradikalen Netzwerk „Objekt 21“ zahlreiche Straftaten begangen zu haben, ist vom Landesgericht Wels verlängert worden. Das berichtete das ORF-Radio Oberösterreich am Samstag. Einer der vier Hauptverdächtigen soll auf die Haftprüfung verzichtet haben. Damit wurde die Untersuchungshaft automatisch verlängert.

Der Direktor des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), Peter Gridling, wehrte sich indessen gegen Kritik am Vorgehen in Oberösterreich. Kritiker hatten dem Landesamt für Verfassungsschutz jahrelange Untätigkeit gegen das rechtsextreme Netzwerk vorgeworfen. Gridling betonte dagegen, das LVT sei in die Ermittlungen der Polizei eingebunden gewesen, auch der von der Gruppe gegründete Verein sei aufgelöst worden. Und sollte sich herausstellen, dass mit kriminellen Geldern „ein braunes Netzwerk finanziert wurde“, dann werde man sich das ansehen, so Gridling im Ö1-Mittagsjournal.

Der Festnahme der Verdächtigen aus dem rechtsradikalen Umfeld gingen monatelange Ermittlungen der Polizei voraus. Wie sich laut den Ermittlern herausstellte, fand die Gruppierung ihre Einnahmequellen in Gewalt-, Eigentums- und Vermögensdelikten, in der Rotlicht-Szene sowie im Waffen- und Drogenhandel. Ihr werden 23 Einbruchsdiebstähle – u. a. während Haftausgängen –, Raubüberfälle, Internet-Betrügereien, Körperverletzungen und organisierte Schwarzarbeit angelastet. Firmenbesitzer und Betreiber von Bordellen sollen bedroht, misshandelt und in finanzielle Abhängigkeit gebracht worden sein, damit sie Geld abliefern, so die Vorwürfe. Die Organisation wird zudem verdächtigt, in Haftanstalten spätere Täter angeworben zu haben. Den Gesamtschaden bezifferten die Ermittler mit mindestens 3,5 Millionen Euro.

2009 soll die Bande einen Brandanschlag auf ein Bordell im Bezirk Kirchdorf mit mehr als 400.000 Euro Schaden verübt und den damaligen Geschäftsführer mit einem Sack über dem Kopf entführt und dann mit einer Motorsäge misshandelt haben. Im Mai 2012 wurde ein Wiener Saunaklub ein Raub der Flammen, es entstand ein Schaden von 2,5 Millionen Euro. Anstifter soll ein aus Oberösterreich stammender Unternehmer aus dem Rotlicht-Milieu gewesen sein, der von anderen Beschuldigten belastet wird und nun in U-Haft sitzt. Sein Verteidiger bezeichnete die Anschuldigungen gegenüber der APA als „haltlos“.

Die Organisation steht darüber hinaus im Verdacht, zur Verschleierung von illegaler Prostitution einen Escortservice gegründet und Frauen mit Gewalt und Drohungen unter Druck gesetzt zu haben. Weil sie ein Bordell im Bezirk Schärding übernehmen wollte, soll sie nicht davor zurückgeschreckt sein, ein Auto in Brand zu stecken. Führende Mitglieder der Vereinigung sollen einen regen Handel mit teilweise verbotenen Schusswaffen, Kriegsmaterial sowie Munition und Zubehör betrieben haben. Im angemieteten Haus der Verdächtigen aus der Neonazi-Szene, in dem auch einschlägige Liederabende stattfanden, stellte die Polizei Fahnen und Schriften mit NS-Symbolen sicher.
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Kurier 22.08.2013
Haftstrafen für Bordell-Zündler im Nazi-Dunstkreis

Der Rotlicht-Boss Alexander G. gestand als Zeuge vor Gericht, hinter der Tat gesteckt zu haben.

Am 14. Mai 2012 seien sie zum Saunaclub „Centaurus“ in Wien gefahren, dort hätten bereits Teppiche, Handtücher und Brandbeschleuniger bereitgelegen. Ein Feuerwerkskörper habe das Flammeninferno dann entfacht.

So schilderten ein 24-jähriger Kroate und ein 32-jähriger Oberösterreicher aus dem Dunstkreis des Neonazi-Netzwerks „Objekt 21“ das Verbrechen, das ihnen am Donnerstag am Landesgericht Wels vorgeworfen wurde. Der Prozess fand unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Ihr Motiv: Geldbeschaffung.

Auftrag aus dem Rotlicht-Milieu

Der Rotlicht-König und gebürtige Linzer Alexander G., der seit Jänner in U-Haft sitzt, gestand als Zeuge vor Gericht, den Auftrag gegeben zu haben. Mit dem Brand habe er einen Versicherungsbetrug beabsichtigt. Es entstand ein Schaden von 2,5 Millionen Euro.

Der mutmaßliche „Objekt 21“-Rädelsführer Jürgen W., der ebenfalls in U-Haft sitzt, sei einer seiner Söldner gewesen und habe den Auftrag mit den beiden Komplizen ausgeführt. W. muss sich zu einem späteren Zeitpunkt vor Gericht verantworten.

Am Donnerstag wurde der 32-jährige Angeklagte wegen Brandstiftung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu vier Jahren Haft verurteilt. Er legte Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde ein. Der 24-Jährige fasste drei Jahre aus und bat um Bedenkzeit. Beide müssen außerdem 200.000 Euro Teilschadenersatz zahlen. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

"Objekt 21"
Der Ältere gestand, auch beim Brand des Bordells „Taubenschlag“ in Inzersdorf, Bezirk Kirchdorf, beteiligt gewesen zu sein. Den Vorwurf der Bandenbildung bestritten die Angeklagten, räumten aber ein, im Vereinslokal von „Objekt 21“ in Desselbrunn verkehrt zu haben.

Wie berichtet, gelang es der Polizei im Jänner, den so genannten „Kulturverein“ als kriminelles Neonazi-Netzwerk zu entlarven. Das Repertoire der 35 Mitglieder soll von Waffen- und Drogenhandel, über Körperverletzung bis hin zu Brandstiftung reichen. Es befinden sich noch fünf weitere mutmaßliche Mitglieder in U-Haft. Gegen sieben Männer wurde Anklage wegen NS-Wiederbetätigung erhoben.
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Kurier 11.04.2014
Fünf Jahre Haft für Ex-Bordellkönig

53-Jähriger heuerte Objekt-21-Mitglieder an, um seine Konkurrenten einzuschüchtern.

Trotz seiner jahrelangen Rotlicht-Vergangenheit tritt der gelernte Immobilienmakler Alexander G. optisch noch immer als seriöser Geschäftsmann auf. Mit grauem Anzug, Brille und dezentem Schuhwerk präsentierte er sich am Freitag dem Schöffensenat im Landesgericht Wels.

Die von Staatsanwalt Franz Haas vorgebrachten Anklagepunkte schienen daher auf dem ersten Blick nicht ganz zum äußeren Erscheinungsbild zu passen: Nötigung, Sachbeschädigung, schwerer Betrug, Körperverletzung und Brandstiftung.

Handlanger

Der promovierte Betriebswirt soll von Jänner 2007 bis Jänner 2013 die Führungsriege des Neonazi-Netzwerks " Objekt 21" für kriminelle Handlangerdienste angeheuert und sie damit auch finanziell beträchtlich gefördert haben. Das vorrangige Ziel war, Konkurrenten einzuschüchtern. "Er wollte sich eine Schutztruppe aufbauen, um eine Marktherrschaft zu erlangen", erklärte der Staatsanwalt. Haas warf G. die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor.

Kein Nazi

"Dieser Mann war definitiv kein Mitglied des ,Objekt 21’. Er ist kein Nazi – sondern ein Kaufmann, der irgendwann in eine Branche gewechselt ist, in die er nicht hätte wechseln sollen", sagte Verteidiger Nikolaus Rast. Im Rotlichtmilieu würden aber andere Sitten herrschen. "Dort wird nicht lang gefackelt, da geht man nicht glimpflich miteinander um." Der 53-Jährige habe das am eigenen Leib zu spüren bekommen und sich schützen wollen.

G. soll Störaktionen bei Mitbewerbern in Auftrag gegeben haben. Unter anderem gab es einen Buttersäureanschlag auf ein Bordell in Wien, es wurden giftige Skorpione ausgesetzt und einem Geschäftspartner sollten die Kniescheiben zertrümmert werden. Auf einen bekannten Wiener Saunaclub wurden drei Brandanschläge sowie eine Bitumenattacke auf die Fassade verübt. Bei der dritten Brandlegung ist das Gebäude vollständig vernichtet worden. Für diese Tat soll G. auch extra ein Fluchtmotorrad bereitgestellt haben.

"Mein Mandant bekennt sich wie schon im Vorverfahren zu allen Vorwürfen schuldig. Er hat mit der Polizei zusammengearbeitet und bereits einen erheblichen Teil des Schadens gutgemacht", betonte Verteidiger Rast. Er appellierte an das Gericht, das im Urteil zu würdigen. "Hier spricht alles dafür, eine Strafe ganz, ganz unten (Strafrahmen: Ein bis zehn Jahre) anzusiedeln. G. habe die "Objekt 21"-Leute nur als Schutztruppe engagiert und nicht, weil er Neonazis fördern wollte.

Der Staatsanwalt verzichtete auf die Einvernahme der 14 geladenen Zeugen. G. hatte das Schlusswort: "Ich werde in Zukunft auch alles andere gutmachen, aber dafür muss ich arbeiten können."

Nicht rechtskräftig

Das Urteil: Fünf Jahre Haft – nicht rechtskräftig. Als mildernd wurde gewertet, dass der Angeklagte unbescholten und geständig war und Teile des Schadens ersetzt hatte. Drei Privatbeteiligten wurden aber noch Schadenersatzzahlungen in Höhe von insgesamt 660.000 Euro zugesprochen. G. verzichtete auf weitere Rechtsmittel und nahm die Strafe an, Haas gab keine Erklärung ab.

Rechtsanwalt Rast schien zufrieden: "Ein hartes, aber faires Urteil."
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Kurier 22.04.2014
Urteil Rechtskräftig

Auszug aus dem Artikel

...Im Zusammenhang mit dem Rotlicht-Netzwerk hat es schon mehrere Verurteilungen gegeben. Vor knapp zwei Wochen fasste in Wels der voll geständige Auftraggeber der Brandstiftungen, ein 53-jähriger ehemaliger Bordellbetreiber, fünf Jahre Haft aus. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.
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