Van Goch Archiv 📰

Goch
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Eröffnung

#2

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RP 14.09.2006
Die „Blaue Lagune“ kommt nach Goch

„Der Countdown läuft für den exclusivsten FKK-Saunaclub in Goch“. So steht es auf der lagunenblauen Internetseite, die schon freigeschaltet ist. „Demnächst“ wird an der Benzstraße im Gewerbegebiet Goch-West „FKK van Goch“ eröffnen. Der Name steht fest. Und es steht auch fest, dass es sich nicht um einen kleinen Betrieb handeln wird. „Auf 1500 Quadratmetern erfüllen sich Ihre erotischen Träume“, versprechen die Inhaber, die in Gladbeck bereits einen „Saunaclub – FKK-Club“ betreiben. Da gibt es, weist die Internetseite aus, mittwochs und freitags Massagen – samstags Buffet – Donnerstags Strapsparty“.

Und weiter: „Unsere Kunden besuchen die ,Blaue Lagune’ hauptsächlich, um Wellness und Entspannung mit einem erotischen Kick zu verbinden. Unsere Saunalandschaft und der Wellnessbereich mit Whirlpool stehen Ihnen über die gesamte Öffnungszeit zur Verfügung. Aufgeschlossene junge Damen freuen sich, Sie begrüßen zu dürfen.“

Fürs Gocher Industriegebiet haben sich die Betreiber wohl wegen der verkehrsgünstigen Lage entschieden.
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Sexsteuer

#3

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RP 06.12.2012
Bordell-Chefin: "Wir müssen nicht zahlen"

Ulla Oberender, Inhaberin des Clubs "FKK van Goch", hegt größte Zweifel daran, dass sie für ihren Betrieb überhaupt die "Sex-Steuer" bezahlen muss. Als Unternehmerin habe sie in unterschiedlichen Kommunen schon ganz unterschiedliche Erfahrungen mit einer solchen Steuer gemacht. "Und ich bin mir sicher, dass wir unter die so genannte Sex-Steuer mit unserem Betrieb in Goch überhaupt nicht fallen", sagte sie im RP-Gespräch.

Ulla Oberender hat ein erst vor kurzem gefälltes Urteil eines baden-württembergischen Gerichtes zur Hand, nach dem Bordellbetriebe nicht ohne weiteres unter diesen Begriff gefasst werden könnten. Die genaue Klärung der Gocher Steuer-Frage werde sie dann gegebenenfalls ihren Juristen überlassen. Außerdem sieht sie die Steuergerechtigkeit durch die "Gocher Regelung" mehr als gefährdet.

"Es ist nicht einzusehen, dass von dieser Satzung auf dem Gebiet der Stadt Goch gerade mal zwei Betriebe betroffen sein sollen. Ich rate denjenigen, die so etwas beschließen, mal in den ,Stadtspiegel' oder vergleichbare Publikationen zu schauen. Da werden sie dann ganz schnell noch mindestens 30 andere, private Betriebe finden, von denen dann auch eine solche Steuer kassiert werden müsste."

Eine Auseinandersetzung wird Ulla Oberender im Ernstfall auch öffentlich führen. "Damit habe ich keine Probleme", so die Unternehmerin, "ganz im Gegenteil." Stimmt. Schon viele Folgen der RTL2-Serie "Rotlicht-Experten im Einsatz" zeigten Ulla Oberlender. Für das Reality-Format testet und berät sie Betriebe der besagten Rotlicht-Branche. "Wenn der Puff verstaubt ist und die Kunden nicht mehr kommen, rufen verzweifelte Bordellbesitzer die Experten zu Hilfe. ,Exklusiv — die Reportage' begleitet Ulla Oberender gemeinsam mit Michael Beretin bei ihrer außergewöhnlichen Mission", so RTL2 selbst über diese Reihe. "Die beiden Profis wissen, worauf es ankommt, wenn der Laden brummen soll", so RTL2.
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Van Goch vergrößert

#4

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NRZ 09.05.2014
In Goch öffnet NRWs größtes Bordell

Sauna-Club baut die Halle des Elektrofachhandels um
Zur „super pompösen Lustmeile“, dem wohl größten Bordell in NRW verdoppelt Ulla Oberender in Goch ihren „FKK van Goch“-Saunaclub an der Benzstraße aus, 2000 qm kommen hinzu für Groß-Sauna, 28 Zimmer und ein luxuriöses Obergeschoss. Kunden bekommen Buffet mit Stangenspargel und Fußball auf Großleinwand. „In vier Wochen soll Eröffnung sein“, sagt Oberender der NRZ. Sie und ihr Ehemann Johannes kauften dafür die Halle, in der zehn Jahre lang der Elektrofachhandel von Josef Thonnet ihr Nachbar war.

„Es ist ein sauberes Unternehmen, ein guter, seriöser Betrieb“, sagt der lokale CDU-Politiker Josef Thonnet auf NRZ-Anfrage. „Es gab nie Krawalle, die ganze Nachbarschaft ist zufrieden. Es sei schließlich auch ein guter Steuerzahler, gibt er zu bedenken. Die Stadtverwaltung hat keine Einwände: „Hier wurde nur der Bestand eines genehmigten Gewerbes vergrößert“, so Sprecher Torsten Matenaers.

Prostituierte aus EU-Staaten brauchen keine Arbeitserlaubnis, „bei den Damen aus karibischen Ländern achten wir auf die Aufenthaltserlaubnis“, so Chefin Oberender. 50 Frauen – viele aus Osteuropa – bieten sexuelle Dienstleistungen. Jede hat einen Gewerbeschein, ist offiziell „selbstständig“ und zahlt „Eintritt“, um die Zimmer zu nutzen. Scheinselbstständigkeit hatte bei einem Emmericher Bordell zum Gerichtsprozess geführt. Staatsanwalt Günter Neifer sagt auf NRZ-Anfrage, dass man allgemein „sämtliche im Kreis ansässigen Bordelle“ im Blick halte.
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RP 11.05.2014
Riesen-Bordell eröffnet in Goch neu

Das "FKK van Goch" an der Benzstraße wird umgebaut und erweitert. Der Betrieb nutzt zukünftig auch das Gebäude, das bisher dem CDU-Vorsitzenden Josef Thonnet gehörte. Chefin Ulla Oberender: "Größter Saunaclub in ganz NRW."

An der Benzstraße im Gocher Gewerbegebiet herrscht derzeit reges Treiben. Die ehemalige Werkstatt der Firma Thonnet wird kernsaniert, der neue Besitzer ist der bisherige Nachbar: Das Bordell "FKK van Goch". Im Januar hat das Haus bereits den Besitzer gewechselt. "Einen Käufer zu finden, war generell nicht das Problem. Da gab es genug Interessenten", sagt Kaufmann und CDU-Parteivorsitzender Josef Thonnet. Nach einigen Verhandlungen hätte man sich nun für den Verkauf an den Erotik-Betrieb entschieden. "Auch aufgrund der guten nachbarschaftlichen Beziehungen, die wir zu Familie Oberender haben", sagt Thonnet.

Das Ehepaar Ulla und Johannes Oberender leitet den Betrieb. Über den genauen Kaufpreis hat man Stillschweigen vereinbart. Zu den bisherigen 1500 Quadratmetern im Bordell kommen jetzt noch einmal etwa 2000 Quadratmeter hinzu. 14 neue Zimmer inklusive eines großzügigen - und blickdicht abgeschirmten - Außenbereichs. "Damit sind wir der größte Saunaclub in ganz Nordrhein-Westfalen und einer der größten in Deutschland", sagt Ulla Oberender. Die Chefin kennt gut sich in der Branche aus - besucht für ein Format des Privatsenders RTL II andere Bordelle in Deutschland, denen es wirtschaftlich nicht so gut geht, wie dem "FKK van Goch". In dem Haus selbst erinnert praktisch nichts mehr an die ehemalige Nutzung durch die Firma Thonnet. Goldene Mustertapeten dominieren jetzt das Bild, auch die Einrichtung wurde komplett ausgetauscht.

Zu den 15 Frauen, die bisher in dem Saunaclub gearbeitet haben, kommen jetzt noch einmal zehn weitere dazu. Alle im Alter zwischen 21 und 41 Jahren, alle haben ein eigenes Gewerbe angemeldet. "Die Nachfrage ist groß. Ich könnte noch einmal 25 Frauen aufnehmen. Aber so viel Platz haben wir nicht", meint die Chefin. Auch wenn die Gästezahlen ein Betriebsgeheimnis bleiben: "Wir haben stetig steigende Zahlen", sagt Ulla Oberender.

Das liege auch am guten Ruf, den sie und das Haus genießen. "Wir wollen Transparenz, um zu zeigen, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht. Menschenhandel ist seit der Öffnung der Grenzen ein größer werdendes Problem in der Branche, auch an der Hygiene scheitert es oft", sagt die Chefin. Sie möchte zeigen, dass es in Goch anders - nämlich viel besser - läuft. Alle zwei Wochen kommt ein Gynäkologe, um die Frauen zu untersuchen. Und: "Sogar Sternekoch Klaus Küster kocht für uns", erzählt Oberender. Diesen kennt man normalweise aus dem Weezer Ausflugslokal "Jan an de Fähr". Man setze an sich selbst eben die höchsten Ansprüche. "Das ist nicht der Großteil der Branche, der so arbeitet", meint die Chefin.

Seitens der Stadt hat es keine Einwände gegen die Vergrößerung des Betriebs an der Benzstraße gegeben. "Das war ein normales Genehmigungsverfahren wie jedes andere auch", meint Stadtsprecher Torsten Matenaers. Die Anfrage für eine Nutzungsänderung des Gebäudes sei regulär bearbeitet worden. "Da müssen natürlich Dinge wie Brandschutz berücksichtigt werden. Von unserer Seite war aber alles rechtens", erklärt Matenaers. Warum auch nicht: "Wir sind schließlich eine Genehmigungs- und keine Verhinderungsbehörde", sagt er.

Auch die gebürtige Gelsenkirchenerin Ulla Oberender betont, wie zufrieden sie mit dem Standort ist. "Die Stadt Goch ist sehr kooperativ. Genauso wie die Polizei oder die Feuerwehr", meint die Chefin. "Da überlegt man schon, ob man hier nicht ganz sesshaft wird." Auch die Sexsteuer, die zwischenzeitlich die Gemüter erhitzte, hat sich mittlerweile längst etabliert. Drei Euro pro angefangenen zehn Quadratmetern Betriebsfläche nimmt die Stadt Goch - Sanitäranlagen ausgenommen. Mit der Vergrößerung des Betriebs nimmt die Stadt also automatisch auch mehr Steuern ein.

Seit 2006 befindet sich "FKK van Goch" an der Benzstraße. Ganz bewusst habe man damals eine Immobilie im Gewerbegebiet gesucht, betont Ulla Oberender. "Bordelle in Wohngebieten sollten meiner Meinung nach verboten werden. Das hat auch etwas mit Kinder- und Jugendschutz zu tun", meint die Chefin. Es dürfe nicht sein, dass sich Schulen oder Kindergärten in direkter Nachbarschaft befänden. "Aber auch das kommt vor", sagt sie.
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NRZ 12.05.2014
Bordell in Goch wird verdoppelt und ist damit größtes Freudenhaus in NRW

Goch. . Der Saunaclub „FKK van Goch“ wird um 2000 Quadratmeter mehr als verdoppelt. Künftig gibt es dort 28 Zimmer für bald 50 Damen. Damit wird das Bordell im niederrheinischen Goch das größte Freudenhaus in NRW. In vier Wochen ist Eröffnung. Alle Nachbarn seien zufrieden, heißt es. „Es ist ein seriöser Betrieb.“

Zu „einer super pompösen Lustmeile, der größten in NRW“ und einer der größten in Deutschland, macht Ulla Oberender den Saunaclub „FKK van Goch“ an der Benzstraße. Er wird um 2000 Quadratmeter mehr als verdoppelt auf 28 Zimmer für bald 50 Damen. Dafür kaufte sie die Halle, in der zehn Jahre lang der Elektrofachhandel von Josef Thonnet ihr Nachbar war. Mit ihrem Ehemann Johannes baut sie alles um. „In vier Wochen soll Eröffnung sein“, sagt sie unserer Redaktion auf Anfrage. Gäste aus NRWs Rotlichtszene und den Niederlanden werden erwartet.

„Es ist ein sauberes Unternehmen, ein guter, seriöser Betrieb“, sagt der CDU-Politiker Josef Thonnet auf Anfrage. „Es gab nie Krawalle, die ganze Nachbarschaft ist zufrieden. Das darf man nicht anders sagen. Die Oberenders sind tolle Leute“. Die Scheinheiligkeit jener Leute, die ihr Wissen um Prostitution aus dem „Tatort“ haben, spielt in der Kleinstadt keine Rolle, in der man mit den Damen Tür an Tür lebt. Arbeiten in einem Freudenhaus „geht auch anders als oft dargestellt“, so die Chefin. Die Gynäkologin geht ein und aus. Elektriker warten regelmäßig Waschmaschinen und Trockner im Saunabereich. Der Sterne-Koch Klaus Küster (Restaurant Jan an de Fähr“) bestückt ein Buffet. Josef Thonnet hat sich angeschaut, was aus der früheren Elektrohalle, jetzt verpackt in Goldtapete, wurde. Der Betrieb sei schließlich auch ein guter Steuerzahler, gibt er zu bedenken.

Das Bauvoranfragen ist laufendes Geschäft der Verwaltung. „Hier wurde nur der Bestand eines genehmigten Gewerbes vergrößert“, sagt Stadtsprecher Torsten Matenaers. Es mussten fürs Etablissement Brandschutz, Baurecht, Nutzungsrecht eingehalten werden.

Mit Gewerbeschein
Prostituierte brauchen keine Arbeitserlaubnis, wenn sie aus EU-Staaten kommen. „Und bei den Damen aus karibischen Ländern achten wir auf die Aufenthaltserlaubnis“, so Chefin Oberender. An der Stelle ist die Kreisverwaltung involviert. „Unsere Mädels kommen aus Russland, Ungarn, der Ukraine, Rumänien, Bulgarien, Deutschland, Polen, Thailand“. Manche habe inzwischen hier eine eigene Wohnung und den Führerschein gemacht. Jede hat einen Gewerbeschein, ist offiziell „selbstständig“ und zahlt „Eintritt“ ins Haus, um die Zimmer zu nutzen, und behalte die Einnahmen ihrer sexuellen Dienstleistung im eigenen Portemonnaie.

Die Konstruktion von Scheinselbstständigkeit hatte im Januar bei einem Emmericher Bordellbetrieb zum Gerichtsprozess geführt. „Leider gibt es sowas in der Branche“, räumt Ulla Oberender ein. Bei ihr in Goch laufe alles korrekt. Auf Anfrage unserer Redaktion nach kritischen Bemerkungen zum Unternehmen, das seit zehn Jahren in Goch existiert, kann Staatsanwalt Günter Neifer nur sagen, dass man allgemein „sämtliche im Kreis ansässigen Bordelle“ im Blick halte.

Der Fernsehsender RTL 2 hatte vorige Woche eine dreiviertel Stunde Reportage über den Umbau gesendet. Diese Woche wird jene Folge gezeigt, in der die Gocher Feuerwehr zum Einsatz kommt – extra mit Blaulicht und Sondergenehmigung für die Filmarbeiten. Es soll eine dritte Reportage gedreht werden.
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Bericht

#5

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RP 17.05.2014
Im Fernsehen: Feuerwehr von Goch übt im Bordell

Eine Übung der Gocher Feuerwehr an einem eher ungewöhnlichen Einsatzort konnten am späten Donnerstagabend Fernsehzuschauer in ganz Deutschland mitansehen.

Im Rahmen des Formats "Exklusiv - die Reportage" begleitet der Fernsehsender RTL II die Leiterin des Saunaclubs "FKK van Goch", Ulla Oberender, bei der Erweiterung ihres Betriebs (RP berichtete). Nun hatten auch die Einsatzkräfte der Gocher Feuerwehr rund um ihren Chef Georg Binn einen großen Auftritt.

"Wir sind von Frau Oberender gefragt worden, ob wir die Übung vor laufenden Kameras durchführen wollen", erzählt Georg Binn. Kurzfristig hätten 25 bis 30 Feuerwehrleute zugesagt. Bei laufendem Betrieb des Bordells sind die Einsatzkräfte dann in das Haus eingerückt. Die simulierte Gefahrenlage: Starke Rauchentwicklung.

Auf der einen Seite also Feurwehrleute mit voller Montur und Atemschutz, auf der anderen Seite die Frauen und Besucher des Saunaclubs. "Da gab es überhaupt keine Berührungsängste", sagt Binn. Die Übung sei auch wichtig, weil man sich nun im Ernstfall besser in den Räumlichkeiten zurechtfinde, meint der Feuerwehrmann. "Wir hatten natürlich schon Bedenken, wie das im Fernsehen dargestellt wird. Wir sind aber hochzufrieden damit", sagt Binn.
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Reportage 🎦

#6

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Reportage: Van Goch
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Razzia Nr. 1 🚨

#7

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RP 17.06.2016
Razzia im Van Goch

1. Razzia .
140 Beamte durchsuchten den Erotikclub "FKK van Goch". Der Verdacht Schleusertätigkeit und Steuerhinterziehung Eine Spur führte auch auf den Campingplatz Am Brahmberg, wo die Betreiber eine Hütte besitzen.

Das Bordell "FKK van Goch" im Industriegebiet ist Mittwoch bis in die Abendstunden von der Bundespolizei Kleve, der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls Emmerich und der Steuerfahndung Düsseldorf im Auftrag der Staatsanwaltschaft Kleve durchsucht worden. Um 15.45 Uhr hatte die Razzia begonnen, an der 140 Mitarbeiter der verschiedenen Behörden beteiligt waren.

Die Betreiber des Bordells, das Ehepaar Oberender, stehen in Verdacht, eingeschleuste Ausländerinnen aus Nicht-EU-Ländern zur Prostitution in ihrem Betrieb zu beschäftigen. Neben dem banden- und gewerbsmäßigen Einschleusen von Ausländern wird ihnen auch Steuerhinterziehung und das Vorenthalten von Arbeitsentgelt vorgeworfen. Denn die Damen waren bei den Behörden "so nicht angemeldet", wie ein Vertreter der Staatsanwaltschaft im RP-Gespräch sagt.

Neben dem Betreiberehepaar waren 16 Frauen in dem Bordell, die offenbar in dem Saunaclub arbeiten. Dabei handelt es sich um neun Rumäninnen, fünf Bulgarinnen und eine Deutsche. Eine weitere Prostituierte, vermutlich mazedonische Staatsangehörige, hat sich mit einer gefälschten bulgarischen Identitätskarte ausgewiesen. Sie hält sich seit 2009 unerlaubt im Bundesgebiet auf. Bei der Durchsuchung wurden zahlreiche Beweismittel, die für das Strafverfahren von Bedeutung sein können, gefunden und beschlagnahmt.

Zudem fanden die Beamten ein Wurfmesser, eine Schlagwaffe, ein verbotenes Elektroimpulsgerät und eine Softair-Waffe, die jeweils einen Verstoß gegen das Waffengesetz darstellen. Auch größere Mengen Bargeld wurden entdeckt. Die Banknoten sowie weitere Vermögenswerte werden zur Sicherung des entstandenen Steuer- und Sozialabgabenschadens gesichert. Dieser Schaden wird auf 2,7 Millionen Euro geschätzt.

Derzeit laufen die Vernehmungen der Beschuldigten und Zeugen. Die Beweismittel und erste Aussagen belasten die Betreiber des FKK-Clubs zum Teil erheblich. Im Fokus der Ermittlungsbehörde steht auch ein türkischer Staatsangehöriger, der für den Bordellbetrieb tätig sein soll. Nach Angaben der Bundespolizei hat er offenbar den Betrieb geführt. Den Mann hatte man bis Mittwochabend noch nicht gefasst.

Das "FKK van Goch" war von Ulla Oberender als der "Größte Saunaclub in NRW" bezeichnet worden. Die Betreiber sind Mitglied im Werbering der Stadt und hatten die Erweiterungsfläche seinerzeit vom damaligen CDU- Parteivorsitzenden Josef Thonnet erworben. Von außen weisen die Schriftzüge "FKK van Goch" und die Gips-Löwen vor der Tür darauf hin, dass in dieser biederen Umgebung wohl ein Stück Rotlichtmilieu zu Hause ist. Ein "einmaliges Domizil der Lust", wie die Betreiber auf ihrer Internetseite schreiben.

Die wenigen Nachbarn und die dort Arbeitenden lässt das kalt. Eine Frau beteuert, die Betreiber der Anlage seien freundliche Leute, die ihr noch nie Probleme bereitet hätten. Die Musik sei schon mal laut gewesen, und ein-, zweimal war nach Streitereien auch schon mal die Polizei da. Aber ansonsten habe man keinen Grund zur Klage.

Auf der Homepage des Clubs werden Frauen aus Marokko, Russland, Indien, Thailand und der Türkei vorgestellt. Die Staatsanwaltschaft lässt prüfen, ob einige von ihnen illegal nach Deutschland geschleust wurden. Der Großteil der Damen scheint aber aus Rumänien und Bulgarien zu stammen. Für die Befragung dieser Frauen standen gestern etliche Dolmetscherinnen im Nieselregen vor dem Club. In Polizei-Bussen wurden einige von ihnen zur Vernehmung in umliegende Wachen gefahren. Umfangreiche Anschlussermittlungen, so die Bundespolizei, werden die Behörden noch lange beschäftigen.

Auf richterliche Anordnung wurde die Durchsuchung eines weiteren Objektes in Emmerich angeordnet. Die Maßnahme dauert am Mittwochabend ebenfalls noch an. Drei Beamte und ein Staatsanwalt schauten sich auf dem Campingplatz Am Brahmberg in Elten um. Auf der Anlage an der Wild gehört dem Betreiberpaar eine "komfortable Hütte", wie die Bundespolizei erklärte. Sie diente lediglich dem Wohnzweck. Prostitution fand hier nicht statt.

Die Beamten durchsuchten das Objekt in der Hoffnung darauf, weiteres Material zu finden, das Hinweise auf den Betrieb in Goch und geschäftliche Verbindungen enthält. Ob die Beamten dabei fündig geworden sind, teilte die Bundespolizei nicht mit.
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RP 17.06.2016
Besitzerin von Sauna-Club wehrt sich gegen Vorwürfe

Nach der Razzia im "FKK van Goch" erklärt die Betreiberin des Bordells, dass alle gegen sie erhobenen Vorwürfe haltlos seien. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft hat aber belastendes Material gefunden.

"Am Tag der Razzia hatten wir geschlossen. Heute läuft der Betrieb wieder", sagte Ulla Oberender, die seit gut neun Jahren den Bordellbetrieb "FKK van Goch" führt, gestern. Die 55-Jährige ist keine Unbekannte in dem Gewerbe. Immerhin war sie in etlichen Sendungen für den Fernsehsender RTL II als Rotlicht-Expertin unterwegs. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Oberender: "Wir haben nichts Unrechtes getan. Die Vorwürfe sind falsch. Ich werde gegen das Vorgehen der Behörden klagen, denn die Aktion war eindeutig ruf- und geschäftsschädigend."

Nach Aussage der Klever Staatsanwaltschaft stehen die Betreiber im Verdacht, Frauen zur Prostitution nach Deutschland gebracht zu haben. Neben dem Vorwurf der banden- und gewerbsmäßigen Schleusung wird ihnen auch Steuerhinterziehung vorgeworfen. "Wir haben keine Frauen eingeschleust. Alle, die hier arbeiten, sind freiwillig zu uns gekommen. Uns wird vorgeworfen, dass wir von den Frauen Geld kassieren. Das stimmt nicht, jede Prostituierte behält ihren Verdienst. Aber das kann sich der Staatsanwalt auf den Videos selbst anschauen. Er hat ja alle Rechner mitgenommen", betont Oberender.

Sie selbst verdiene nur durch den Eintritt und habe nicht einen Euro Steuerschulden, betont die Blondine. Im vergangenen Jahr seien 80.000 Euro Steuern ans Finanzamt überwiesen worden, so die Betreiberin, die erklärt: "Ich sammle die Gelder nur ein und leite diese ans Finanzamt weiter."

Der entstandene Schaden durch hinterzogene Steuern und nicht geleistete Sozialabgaben wird von der Staatsanwaltschaft auf 2,7 Millionen Euro geschätzt. Bei der Razzia hatten die Ermittler 28.000 Euro Bargeld sichergestellt. Diese, sowie weitere Vermögenswerte, wurden nach Angaben der Bundespolizei zur Sicherung des entstandenen Steuerschadens gesichert.

Was die Herkunft der Frauen betrifft, so könne es durchaus sein, dass sie aus anderen Ländern stammen, als sie es selbst angeben. Oberender erklärt dies so: "Das wird oft aus verkaufstaktischen Gründen gemacht." Auch was das Thema Waffen-Funde betreffe, sei die Darstellung der Bundespolizei nicht richtig, so die 55-Jährige. "Es ist nur eine Schreckschusspistole gefunden worden. Die habe ich völlig legal gekauft und einen kleinen Waffenschein dafür beantragt. Ich brauche sie nur, wenn ich die Tageskasse zur Bank bringe."

Trotz der im Raum stehenden hohen Schadenssumme muss Ulla Oberender nicht in Untersuchungshaft. Der Sprecher der Klever Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Günter Neifer, erklärt dazu, dass in derartigen Fällen man grundsätzlich sowohl Flucht- als auch Verdunkelungsgefahr annehme. "Die Beschuldigte hat jedoch in der Vergangenheit außerordentlich gut mit den Behörden zusammengearbeitet und auch in anderen Strafverfahren Aufklärungshilfe geleistet", sagt Neifer.

Zudem sei sie bei den Maßnahmen am Mittwoch ebenfalls sehr kooperativ gewesen. "Daher geht die Staatsanwaltschaft in diesem Fall ausnahmsweise davon aus, dass sich die Beschuldigte dem Strafverfahren stellen wird", betont Neifer.

Hinsichtlich des Verdachts der Beitragsvorenthaltung und Steuerhinterziehung haben die Ermittler durch die Razzia wertvolle Beweismittel gesichert. Für die Ermittler ist es wichtig, Belege zu finden, die darauf hinweisen, dass die Prostituierten in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis arbeiteten. Und diese wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch gefunden.

Prostituierte bestätigten in den Vernehmungen, dass Strafgelder für das Nichtbeachten von Regeln verhängt wurden. Aufstellungen, in denen Umfang und Preise der einzelnen sexuellen Leistungen detailliert aufgelistet waren, seien ebenfalls sichergestellt worden, so Neifer.

Abgeschlossen sind die Ermittlungen nicht. Es folgen noch eine Reihe von Vernehmungen. Auch müssten die aufgefundenen Beweismittel noch ausgewertet werden.
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Razzia Nr. 2 🚨

#8

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RP 21.09.2017
Zollfahndung durchsucht Bordell in Goch

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Der Zoll hat ein Bordell in Goch durchsucht. Die Tatvorwürfe gegen die Besitzer: Steuerhinterziehung und Sozialversicherungsbetrug. Die Beamten stellten Wertgegenstände sicher, mit denen die Ansprüche des Finanzamts bedient werden sollen.

Morgens um neun parken nur selten Fahrzeuge auf den gekennzeichneten Flächen vor dem Betrieb "FKK van Goch". Wobei die Gäste ihre Fahrzeuge vermutlich ohnehin lieber in der weiteren Nachbarschaft abstellen. Am Mittwoch jedoch war an der Benzstraße vor dem Komplex, der ein regional bekanntes Großbordell ist, ordentlich was los. Und drinnen wohl noch mehr, denn 50 Zollbeamte, sechs Steuerfahnder, drei Staatsanwälte und ein Geldspürhund durchforsteten die Räume auf der Suche nach Wertgegenständen.

Anders als vor 15 Monaten war der Tatvorwurf, den die Staatsanwaltschaft zum Anlass der Aktion nutzte, nicht Schleusung von Illegalen, diesmal ging es um Abgabedelikte. Das Betreiberpaar des "Sauna-Clubs" soll Lohn- und Umsatzsteuer hinterzogen und Sozialbeiträge nicht abgeführt haben.

In demselben Verfahren waren bereits im Juni 2016 umfangreiche Durchsuchungen erfolgt und Beweismittel sichergestellt worden. Wie Staatsanwalt Hendrik Timmer erklärte, hatte die Beschuldigte gegen den damaligen Arrestbeschluss Beschwerde eingelegt - das Landgericht gab ihr Recht. Die Richter sahen keine Gefahr, dass das Vermögen verschoben werden könnte. Das wiederum wollte die Klever Staatsanwaltschaft nicht hinnehmen und legte ihrerseits Beschwerde ein. Mit dem Ergebnis, dass das Oberlandesgericht den ursprünglichen Beschluss erneut in Kraft setzte und nun erlaubte, die Vermögenswerte aus dem Bordellbetrieb zu sichern.

"Es geht um legale Werte wie Bargeld, Autos, Schmuck, Dekorationen, Möbel oder teure Getränke", erklärte Staatsanwalt Timmer. Eben alles, was veräußert werden könnte, um aus dem Erlös die Ansprüche von Finanzamt und Krankenkassen zu bedienen. Lastwagen mehrerer Speditionen tauchten vor dem Bordell auf, um die Gegenstände entgegenzunehmen, weg zu transportieren und an einen sicheren Ort zu bringen. Ein Klever Schlüsseldienst hatte zuvor Schlösser des Bordells aufgebrochen, Männer des Technischen Hilfswerks (THW) sorgten in der eher schummrigen Umgebung der Bar-Räume für eine gute Beleuchtung, damit die potenziellen Wertgegenstände der Beschuldigten im Inneren auch gefunden wurden.

Die Bordellchefin, die den Gocher Betrieb seit zehn Jahren führt und auch im Privatfernsehen als Rotlicht-Expertin bekannt ist, hat den Vorwurf der gewerbsmäßigen Schleusung immer abgestritten. Im RP-Gespräch hatte sie damals betont, dass alle im "FKK van Goch" arbeitenden Frauen freiwillig zu ihr gekommen seien. Da sie kooperierte, wurde die Geschäftsfrau bisher nicht festgenommen. Tatsächlich gehe es diesmal nicht um illegale Beschäftigung; allerdings gehen die Meinungen darüber auseinander, was selbstständige Arbeit und was ein Angestelltenverhältnis ist.

Sieben Frauen aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn seien am Morgen in dem Haus vorgefunden worden. Da der Betrieb täglich erst um elf Uhr beginnt und spät in der Nacht endet, sollten Freiberuflerinnen am frühen Morgen eher nicht an ihrem Arbeitsplatz sein. Nach damaligen Angaben der Staatsanwaltschaft hätten Prostituierte bei den Befragungen im vergangenen Jahr bestätigt, dass sie nach einem Katalog mit klar definierten sexuellen Leistungen arbeiteten und Strafen für das Nichtbeachten von Regeln zu zahlen hätten. Beides sind offenbar Indizien für ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis.
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Prozess Tag 1
RP 12.08.2020
Gocher Saunaclub-Betreiber vor Gericht

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Das Ehepaar, das den Saunaclub „FKK van Goch“ betreibt, muss sich seit Dienstag am Klever Landgericht verantworten. Es geht um 1,9 Millionen Euro. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung und Vorenthalten von Sozialversicherungsbeiträgen.

An der Benzstraße in Goch steht der selbstbezeichnend größte Saunaclub Nordrhein-Westfalens. „FKK van Goch“ heißt das Etablissement, das weniger durch seine Sauna, als durch seine Dienstleistungen besticht: Dort gibt es Sex gegen Bezahlung.

Doch der Club hat schon bessere Zeiten erlebt: Seit März steht der Betrieb still – Corona hat die Rotlichtbranche brutal getroffen. Und nicht nur das, auch Ärger mit der Justiz hat das Betreiberehepaar. Am Dienstag begann ein Strafprozess gegen den 56-jährigen Inhaber und dessen 59-jährige Ehefrau am Klever Landgericht.
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Staatsanwalt zog bereits gegen Bordell vor Gericht

Staatsanwalt Timmer bringt nicht zum ersten Mal Bordellbetreiber vor Gericht. 2012 klagte er den Betreiber des Fun Garden in Emmerich an, auch wegen Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Der Betreiber wurde zu fünf Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.
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So schillernd wie das Gewerbe ist, so allerweltlich ist der Anklagevorwurf der Klever Staatsanwaltschaft im Verfahren: Es geht um Steuerhinterziehung und das Vorenthalten von Sozialabgaben von 2010 bis 2016. Den Gesamtschaden beziffern die Ankläger auf rund 1,9 Millionen Euro.

Laut Staatsanwalt Hendrik Timmer, der am Dienstag die Anklage vortrug, führte der Betrieb zwar Abgaben ab – aber bei Weitem nicht in ausreichender Höhe. Denn die Prostituierten, die im Gocher Saunaclub ihrer Arbeit nachgingen, seien zwar laut den Betreibern selbständig gewesen – und unter Annahme dessen verpflichtet, den Großteil der Abgaben selbst zu leisten. Faktisch seien die Frauen aber Bedienstete des Clubs gewesen. Deswegen hätte dieser als Arbeitgeber auch die Gelder abführen müssen.

Gegen eine tatsächliche Selbständigkeit spreche etwa, dass die Prostituierten feste Arbeitszeiten gehabt hätten. „Es gab einen Arbeitsplan, der streng eingehalten werden musste. Wer früher ging, musste ein Strafgeld zahlen“, sagte Timmer. Auch Verhaltensregeln habe es gegeben: So sei Kaugummikauen verboten gewesen, ebenso wie das Einhüllen in Decken oder das Tragen von Flipflops. Prostituierte gleicher Nationalität hätten im Club nicht zusammensitzen dürfen – und Handys seien auch nicht erlaubt gewesen. Auch die Preise seien vorgegeben gewesen: So hätten beispielsweise 60 intime Minuten mit einer der Damen 90 Euro gekostet, diverse Extraleistungen bis zu 50 Euro. „Die Angeklagten missbrauchten ihr Gewerbe“, sagte der Staatsanwalt.

Anders sehen das freilich die Betreiber – der 56-jährige Inhaber also, ein früherer Trockenbauunternehmer, und dessen 59-jährige Ehefrau, die den Saunaclub laut Staatsanwaltschaft im Tatzeitraum faktisch führte. Die Verteidiger des Ehepaares gaben am Dienstag eine gemeinsame Erklärung ab. Tenor: Die Prostituierten seien nicht im Sinne eines Arbeitnehmerverhältnisses im Gocher Saunaclub tätig gewesen, sondern tatsächlich als Selbständige.

„Der sogenannte Dirnenlohn verblieb vollständig bei den Prostituierten“, sagte Ulrich Bauschulte, Verteidiger der 59-Jährigen, am Dienstag. Die Entscheidung, welche Dienstleistung zu welchem Preis durchgeführt wird, habe ausschließlich bei den Damen gelegen, die ausgehängte Preisliste sei lediglich eine Richtschnur gewesen, so der Rechtsanwalt. Die Betreiber hätten von den Frauen lediglich 40 Euro täglich für die Nutzung der Zimmer verlangt.

„Vom Club wurde auch kein Druck auf die Prostituierten hinsichtlich der Arbeitszeit ausgeübt“, sagte Bauschulte. Und: „Die Prostituierten entschieden ausschließlich selbst, ob sie mit einem Kunden auf ein Zimmer gehen wollen oder nicht.“ Die 59-jährige Angeklagte wies zudem darauf hin, dass die zuständigen Finanzbeamten mehrfach ihre Auffassung bestätigt hätten, es handele sich bei den Prosituierten um selbständige Gewerbetreibende – und eben nicht faktisch um Angestellte des Saunaclubs.

Sieben weitere Termine sind für den Strafprozess vor der Wirtschaftsstrafkammer des Klever Landgerichtes angesetzt, der nächste am Freitag um 9.30 Uhr. 36 Zeugen stehen insgesamt auf der Liste, darunter zahlreiche frühere Prostituierte des Gocher Saunaclubs. Ob die großteils aus dem Ausland stammenden Zeuginnen allesamt erscheinen werden, ist nach Einschätzung der Kammer und der Staatsanwaltschaft allerdings fraglich.
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Prozess Tag 2
RP 14.08.2020
„Es war klar, dass da etwas passiert“

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Im Verfahren gegen die Betreiber des Saunaclubs „FKK van Goch“ sagten nun Finanzbeamte aus. Es geht um Abgaben in Höhe von 1,9 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft verstärkt wohl den Fahndungsdruck im hiesigen Rotlicht-Milieu.

Dass im Saunaclub „FKK van Goch“ an der Benzstraße nicht alles nach Recht und Gesetz ablaufe, sei der Finanzbehörde Kleve schon seit Jahren bekannt gewesen. „Dass da falsche Dinge laufen und etwas passiert, war klar. Irgendwann würde da jemand reinmarschieren. Wir wussten nur nicht, wann“, sagte ein Finanzbeamter am Freitagvormittag als Zeuge vor der Wirtschaftsstrafkammer im Landgericht Kleve aus.

Angeklagt ist das Betreiber-Ehepaar des Etablissements. Dem 56-jährigen Inhaber und dessen 59-jähriger Ehefrau wird Steuerhinterziehung und das Vorenthalten von Sozialabgaben zwischen 2010 und 2016 in Höhe von 1,9 Millionen Euro vorgeworfen. Die Prostituieren, die im Saunaclub arbeiteten, seien nicht, wie von den Betreibern angegeben, selbstständig gewesen. Vielmehr seien sie als Angestellte tätig gewesen. Immerhin habe es feste Arbeitszeiten, Schichtpläne und Verhaltensvorschriften gegeben – so Staatsanwalt Hendrik Timmer in seiner Anklageschrift. Auch die Preise seien vorgegeben gewesen: So hätte eine Stunde Sex 90 Euro gekostet.

Nun sagten drei Finanzbeamte aus, die seit 2006 mit dem Betrieb der Beschuldigten zu tun hatten. Ein Behördenangestellter des Finanzamts Gladbeck/Marl berichtete, dass er sich mit dem Ehepaar 2007 auf die freiwillige Teilnahme am sogenannten „Düsseldorfer Verfahren“ geeinigt habe. „Mit den Mitteln eines Betriebsprüfers hätten wir nämlich nicht nachweisen können, dass die Prostituierten sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind“, sagte der 51-Jährige. Immerhin hätten diese in Gesprächen mit Beamten immer wieder beteuert, selbstständig tätig zu sein.

Im Zuge des Düsseldorfer Verfahrens, das gesetzlich nicht geregelt ist, zahlten die Bordell-Betreiber stattdessen eine Pauschale für jede in ihrem Unternehmen tätige Prostituierte in Höhe von 15 Euro pro Tag. Die damalige Initiative der Finanzbehörden in Nordrhein-Westfalen zielte darauf ab, ein höheres Steueraufkommen aus dem Rotlicht-Milieu zu generieren. Damals betrieben die Angeklagten neben dem „FKK van Goch“ auch den Saunaclub „Blaue Lagune“ in Gladbeck.

2007 aber richteten die Angeklagten einen Hilfeschrei an die Finanzbehörden. Schließlich sei die Teilnahme an dem Verfahren zu einem echten Wettbewerbsnachteil geworden. „Die Damen wollen nicht in Goch tätig sein, da in anderen Läden im Kreis Kleve keine Steuern entrichtet werden“, erklärte die Beschuldigte damals in dem Schreiben an die Beamten. Dennoch beteiligte sich das Paar weiter an dem Besteuerungs-Modell.

Sie protokollierten, an welchen Tagen ihre Prostituierten, in den Listen mit Künstlernamen wie „Sissi“, „Gaga“ und „Vaselina“ geführt, vor Ort waren. Ein anderer Finanzbeamter aus Marl habe, so erklärte er, von dem Betrieb den Eindruck gewonnen, dass die Damen „im Normalfall relativ frei“ gewesen seien, wann und wie häufig sie arbeiten. Vor Ort war er allerdings nie.

2013 dann hätte ein Prozess gegen das Bordell Fun Fun Garden in Emmerich für einen Wendepunkt im Geschäftstreiben des Ehepaars sorgen können. Damals entschied das Landgericht, dass die mehrheitlich osteuropäischen Beschäftigten des Etablissements nicht selbständig dort gearbeitet hätten. Damit stand ein zentrales Geschäftsmodell des Sex-Gewerbes auf der Kippe. Schärfere Kontrollen des „FKK van Goch“ wären wohl folgerichtig gewesen. Ein Klever Beamter, nun als Zeuge vor Gericht, erklärte aber, „das alles erstmal so laufen gelassen“ zu haben. Schließlich würden er und seine Kollegen an das Gute im Menschen glauben.

Dennoch sei es wenig verwunderlich gewesen, dass es im Juni 2016 zu einer Razzia im Saunaclub gekommen sei. Immerhin wollte die Staatsanwaltschaft Kleve nun wohl für einen höheren Fahndungsdruck im Rotlicht-Milieu sorgen, so sein Eindruck: „Der Kreis Kleve soll wohl sauber sein“, sagte er. Daher komme es nun vermehrt dazu, dass Unternehmer des in manchen Augen „anrüchigen Gewerbes“ vor Gericht stünden.
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Prozess Tag 3
RP 19.08.2020
Razzia unterbrach Schäferstündchen

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Prozess um das FKK van Goch: Am dritten Sitzungstag sagte eine Prostituierte aus und verriet Details über die Vorgänge im täglichen Betrieb.

Mit einem Großaufgebot waren die Behörden am 15. Juni 2016 in Goch angerückt: Bundespolizei, Kreispolizei, Zoll, Steuerfahndung, Ausländeramt, Ordnungsamt, Staatsanwaltschaft – alle versammelten sich mittags an der Gocher Benzstraße, um den Saunaclub „FKK van Goch“ zu durchsuchen.

Zum Zeitpunkt der Razzia befand sich eine junge Dame namens „Vaselina“ (ein Künstlername) gerade in einem der sogenannten Verrichtungszimmer. Überrascht war sie über den unerwarteten Besuch – wohl ebenso wie der Kunde, mit dem sie sich gerade zurückgezogen hatte. Und wie das Betreiberehepaar des Saunaclubs, das sich wegen Steuerhinterziehung und Vorenthaltens von Sozialabgaben am Klever Landgericht verantworten muss. Der Anklagevorwurf: Scheinselbstständigkeit. Die Prostituierten des Clubs seien als Selbstständige geführt worden, de facto aber Angestellte gewesen. Der 15. Juni 2016 war „Vaselinas“ letzter Arbeitstag im Gocher Saunaclub, berichtet sie am Dienstag im Zeugenstand. Etwa drei Jahre habe sie dort mit Unterbrechungen gearbeitet, schätzt die heute 36-jährige Bulgarin. Die Arbeit dort sei „okay“ gewesen. Mittlerweile ist sie Hausfrau und Mutter, lebt in Duisburg.

Sie ist die einzige frühere Prostituierte des Clubs, die am Dienstag als Zeugin erscheint. Geladen waren mehr: zehn Namen stehen auf der Zeugenliste. Der Rest? Unbekannt ins Ausland verzogen, geladen und dennoch nicht erschienen oder mit Begründung verhindert, erklärt der Vorsitzende.

Die 36-Jährige sagt aus. Von zehn Uhr morgens bis ein Uhr nachts habe sie im Club gearbeitet, am Wochenende länger, bis fünf Uhr. „Wir sitzen auf der Couch, dann kommt der Kunde und wir besprechen alles mit ihm, bevor wir aufs Zimmer gehen. Wir mussten dann immer ein Zimmer suchen, das gerade frei war“, sagt sie. „Die Kunden haben danach bei uns bezahlt.“ Mit der Chefin, der heute 59-jährigen Angeklagten, habe sie wenig zu tun gehabt. Deren Mann, den mitangeklagten Clubinhaber, habe sie nur manchmal gesehen. Regeln habe es aber gegeben: „Wir mussten auf der Couch sitzen, das hat die Chefin gesagt. Wenn die Mädels zusammen an der Theke stehen, kommen keine Kunden.“ Und: „Andere Mädels haben mir erzählt, dass sie Strafe zahlen mussten, wenn sie zu spät oder gar nicht kamen.“

Auch dass es Ärger mit der Chefin gegeben habe, wenn sich die Damen privat mit Kunden trafen, habe sie von anderen Prostituierten gehört. Zahlen musste die Zeugin an die Clubbetreiber etwa 50 Euro pro Tag – ein Startgeld sozusagen. Das Geld für ihre Dienste habe sie behalten dürfen und zudem Getränkeprovision bekommen. „Der Kunde bezahlte zum Beispiel 25 Euro für einen Sekt, davon bekam ich zehn.“ Die Verhandlung wird am Mittwoch um zehn Uhr fortgesetzt.
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Prozess Tag 4
NRZ 20.08.2020
War die Preisliste verbindlich oder nicht?

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Am vierten Prozesstag um den Saunaclub „FKK van Goch“ kamen am Mittwoch zwei Prostituierte zu Wort. Ihre Aussagen waren widersprüchlich.

Der Prozess gegen das Betreiberehepaar des Saunaclubs „FKK van Goch“ könnte länger dauern als geplant. Die Wirtschaftsstrafkammer des Klever Landgerichts hielt am Mittwoch, dem vierten von ursprünglich acht angesetzten Sitzungsterminen, vorsorglich zwei zusätzliche Termine fest. Ein Grund dafür ist, dass weitere Zeugen gehört werden sollen: langjährige Kunden des Gocher Saunaclubs, die von der Verteidigung benannt wurden. Diese können laut Verteidigung bestätigen, dass die an der Benzstraße tätigen Prostituierten nicht an vom Club ausgegebene Preise gebunden waren, sondern auch abweichende Preise für ihre Dienstleistungen verlangten.

Die Frage, ob die im Thekenbereich des Saunaclubs ausgehängte Preisliste verbindlich gewesen ist, spielt mit Blick auf eine mögliche Scheinselbstständigkeit der Prostituierten eine Rolle. Sollte der Club die Preise für die Dienstleistungen vorgegeben haben, wäre das ein Indiz gegen eine Selbständigkeit der Frauen, wie sie die Clubbetreiber behaupten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Betreiberehepaar vor, die Frauen im Club als Selbstständige ausgegeben zu haben, obwohl diese tatsächlich wie Angestellte tätig gewesen seien. So sollen die Angeklagten Steuern und Sozialabgaben in Höhe von gut 1,9 Millionen Euro eingespart haben.

Zwei Zeuginnen, die am Mittwoch befragt wurden, machten zu diesem Punkt Angaben: Eine der Frauen, eine heute 31-jährige Rumänin, die mittlerweile in einer Fabrik arbeitet, sagte: „Die Preise habe ich selber gemacht. Es gab eine Preisliste, aber die war nur zur Orientierung. Niemand musste sich daran halten.“ Sie selbst habe stets mehr verlangt, so die 31- Jährige. „Das kam immer darauf an, wie ich mich mit den Kunden verstanden habe“, so die Zeugin. So habe sie mal 50 statt der ausgeschilderten 35 Euro für 20 Minuten Sex verlangt, mal 70 Euro.

Eine andere Erinnerung teilte die zweite Zeugin am Mittwoch. Als sie in Goch anfing, hätten ihr andere Prostituierte gesagt: „Das sind die Preise, die muss man nehmen und fertig.“ Ähnlich hatte es auch die erste Zeugin bei ihrer Vernehmung unmittelbar nach der Razzia 2016 noch geschildert: Die Preisliste sei bindend, und man dürfe nicht davon abweichen, hatte die 31-Jährige dem Vernehmungsbeamten erklärt. Am Mittwoch darauf angesprochen, erklärte die Zeugin: „Das lag an dem schlechten Dolmetscher. Der hat weniger verstanden als ich.“ Das Protokoll habe sie damals nach mehrstündiger Vernehmung „einfach schnell unterschrieben“.

Die Verhandlung wird am Freitag um 9.30 Uhr fortgesetzt.
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Prozess Tag 5
RP 21.08.2020
Eklat zwischen Anwälten im Rotlicht-Prozess

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Im Verfahren um das FKK van Goch gehen jetzt Staatsanwaltschaft und Verteidigung aufeinander los. Sind Zeugen zur Falschaussage angestiftet worden? Die Anklage will ein Verfahren anregen, die Anwälte reagieren empört.

Der Ton im Prozess gegen das Betreiberehepaar des Saunaclubs „FKK van Goch“ wird rauer. Im Raum steht weiter der Vorwurf der Steuerhinterziehung und des Vorenthaltens von Sozialabgaben zwischen 2010 und 2016 in Höhe von 1,9 Millionen Euro. Am Freitagvormittag gerieten die Verteidiger heftig mit der Staatsanwaltschaft aneinander. Im Streit geht es um die Zeugenaussage einer 31-jährigen Rumänin, die ebenfalls als Prostituierte in dem Saunaclub arbeitete und bereits am Mittwoch ausgesagt hatte.

Die Rumänin hatte erklärt, es habe keine verbindliche Preisliste in dem Bordell gegeben – und so den 56-jährigen Inhaber und dessen 59-jähriger Ehefrau entlastet. Immerhin spielt diese Liste mit Blick auf eine mögliche Scheinselbstständigkeit der Prostituierten eine wichtige Rolle. Nun aber sagten Finanzbeamtinnen, die am Mittwoch ebenfalls vor Ort waren, vor dem Landgericht aus, sie hätten verdächtige Unterhaltungen der Zeugin mit den Verteidigern und den Beschuldigten beobachtet. „Die Zeugin ist zielstrebig zur Angeklagten gelaufen und hat sie umarmt. Danach haben sie zusammen die Pause verbracht und sind zusammen wieder in den Saal gekommen“, sagte die Finanzbeamtin aus. Der Staatsanwalt Hendrik Timmer kündigte an, gegen die Verteidigung daher ein Strafverfahren wegen einer möglichen Anstiftung zur Falschaussage anzuregen.

Die Verteidiger des Betreiberehepaars reagierten empört. „Das Gespräch der Zeugin mit der Angeklagten war eines zwischen Arbeitskollegen“, sagte einer der Anwälte. Dass man gemeinsam gen Gerichtssaal gelaufen sei, sei allein darauf zurückzuführen, dass man „zur gleichen Zeit am gleichen Ort“ habe erscheinen müssen. Die Verteidigung entgegnete Hendrik Timmer wiederum, ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung anzuregen. Diesem sehe der Klever Staatsanwalt, so erklärte er, „mit Gelassenheit“ entgegen.

Nach dem hitzigen Zoff wollte der Vorsitzende Richter Christian Henckel weitere Zeugen vernehmen. Erneut waren geladene Prostituierte aber nicht erschienen. Deren Anschriften seien nicht mehr aktuell, das Einwohnermeldeamt habe ebenfalls nicht weiterhelfen können. Eine 29-jährige Prostituierte aus Wesel aber sagte aus. Die Deutsche, die mittlerweile als Integrationshelferin arbeitet, habe vor einigen Jahren „immer mal wieder“ in dem FKK-Club gearbeitet, wie sie schilderte. Zur Prostitution sei sie wie folgt gekommen: „Bei einer Party war ich immer ganz locker. Da dachte ich irgendwann: Das mache ich zu Geld.“

Auf das Etablissement „FKK van Goch“ sei sie durch eine Zeitungs-Anzeige gestoßen. Auch in München und Wien war sie im horizontalen Gewerbe tätig, an der Benzstraße nannte sie sich „Sarah“. Pro Tag, an dem sie in Goch gearbeitet habe, habe sie 30 Euro an die Betreiber habe zahlen müssen, um die Räumlichkeiten zu nutzen. „Die Preise habe ich aber mit den Kunden selbst verhandelt.“ Zwar habe es eine Preisliste im Saunaclub gegeben, diese hätten aber nur Mindestpreise ausgewiesen. „Ich habe meistens mehr genommen. Je nachdem, wie ich bei der Arbeit Gas gegeben habe“, sagte sie. Zwar habe es einen Plan gegeben, wann welche Dirne vor Ort sei. „Feste Zeiten waren das aber nicht. Und wenn ich nicht konnte oder verspätet war, habe ich nur aus Anstand Bescheid gegeben.“
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Prozess Tag 6
RP 26.08.2020
Rotlicht-Doku bei FKK-Prozess in Goch gezeigt

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Bei der Verhandlung um das „FKK van Goch“ ging es jetzt auch um eine TV-Show. Die RTL2-Sendung „Rotlichtexperten im Einsatz“ – eine Art Pseudodokumentation, die zwei Rotlichtexperten auf ihrer Mission, Bordelle zu optimieren, begleitete.

Die Wahrheitsfindung spielt in Strafprozessen eine zentrale Rolle. Weil die Offenlegung der Wahrheit aber nicht immer im Interesse aller Prozessbeteiligten ist, sind Versuche, die Wahrheit zu verzerren, in Gerichtssälen nichts Außergewöhnliches.

Selten aber dürften diese Wahrheitsverzerrungen derart plump ausfallen wie jene, die am Dienstag auf die Leinwand des Klever Landgerichtes projiziert wurden. Gezeigt wurden einige Ausschnitte der RTL2-Sendung „Rotlichtexperten im Einsatz“ – eine Art Pseudodokumentation, die zwei Rotlichtexperten auf ihrer Mission, Bordelle zu optimieren, begleitete.

Eine der Expertinnen sitzt auf der Anklagebank, als der Filmausschnitt im Gerichtssaal vorgeführt wird. Zusammen mit ihrem Ehemann ist die 59-Jährige angeklagt, weil sie als Betreiberin des Gocher Saunaclubs „FKK van Goch“ Steuer- und Sozialabgaben in Höhe von 1,9 Millionen Euro vorenthalten haben soll.

Der Ausschnitt zeigt die Angeklagte, wie sie Struktur in ein Gelsenkirchener Bordell bringt. Eine der angeblichen Angestellten des Bordells, Nina genannt, kommt zu spät zur Arbeit – und wird von der Rotlichtexpertin forsch nach Hause geschickt: „Die faulen Äpfel werden aussortiert. Und du bist hier ein fauler Apfel.“

Welche Rolle spielt diese RTL2-Sendung im Strafprozess, mag man sich fragen. Die Rotlichtexpertin und Angeklagte gibt in der Sendung auch Aufschluss darüber, wie sie den Betrieb des eigenen Bordells handhabt. Nicht uninteressant also mit Blick auf mögliche Scheinselbständigkeiten von Prostituierten in Goch.

Der Wahrheitsgehalt dieser Sendung ist jedoch – so stellt es zumindest die Verteidigung der FKK-Betreiber im laufenden Verfahren dar – äußerst untergeordnet. Dies bestätigte am Dienstag, wenngleich zähneknirschend, auch ein früherer Redakteur der Produktionsfirma, die für RTL 2 das Rotlichtformat drehte.

Als sogenanntes „Dokutainment“ bezeichnete der 27-jährige Kölner die Sendung im Zeugenstand. „Konstruierte Szenen“ seien in der RTL2-Sendung nicht unüblich gewesen. So tauchte er auch schon mal selbst als Bordellgast im Bademantel vor der Kamera auf. Auch die Bedienung von Klischees sei seitens des Senders erwartet worden – und ohne Drama sei es leider gar nicht gegangen, so der Zeuge. Ob das Rotlichtformat denn am Ende mehr Doku oder mehr Entertainment gewesen sei, wollte die Verteidigung wissen. „Das weiß ich nicht“, so der 27-Jährige. Die Verhandlung wird am Mittwoch um 9.30 Uhr fortgesetzt.
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Prozess Tag 7
RP 26.08.2020
Freier im Zeugenstand

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Im Prozess gegen das Betreiberehepaar des Saunaclubs sagten nun Kunden aus. Es ging vor allem darum, ob die Preise in dem Etablissement festgelegt waren.

Im Strafprozess gegen das Betreiberehepaar des Saunaclubs „FKK van Goch“ ist die Beweisaufnahme am Mittwoch fortgesetzt worden. Die Klever Staatsanwaltschaft wirft der 59-jährigen Frau und dem 56-jährigen Mann aus Gladbeck Steuerhinterziehung und das Vorenthalten von Sozialabgaben vor. Gesamtschaden laut Anklage: gut 1,9 Millionen Euro.

Als Zeugen erschienen am siebten Verhandlungstag zwei langjährige Besucher des Gocher Etablissements, die Aufschluss darüber geben sollten, wie die Abläufe und die Bezahlung im Club aussehen. Ein 55-jähriger Gocher erklärte, er habe pro Besuch 30 Euro Eintritt bezahlen müssen. Die Leistungen der Damen habe er extra vergüten müssen. Dass die Preise vom Club festgeschrieben waren – ein strittiger Punkt im Verfahren – verneinte der Zeuge. „Die Frauen hatten unterschiedliche Preise. Wenn eine meinte, sie sei was Besseres, wollte sie auch schon mal mehr. Da bin ich aber nicht drauf eingegangen“, erklärte der 55-Jährige. Zwar habe es eine Preisliste im Club gegeben. Die Frauen hätten aber nicht grundsätzlich auch diese Preise verlangt.

Von der großangelegten Razzia, die 2016 im Club an der Gocher Benzstraße durchgeführt wurde, hatte der Zeuge damals durch Freunde erfahren: „Ich bin ja Junggeselle, und von meinen Freunden weiß jeder, dass ich da hingehe. Nach der Razzia hieß es dann: ‚Hör ma, da kannse nicht mehr hingehen‘“. Doch er konnte, denn der Club setzte den Betrieb fort. Anfang dieses Jahres besuchte der 55-Jährige das Gocher Etablissement zuletzt – danach kam das coronabedingte Arbeitsverbot für Prostituierte.

Von festen Preisen im Saunaclub „FKK van Goch“ wusste auch der zweite Zeuge, ein 48-jähriger Klever, nichts. „Ich bin oft da gewesen, zwei oder drei Mal im Monat“, so der Zeuge. „Die Frauen haben nicht alle die gleichen Preise genommen. Sie konnten das selber entscheiden. Wenn die Frau hübsch war, wollte sie mehr und ich zahlte 120 oder 130 Euro für eine Stunde. Wenn sie nicht so gut aussah, nahm sie 80 Euro.“ Einmal habe eine Frau sogar nach dem Akt mit ihm auf die Bezahlung verzichtet. „Ich weiß auch nicht, warum“, so der 48-Jährige.

Für den Prozess vor der Wirtschaftsstrafkammer des Klever Landgerichtes sind noch weitere Termine vorgesehen. Die Verhandlung wird am Dienstag, 1. September, 9.30 Uhr, fortgesetzt.
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Prozess Tag 8
RP 09.09.2020
Prostituierte revidieren eigene Aussagen

Die Frauen machen es Staatsanwaltschaft und Kammer während der Verhandlung vor dem Landgericht schwer. Im Oktober wird der Prozess fortgesetzt.

Sie sei noch nie vor Gericht gewesen, wolle dort nicht sein – und auch nicht mehr wiederkommen. So erklärte sich am Dienstagmittag eine 29-jährige Rumänin, die als Zeugin im Prozess gegen das Betreiberehepaar des Saunaclubs „FKK van Goch“ an der Benzstraße gehört wurde. Im Raum steht der Vorwurf der Steuerhinterziehung und des Vorenthaltens von Sozialabgaben zwischen 2010 und 2016 in Höhe von 1,9 Millionen Euro.

Es ist mittlerweile ein Muster im Verfahren zu erkennen. Prostituierte, die früher in dem Etablissement tätig waren, wollen nun kaum mehr Details zur ihrer dortigen Arbeit preisgeben. Einem Vernehmungsprotokoll zu Folge soll die 29-jährige Rumänin gegenüber der Steuerfahndung nach der Razzia im September 2017 erklärt haben, es habe vorgeschriebene Preise, eine Kleiderordnung und ein Strafenkatalog für Vergehen gegeben. Davon will sie nun nichts mehr wissen. Zwar habe es eine Preisliste gegeben, bindend aber sei diese nicht gewesen. „Ich habe mich aber an die Liste gehalten. Das passte schon“, sagte die heute in Gelsenkirchen wohnhafte Prostituierte.

Vor drei Jahren soll die Frau den Beamten noch dargelegt haben, man habe Strafe zahlen müssen, wenn das Handy im Etablissement herumlag, zu viele Handtücher genutzt worden seien oder Rumänisch gesprochen worden sei. Auch eine Grüppchenbildung sei den Prostituierten streng untersagt gewesen. Die Arbeitszeiten seien außerdem von der Chefin vorgegeben worden, so das Vernehmungsprotokoll. Das würde darauf hinweisen, dass die Frauen angestellt und nicht, wie die Betreiber beteuern, selbständig tätig gewesen sein. All diese Angaben aus dem Protokoll aber seien falsch, sagte die Rumänin nun. Ihre Erklärung dafür: Der damals eingesetzte Dolmetscher habe sein Fach nicht beherrscht und völlig falsch übersetzt. „Es war so, dass ich zur Arbeit kommen und gehen konnte, wann immer ich wollte“, sagte die Zeugin aus. In den vergangenen Wochen waren mehrere Zeuginnen vor Gericht aufgetaucht, die versicherten, keine Erinnerung mehr an ihre Tätigkeit im „FKK van Goch“ zu haben. Ohnehin werde Verschwiegenheit in der Branche hoch angesehen, heißt es immer wieder von den Frauen.

Ein 52-jähriger Finanzbeamte berichtete dem Vorsitzenden Richter, er habe bei der Razzia 2017 ermittelt, dass es eine verbindliche Preisliste in dem Bordell gab. Für eine halbe Stunde Vergnügen hätten Freier 50 Euro zahlen müssen. Auch für alle weiteren Dienstleistungen, etwa Geschlechtsverkehr ohne Kondom, habe es feste Preise gegeben. Er könne sich zudem daran erinnern, dass die Prostiutierten am Erlös beteiligt worden seien, wenn sie an ihre Kunden Champagner verkauften. Der Prozess wird am Mittwoch, 7. Oktober, 9.30 Uhr fortgesetzt.
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Prozess Tag 9
NRZ 24.10.2020
Wende im Prozess um Saunaclub

Der Prozess um die ehemaligen Betreiber des Saunaclubs „FKK van Goch“ geht weiter. Die Anwälte der Angeklagten haben nun neue Zeugen aufgerufen.

Die Rechtsanwälte des angeklagten Betreiberehepaars des Saunaclubs „FKK van Goch“ an der Benzstraße in Goch haben ihre Hausaufgaben während der fünfwöchigen Prozesspause gemacht. Zum Wiederauftakt teilten die Verteidiger der Kammer mit, dass sie eine Vielzahl möglicher Zeugen ausfindig gemacht hätten und diese bereit seien, vor dem Landgericht auszusagen.

Im Raum steht weiterhin der Vorwurf der Steuerhinterziehung und des Vorenthaltens von Sozialabgaben zwischen 2010 und 2016 in Höhe von 1,9 Millionen Euro. Fraglich ist, ob die Prostituierten in dem bekannten Etablissement tatsächlich selbstständig tätig waren, wie die Beschuldigten beteuern.

Weitere Zeugen benannt

Mit der Nennung weiterer Zeugen könnte nun Bewegung in den bisher zähen Prozess kommen. Immerhin reagierten viele der osteuropäischen Prostituierten, die in dem Etablissement beschäftigt waren, bislang nicht auf die Vorladungen der Justiz. Das Gros der Ex-Mitarbeiterinnen, die vor Gericht aussagten, gaben wiederum vor, schwerwiegende Erinnerungslücken an ihre Zeit in dem Saunaclub in Goch zu haben. Zudem zogen Zeuginnen frühere Aussagen zurück, die die Angeklagten belastet hätten.

Einer der Rechtsanwälte stellte nun einen beispielhaften Arbeitsplan des Bordells aus dem Frühjahr 2016 vor. „Der Wochenplan beweist die Abweichung zwischen dem Arbeitsplan und der Realität in dem Betrieb“, sagte der Jurist. Prostituierte, die für eine Schicht ab 11 Uhr eingetragen gewesen seien, sollen demnach erst am Nachmittag erschienen sein. Andere seien gar nicht oder erst am Tag darauf aufgetaucht.

Offenbar hielten sich die Frauen also nicht oder nur selten an die eingetragenen Arbeitszeiten. Dies würde für ihre tatsächliche Selbstständigkeit sprechen. „Die Frauen haben ihre Arbeitszeit völlig frei nach Gutdünken gestaltet und dennoch den Eintrittspreis von 50 Euro bezahlt. Bei Abweichungen fanden keinerlei Sanktionierungen statt“, sagte der Rechtsanwalt.

Der Staatsanwalt entgegnete, dass es sich bei dem Arbeitsplan nur um einen geringen Ausschnitt der Wirklichkeit handele. „Sie haben sich viel Mühe gemacht, aber nicht beachtet, dass Strafgelder natürlich nicht in den Büchern auftauchen würden“, sagte er in Richtung der Verteidigung.

Der Prozess wird am Dienstag, 3. November, um 9.30 Uhr fortgesetzt.
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Prozess Tag 10
RP 11.11.2020
Prozess unterbrochen

Weil zwei Prozessbeteiligte Corona-Kontaktpersonen sind, wurde die Beweisaufnahme der Wirtschaftskammer beim Landgericht erneut unterbrochen.

Seit Mitte August muss sich das Betreiberehepaar des Gocher Saunaclubs „FKK van Goch“ vor dem Klever Landgericht verantworten. Die Klever Staatsanwaltschaft wirft den Gladbeckern (59 und 56 Jahre alt) Steuerhinterziehung und das Vorenthalten von Sozialabgaben vor.

Nach längerer Prozesspause sollte die Verhandlung eigentlich am Dienstag fortgesetzt werden. Doch das Coronavirus ließ die Fortsetzung platzen: Zwei Prozessbeteiligte erfuhren kurz vor Verhandlungsbeginn, dass sie unlängst Kontakt zu einer mittlerweile positiv auf COVID-19 getesteten Person hatten. Die beiden Prozessbeteiligten warteten daher außerhalb des Gerichts auf die Entscheidung des Vorsitzenden Richters der Wirtschaftsstrafkammer, wie damit umzugehen sei. Nach Rücksprache mit den anderen Prozessbeteiligten entschied der Vorsitzende, den Prozess an diesem Tag nicht fortzusetzen. Als möglicher Fortsetzungstermin wurde der 20. November genannt.

Zentrale Frage des Prozesses ist nach wie vor, ob die Prostituierten in dem bordell-ähnlichen Betrieb „FKK van Goch“ zwischen 2007 und 2016 selbständig tätig waren oder wie Angestellte arbeiteten. Laut den Angeklagten handelte es sich nicht nur auf dem Papier, sondern auch faktisch um selbstständig tätige Prostituierte. Die Staatsanwaltschaft hingegen sieht Scheinselbständigkeit. Der Abgabeschaden an Lohnsteuer, Umsatzsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen soll sich laut Anklage auf insgesamt fast zwei Millionen Euro belaufen.

Brach liegt aktuell nicht nur die Beweisaufnahme, sondern auch der Saunaclub selbst: „Aufgrund der neuen Coronaschutzverordnung NRW haben wir momentan geschlossen“, heißt es auf der Internetseite des Etablissements. Die Verordnung vom 30. Oktober besagt: „Der Betrieb von Bordellen, Prostitutionsstätten und ähnlichen Einrichtungen ist untersagt. Dies gilt auch für Swingerclubs und ähnliche Einrichtungen.“ Bereits im März war die Prostitution in NRW aufgrund der Pandemie untersagt worden. Das Oberverwaltungsgericht hatte das generelle Verbot allerdings Anfang September gekippt, woraufhin das Land Regeln für die Branche erließ. So mussten Prostituierte und Kunden während des sexuellen Kontaktes eine Maske tragen.
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Prozess Tag 11
RP 12.12.2020
Urteil im FKK-Prozess in Sicht

Die Befragungen der Prostituierten, die in dem Gocher Etablissement gearbeitet haben, bringen kaum neue Erkenntnisse. Daher machte die Kammer einen Verständigungsvorschlag. Freiheitsstrafen von unter zwei Jahren stehen im Raum.

Seit nunmehr dreieinhalb Monaten läuft der Prozess gegen das Betreiberehepaar des Saunaclubs „FKK van Goch“ vor dem Landgericht in Kleve. Die Staatsanwaltschaft wirft der 59-jährigen Frau und dem 56-jährigen Mann aus Gladbeck Steuerhinterziehung und das Vorenthalten von Sozialabgaben vor. Insgesamt soll ein Abgabeschaden in Höhe von fast zwei Millionen Euro entstanden sein. Die Beweisaufnahme erweist sich jedoch seit geraumer Zeit als zähe Angelegenheit.

Die zuvorderst osteuropäischen Prostituierten, die in dem Gocher Etablissement der Beschuldigten gearbeitet haben, wollen oder können als Zeugen vor Gericht kaum Angaben zu den Verhältnissen in dem Betrieb machen. Der Vorsitzende Richter befragte am Freitagvormittag erneut ehemalige Beschäftigte. Eine heute 34-jährige Theken-Kraft aus Gelsenkirchen gab an, nicht einmal mehr zu wissen, in welchem Zeitraum sie im „FKK van Goch“ gearbeitet habe: „Das weiß ich doch jetzt nicht mehr, vor ein paar Jahren eben.“ Ob es Anwesenheitslisten gegeben habe? „Kann ich mich nicht dran erinnern.“ Einen Arbeitsablaufplan? „Nie gesehen.“ Preislisten? „Keine Ahnung.“

Eine 31-jährige Ungarin knüpfte nahtlos an die Ausführungen an. Im Zeugenstand berichtete sie zwar, von 2012 bis 2014 in dem Saunaclub gearbeitet zu haben und die Preise mit ihren Freiern selbst ausgehandelt zu haben. Strafzahlungen für zu spätes Erscheinen habe sie nie zahlen müssen. Auch sei es nicht verboten gewesen, Kaugummi zu kauen oder das Handy zu nutzen. Allzu viel Konkretes aber berichtete sie nicht. Auf die Fragen, wie hoch der Eintritt für die Prostituierten, ihre Preise und ihr Verdienst an schlechten Tagen gewesen sei, antwortete die Krefelderin: „An Geld erinnere ich mich nicht.“ Das Muster dieser Befragungen ist seit Monaten erkennbar. Offenbar gehört es im Rotlicht-Milieu zum Berufsethos, über die Verhältnisse in den Bordellen zu schweigen.

Das aber macht die Beweisaufnahme für die Kammer schwer. Dabei steht im Prozess die Frage im Fokus, ob die Prostituierten tatsächlich als Selbständige im „FKK van Goch“ tätig waren, wie es die Beschuldigten beteuern. Wären sie stattdessen Arbeitnehmer, was die Staatsanwaltschaft vermutet, hätten für die Frauen in hohem Umfang Sozialabgaben gezahlt werden müssen. Der Vorsitzende Richter aber legte nun einen Verständigungsvorschlag vor, der ein Urteil in greifbare Nähe rücken dürfte. Die Anklage wegen des Vorenthaltens von Sozialabgaben könnte fallen gelassen werden. „Die Kammer sieht den Vorwurf als nicht sehr schwerwiegend an“, erklärte der Richter.

Stattdessen könne man sich, so sein Vorschlag, auf das Vorenthalten von Umsatzsteuern in Höhe von 290.000 Euro fokussieren. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Angeklagten für die Jahre 2010 bis 2014 Umsatzsteuerjahreserklärungen und für die Monate Januar 2015 bis April 2016 Umsatzsteuervoranmeldungen abgegeben haben, die mit der Realität des Betriebes nur wenig zu tun hatten. Die Staatsanwaltschaft stimmte dem Verständigungsvorschlag umgehend zu. Die Verteidiger der Angeklagten aber gaben an, noch Bedenkzeit zu benötigen. Gleichwohl aber betrachte man den Vorstoß als „eine wohlwollende Diskussionsgrundlage“, über die man nachdenken werde.

Die Verteidigung erkundigte sich, mit welchem Strafmaß die Kammer rechne. Der Vorsitzende Richter erklärte, dass die 59-jährige Angeklagte mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten rechnen müsse, da sie als Chefin des Etablissements in Erscheinung getreten war. Ihren Mann, der eher im Hintergrund agierte, erwartet voraussichtlich eine Freiheitsstrafe von einem Jahr. Am kommenden Freitag, 18. Dezember, geht die Verhandlung um 15 Uhr weiter. Bis dahin wollen die Verteidiger mitteilen, ob sie der Verständigung zustimmen. Mit den Plädoyers sowie einem Urteil im Gocher FKK-Prozess wird dann Anfang Januar gerechnet.
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Prozess Tag 12
RP 20.12.2020
Verteidiger im FKK-Prozess lehnen Verständigung ab

Der Prozess gegen das Betreiberehepaar des Gocher Saunaclubs „FKK van Goch“ vor dem Landgericht in Kleve schreitet nur langsam voran. Eine Verständigung lehnte die Verteidigung ab. Stattdessen soll die Kammer weitere Prostituierte anhören.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 59-jährigen Frau und dem 56-jährigen Mann aus Gladbeck unverändert Steuerhinterziehung und das Vorenthalten von Sozialabgaben vor. Insgesamt soll ein Abgabeschaden in Höhe von fast zwei Millionen Euro entstanden sein. In der vergangenen Woche aber hatte die Kammer einen Verständigungsvorschlag gemacht. Die Anklage wegen des Vorenthaltens von Sozialabgaben sollte demnach fallengelassen werden. Stattdessen könne man sich, so der Vorschlag, im weiteren Prozessverlauf auf das Vorenthalten von Umsatzsteuern in Höhe von 290.000 Euro fokussieren. So hätte ein Urteil in greifbare Nähe rücken können.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Vorschlag zugestimmt. Die Verteidigung der Angeklagten aber machte am Freitagnachmittag einen Strich durch die Rechnung. Die Verständigung lehne man ab, gleichwohl aber stünde man weiteren Rechtsgesprächen offen gegenüber. So wurde die Beweisaufnahme beim jüngsten Prozesstag fortgesetzt. Verlesen wurden die Vernehmungsprotokolle von bulgarischen Prostituierten, die in dem Etablissement vor einigen Jahren gearbeitet haben sollen. Allzu aufschlussreich aber waren deren Ausführungen nicht.

Seit Monaten steht die Frage im Fokus der Verhandlung, ob die im Thekenbereich des Saunaclubs ausgehängte Preisliste verbindlich gewesen ist. Sollte der Club die Preise für die sexuellen Dienstleistungen vorgegeben haben, wäre das ein Indiz, das gegen die Selbständigkeit der Frauen spricht, wie sie von den Saunaclub-Betreibern beteuert wird. „Die Preise habe ich von den anderen Frauen übernommen“, gab eine der bulgarischen Prostituierten zu Protokoll. Sie habe zügig viel Geld verdienen wollen, um schnellstmöglich wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Pro Tag habe sie bis zu sieben Kunden gehabt, am Wochenende mitunter noch mehr. So habe sie bis zu 1000 Euro in der Woche verdienen können.

„Ich habe das ganze Geld behalten, außer 50 Euro Eintritt“, heißt es in dem Vernehmungsprotokoll der Bulgarin. Diese Angabe könnte das beschuldigte Betreiberehepaar entlasten. Gleichwohl gab die Ex-Beschäftigte allerdings auch an, dass es für die mehrheitlich osteuropäischen Prostituierten einen Dienstplan im „FKK van Goch“ gegeben habe, der von den Theken-Kräften vor Wochenbeginn aufgestellt worden sei. Ein solcher Dienstplan würde wiederum darauf hinweisen, dass die Frauen nicht selbständig tätig waren.

Der Prozess vor dem Landgericht wird erst im neuen Jahr fortgesetzt. Am Freitag, 8. Januar, soll es um 9.30 Uhr weitergehen.
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Prozess Tag 13
NRZ 09.01.2021
Zeugin sieht Club-Betreiberin als Sauberfrau

Der Prozess gegen das Betreiberehepaar des Saunaclubs „FKK van Goch“ vor dem Landgericht Kleve stockt

Der Prozess gegen das Betreiberehepaar des Saunaclubs „FKK van Goch“ vor dem Landgericht Kleve stockt. Seit Mitte August sitzen die 59-jährige Frau und der 56-jährige Mann aus Gladbeck wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung und des Vorenthaltens von Sozialabgaben auf der Anklagebank in Kleve. Insgesamt soll ein Abgabeschaden in Höhe von fast zwei Millionen Euro entstanden sein, so die Staatsanwaltschaft.

Die Beweisaufnahme war eine zähe Angelegenheit

Nun aber dürfte Corona zu weiteren Verzögerungen führen. Einer der Rechtsanwälte der Beschuldigten legte der Kammer am Freitag ein ärztliches Attest vor, nachdem er vorerst aufgrund schwerer Vorerkrankungen nicht mehr an öffentlichen Hauptverhandlungen teilnehmen soll. Zu hoch sei das Risiko einer Ansteckung. Staatsanwaltschaft und Kammer stimmten zu, immerhin bestünde unverändert kein Zeitdruck. Die Zeit bis zum Frühjahr wolle die Staatsanwaltschaft nun nutzen, um weitere Zeuginnen aus dem Rotlicht- Milieu ausfindig zu machen. Viele der Osteuropäerinnen, die in dem Etablissement an der Gocher Benzstraße gearbeitet haben sollen, hatten in den vergangenen Monaten auf die Vorladungen des Gerichts nicht reagiert, Adressdaten liegen nciht vor. So war die Beweisaufnahme eine zähe Angelegenheit.

„Wir könnten nun Fahndungen einleiten“, erklärte der Staatsanwalt.Allerdings sagte nun noch eine 41-jährige Frau aus Bielefeld als Zeugin aus, die vor einigen Jahren als Thekenkraft im „FKK van Goch“ tätig gewesen ist – und bis heute einen ausgezeichneten Eindruck von der 59-jährigen Chefin des Hauses habe: „Sie war die erste, bei der ich einen richtigen Arbeitsvertrag bekam. Und sie war die erste, die mir meinen Lohn aufs Konto und nicht bar ausgezahlt hat. Ich habe sogar mit ihr gegessen, es herrschte eine familiäre Atmosphäre.“ Auch könne sie sich nicht daran erinnern, dass es Strafzahlungen bei Fehlverhalten der Prostituierten gegeben habe. Solche Zahlungen würden dafür sprechen, dass die Frauen als angestellte Prostituierte gearbeitet haben – und eben nicht als Freiberuflerinnen.

Man muss wissen, dass die Ostblock-Damen ein anderes Benehmen an den Tag legen als die Deutschen

Wohl aber könne sich die 41-Jährige rückblickend vorstellen, dass es ein Handyverbot in dem Saunaclub gegeben habe. Sicher könne sie das aber nicht sagen. Doch auch ein solches Verbot sei aus ihrer Sicht durchaus nachvollziehbar: „Man muss wissen, dass die Ostblock-Damen ein anderes Benehmen an den Tag legen als die Deutschen. Da kann ich mir schon vorstellen, dass die Chefin mal gesagt hat, ,jetzt pack dein Handy weg.´“ Ein Handyverbot könnte ein Indiz dafür sein, dass die Frauen, anders als von den Beschuldigten beteuert, nicht als Selbststdige aktiv waren.

Licht ins Dunkel könnten diesbezüglich weitere Ex-Prostituierte bringen. Bis sie als Zeugin in Erscheinung treten, dürften aber erneut einige Wochen vergehen.
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Prozess Tag 14
RP 26.03.2021
Bordellbetreiber aus Goch könnten mit Bewährungsstrafen davonkommen

Die Kammer hat im viel beachteten FKK-Prozess einen Verständigungsvorschlag ins Spiel gebracht, mit dem sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung in den kommenden Tagen auseinandersetzen sollen.

Abermals scheint es so, als stünde der seit August laufende Prozess gegen das Betreiberehepaar des Gocher Saunaclubs „FKK van Goch“ vor dem Abschluss. Erneut hat die Kammer des Landgerichts Kleve am Freitagnachmittag einen Verständigungsvorschlag ins Spiel gebracht, mit dem sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung in den kommenden Tagen auseinandersetzen sollen.

Zum Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft wirft der 59-jährigen Frau und dem 56-jährigen Mann aus Gladbeck Steuerhinterziehung und das Vorenthalten von Sozialabgaben vor. Insgesamt soll ein Abgabeschaden in Höhe von fast zwei Millionen Euro entstanden sein. In den vergangenen Monaten waren immer wieder osteuropäische Prostituierte vernommen worden, die über den Alltag im „FKK van Goch“ berichteten – und die Beschuldigten überwiegend entlasteten.

Dennoch avancierte der Prozess, der seit Mitte Januar pausiert hatte, zu einer Hängepartie. Und zwar auch deshalb, weil viele der Prostituierten schlichtweg nicht ausfindig zu machen sind. Der Verständigungsvorschlag sieht nun vor, dass der Vorwurf der Lohnsteuerhinterziehung sowie des Vorenthaltens von Arbeitsentgelt fallen gelassen werden. So stünde nur noch die Umsatzsteuerhinterziehung in Höhe von 288.000 Euro im Raum. Auch die Freiheitsstrafen könnten, wenn es zu der Verständigung käme, vergleichsweise mild ausfallen: Der 59-jährigen Frau, die als Chefin des Etablissements in Erscheinung getreten ist, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr und sieben Monaten auf Bewährung. Ihr Mann muss mit bis zu einem Jahr und drei Monaten rechnen. „Wir halten den Schuldvorwurf für nicht so schwerwiegend“, sagte der Vorsitzende Richter. Zudem würde die Kammer nicht davon ausgehen, dass bei der Vernehmung weiterer Zeugen Erhellendes zu Tage tritt. Außerdem halte man es nicht für zwingend notwendig, die streitige Frage zu beantworten, ob die Prostituierten nun tatsächlich selbständig in dem Bordell tätig oder angestellt waren.

Die Verteidigung echauffierte sich abermals darüber, dass Akten von Umsatzsteuererklärungen bei der Staatsanwaltschaft verschwunden sind. „Für die Berechnungen der Verteidigung würden diese Zahlen aber natürlich eine gewichtige Rolle spielen“, sagte einer der Rechtsanwälte. Die Staatsanwältin entschuldigte sich dafür, dass die Unterlagen bislang nicht aufgetaucht sind. Dennoch mahnte sie die Verteidigung, die in der Vergangenheit schon Verständigungsvorschläge zurückgewiesen hat, zu einer schnellen Entscheidungsfindung. „Wenn wir weiter so machen, ist die Bereitschaft der Staatsanwaltschaft irgendwann nicht mehr so groß, einer Verständigung zuzustimmen“, sagte sie. Die Verhandlung soll Mitte April fortgesetzt werden.
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Prozess Tag 15
NRZ 28.04.2021
Urteil im Steuerprozess um den FFK-Club van Goch

Bordellchefs müssen 200.000 Euro nachzahlen beziehungsweise den gleichen Wert erstatten. Berücksichtigt wurden die Steuerjahre 2013 bis 2016.

Das Urteil im Gerichtsverfahren gegen den Bordellbetrieb „FKK van Goch“ in Goch ist gefällt. Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Kleve hat die beiden Angeklagten wegen Umsatzsteuerhinterziehung in 18 Fällen verurteilt.

Für die 60-jährige Frau wurde Vorverurteilung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten mit einberechnet, beim den 57-jährigen Mann eine solche Strafe von elf Monaten. Darüber hinaus wurde gegen beide Angeklagten angeordnet, dass der „Wert von Taterträgen“ in Höhe von gut 200.000 Euro als Gesamtschuldner eingezogen werde.

Die Anklagevorwürfe wurden zusammengefasst beschränkt: Untersucht wurde demnach der Zeitraum 2013 bis Frühjahr 2016. Nach den Feststellungen der Kammer sollen die beiden Angeklagten in der Zeit Umsatzsteuern in Höhe von rund 200.000 Euro hinterzogen haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Beide Angeklagte können binnen einer Woche Revision zum Bundesgerichtshof einlegen.
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RP 15.07.2022
Bundesgerichtshof spricht Angeklagte in Bordell-Prozess frei

Der Bundesgerichtshof hat das Urteil des Landgerichts Kleve gegen das Betreiberehepaar des Saunaclubs „FKK van Goch“ aufgehoben - eine echte Überraschung. Wie das Gericht seine Entscheidung begründet.

Die Staatsanwaltschaft hatte der 62-jährigen Frau und dem 61-jährigen Mann aus Gladbeck Steuerhinterziehung und das Vorenthalten von Sozialabgaben vorgeworfen. Insgesamt soll ein Abgabeschaden in Höhe von fast zwei Millionen Euro entstanden sein. Fraglich war insbesondere, ob die Prostituierten an der Gocher Benzstraße als Angestellte oder selbständig tätig waren. Für die Richter in Kleve aber war die Sachlage klar: Die Wirtschaftsstrafkammer hatte die beiden Angeklagten im Frühjahr 2021 wegen Umsatzsteuerhinterziehung in 18 Fällen für schuldig befunden und verurteilt. Die Frau, die als Betreiberin des Etablissements in Erscheinung trat, wurde unter Einbeziehung einer Vorverurteilung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt, der 57-jährige Mann zu einer solchen von elf Monaten.

Die Richter in Karlsruhe sehen es jedoch nicht als erwiesen an, dass die Prostituierten in einem arbeitnehmerähnlichen Verhältnis beschäftigt waren. Der Grund: Die Preise – wenngleich die meisten einheitlich waren – durften die Frauen wohl selbst bestimmen. Viele der Mitarbeiterinnen, die teils auch vor Gericht als Zeuginnen aussagten, gaben zudem an, auch außerhalb des Klubs tätig geworden zu sein. Immer wieder war vor dem Landgericht Kleve ins Feld geführt worden, dass es Dienstpläne gegeben habe, in die die Damen eingeteilt wurden. Zudem soll es Strafzahlungen gegeben haben, wenn sich Prostituierte nicht an Hausregeln hielten, etwa mit Blick auf die Handynutzung im Barbereich. Beweise dafür, dass damit verbundene Strafzahlungen tatsächlich eingefordert wurden, lagen aber nicht vor.

Noch offen ist unterdessen, in welcher Höhe die beiden Beschuldigten von der öffentlichen Hand entschädigt werden. Die Festsetzung obliegt wiederum dem Landgericht Kleve.
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Wegen Notwehr Verurteilt

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NRZ 24.10.2017
Angestellte und Betreiberin des FKK van Goch verurteilt

Weil sie einen Randalierer verprügelten, verurteilte das Amtsgericht Kleve zwei Angestellte und die Betreiberin des Saunaclubs FKK van Goch.

Der Saunaclub FKK van Goch wirbt damit, auf „ca. 3500 qm Entspannung und Erotik pur“ zu bieten. Das weitläufige Areal an der Benzstraße sei „die absolute Top-Adresse für den Herrn mit Stil und Klasse“. Der Club habe „Maßstäbe gesetzt“ und sei sogar mit einem „Qualitätssiegel“ ausgezeichnet worden. Die Vorgänge, die nun vor dem Klever Amtsgericht verhandelt wurden, passen allerdings so gar nicht in dieses exklusive Bild eines niveauvollen Etablissements, das sich der Triebbefriedigung verschrieben hat.

Razzia vor einem Monat

Angeklagt waren die Betreiberin Ulla O. (56), die sich im Privatfernsehen als „Bordell-Testerin“ einen gewissen Ruf erarbeitet hat, sowie der Koch Klaus K. (61) und das für die Sicherheit zuständige Muskelpaket Marco P. (42). Der Vorwurf: schwere Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

Gleich zwei Staatsanwälte erschienen im Schöffengerichtssaal der Schwanenburg: Neben dem Juristen, der sich mit den Handgreiflichkeiten beschäftigte, auch Hendrik Timmer, der in einem anderen Verfahren wegen Steuervergehen gegen die Betreiber ermittelt und der erst vor vier Wochen bei einer Razzia kistenweise Wertgegenstände aus dem Bordell beschlagnahmen ließ.

Das Geschehen, über das Richter Bernhard Reekers jetzt zu urteilen hatte, war allerdings weit profaner als die üblicherweise langwierigen und diffizilen Steuerermittlungen – gleichwohl kann ausgerechnet diese Schlägerei vom 28. Februar des vergangenen Jahres dazu führen, dass dem Gewerbe in der Benzstraße der Boden unter den Füßen weggezogen wird.

Mit dem Taxi 60 Kilometer weit nach Goch

Was aber war geschehen? An dem fraglichen Sonntagnachmittag erschien Chemiearbeiter Sebastian W., damals 32 Jahre alt, im Eingangsbereich des Clubs und verlangte, seine dort arbeitende Freundin zu sprechen. Vor Gericht sagte er, er habe tags zuvor „Stress“ mit ihr gehabt, den er zu klären gedachte. Also habe er eine Flasche Wodka getrunken und sich per Taxi in das 60 Kilometer von seinem Wohnort entfernte Bordell chauffieren lassen. Zur Sicherheit steckte er sich noch einen Teleskop-Totschläger in die Hosentasche.

Das klärende Gespräch kam nicht zu Stande, stattdessen sorgten zunächst der herbeigerufene Koch und dann der Türsteher dafür, dass die Situation nicht eskalierte und der Mann mehr oder minder sanft wieder nach draußen befördert wurde.

An der frischen Luft krakeelte der Mann, sicherlich kein Vertreter der Kategorie „mit Stil und Klasse“, weiter. Das führte dazu, dass auch die beiden Mitarbeiter sowie später die Chefin und deren Mann (gegen ihn läuft ein gesondertes Verfahren) vor die Tür traten und für Ruhe sorgten. Wie genau dies geschah, blieb etwas diffus.

Gemeinschaftliche Körperverletzung

Am wahrscheinlichsten erschien es, dass der Mann der Bordellbetreiberin dem Opfer mit einem Baseballschläger auf die Beine schlug, das Muskelpaket und der Koch sich auf ihn warfen und noch ein bisschen hinterher schlugen, und schließlich die Betreiberin Pfefferspray einsetzte und half, den am Boden liegenden Chemiearbeiter mit Kabelbinder zu fixieren, bis die Polizei eintraf.

Der Staatsanwalt wertete das robuste Vorgehen als gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung, die drei Angeklagten hingegen erschienen ob der Vorwürfe geradezu fassungslos. „Ich bin Koch von Beruf – und kein Schläger“, sagte K., der zudem wortreich auf eine schwere Erkrankung hinwies, die seine Lebenserwartung stark einschränke. „Ich finde es eine Dreistigkeit, mir so was vorzuhalten. Ich habe einen Blutdruck von 200.“ Dann musste die Verhandlung unterbrochen werden, damit der Angeklagte seinen Blutzuckerwert messen konnte.

Für Marco P., den Sicherheitsmitarbeiter, stellte sich die Situation als eine „kleine Rangelei“ dar – „er mit dem Totschläger, ich mit der Stabtaschenlampe“. Das Gericht allerdings wertete nach der Vernehmung einiger Zeugen die „kleine Rangelei“ als Körperverletzung und verurteilte alle drei wegen Körperverletzung, blieb bei dem Strafmaß allerdings unter den Anträgen der Ankläger. Der Türsteher erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, der Koch eine von neun Monaten, die beide zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Konzession ist gefährdet

Ulla O., die sich selbst vor Gericht nur als „kaufmännische Angestellte“ des Betriebs bezeichnete und ihr Monatsgehalt mit 1235 Euro bezifferte (das nahm ihr das Gericht allerdings nicht ab), wurde zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 100 Euro verurteilt.

Das könnte die Unternehmerin angesichts ihres über lange Jahre boomenden Betriebs verschmerzen. Erst vor drei Jahren hatte die Unternehmerin die Betriebsfläche des FKK van Goch mehr als verdoppelt, nachdem sie die angrenzende Immobilie des Gocher CDU-Politikers Josef Thonnet erworben hatte.

Allerdings könnte die Verurteilung das Ende ihrer Karriere als Bordellwirtin bedeuten: Das Prostituiertenschutzgesetz verlangt von Bordellbetreibern eine „Zuverlässigkeit“ – und die ist laut Gesetz nicht gegeben, wenn eine Verurteilung wegen Körperverletzung vorliegt.
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Reportage: Sex Gegen Geld
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